blaidd
Freizeitschrauber(in)
Hi, ich komme heute endlich mal dazu, von meinem (erfolgreichen) Boxenbauprojekt zu berichten.
Nachdem ich dieses feine Projekt mit großem Interesse verfolgt habe und User Zappaesk nicht müde wird, die Vorzüge von Selbstbau-Lautsprechern zu loben, hab ich mich entschlossen, das ganze selbst mal auszuprobieren...
Ich hab mich für die CT-260 entschieden, erstmal, weil sie ein verhältnismäßig einfaches Projekt darstellen und außerdem weil sie laut Zappaesk und der Klang+Ton-Rezension spaßig klingen, was ja auch nicht vollkommen irrelevant ist, schließlich ging es hauptsächlich darum, mit dem Projekt meinen Spaß zu haben (das ich dann und wann auch mal herzlich geflucht habe, tut nichts zur Sache
).
Desweiteren bewegen sich zwei Bausätze plus Material in einem preislichen Rahmen, den ich halbwegs ruhigen Gewissens hätte tragen können, hätte ich die ganze Chose in den Sand gesetzt, (was ich nicht habe) nämlich Pi mal Daumen 150 Euro.
Gleich mal vorweg: Ich hätte die Möglichkeit gehabt, das ganze richtig ordentlich in einer voll ausgestatteten Werkstatt bei einer befreundeten Tischlerin in Angriff zu nehmen, hab mich aber aus mehreren Gründen dagegen und für einen mit möglichst einfachen Mitteln zu bewerkstelligenden Aufbau entschlossen.
Erstmal mußte ich den Kram nicht durch die Gegend schleppen; zweitens und ganz entscheidend: Ich fordere mich selbst mehr, alles mit Präzisionsmaschinen schwupp-die-wupp zu erledigen ist irgendwie unpersönlicher und auch nicht wirklich herausfordernd. Außerdem kann ich auf diese Weise vielleicht dem einen oder anderen Forenmitglied, das mit Selbstbau liebäugelt, aber sich nicht so recht da rantraut ein paar Bedenken nehmen. Und wer weiß, ob ich bei der hübschen Tischlerin überhaupt zum arbeiten gekommen wäre...
Aber lassen wir das.
Also, die Art, wie ich an das Projekt rangehen würde, war entschieden: Bau mit den einfachsten Mitteln, ohne Werkstatt, ohne Werkbank, keine Zwingen zum Verleimen, keine Wasserwaage, etc. Nur ein Bleistift, ein Zirkel, eine Stichsäge, eine Bohrmaschine, ein Lötkolben, eine Feile (kam erst später hinzu, meine alte war irgendwo mitsamt meiner Hießklebepistole und meinem Tischlerwinkel eine Party feiern und nicht auffindbar), Zollstock und Schmirgelpapier. Alle Werkzeuge sind aus der Hobby-Einstiegsklasse, günstig, aber kein unsägliches Billigwerkzeug mit dem man sich mehr Arbeit macht als schafft und mit hoher Wahrscheinlichkeit eher etwas kaputtmacht (darunter u.A. auch Hände, Finger...
). Außnahme davon wäre allerdings der Schraubenzieher, den hab ich aus meinem Mittelklasse Werkzeugkasten. Das möge man mir verzeihen.
Die Bausätze habe ich beim Lautsprechershop.de bestellt, an einem Donnerstag mitten in der Nacht um etwa drei Uhr (nach der Spätschicht mit kurzem Abstecher auf ein, zwei Bier) und waren Samstag Vormittag da. Prompte Lieferung, war ehrlich und positiv überrascht.
Die nächsten Tage kam ich leider zu kaum was, hatte zu viel zu tun, aber ein paar Tage später hab ich aufgrund (zu) guter Teamarbeit bezahlt freibekommen und ein langes Wochenende. Also ran an den Speck...
Ich halte mich zwar für handwerklich begabt, außerdem in der Hinsicht für autodidaktisch sehr lehrnfähig (hab Bauhausmöbel in besagter Tischlerwerkstatt aus Antikholz gebaut und außerdem gelernt, mein Motorrad von Bremsklötzen bis zum Einstellen der Ventile selbst zu warten und mich danach auch wieder draufgesetzt, ohne Angst, daß mir der Motor um die Ohren fliegt oder mit aussetzenden Bremsen in der Botanik zu landen...). Aber ich hatte absolut keine Ahnung vom Boxenbau, hab mich da auch nicht eingelesen, genauso sollte es ja sein: Ohne genauen Plan mit einfachsten Mitteln.
Zuerst hab ich mir im Baumarkt um die Ecke das Baumaterial besorgt. MDF, 16mm stark. In der Bauanleitung war direkt mal ein kleiner Fehler, für Boden, Decke und Stützkreuz, die sich die selben Maße teilen, stand in der Materialliste bei der benötigten Menge pro Box ein '2x', was ich aber ohne größere mentale Anstrengung auf ein '3x' korrigieren konnte. Ansonsten war die Bauanleitung fehlerlos, wenn auch nicht übermäßig ausführlich. Das ganze Projekt ist mit fünf bis sechs Sätzen auf Papier erledigt. In der Praxis sollte sich das als etwas komplexer herausstellen.
Die Materialkosten beliefen sich auf rund 16€ für das Holz und weitere 10€ für den Leim, der großspurig von sich behauptete, auch ohne Zwinge stabil zu haften. Eine Tube hoffentlich allesklebenden Alleskleber für alle Zwecke und 2€ und ein Stück Modellplatte für 1,5€ vervollständigte den Einkauf. Zu dem Zeitpunkt ging ich aber davon aus, daß ich auch mein Werkzeug finden würde, Feile und Winkel habe ich zu einem späteren Zeitpunkt nachgekauft.
So, schreiten wir zur Tat:
Als erstes habe ich mir Werkzeug und Material zurechtgelegt und die unterschiedlichen großen Mdf-Platten für Boden-Decke-Versteifungskreuz, Seiten und Vorder-und-Rückseite passend beschriftet, damit ich nicht jedesmal den Zollstock auspacken muß, oder unpraktischerweise das falsche Teil zurechtschneide.
Danach Maß genommen und die Ausparungen für das Kreuz, die Chassis, sowie das Bassreflexrohr und die Anschlüsse auf der Rückseite (die in der Bauanleitung nur nebensächlich erwähnt werden und für die keine Maße zu finden sind -also abmessen) eingezeichnet. Beim Chassis, Versteifungskreuz Bassreflexrohr und Anschluß sind in der Anleitung keine Daten für die genaue Position angegeben, das unterliegt also der Willkür des Erbauers, wobei da darauf zu achten ist, das man das Versteifungskreuz nicht beispielsweise genau vor das Chassis vom Tief-/Mitteltöner setzt. Also grob in den unteren Oberteil der Box, mit genügend Luft zwischen den beiden Chassis, abmessen und auf die andere Seite übertragen.
Um Chassis, Bassreflexrohre und Anschlüsse einzuzeichnen benutze ich einen patinabesetzen Zirkel aus den 60er Jahren, der hier noch rumflog und wahrscheinlich mittlerweile den Wert des gesamten anderen Werkzeugs zusammen übersteigt...
Da mein Winkel ärgerlicherweise nicht auffindbar ist, benutze ich die Modellplatte für hinlänglich gerade Bleistiftverbindungen zwischen einzelnen Punkten und sage mir, daß ich mit der mir recht ungewohnten Handstichsäge aus einer geraden Linie sowieso eine weniger solche machen würde. Ich sollte damit Recht behalten.
Beim Zeichnen der Kreise für die Chassis setzt leider mein logisches Denkvermögen kurzfristig aus, und ich mache einen vermeidbaren und darum um so ärgerlichen Fehler. Doch dazu später...
Erstmal packe ich mir die kriegsbemalten Mdf-Stücke und ziehe damit nach draußen zur 'Werkbank' um mutig den Kampf mit der Stichsäge aufzunehmen. Da ich kaum Erfahrung mit dem Teil habe, beginne ich nach dem Einspannen des Sägeblattes erstmal mit den Versteifungskreuzen, da ich dort kleinere Ungenauigkeiten für verschmerzbar halte. Um die Säge ansetzen zu können, bohrte ich jeweils zwei Löcher pro Aussparung in die gegenüberliegenden Ecken und schneide von da aus dann in mehr oder weniger 90°-Winkel an den Kanten entlang. Beim ersten Versuch noch mit ein paar Ausrutschern, das Kurvensägblatt hat tatsächlich die Angewohnheit auszubrechen und Kurven schneiden zu wollen. Beim nächsten Versuch klappt das schon deutlich besser und die erhoffte Form ist mit etwas Phantasie durchaus ganz gut zu erkennen. Zum Material muß ich sagen, daß MDF ein wirklich verzeihender Werkstoff ist, Holz gilt ja schon als solcher, doch hier ist das noch viel ausgeprägter: Nichts splittert, reißt oder franst aus, jedem der genug Fingerfertigkeit besitzt, sich beim Popeln nicht die Nasenwand zu durchstoßen, könnte man MDF ruhigen Gewissens zur Bearbeitung in die Hände drücken...
Mit dem Erfahrungsanstieg auf Stichsägen-Level-2 mache ich mich sogleich an die Aussparungen für Chassis und die auf der Rückseite der Boxen für Bassrefexrohr und Anschlüsse. Klappt ganz gut, kleinere Unebenheiten arbeite ich mangels Feile mit groben 60er Schmirgelpapier und viel Geduld heraus. Ich benutze dafür ein Rundholz, um das ich das Schmirgelpapier eng gewickelt habe. In meinem Fall ist das ein Stück alter Bohnenstange, gibt's aber auch im Baumarkt oder in Form eines zerbrochenen Besenstils in der Putzkammer von Frau/Freundin/Mama/Hausmann (weniger zu empfehlen)...
Nach einer längeren Reiberei mit den Schnittkanten und unzähligen unflätigen Flüchen über die treulose Feile, die sich in der Stunde der Not aus der Affäre gezogen hat, bin ich mit der Ergebnis endlich zufrieden, sammele die Teile ein und lege sie mir zurecht um sie genauer in Augenschein zu nehmen. Was ich mit den Versteifungskreuzen in Sachen Dämmung mache, weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, die Bauanleitung schweigt sich in Sachen Dämmung komplett aus. Probehalber habe ich die Kanten mit Schmirgelpapier gebrochen und mit Panzertape als Isolierung vor der etwaigen Dämmung schallisoliert. So recht überzeugen tut mich das ganze aber nicht, ich lege sie erstmal auf Seite. Sämtliche runden Aussparungen habe ich exzessiv geglättet und komplett rundgeschliffen (ja, mit Schmirgelpapier...
).
Sieht vielversprechend aus. Probieren wir doch mal, ob alles paßt...
Am Anfang sieht alles gut aus, die Teile passen praktisch auf Anhieb, bei den Bassreflexrohren hab ich etwas zu knapp gemessen, die passen noch nicht in die Öffnugen, da muß ich noch drei oder vier Millimeter abschleifen (*seufz*). Die Hochtöner sitzen wie angegossen, Tieftöner: paßt halbwegs und: *******! Paßt nicht. Jetzt rächt es sich das ich anfangs die genauen Maße genommen habe, dann mit der Stichsäge genau (oder jedenfalls ansatzweise...) auf der eingezeichneten Linie geschnitten habe und dann noch ein paar Millimeter abgeschliffen habe... Die Maße in der Anleitung beziehen sich natürlich auf das Endergebnis. Jetzt fehlen aber ein oder zwei Millimeter um die ganze Chose dicht zu kriegen. Zwar liegt dem Bausatz Dichtband in der ausreichenden Menge bei um das abzudichten, aber gerade bei dem offenen Chassis des Tieftöners will ich saubere Arbeit machen, um ihm auch anständigen Klang zu entlocken. Außerdem hab ich mich irgendwo auf der Mittelachse vermessen, der Hochtöner sitzt etwas versetzt zum Tieftöner. Klanglich irrelevant (soweit ich das mit meiner umfassenden Boxenbauer-Erfahrung sagen kann), sieht aber unschön aus, ich will nicht die ganze Zeit von meinen Boxen angschielt werden...
Also auf den Feuerholzstapel damit, in den Baumarkt und Ersatz geholt. Ich nehme gleich beide Seiten, weil ich mir sicher bin, es diesmal umso besser hinzubekommen. Kostenpunkt: 2,61€. Eine Feile (halbrund) und einen Winkel packe ich bei der Gelegenheit auch noch mit ein. Mit Stichsägen-Erfahrungslevel-3 und um einige Millimeter verringertem Radius geht es also frisch ans Werk. Dieses Mal ist das Ergebnis schon ziemlich sauber, so ärgerlich die verschenkte Arbeit auch ist, umso erfreulicher ist es, wenn man seine eigenen Fähigkeiten so dramatisch wachsen sehen kann.
Anschließend, die Dunkelheit senkt langsam ihren Schleier über meine 'Werkbank', wird aber mit einer guten, alten Glühbirne effektiv vertrieben, schnappe ich mir stolz meine neue Feile und bearbeite -diesesmal mit zur Hand liegenden Teilen zum Einpassen- nach bestem Gewissen und Können die frisch gesägten Teile. Als ich mit Vorder- und Rückseite fertig bin, schnappe ich mir nach kurzer Überlegung noch die Versteifungen, entferne das unsägliche Panzertape-Gemurkse und greife auch dort zur Feile. Ich entschließe mich, die mit unsicheren Hand gesägten Unzulänglichkeiten nicht zu entfernen, sondern sie im Gegenteil mit der Feile noch herauszuarbeiten und rundzuschleifen. Das mag der Lebendigkeit des Sounds zugute kommen. Oder auch völlig überflüssig sein, wer weiß. Jedenfalls habe ich jetzt die wahrscheinlich ersten Versteifungskreuze im Boxenbau mit den organisch-fließenden Formen des Jugendstils. Und zumindest einen Placebo-Effekt dürfte es in meinen Ohren für die Arbeit geben. Nach ein etwa anderthalb bis zwei Stunden bin ich mit dem Feilen und anschließendem Schmirgeln aller Teile fertig.
Ich lege mir alle Teile wieder zurück und mache mich dann mit leichtem Bedenken ans Verkleben der Flächen mit dem großmäuligen Leim. Am nächsten Tag werde ich denn sehen, ob er hält, was er verspricht... Ganz auf druckausübende Maßnahmen will ich dann aber doch nicht verzichten, ich beschwere die obenliegende Seite mit ein paar Backsteinen, die Seiten stütze ich mit ebensolchen ab...
Dann haue ich mich auf's Ohr, gespannt auf das Ergebnis.
Ich beende mal die erste Wall-of-Text, ist viel umfangreicher als geplant geworden... Hoffe, der eine oder andere schafft es trotzdem, das zu lesen und bleibt nicht irgendwann entkräftet auf der Strecke
Und Sorry wegen der teilweise unterirdischen Bildqualität, ich mußte Aufgrund Ladeschwierigkeiten meiner Kamera-Akkus auf's (Billig-)Handy umsteigen.
Nachdem ich dieses feine Projekt mit großem Interesse verfolgt habe und User Zappaesk nicht müde wird, die Vorzüge von Selbstbau-Lautsprechern zu loben, hab ich mich entschlossen, das ganze selbst mal auszuprobieren...
Ich hab mich für die CT-260 entschieden, erstmal, weil sie ein verhältnismäßig einfaches Projekt darstellen und außerdem weil sie laut Zappaesk und der Klang+Ton-Rezension spaßig klingen, was ja auch nicht vollkommen irrelevant ist, schließlich ging es hauptsächlich darum, mit dem Projekt meinen Spaß zu haben (das ich dann und wann auch mal herzlich geflucht habe, tut nichts zur Sache
).Desweiteren bewegen sich zwei Bausätze plus Material in einem preislichen Rahmen, den ich halbwegs ruhigen Gewissens hätte tragen können, hätte ich die ganze Chose in den Sand gesetzt, (was ich nicht habe) nämlich Pi mal Daumen 150 Euro.
Gleich mal vorweg: Ich hätte die Möglichkeit gehabt, das ganze richtig ordentlich in einer voll ausgestatteten Werkstatt bei einer befreundeten Tischlerin in Angriff zu nehmen, hab mich aber aus mehreren Gründen dagegen und für einen mit möglichst einfachen Mitteln zu bewerkstelligenden Aufbau entschlossen.
Erstmal mußte ich den Kram nicht durch die Gegend schleppen; zweitens und ganz entscheidend: Ich fordere mich selbst mehr, alles mit Präzisionsmaschinen schwupp-die-wupp zu erledigen ist irgendwie unpersönlicher und auch nicht wirklich herausfordernd. Außerdem kann ich auf diese Weise vielleicht dem einen oder anderen Forenmitglied, das mit Selbstbau liebäugelt, aber sich nicht so recht da rantraut ein paar Bedenken nehmen. Und wer weiß, ob ich bei der hübschen Tischlerin überhaupt zum arbeiten gekommen wäre...
Aber lassen wir das.Also, die Art, wie ich an das Projekt rangehen würde, war entschieden: Bau mit den einfachsten Mitteln, ohne Werkstatt, ohne Werkbank, keine Zwingen zum Verleimen, keine Wasserwaage, etc. Nur ein Bleistift, ein Zirkel, eine Stichsäge, eine Bohrmaschine, ein Lötkolben, eine Feile (kam erst später hinzu, meine alte war irgendwo mitsamt meiner Hießklebepistole und meinem Tischlerwinkel eine Party feiern und nicht auffindbar), Zollstock und Schmirgelpapier. Alle Werkzeuge sind aus der Hobby-Einstiegsklasse, günstig, aber kein unsägliches Billigwerkzeug mit dem man sich mehr Arbeit macht als schafft und mit hoher Wahrscheinlichkeit eher etwas kaputtmacht (darunter u.A. auch Hände, Finger...
). Außnahme davon wäre allerdings der Schraubenzieher, den hab ich aus meinem Mittelklasse Werkzeugkasten. Das möge man mir verzeihen.Die Bausätze habe ich beim Lautsprechershop.de bestellt, an einem Donnerstag mitten in der Nacht um etwa drei Uhr (nach der Spätschicht mit kurzem Abstecher auf ein, zwei Bier) und waren Samstag Vormittag da. Prompte Lieferung, war ehrlich und positiv überrascht.
Die nächsten Tage kam ich leider zu kaum was, hatte zu viel zu tun, aber ein paar Tage später hab ich aufgrund (zu) guter Teamarbeit bezahlt freibekommen und ein langes Wochenende. Also ran an den Speck...
Ich halte mich zwar für handwerklich begabt, außerdem in der Hinsicht für autodidaktisch sehr lehrnfähig (hab Bauhausmöbel in besagter Tischlerwerkstatt aus Antikholz gebaut und außerdem gelernt, mein Motorrad von Bremsklötzen bis zum Einstellen der Ventile selbst zu warten und mich danach auch wieder draufgesetzt, ohne Angst, daß mir der Motor um die Ohren fliegt oder mit aussetzenden Bremsen in der Botanik zu landen...). Aber ich hatte absolut keine Ahnung vom Boxenbau, hab mich da auch nicht eingelesen, genauso sollte es ja sein: Ohne genauen Plan mit einfachsten Mitteln.
Zuerst hab ich mir im Baumarkt um die Ecke das Baumaterial besorgt. MDF, 16mm stark. In der Bauanleitung war direkt mal ein kleiner Fehler, für Boden, Decke und Stützkreuz, die sich die selben Maße teilen, stand in der Materialliste bei der benötigten Menge pro Box ein '2x', was ich aber ohne größere mentale Anstrengung auf ein '3x' korrigieren konnte. Ansonsten war die Bauanleitung fehlerlos, wenn auch nicht übermäßig ausführlich. Das ganze Projekt ist mit fünf bis sechs Sätzen auf Papier erledigt. In der Praxis sollte sich das als etwas komplexer herausstellen.
Die Materialkosten beliefen sich auf rund 16€ für das Holz und weitere 10€ für den Leim, der großspurig von sich behauptete, auch ohne Zwinge stabil zu haften. Eine Tube hoffentlich allesklebenden Alleskleber für alle Zwecke und 2€ und ein Stück Modellplatte für 1,5€ vervollständigte den Einkauf. Zu dem Zeitpunkt ging ich aber davon aus, daß ich auch mein Werkzeug finden würde, Feile und Winkel habe ich zu einem späteren Zeitpunkt nachgekauft.
So, schreiten wir zur Tat:
Als erstes habe ich mir Werkzeug und Material zurechtgelegt und die unterschiedlichen großen Mdf-Platten für Boden-Decke-Versteifungskreuz, Seiten und Vorder-und-Rückseite passend beschriftet, damit ich nicht jedesmal den Zollstock auspacken muß, oder unpraktischerweise das falsche Teil zurechtschneide.
Danach Maß genommen und die Ausparungen für das Kreuz, die Chassis, sowie das Bassreflexrohr und die Anschlüsse auf der Rückseite (die in der Bauanleitung nur nebensächlich erwähnt werden und für die keine Maße zu finden sind -also abmessen) eingezeichnet. Beim Chassis, Versteifungskreuz Bassreflexrohr und Anschluß sind in der Anleitung keine Daten für die genaue Position angegeben, das unterliegt also der Willkür des Erbauers, wobei da darauf zu achten ist, das man das Versteifungskreuz nicht beispielsweise genau vor das Chassis vom Tief-/Mitteltöner setzt. Also grob in den unteren Oberteil der Box, mit genügend Luft zwischen den beiden Chassis, abmessen und auf die andere Seite übertragen.
Um Chassis, Bassreflexrohre und Anschlüsse einzuzeichnen benutze ich einen patinabesetzen Zirkel aus den 60er Jahren, der hier noch rumflog und wahrscheinlich mittlerweile den Wert des gesamten anderen Werkzeugs zusammen übersteigt...
Da mein Winkel ärgerlicherweise nicht auffindbar ist, benutze ich die Modellplatte für hinlänglich gerade Bleistiftverbindungen zwischen einzelnen Punkten und sage mir, daß ich mit der mir recht ungewohnten Handstichsäge aus einer geraden Linie sowieso eine weniger solche machen würde. Ich sollte damit Recht behalten.
Beim Zeichnen der Kreise für die Chassis setzt leider mein logisches Denkvermögen kurzfristig aus, und ich mache einen vermeidbaren und darum um so ärgerlichen Fehler. Doch dazu später...
Erstmal packe ich mir die kriegsbemalten Mdf-Stücke und ziehe damit nach draußen zur 'Werkbank' um mutig den Kampf mit der Stichsäge aufzunehmen. Da ich kaum Erfahrung mit dem Teil habe, beginne ich nach dem Einspannen des Sägeblattes erstmal mit den Versteifungskreuzen, da ich dort kleinere Ungenauigkeiten für verschmerzbar halte. Um die Säge ansetzen zu können, bohrte ich jeweils zwei Löcher pro Aussparung in die gegenüberliegenden Ecken und schneide von da aus dann in mehr oder weniger 90°-Winkel an den Kanten entlang. Beim ersten Versuch noch mit ein paar Ausrutschern, das Kurvensägblatt hat tatsächlich die Angewohnheit auszubrechen und Kurven schneiden zu wollen. Beim nächsten Versuch klappt das schon deutlich besser und die erhoffte Form ist mit etwas Phantasie durchaus ganz gut zu erkennen. Zum Material muß ich sagen, daß MDF ein wirklich verzeihender Werkstoff ist, Holz gilt ja schon als solcher, doch hier ist das noch viel ausgeprägter: Nichts splittert, reißt oder franst aus, jedem der genug Fingerfertigkeit besitzt, sich beim Popeln nicht die Nasenwand zu durchstoßen, könnte man MDF ruhigen Gewissens zur Bearbeitung in die Hände drücken...
Mit dem Erfahrungsanstieg auf Stichsägen-Level-2 mache ich mich sogleich an die Aussparungen für Chassis und die auf der Rückseite der Boxen für Bassrefexrohr und Anschlüsse. Klappt ganz gut, kleinere Unebenheiten arbeite ich mangels Feile mit groben 60er Schmirgelpapier und viel Geduld heraus. Ich benutze dafür ein Rundholz, um das ich das Schmirgelpapier eng gewickelt habe. In meinem Fall ist das ein Stück alter Bohnenstange, gibt's aber auch im Baumarkt oder in Form eines zerbrochenen Besenstils in der Putzkammer von Frau/Freundin/Mama/Hausmann (weniger zu empfehlen)...
Nach einer längeren Reiberei mit den Schnittkanten und unzähligen unflätigen Flüchen über die treulose Feile, die sich in der Stunde der Not aus der Affäre gezogen hat, bin ich mit der Ergebnis endlich zufrieden, sammele die Teile ein und lege sie mir zurecht um sie genauer in Augenschein zu nehmen. Was ich mit den Versteifungskreuzen in Sachen Dämmung mache, weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, die Bauanleitung schweigt sich in Sachen Dämmung komplett aus. Probehalber habe ich die Kanten mit Schmirgelpapier gebrochen und mit Panzertape als Isolierung vor der etwaigen Dämmung schallisoliert. So recht überzeugen tut mich das ganze aber nicht, ich lege sie erstmal auf Seite. Sämtliche runden Aussparungen habe ich exzessiv geglättet und komplett rundgeschliffen (ja, mit Schmirgelpapier...
).Sieht vielversprechend aus. Probieren wir doch mal, ob alles paßt...
Am Anfang sieht alles gut aus, die Teile passen praktisch auf Anhieb, bei den Bassreflexrohren hab ich etwas zu knapp gemessen, die passen noch nicht in die Öffnugen, da muß ich noch drei oder vier Millimeter abschleifen (*seufz*). Die Hochtöner sitzen wie angegossen, Tieftöner: paßt halbwegs und: *******! Paßt nicht. Jetzt rächt es sich das ich anfangs die genauen Maße genommen habe, dann mit der Stichsäge genau (oder jedenfalls ansatzweise...) auf der eingezeichneten Linie geschnitten habe und dann noch ein paar Millimeter abgeschliffen habe... Die Maße in der Anleitung beziehen sich natürlich auf das Endergebnis. Jetzt fehlen aber ein oder zwei Millimeter um die ganze Chose dicht zu kriegen. Zwar liegt dem Bausatz Dichtband in der ausreichenden Menge bei um das abzudichten, aber gerade bei dem offenen Chassis des Tieftöners will ich saubere Arbeit machen, um ihm auch anständigen Klang zu entlocken. Außerdem hab ich mich irgendwo auf der Mittelachse vermessen, der Hochtöner sitzt etwas versetzt zum Tieftöner. Klanglich irrelevant (soweit ich das mit meiner umfassenden Boxenbauer-Erfahrung sagen kann), sieht aber unschön aus, ich will nicht die ganze Zeit von meinen Boxen angschielt werden...
Also auf den Feuerholzstapel damit, in den Baumarkt und Ersatz geholt. Ich nehme gleich beide Seiten, weil ich mir sicher bin, es diesmal umso besser hinzubekommen. Kostenpunkt: 2,61€. Eine Feile (halbrund) und einen Winkel packe ich bei der Gelegenheit auch noch mit ein. Mit Stichsägen-Erfahrungslevel-3 und um einige Millimeter verringertem Radius geht es also frisch ans Werk. Dieses Mal ist das Ergebnis schon ziemlich sauber, so ärgerlich die verschenkte Arbeit auch ist, umso erfreulicher ist es, wenn man seine eigenen Fähigkeiten so dramatisch wachsen sehen kann.
Anschließend, die Dunkelheit senkt langsam ihren Schleier über meine 'Werkbank', wird aber mit einer guten, alten Glühbirne effektiv vertrieben, schnappe ich mir stolz meine neue Feile und bearbeite -diesesmal mit zur Hand liegenden Teilen zum Einpassen- nach bestem Gewissen und Können die frisch gesägten Teile. Als ich mit Vorder- und Rückseite fertig bin, schnappe ich mir nach kurzer Überlegung noch die Versteifungen, entferne das unsägliche Panzertape-Gemurkse und greife auch dort zur Feile. Ich entschließe mich, die mit unsicheren Hand gesägten Unzulänglichkeiten nicht zu entfernen, sondern sie im Gegenteil mit der Feile noch herauszuarbeiten und rundzuschleifen. Das mag der Lebendigkeit des Sounds zugute kommen. Oder auch völlig überflüssig sein, wer weiß. Jedenfalls habe ich jetzt die wahrscheinlich ersten Versteifungskreuze im Boxenbau mit den organisch-fließenden Formen des Jugendstils. Und zumindest einen Placebo-Effekt dürfte es in meinen Ohren für die Arbeit geben. Nach ein etwa anderthalb bis zwei Stunden bin ich mit dem Feilen und anschließendem Schmirgeln aller Teile fertig.
Ich lege mir alle Teile wieder zurück und mache mich dann mit leichtem Bedenken ans Verkleben der Flächen mit dem großmäuligen Leim. Am nächsten Tag werde ich denn sehen, ob er hält, was er verspricht... Ganz auf druckausübende Maßnahmen will ich dann aber doch nicht verzichten, ich beschwere die obenliegende Seite mit ein paar Backsteinen, die Seiten stütze ich mit ebensolchen ab...
Dann haue ich mich auf's Ohr, gespannt auf das Ergebnis.
Ich beende mal die erste Wall-of-Text, ist viel umfangreicher als geplant geworden... Hoffe, der eine oder andere schafft es trotzdem, das zu lesen und bleibt nicht irgendwann entkräftet auf der Strecke

Und Sorry wegen der teilweise unterirdischen Bildqualität, ich mußte Aufgrund Ladeschwierigkeiten meiner Kamera-Akkus auf's (Billig-)Handy umsteigen.


