Ich rede nicht von Wild West Zeiten. Damit ist der Rest der Ausführungen Makulatur.
Es gab Zeiten, nach der großen Verteilung des Westens, in denen das Land erst industrialisiert und in dessen Folge wirtschaftlich auch groß wurde. Dann kam die Delle Ende der 1920er Jahre und ab Mitte der 1930er Jahre wieder der Aufschwung, was nach WWII zu globalen wirtschaftlichen Dominanz führte. Das waren alles entweder noch Migranten oder später die ersten Generationen danach.
Ähm, einfach nur nein?
Einwanderung in die USA:
de.wikipedia.org
Sieht man mal davon ab das der Zusammenbruch des Ostblock 1990 /91 noch einmal für einen drastischen Außreißer in der Einwanderung führte, war die Migration eben zu der von mir angesprochenen Zeit mit großen Abstand am stärksten, zwischen 1880 und 1920, also die Zeit in der die USA den mittleren Westen besiedelt haben und die Industriealisierung ihren Höhepunkt erreichte. Entsprechend sind meine Ausführungen auch nicht "Makulatur".
Im Anschluss, mit der Weltwirtschaftskrise und Zweiten Weltkrieg hat die Migration einen Tiefpunkt erreicht, stieg dann ab den 1950er Jahren wieder an, was vor allen die ersten Jahrzehnte Nachwirkungen der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg waren, sowie aus dem durch die UDSSR besetzten Osteuropa.
Zwischen 1950 bis etwa Anfang der 1970er Jahre gab es auch nochmal einen neuen Schub beim Bedarf an Arbeitskräften in den USA, was daher ruhte das mit dem Kalten Krieg und der Blockbildung, sich das Gefüge der Weltwirtschaft fundamental verschob und alte Marktanteile neu verteilt wurden, sowie neue, durch technischen Fortschritt und allgemein steigenden Wohlstand (Verbreitung des PKW, Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher, ect. pp.) entstand. Ab spätestens den 1980er Jahren aber war der Bearf im Grunde weitestgehend gedeckt, der Markt gesättigt, neue Märkte nicht (durch die Blockbildung) erschließbar und zunehmende Automtisierung (Fertigungsroboter und aufkommende Computertechnik) fing an den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft in der Fertigung und Dienstleistung kontinuierlich zu senken, während der Dienstleistungssektor sich immer mehr weg vom kleinen Einzelhandel und Einzelanbietern hin zu Konzernstrukturen entwickelte.
Das äußerste sich nicht zuletzt auch dadrin das die Märkte im Westen zwischen 1980 und 1989 anfingen zunehmend zu stagnieren und drohten in eine Rezession zu rutschen (was den Neo-Liberalen überhaupt erst zu Gehör verhalf).
Der Zusammenbruch des Ostblock war da das Beste was der Wirtschaft im Westen passieren konnte, war dadurch plötzlich ein neuer Markt mit mehreren mehreren hundert Millionen Kunden da, sowie der Zugang zu deutlich billigeren aber sehr qualifizierten Arbeitskräften.
Das führte dann auch nach 1990 zunehmend dazu das die Industrie ostwärts wanderte.
Ersetzt wurden diese wegfallenden Stellen aber oft nur durch schlechter bezahlte Arbeit im Dienstleistungsbereich und nur in wesentlich geringen Maße durch gut bezahlte Arbeit in hochqualifizierten Arbeitsbereichen (wie der Computer- / Softwareindustrie, ect.).
Ab den 1970er Jahren kommt dann noch hinzu das sich die Einwanderungsgruppe sich veränderte (sieht man wie gesagt vom Ausreißer um 1990 ab).
Waren es vorher vor allen Europäer die in die USA einwanderten, waren es ab da zunehmend Migranten aus Mittel- und Lateinamerikanischen Ländern, meist aus solchen wo schwache Wirtschaft (oft weil nur Rohstoffexporteure und nicht mehr relevant, z.B. weil die Nachfrage nach Schwefel nachhaltig sank, oder unter zunehmenden Konkurenzdruck in der Landwirtschaft) und zunehmender Einfluss von Drogenkartellen und anderen Kriminellen die wirtschaftlichen Perspektiven drückten und man daher sein heil im "American Dream" suchte.
Seitdem geht es hüben wie drüben mit der Mittelschicht dem Ende entgegen. Was die wie wir brauchen ist etwas, was diesen Unsinn beendet.
Die US-Mittelschicht ging im Grunde ab dem Moment ihrem Ende entgegen ab dem ihre Industrie-Arbeitsplätze aus den USA abgewandert sind und sie vom relativ gut bezahlten Industriearbeiter zum schlecht bezahlten Arbeiter im Dienstleistungssektor wurde, weil sie schon immer auf viel zu großen Fuß / Pump lebte.
Also im Grunde geht die US-Mittelschicht spätestens seit 1989 zugrunde, seit der Ostblock zusammengebrochen ist.
Aber das ist keine Migrationssache.
Es ist auch eine Migrationssache, aber eben nicht nur.
Es ist weder nur das eine, noch nur das andere.
Wie bei allen komplexen Problemen ist es eben fast immer eine Kombination aus mehreren ineinandergreifenden Faktoren und du wirst sie weder gelöst bekommen indem du völlig paranoid jedweilige Migration komplett blockieren willst (was sowieso nicht geht), noch indem du US-Fahne schwenkend rufst, "absolutly everybody is welcome".
Das Problem ist unser die letzten Jahrzehnte geprägtes Verständnis von Wohlstand und kapitalistisher Wirtschaft, was zu lösen ist, weil das beruht auf einem Verständnis was nicht mehr (für eine breitere Masse) funktioniert und vielleicht auch nur einige Jahrzehnte deshalb funktioniert hat weil es den Ostblock überhaupt gegeben hat und somit eine faktische wirtschaftliche Zweiteilung der Welt und Absatzmärkte.
Wir müssen weg von dem Gedanken das nur Dividenden von mindestens 10% aufwärts erstrebenswert sind, wir müssen endlich weg davon das es das Ideal ist ein Multimillionenvermögen zu besitzen und dieses nur noch passiv für große Erträge arbeiten zu lassen und wir müssen weg davon das solche Dinge wie schlecht reparierbare Produkte (wie Elektronik, ect), die dann alle Nase lang gegen neuen Schrott getauscht wird sinnvoll sind.
Das heißt nicht das wir den Kapitalismus und die Gewinne abschaffen müssen, aber wir müssen mindestens kapitalistisch nachhaltiger werden, Firmen also lernen mit ihren Gewinnen länger auszukommen, weil Produkte länger halten und seltener gekauft werden müssen.
Und vor allen müssen wir uns Gedanken dadrüber machen das es bei seit Jahrzehnten immer stärker zunehmender Automatisierung nicht die Lösung sein kann wegfallende Jobs durch schlechter bezahlte Jobs zu ersetzen, sowie wie man menschliche Arbeitskraft, die durch automatisierte Arbeitskraft ersetzt wird gerecht besteuert.
Seit Jahrzehnten steigern Firmen inzwischen ihre Umsätze und Gewinne durch Automatisierung und damit einhergehender Rationalisierung der Arbeitskosten, ohne das ihre Gewinne aber entsprechend besteuert worden wären.
Und vieles mehr...
Kurz um, es gibt im Grunde unfassbar viele Punkte die dringend angegangen werden müssten, aber niemand will da rangehen, auch weil eben sehr oft in den USA die an den Schalthebeln der Macht sitzen die vom bestehenden System die letzten Jahrzehnte gut gelebt haben und so lange wie nur irgend möglich weiter den Status Quo beibehalten möchten.
Also wird soviel wie nötig angestoßen und so wenig wie nur irgend möglich und die Schuld für das was nicht angegangen wird, oder wo es brennt und niemand wirklich löschen möchte, dem politischen Gegner in die Schuhe geschoben.
Am Ende aber zündeln beide politischen Enden aber im selben Maß, nur die einen direkt radikaler, die anderen mit etwas mehr oberflächlicher "Menschlichkeit".