Sehe ich anders. Die Frau hat keine demokratische Legitimation durch Vorwahlen (ja, das ist in den USA durchaus wichtig) und dürfte als PoC/Frau auch nicht allzu große Chancen in den Swing States haben. Dazu kommt Trumps Märtyrer-Status und die wirklich guten Reden auf dem Republikaner Parteitag.
Biden/Harris sind als Team in die Vorwahlen gegangen. Ich glaube, im Gegensatz zu dir, zwar nicht, dass die Vorwahlen eine große Rolle bei den Wählern spielen werden. Aber wenn, dann ist Harris die einzige Demokratin, die überhaupt in dieser Hinsicht punkten kann. Das viel größere Problem von Harris: Sie ist auch Mitglied der aktuellen Regierung undzwar das weniger charismatische. Bis zum verpatzten Duell lag sie afaik in sämtlichen Umfragen klar hinter Biden (der schon zu schlecht lag) und man kann ihr alle Fehler anhängen, die die Regierung Biden begangen hat oder noch begehen wird. Das ist ein massiver Nachteil wenn es darum geht, den Muff Bidens loszuwerden und einen frischen Kandidaten zu präsentieren.
Umgekehrt hat sie durch das Teaming aber einen Vorteil, den man kaum überbewerten kann: Geld. Harris kann als einzige direkt auf die Biden-Harris Wahlkampfkasse zugreifen. Ehe irgend ein anderer Kandidat irgendwas auch nur starten könnte, müsste man erstmal die Großspender von ihm überzeugen. Und das wird ohne Konsens unmöglich sein, weil jeder eine andere Notlösung bevorzugt und die Demokraten so schnell auch keinen Einheitskandidaten nominiert kriegen. Erst recht nicht basisdemokratisch.
=> Wenn Harris nicht ihrerseits zurücktritt (z.B. zugunsten eines wirklich aussichtsreichen Kandidaten, wer auch immer das sein soll), würde ich sie als gesetzt sehen. Nicht zwingend als Präsidentschaftskandidat, aber weiterhin als Vize im Team von wer-auch-immer. Die einzige Alternative wäre gar kein Wahlkampf über 1-2 Monate. Und das könnten sich die Demokraten nicht einmal dann leisten, wenn sie keinen neuen Kandidaten von 0 neu aufbauen müssten. Müssen sie aber.
Hillary war mit ihrem doch übertriebenen Ehrgeiz und Machtanspruch nicht sonderlich beliebt.
Da die letzten Monate eigentlich in allen Umfragen in den USA bei den wichtigen Wechselwählern das Alter und Zustand der Kandidaten eine Hauptrolle gespielt hat und Trump ausschließlich nur profitiert hat, weil Biden eine schlechte Figur gemacht hat, warten wir mal ab, was sehr viel jüngere, energiegeladene und wortgewandtere demokratische Kandidaten erreichen können.
Das Problem ist halt, dass die politischen Masterminds bei den Demokraten durchgängig so alt sind. Clinton, Biden, Sanders als dessen Gegner - von der A-Riege ist Hillary trotz allem geeignetste. Bei ihren bisherigen Auftritten wirkte sie auch fit genug, sodass keine handfesten Argumente in der Hinsicht gegen sie sprechen und vor repulikanischen Anfeindungen deswegen ist sie ohnehin sicher, da Trump 9 Monate älter ist.
Das einzige, was imho gegen Clinton spricht, ist die Kombination mit dem was ich weiter oben geschrieben habe: Mit Harris ist schon eine Frau weitestgehend gesetzt. Und eine weibliche Doppelspitze? Neeeeeeee. Das versuchen nicht mal die Grünen

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Die Republikaner/Trump hat eine Kampgane voll ausgerichtet auf Joe Biden und seine altersgemäßen Schwächen, die ist nun hinfällig und sie müssen sich neu orientieren.
Die Republikaner-Kampagne stützt sich auf 2-3 Populismen über Biden. Auch wenn der jetzt eingesehen hat, dass er tatsächlich zu alt wird, haben die Republikaner vor allem Details über Sachen hergezogen, die wenig mit der Regierungstauglichkeit zu tun haben. Sowas können sie auch mit jedem anderen Kandidaten tun. Als Bonus käme noch hinzu, dass man bei jedem Kandidaten, der ähnlich ist titeln kann "das gleiche, nur B-Ware" und bei jedem, der anders ist, dessen Schwächen gegenüber Biden als "noch schlechter" herausarbeiten. Loose-loose-Situation für die Demokraten was den republikanischen Populismus angeht. Das ist es fast schon ein Glücksfall, dass die Seit dem Attentat auf den "von Gott gewählten" umschwenken und sich gar nicht mehr um demokratische Kandidaten kümmern. Da hat eher die demokratische "alles, bloß nicht Trump"-Kampagne jetzt ein gestiegenes Problem, während die Repulikaner zumindest einen kleinen Teil "gegen die Politik von
Biden und seinen Demokraten" geflamed haben.
Die Wirtschaft brummt in den USA hier bieten die Demokraten sehr wenig Angriffsfläche, insoweit werden sich beide "Parteien" in den nächsten Tagen neu sortieren, die Demokraten müssen alles neu Drucken für den oder die neue Kandidaten oder Kandidatin und Trumps Wahlkampfteam muss sich auf ein völlig neues Gegener Duo einstellen, denen sie altermäßig nicht ans Zeug flicken können!
Vom wirtschaftlichen Aufschwung in den USA merkt die breite Masse noch viel zu wenig, damit kann man weiterhin mobilisieren. Im Prinzip ist Wirtschaft immer ein dankbares Oppositions-Thema. Am Anfang eines Aufschungs kannst du mit "es geht seit Ewigkeiten schlecht" ankommen, in der Mitte eines Aufschwungs mit "ein paar Indizies sagen nichts, es geht den Leuten noch viel zu schlecht", am Ende eines Aufschungs mit "alle Indizes stehen auf Flaute" - und während eines Abschwungs ist sowieso alles klar. Aber dass sich die breite Mehrheit hinstellt und sagt "uns geht es gut und das dürfte die nächsten Jahre auch noch andauern", wann gibt es das schon mal?
Obama ist inzwischen ein Name, der nicht mehr so gut ankommt. Abgesehen davon interessiert sich Obama nicht für Politik.
Häh? Die beiden Obamas gehören immer noch zur politisch aktiven Spitze der Demokraten und sind dort nicht nur die beliebtesten, sondern Stichwort Alter die am besten qualifiziertesten. Das einzige Problem ist halt, dass sie nicht will und er nicht darf.