Warum lehren sie sich nicht gegenseitig Kompensationstechniken? Warum schmeißen sie nicht gemeinsam Steine an die Wand, gehen mit den Baseballschläger zum Schrottplatz und fragen nach einer alten Unfallkarossie, warum machen sie kein Holz mit dem Beil, was auch immer. Mann bekommt das kanalisiert, Mann muss es nur wollen.
Natürlich bekommt man(n) das hin. Es gibt ja auch genug Männer, die ihre Aggressionen im Griff haben bzw. es schaffen, diese harmlos oder sogar nutzbringend zu steuern. Das eigentliche Problem entsteht ja überhaupt erst dann, wenn Männer nichts zu tun und dann sowohl zu viel überschüssige Energie als auch das Gefühl haben, nichts wert zu sein.
Um es mal in ein Bild zu kleiden: Selbst der Klassiker, dann einfach mal Holz zu hacken, funktioniert nur dann, wenn auch Holz zum Hacken vorhanden ist und das gehackte Holz willkommen ist. Für den städtischen Bürohengst als Kandidat für die Ausübung häuslicher Gewalt, ist das keine oder doch zumindest eine schwache Lösung, weil das Problem tiefer sitzt.
Wenn aber stattdessen rechtsradikale Hetzer die gesamte Aggressivität auf eine Gruppe lenkt, dann passiert, was wir erleben.
Nicht zu vergessen: Angst. Was da konstruiert wird, ist ja eher ein "Die oder wir!"-Gefühl als ein "Das ist wie Holzhacken!"-Trend.
Gruppenverhalten ist ohnehin noch einmal weiter gefasst zu betrachten als männliche Aggression allein.
Um dein Beispiel aufzugreifen: Nazi-Bräute attackieren nur selten selbst, feuern jedoch mit vergleichbarer Intensität ihre Männer an, wenn Migranten zusammengeschlagen oder Flüchtlingsheime brennen - ein atavistisches Muster, so alt wie die Menschheit selbst. (Nun gut, heutzutage werden dabei seltener die primären und sekundären Geschlechtsteile zur Motivation präsentiert, aber du verstehst sicher, was ich meine.)
Wer muss daran arbeiten? Frauen? Kinder? Alte? Flüchtlinge? Oder doch M Ä N N E R? Und zwar jeder, der eine ganz aktiv an sich, der andere, und das ist die überwiegende Mehrheit, sollte mäßigend auf seine Freunde einwirken. Das hilft.
Sicherlich ist es nötig, dass man an sich selbst und innerhalb seiner Peer-Group an dem Problem arbeitet, aber in einer Gesellschaft greift das zu kurz.
Das ist dasselbe, als wenn man(n) von Frauen verlangt, sie sollen gefälligst an sich selbst oder mit Hilfe ihrer Freundinnen daran arbeiten, sich besser durchzusetzen und mit dieser Begründung eine umfassende Mitwirkung ablehnt, wenn es um die Abkehr von evolutionären Mechanismen und Jahrtausende alter Sozialisation geht, welche inzwischen obsolet sind. Es sind *alle* gefragt, wenn man etwas ändern will.
Man darf hier einfach nicht den Fehler machen, nicht zwischen Ursache und Ausprägung zu unterscheiden. Die "männliche Disposition", wenn ich es einmal so nennen darf, ist zwar eher offensiv und damit tendenziell schädlicher für Dritte, aber die Ursache ist dieselbe wie bei der "weiblichen Disposition". Und gleiche Ursachen erfordern gleiche Lösungen, ungeachtet dessen, was sie verursachen.
Wenn auf einem schnell überfrorenen Straßenabschnitt die einen Autofahrer ständig Zusammenstöße produzieren und die anderen "nur" selbst im Straßengraben landen, ist zwar jede/r aufgerufen, an seiner individuellen Fahrweise zu arbeiten, das zentrale Problem ist aber trotzdem die zugefrorene Straße. Diese wird vom Streudienst behandelt, nicht die Verkehrsteilnehmer. Aber diese unterhalten als
Gemeinschaft einen Streudienst.