Also erstmal sind Space Marines der personifizierte Faschismus.
Nein. Space Marines sind je nach Betrachtungswinkel Soldaten oder biologische Waffen. Das ist als würdest du das KSK als personifizierten Faschismus betiteln. Sie haben einen gewissen Entscheidungsspielraum, aber sind am Ende ein Werkzeug, dass dem Adeptus Terra untergeordnet ist.
Das Imperium erfüllt quasi alle Kriterien um als faschistische Organisation durchzugehen.
Hiermal eine definition von Faschismus:
Robert O. Paxton beschreibt Faschismus als „Form des politischen Verhaltens“. Dies sei gekennzeichnet „durch eine obsessive Beschäftigung mit dem Niedergang, der Demütigung oder der Opferrolle einer Gemeinschaft sowie durch einen kompensatorischen Kult um Einheit, Stärke und Reinheit.“ Hinzu kommen eine „Massenpartei entschlossener
militanterNationalisten“, die mit traditionellen Eliten zusammenarbeitet und demokratische Freiheiten abschafft. Innere Säuberung und äußere Expansion sollen „mit einer als erlösend verklärten Gewalt erreicht werden.
Das ist
eine Definition, aber nicht die einzige. Wie ich selbst mit Erstaunen feststellen musste, gibt es laut dem gleichen Wiki-Artikel keine allgemein gültige Definition davon. Warum du
den Teil aussen vor lässt, überlässe ich dem geneigten Leser selbst zu entscheiden.
Was du auch aussen vor lässt, ist, dass ein planetarer Gouverneur mit seiner eigenen Welt so ziemlich alles machen kann, was er möchte, solange diese Welt regelmäßig den geforderten Tribut in Form von Ressourcen und Soldaten bereitstellt. Dem Imperium ist es komplett egal, ob die Welt politisch bunt gemischt ist wie unsere heutige Erde, ob es sich um ein utopisches Paradies handelt, oder ein Höllenplanet, auf dem alle zu 24/7 Zwangsarbeit bei Soylent Green Rationspäckchen verdammt sind.
Dem Imperium ist es schlicht egal.
Die Regeln, die den Menschen auferlegt werden, dienen nicht dazu das eigene Volk zu unterdrücken, oder den eigenen Machterhalt zu sichern. Die Dark Eldar, Orks, Necrons und alle anderen Rassen werden nicht als Feinde dargestellt, weil das der imperialistischen Propaganda dient.
Und genau das ist ja das Problem, warum ich sage, dass hier die Satire fehlt. In "1st Party" Publikationen (Regelbuch, Codizes, White Dwarf, Warhammer Community) wird aus Sicht eines allwissenden Erzählers sehr genau beschrieben, welche Bedrohung Aliens und Chaos darstellen. Da gibt es keine Graustufen oder Platz für Zweifel an der Vorgehensweise.
Als die Tau frisch erschienen sind Anfang der 2000er gab es für kurze Zeit ein einziges Volk, was so etwas wie "die Guten" im Setting dargestellt wurden. Aber selbst hier hat GW über die Jahre daran gearbeitet diese als genauso schlecht darzustellen, wie alle anderen auch. Gedankenkontrolle von verbündeten Rassen. Zwangssterilisation von übergelaufenen, menschlichen Truppen und so weiter.
Ansonsten wird in manchen Horus Heresy Romanen darauf eingegangen, dass während des Kreuzzugs auch Zivilisationen vernichtet worden sind, die friedlich mit Aliens koexisitiert haben. Hier könnte man ansetzen, aber das ist nicht "1st Party".
Gleich auch nochmal eine Definition von Imperialismus:
Es bezeichnet das Streben von Staaten, ihre Macht weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus auszudehnen. Das kann dadurch erfolgen, dass schwächere Länder gezielt politisch, wirtschaftlich, kulturell oder mit anderen Methoden vom stärkeren Land abhängig gemacht werden.
Das Imperium ist imperialistisch (wer hätte es gedacht), da stimme ich zu. Das wird aber an keiner Stelle satirisch betrachtet oder angeprangert.
Dann zu deiner Frage. Nein, ich würde die römischen Legionen nicht als faschistisch beschreiben, da Rom nicht den typischen hass auf "Andersartige" hatte. Sie waren aber natürlich extrem imperialistisch.
Ich habe das Gefühl, dass es einen klitzekleinen Unterschied macht, ob ich hier in Bayern an meinem PC sitze und mir jemand was davon erzählen will, dass ich die Franzosen hassen soll, weil Elsass eigentlich zu Deutschland gehört, oder ob ein Space Marine einen Dark Eldar hasst, der ihn sofort bis ans Ende aller Tage auf grausamste Art und Weise foltern würde, um sein eigenes Leben zu verlängern. Bei letzterem gibt es keine diplomatische Lösung. Da gibt es kein "das war in der Vergangenheit halt mal so, aber mich betrifft es nicht mehr und es ist auch gar nicht so wichtig". Der Hass auf "Andersartige" ist hier - ohne irgendwelche Grautöne oder Zwischenstufen - sehr wohl begründbar.
Das Warhammer 40K auch keine Satire mehr enhtalten soll, kann ich nicht nachvollziehen. Alles in diesem Universum ist so extrem überspitzt dargestellt bzw. auch Untertrieben wie z.B das emotionslose Auslöschen ganzer Planeten wegen Nichtigkeiten, und wirkt auf mich dadurch satirisch.
Hier nochmal eine Definition von Satire:
Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typische Stilmittel der Satire sind die Übertreibung als Überhöhung oder die Untertreibung als bewusste Bagatellisierung bis ins Lächerliche oder Absurde.
Der allwissende Erzähler sagt, dass ein einzelner Psioniker eine gesamte Welt ins Chaos stürzen kann. Dass das Imperium dann mit dem Vorschlaghammer statt dem Skalpell agiert liegt nicht daran, dass sie besonders gerne ihre eigenen Planeten unbewohnbar machen oder entvölkern. Aber wo ist hier die Übertreibung zu einem Geschehen in der echten Welt?
Der Film Starship Trooper ist als eine satirische Kritik an die amerikanische Politik und Gesellschaft entwickelt worden.
Hier mal ein Paar ausschnitte von Wikipedia:
...
Nochmal: Nur weil man den Film als etwas bezeichnet, ist er es nicht automatisch.
Die Bugs haben den Krieg angefangen, indem sie den Asteroiden auf die Erde gefeuert haben. Wie sind Bugs in der Lage über mehrere Lichtjahre entfernt einen Asteroid so umzulenken? Keine Ahnung, aber im Film wird es nicht hinterfragt oder auch nur angedeutet, dass es nicht der Wahrheit entspricht.
Die Mobilmachung geschah übrigens auch erst nach dem Asteroiden. Davor gab es keinen Krieg. Die Konföderation wird als inklusiv und tolerant dargestellt. Die Bugs als Monster, mit denen man nicht verhandeln kann. Nicht viel anders als Xenomorph in Aliens. Es fehlt hier einfach der Twist, der andeuten lässt, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Siehe das Ende von Ender's Game. Ein anderes Beispiel wären die Avatar-Filme für eine Version von Mensch vs. Alien, auch wenn das natürlich überhaupt nicht subtil ist.
Im übrigen hat bei Starship Troopers das Militär gewaltsam die Regierung an sich gerissen.
Das stimmt so auch nicht. Wenn man nicht im Militär dient, hat man viele Rechte nicht. Z.B. darfst du keine Kinder bekommen oder in die Politik gehen. Man ist also ein Mensch 2.er Klasse. Das würde ich nicht als "motivieren" bezeichnen.
Ich habe das Gefühl, dass du gerne Dinge auslässt, die nicht zu deiner Argumentation passen.
Aus dem Starship Troopers Wiki:
After the collapse of national governments, a group of veterans in Aberdeen, Scotland formed a vigilante group to stop rioting and looting. They hanged a few people (including 2 veterans) and decide to only allow veterans to join their committee due to a mistrust of politicians. This contingency plan became routine after a couple of generations, and this group of vigilantes was the start of the United Citizen Federation.
So wie du es schreibst, könnte man meinen, dass ein paar Soldaten den Bundestag gestürmt haben und die rechtmäßig gewählte Regierung gestürzt wurde.
Civilians are not discriminated against and have more or less equal rights, with the exceptions being the right to vote and government-subsidized tuition fees. Citizens have more ease with licenses, such as a license to have children. Sexism and racism are nonexistent in the Federation.
Also in etwa wie du ein Bürger 2. Klasse bist, weil du kein Auto fahren darfst ohne Führerschein.
Im Buch wird übrigens auch geschrieben, dass es neben dem Militärdienst andere Regierungsjobs gibt, mit denen man sich für "Citizenship" qualifiziert. Der Grundgedanke dahinter ist, dass Bürger nur dann die Zukunft des Staates mitgestalten dürfen, wenn sie vorher bewiesen haben, dass sie Verantwortung übernehmen für ihre Mitmenschen. Das ist natürlich ganz schlimmer Faschismus.
