Boxenbau - Einfach, dreckig und ehrlich...

blaidd

Freizeitschrauber(in)
Hi, ich komme heute endlich mal dazu, von meinem (erfolgreichen) Boxenbauprojekt zu berichten.

Nachdem ich dieses feine Projekt mit großem Interesse verfolgt habe und User Zappaesk nicht müde wird, die Vorzüge von Selbstbau-Lautsprechern zu loben, hab ich mich entschlossen, das ganze selbst mal auszuprobieren...

Ich hab mich für die CT-260 entschieden, erstmal, weil sie ein verhältnismäßig einfaches Projekt darstellen und außerdem weil sie laut Zappaesk und der Klang+Ton-Rezension spaßig klingen, was ja auch nicht vollkommen irrelevant ist, schließlich ging es hauptsächlich darum, mit dem Projekt meinen Spaß zu haben (das ich dann und wann auch mal herzlich geflucht habe, tut nichts zur Sache ;-)).
Desweiteren bewegen sich zwei Bausätze plus Material in einem preislichen Rahmen, den ich halbwegs ruhigen Gewissens hätte tragen können, hätte ich die ganze Chose in den Sand gesetzt, (was ich nicht habe) nämlich Pi mal Daumen 150 Euro.

Gleich mal vorweg: Ich hätte die Möglichkeit gehabt, das ganze richtig ordentlich in einer voll ausgestatteten Werkstatt bei einer befreundeten Tischlerin in Angriff zu nehmen, hab mich aber aus mehreren Gründen dagegen und für einen mit möglichst einfachen Mitteln zu bewerkstelligenden Aufbau entschlossen.
Erstmal mußte ich den Kram nicht durch die Gegend schleppen; zweitens und ganz entscheidend: Ich fordere mich selbst mehr, alles mit Präzisionsmaschinen schwupp-die-wupp zu erledigen ist irgendwie unpersönlicher und auch nicht wirklich herausfordernd. Außerdem kann ich auf diese Weise vielleicht dem einen oder anderen Forenmitglied, das mit Selbstbau liebäugelt, aber sich nicht so recht da rantraut ein paar Bedenken nehmen. Und wer weiß, ob ich bei der hübschen Tischlerin überhaupt zum arbeiten gekommen wäre...:schief: Aber lassen wir das.

Also, die Art, wie ich an das Projekt rangehen würde, war entschieden: Bau mit den einfachsten Mitteln, ohne Werkstatt, ohne Werkbank, keine Zwingen zum Verleimen, keine Wasserwaage, etc. Nur ein Bleistift, ein Zirkel, eine Stichsäge, eine Bohrmaschine, ein Lötkolben, eine Feile (kam erst später hinzu, meine alte war irgendwo mitsamt meiner Hießklebepistole und meinem Tischlerwinkel eine Party feiern und nicht auffindbar), Zollstock und Schmirgelpapier. Alle Werkzeuge sind aus der Hobby-Einstiegsklasse, günstig, aber kein unsägliches Billigwerkzeug mit dem man sich mehr Arbeit macht als schafft und mit hoher Wahrscheinlichkeit eher etwas kaputtmacht (darunter u.A. auch Hände, Finger...;)). Außnahme davon wäre allerdings der Schraubenzieher, den hab ich aus meinem Mittelklasse Werkzeugkasten. Das möge man mir verzeihen.

Die Bausätze habe ich beim Lautsprechershop.de bestellt, an einem Donnerstag mitten in der Nacht um etwa drei Uhr (nach der Spätschicht mit kurzem Abstecher auf ein, zwei Bier) und waren Samstag Vormittag da. Prompte Lieferung, war ehrlich und positiv überrascht.
Die nächsten Tage kam ich leider zu kaum was, hatte zu viel zu tun, aber ein paar Tage später hab ich aufgrund (zu) guter Teamarbeit bezahlt freibekommen und ein langes Wochenende. Also ran an den Speck...

Ich halte mich zwar für handwerklich begabt, außerdem in der Hinsicht für autodidaktisch sehr lehrnfähig (hab Bauhausmöbel in besagter Tischlerwerkstatt aus Antikholz gebaut und außerdem gelernt, mein Motorrad von Bremsklötzen bis zum Einstellen der Ventile selbst zu warten und mich danach auch wieder draufgesetzt, ohne Angst, daß mir der Motor um die Ohren fliegt oder mit aussetzenden Bremsen in der Botanik zu landen...). Aber ich hatte absolut keine Ahnung vom Boxenbau, hab mich da auch nicht eingelesen, genauso sollte es ja sein: Ohne genauen Plan mit einfachsten Mitteln.

Zuerst hab ich mir im Baumarkt um die Ecke das Baumaterial besorgt. MDF, 16mm stark. In der Bauanleitung war direkt mal ein kleiner Fehler, für Boden, Decke und Stützkreuz, die sich die selben Maße teilen, stand in der Materialliste bei der benötigten Menge pro Box ein '2x', was ich aber ohne größere mentale Anstrengung auf ein '3x' korrigieren konnte. Ansonsten war die Bauanleitung fehlerlos, wenn auch nicht übermäßig ausführlich. Das ganze Projekt ist mit fünf bis sechs Sätzen auf Papier erledigt. In der Praxis sollte sich das als etwas komplexer herausstellen.
Die Materialkosten beliefen sich auf rund 16€ für das Holz und weitere 10€ für den Leim, der großspurig von sich behauptete, auch ohne Zwinge stabil zu haften. Eine Tube hoffentlich allesklebenden Alleskleber für alle Zwecke und 2€ und ein Stück Modellplatte für 1,5€ vervollständigte den Einkauf. Zu dem Zeitpunkt ging ich aber davon aus, daß ich auch mein Werkzeug finden würde, Feile und Winkel habe ich zu einem späteren Zeitpunkt nachgekauft.


So, schreiten wir zur Tat:

Als erstes habe ich mir Werkzeug und Material zurechtgelegt und die unterschiedlichen großen Mdf-Platten für Boden-Decke-Versteifungskreuz, Seiten und Vorder-und-Rückseite passend beschriftet, damit ich nicht jedesmal den Zollstock auspacken muß, oder unpraktischerweise das falsche Teil zurechtschneide.

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Danach Maß genommen und die Ausparungen für das Kreuz, die Chassis, sowie das Bassreflexrohr und die Anschlüsse auf der Rückseite (die in der Bauanleitung nur nebensächlich erwähnt werden und für die keine Maße zu finden sind -also abmessen) eingezeichnet. Beim Chassis, Versteifungskreuz Bassreflexrohr und Anschluß sind in der Anleitung keine Daten für die genaue Position angegeben, das unterliegt also der Willkür des Erbauers, wobei da darauf zu achten ist, das man das Versteifungskreuz nicht beispielsweise genau vor das Chassis vom Tief-/Mitteltöner setzt. Also grob in den unteren Oberteil der Box, mit genügend Luft zwischen den beiden Chassis, abmessen und auf die andere Seite übertragen.
Um Chassis, Bassreflexrohre und Anschlüsse einzuzeichnen benutze ich einen patinabesetzen Zirkel aus den 60er Jahren, der hier noch rumflog und wahrscheinlich mittlerweile den Wert des gesamten anderen Werkzeugs zusammen übersteigt...
Da mein Winkel ärgerlicherweise nicht auffindbar ist, benutze ich die Modellplatte für hinlänglich gerade Bleistiftverbindungen zwischen einzelnen Punkten und sage mir, daß ich mit der mir recht ungewohnten Handstichsäge aus einer geraden Linie sowieso eine weniger solche machen würde. Ich sollte damit Recht behalten.
Beim Zeichnen der Kreise für die Chassis setzt leider mein logisches Denkvermögen kurzfristig aus, und ich mache einen vermeidbaren und darum um so ärgerlichen Fehler. Doch dazu später...

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Erstmal packe ich mir die kriegsbemalten Mdf-Stücke und ziehe damit nach draußen zur 'Werkbank' um mutig den Kampf mit der Stichsäge aufzunehmen. Da ich kaum Erfahrung mit dem Teil habe, beginne ich nach dem Einspannen des Sägeblattes erstmal mit den Versteifungskreuzen, da ich dort kleinere Ungenauigkeiten für verschmerzbar halte. Um die Säge ansetzen zu können, bohrte ich jeweils zwei Löcher pro Aussparung in die gegenüberliegenden Ecken und schneide von da aus dann in mehr oder weniger 90°-Winkel an den Kanten entlang. Beim ersten Versuch noch mit ein paar Ausrutschern, das Kurvensägblatt hat tatsächlich die Angewohnheit auszubrechen und Kurven schneiden zu wollen. Beim nächsten Versuch klappt das schon deutlich besser und die erhoffte Form ist mit etwas Phantasie durchaus ganz gut zu erkennen. Zum Material muß ich sagen, daß MDF ein wirklich verzeihender Werkstoff ist, Holz gilt ja schon als solcher, doch hier ist das noch viel ausgeprägter: Nichts splittert, reißt oder franst aus, jedem der genug Fingerfertigkeit besitzt, sich beim Popeln nicht die Nasenwand zu durchstoßen, könnte man MDF ruhigen Gewissens zur Bearbeitung in die Hände drücken...

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Mit dem Erfahrungsanstieg auf Stichsägen-Level-2 mache ich mich sogleich an die Aussparungen für Chassis und die auf der Rückseite der Boxen für Bassrefexrohr und Anschlüsse. Klappt ganz gut, kleinere Unebenheiten arbeite ich mangels Feile mit groben 60er Schmirgelpapier und viel Geduld heraus. Ich benutze dafür ein Rundholz, um das ich das Schmirgelpapier eng gewickelt habe. In meinem Fall ist das ein Stück alter Bohnenstange, gibt's aber auch im Baumarkt oder in Form eines zerbrochenen Besenstils in der Putzkammer von Frau/Freundin/Mama/Hausmann (weniger zu empfehlen)...

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Nach einer längeren Reiberei mit den Schnittkanten und unzähligen unflätigen Flüchen über die treulose Feile, die sich in der Stunde der Not aus der Affäre gezogen hat, bin ich mit der Ergebnis endlich zufrieden, sammele die Teile ein und lege sie mir zurecht um sie genauer in Augenschein zu nehmen. Was ich mit den Versteifungskreuzen in Sachen Dämmung mache, weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, die Bauanleitung schweigt sich in Sachen Dämmung komplett aus. Probehalber habe ich die Kanten mit Schmirgelpapier gebrochen und mit Panzertape als Isolierung vor der etwaigen Dämmung schallisoliert. So recht überzeugen tut mich das ganze aber nicht, ich lege sie erstmal auf Seite. Sämtliche runden Aussparungen habe ich exzessiv geglättet und komplett rundgeschliffen (ja, mit Schmirgelpapier...:schief:).
Sieht vielversprechend aus. Probieren wir doch mal, ob alles paßt...

Am Anfang sieht alles gut aus, die Teile passen praktisch auf Anhieb, bei den Bassreflexrohren hab ich etwas zu knapp gemessen, die passen noch nicht in die Öffnugen, da muß ich noch drei oder vier Millimeter abschleifen (*seufz*). Die Hochtöner sitzen wie angegossen, Tieftöner: paßt halbwegs und: *******! Paßt nicht. Jetzt rächt es sich das ich anfangs die genauen Maße genommen habe, dann mit der Stichsäge genau (oder jedenfalls ansatzweise...) auf der eingezeichneten Linie geschnitten habe und dann noch ein paar Millimeter abgeschliffen habe... Die Maße in der Anleitung beziehen sich natürlich auf das Endergebnis. Jetzt fehlen aber ein oder zwei Millimeter um die ganze Chose dicht zu kriegen. Zwar liegt dem Bausatz Dichtband in der ausreichenden Menge bei um das abzudichten, aber gerade bei dem offenen Chassis des Tieftöners will ich saubere Arbeit machen, um ihm auch anständigen Klang zu entlocken. Außerdem hab ich mich irgendwo auf der Mittelachse vermessen, der Hochtöner sitzt etwas versetzt zum Tieftöner. Klanglich irrelevant (soweit ich das mit meiner umfassenden Boxenbauer-Erfahrung sagen kann), sieht aber unschön aus, ich will nicht die ganze Zeit von meinen Boxen angschielt werden...

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Also auf den Feuerholzstapel damit, in den Baumarkt und Ersatz geholt. Ich nehme gleich beide Seiten, weil ich mir sicher bin, es diesmal umso besser hinzubekommen. Kostenpunkt: 2,61€. Eine Feile (halbrund) und einen Winkel packe ich bei der Gelegenheit auch noch mit ein. Mit Stichsägen-Erfahrungslevel-3 und um einige Millimeter verringertem Radius geht es also frisch ans Werk. Dieses Mal ist das Ergebnis schon ziemlich sauber, so ärgerlich die verschenkte Arbeit auch ist, umso erfreulicher ist es, wenn man seine eigenen Fähigkeiten so dramatisch wachsen sehen kann.

Anschließend, die Dunkelheit senkt langsam ihren Schleier über meine 'Werkbank', wird aber mit einer guten, alten Glühbirne effektiv vertrieben, schnappe ich mir stolz meine neue Feile und bearbeite -diesesmal mit zur Hand liegenden Teilen zum Einpassen- nach bestem Gewissen und Können die frisch gesägten Teile. Als ich mit Vorder- und Rückseite fertig bin, schnappe ich mir nach kurzer Überlegung noch die Versteifungen, entferne das unsägliche Panzertape-Gemurkse und greife auch dort zur Feile. Ich entschließe mich, die mit unsicheren Hand gesägten Unzulänglichkeiten nicht zu entfernen, sondern sie im Gegenteil mit der Feile noch herauszuarbeiten und rundzuschleifen. Das mag der Lebendigkeit des Sounds zugute kommen. Oder auch völlig überflüssig sein, wer weiß. Jedenfalls habe ich jetzt die wahrscheinlich ersten Versteifungskreuze im Boxenbau mit den organisch-fließenden Formen des Jugendstils. Und zumindest einen Placebo-Effekt dürfte es in meinen Ohren für die Arbeit geben. Nach ein etwa anderthalb bis zwei Stunden bin ich mit dem Feilen und anschließendem Schmirgeln aller Teile fertig.

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Ich lege mir alle Teile wieder zurück und mache mich dann mit leichtem Bedenken ans Verkleben der Flächen mit dem großmäuligen Leim. Am nächsten Tag werde ich denn sehen, ob er hält, was er verspricht... Ganz auf druckausübende Maßnahmen will ich dann aber doch nicht verzichten, ich beschwere die obenliegende Seite mit ein paar Backsteinen, die Seiten stütze ich mit ebensolchen ab...
Dann haue ich mich auf's Ohr, gespannt auf das Ergebnis.

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Ich beende mal die erste Wall-of-Text, ist viel umfangreicher als geplant geworden... Hoffe, der eine oder andere schafft es trotzdem, das zu lesen und bleibt nicht irgendwann entkräftet auf der Strecke ;-)
Und Sorry wegen der teilweise unterirdischen Bildqualität, ich mußte Aufgrund Ladeschwierigkeiten meiner Kamera-Akkus auf's (Billig-)Handy umsteigen.
 
So weiter geht's...

Am nächsten Morgen nehme ich die bis auf die Rückwand fertig verleimten Boxen in Augenschein, und siehe da: der Leim hat tatsächlich geleistet was versprochen wurde. Sämtliche Klebestellen sind sauber und dicht, einen sehr stabilen Eindruck macht das ganze auch, 75 darauf herumhüpfende Kilos hält das ganze jedenfalls ohne weiteres aus.

Also schnapp ich mir die Dinger und bringe sie raus ins Tageslicht um mich an die nächste Baustelle zu machen: der Dämmung. Das beigelegte Dämmaterial kam mir gleich etwas knapp vor, und es reicht auch nicht für alle Flächen, für die Rückwand muß ich mir was anderes einfallen lassen. Aber da kommen auch noch die Frequenzweichen hin, wird also verschoben, bis ich die zusammengelötet habe...

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Die beigelegte Dämmwolle ist zähes Zeugs, selbst mit einem ziemlich scharfen Filettiermesser aus der Küchenabteilung nur schwer zu schneiden. Prkatischerweise kann man sie aber entlang der Faser sehr leicht und sauber reißen. Gegen die Faser ist man mit dieser Methode aber chancenlos.
Ich lege die Matten über die Boxen schneide/reiße sie großzügig zurecht und klebe sie dann mit einer Kombination aus doppelseitigem Klebeband und Alleskleber ein. Die Aussparung für die Chassis schneide ich zunächst grob mit dem Messer aus. In etwaige kleine Lücken stopfe ich mit Kleber geträngte zurechtgerupfte Stückchen der Dämmwolle. Das alles geht recht zügig vorran und zumindest an den Fingern klebt der Kram schon mal ganz vorzüglich... Ich bin mit beiden Seiten recht schnell fertig und mit dem Ergebnis durchaus zufrieden.

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Als nächstes steht ein Projekt an, vor dem ich einen gewissen Bammel habe: Das Verlöten der Weichen. Zwar kann ich Draht A mit Draht B und an guten Tage auch unfallfrei mit Draht C verlöten, aber eine Frequenzweiche mit Widerständen, Spulen und Schaltplan habe ich noch nie versucht. Demensprechend pingelig studiere ich den Schaltplan, den ich Aufgrund der größe der zu verbauenden Teile auch noch anpassen muß. Ich lege die Widerstände, Spule und was-weiß-ich auf der Modellplatte zurecht, zeichne ihre Position und etwaige Größe ein und verbinde sie dem Schaltplan nach. Das ganze geht viel einfacher von der Hand, als ich befürchtete...
Mit einem Nagel und einem Hammer klopfe ich die Löcher für die Drähte ein (bei Seite eins noch ein paar zu viele, aber sei's drum) und stecke dann das ganze Gedöns von der Rückseite auf, so daß ich auf der anderen Seite löten kann und dabei den aufgezeichneten Schaltplan im Auge habe. Dann mache ich mich ans Verlöten. Alles läuft prima, erstaunlicherweise... Ich verwechsele Zwar die Farbe der Drähte (Rot ist bei mir eben Minus), aber ansonsten stoße ich auf keine Probleme. Die Lötstellen und Kabel fixiere und isoliere ich dann noch mit Panzertape, und mache mich an die andere Seite.

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Danach schlepp ich Hoch- und Tieftöner samt Weichen zum Verstärker und probiere das ganze aus. Und siehe da: es funktioniert. Ich bin halbwegs verblüfft...

Also kann's so langsam zum Endspurt gehen... Ich vermesse die Weichen, zeichne die Position der Versteifung auf der Rückseite der Boxen ein, schraube die Weichen unterlegt mit doppelseitiger Luftpolsterfolie zur Dämmung an die Rückwand, und schnappe mir noch in der Gegend rumfliegendes Dämmaterial in Form von für Isolierung von Rosen zugedachter Kokoswolle. Die Verklebe ich passed zugeschnitten mit Rückseite und Weiche, hoffe nur, die Elektronik wird nicht ein paar hundert Grad heiß...
Abschließend gibt's noch ein 3-Wetter-Taft-Styling für die krause Wolle mit Sprühkleber, damit nichts fusselt.

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Für's erste verschraube ich die Rückwand nur mit dem Gehäuse, hauptsächlich deswegen, weil ich bei einem eventuellen Fehler bei der Verkabelung, einem defekt einer Lötstelle auf der Weiche oder ähnlichem nicht zum Beheben das Brecheisen ansetzen muß, aber auch, weil ich die Bastarde endlich spielen hören will und nicht noch einen Tag warten will, bis die Verleimung angezogen ist. Zum Schluß setzte ich die nun satt sitzenden Chassis ein, wobei ich im Hinterkopf behalten habe, daß ich die Verkabelung vertauschen muß. Vorher flämme ich noch die überstehende Dämmung mit dem Feuerzeug zurecht, damit sie nicht gegen die Membran stößt.

Dann schraube ich die Chassis mit lautem Fluchen an die Gehäuse, denn während ich bei der Verschraubung der Rückseiten mit einem passenden Bohrer vorbohren konnte, sind hier die Schrauben eine Nummer zu klein, ich habe keinen passenden Bohrer. Und MDF ist ein zäher Bastard. Aus Angst mit dem Schraubenzieher abzurutschen und ein fettes Loch in die Membran zu stanzen, packe ich besonders fest, mit dem Erfolg, das ich nach der Verschraubung eine hübsche Blase auf meiner Handinnenfläche verzeichnen kann. Doch es ist geschafft: technisch sind die Boxen fertig.

Mit vorsichtigem Optimismus schleppe ich die doch relativ großen, schweren Boxen zum Verstärker. Und bin mehr oder weniger überwältigt: Der Klang ist um Längen besser, als ich erhoft habe, unglaublich wie offen und frei die Boxen spielen... Zum testen spiele ich mich quer durch meine Musiksammlung, wobei ich einigen Klavierstücken den Vorrang gebe, die decken Schwächen gnadenlos auf. Aber es klingt luftig und beschwingt, man hört sauber die Anschläge, das Nachschwingen der Saiten... Für das günstige Material und billigen Chassis beinahe unglaublich. Der Bass sitzt auch wo er hingehört, ist straff und trocken und laut genug ist das ganze auch.

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Einzig Tiefbass können die Boxen nicht wirklich liefern, war aber auch nicht zu erwarten und ist schnell mit einem hier noch rumstehenden und passend angepegeltem Yamaha-Subwoofer aus der Welt geräumt. Ab 65Hz greift der unterstützend zu und vervollständigt das Klangbild.

Jetzt muß ich mir nur noch Gedanken um das Finish machen, hatte erst im Sinn, die Dinger schön abzuschleifen und mit Folie aus Karbon-Imitat zu bekleben, säh denke ich cool aus, ein kurzer Check im Auto-Zubehör, ließ mich aber die Idee erstmal verwerfen, kostet da 50€/m², viel zu teuer für so ein Projekt. Vielleicht finde ich im Internet noch was günstigeres, sonst wird's wohl eine einfache Lackierung in Anthrazit oder Schwarz.
Aber erst wenn ich wieder Zeit habe und grade keine Musik mehr hören will...:schief:

Die Arbeit hat sich jedenfalls absolut gelohnt, so einen guten Klang hatte ich bisher noch nie, auch die zum Vergleich herangezogenen hier noch rumstehenden mit hochwertigen Treibern ausgerüsteten Bowers & Wilkins CM1 (~800€) klingen lange nicht so befreit und fröhlich wie meine selbstzusammengeschusterten. Ich kann mich also in die Reihe der Befürworter des Selbstbaus miteinreihen und jedem ans Herz legen, das mal zu probieren. Ist keine Hexerei und auch mit einfachsten Mitteln möglich. Einfacher und schneller geht's natürlich in einer gut ausgestatteten Werkstatt, doch nötig ist das keineswegs...

Ich melde mich noch mal, wenn ich mit dem Finish fertig bin,
bis denne, spätestens bis zum nächsten Projekt, denn das war ganz sicher nicht das letzte =)
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Du hast mit ner Srichsäge runde Löcher hinbekommen? ^^ ich hab meinen PC in meinen Schreibtisch eingebaut und dazu auch ein 40x40cm großes Loch in die Seite des Tisches gesägt, dafür hab ich dann halt eine Seite gerade gesägt und bin dann 5-6cm vor der ersten "Ecke" quasi abgebogen, wollte also erstmal "runde Ecken" ausschneiden und das Eckstück nachträglich raussägen - aber selbst bei diesem "Abbiegen" würde die Kurve total schief, ich hätte da nie im Leben was halbwegs kreisförmiges hinbekommen :D
 
Wie gesagt, ich hab ein Kurvensägeblatt benutzt, eventuell hilft das ja... damit war es dafür schwierig, eine gerade Linie zu sägen. Ich hab sonst nur Kleinkram mit einer Handstichsäge gesägt, kann also nicht wirklich behaupten, daß ich mich damit auskenne^^ Aber mit ein bisschen Übung ging es eigentlich ganz gut...
 
Sehr schöner Bericht!
Sicher hilfreich, noch einige Andere zum Selbstbau zu bewegen:D

Inzwischen juckt es mich auch immer stärker in den Fingern, mal etwas selbst zu bauen...
 
Ließt sich sehr schön dein Bericht! Mein erste Selbstbau ist ja auch erst eine Woche her und seit gestern sind sie zu 100% fertig was das Feintuning angeht. Hätte aber schon Lust auf was neues. :D

Sehen auch gut aus die Zwei. Bin gespannt wie du sie vollendest. Bei MDF spricht doch quasi alles für das Furnieren! ;)
 
Erstmal Danke für's Interesse... =)

Beim Finish bin ich immer noch nicht weitergekommen, wie gesagt, Folie aus Carbonimitat fänd ich anständig, wie sowas hier, ist mir für so ein Projekt eigentlich zu teuer. Müßte mal messen, wieviel ich davon brauche... Funieren hab ich mir auch schon überlegt, ist eine gute Alternative, denke ich; auch wenn ich davon mal wieder keine Ahnung habe... Aber das sollte einen bewiesenermaßen nicht aufhalten ;-)
Mal schauen.

Ansonsten bleibt ja noch die Möglichkeit, sie zu Lackieren, würde ich dann in mehreren Schichten mit mehrfachem Schleifen machen, sollte auch ganz anständig aussehen...

Ist noch nicht entschieden, aber ich tendiere dazu aufwendigere und teurere Maßnahmen auf das nächste (wertigere) Projekt zu verschieben... Um Weihnachten hätt ich wieder was Zeit. Mir juckt's nämlich auch schon wieder in den Fingern :P
 
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Super Sache liest sich gut,aber eine Oberfräse hätte Dir viel Arbeit erspart aber Du hast es ja auch so geschafft.
Ich kenne DIY nur zu gut habe mir im Sommer Urlaub mein Heimkino System gebaut 5 Cinetors von Heißmann Acoustiks + 2 Eminence Lab 12 in je 100ltr.BR danach 3 wochen zum lackierer und nun steht es im Wohnzimmer und ich bin 100% zufrieden.

Eventuell Schau dich mal nach einer Schicken Tapete um ....hab da schon viele Schicke LS gesehen mit und ist günstig

Viel Spass mit den Cheap Trick
 
Sind super geworden, blaidd!

Freut mich, dass du auch in den Selbstbauwahn verfallen bist ;)
Hast du schon an ein Furnier Finish gedacht? Hat viele Vorteile gegenüber lackieren. Und preislich nicht viel schlimmer, als lackieren (kommt natürlich auch drauf an, welches Furnier...)

Grüße
Alex
 
richtig netter Bericht, danke dafür.

Die Carbonfolie gibts bei ebay-versteigerungen richtig günstig. - Ich würde sie dafür aber nicht nehmen.

Ich selbst habe meine Lautsprecher vorne rot lackiert und die Seiten mit Carbonfolie bezogen. Die Schwierigkeit dabei ist das dehnen der Folie, bei dem sich das Muster auch mit zieht. Du müsstest somit für jede fläche, oder zumindest für front und die Seiten mehrere Stücke Folie nehmen - und die hat die Angewohnheit an den Rändern nicht richtig zu kleben.
 
Wieder einer mehr...:daumen:

Glückwunsch! Es freut mich wirklich, dass offenbar der eine oder andere sich von meinem Gefasel über Selbstbau überzeugen lässt! Das ist, genau wie du schreibst und ich immer wieder sage, kein Hexenwerk, auch wenn du es dir natürlich mit deinem puristischen Ansatz selbst schwer gemacht hast. Ich persönlich hätte keine Hemmungen auf einen Schreinereifuhrpark zurückzugreifen, wenn ich die Möglichkeit hätte!

Im Frühjahr greife ich auch selbst wieder ein und baue mir endlich meinen Dipol Subwoofer.
 
Sind super geworden, blaidd!
Hast du schon an ein Furnier Finish gedacht? Hat viele Vorteile gegenüber lackieren. Und preislich nicht viel schlimmer, als lackieren (kommt natürlich auch drauf an, welches Furnier...)

Das wär doch auch cool

Ich hab hier auch noch 2 mal Frequenzweiche, Hoch und Tieftöner rumliegen, die mal benutzt werden wollen - *Geldbeutel schiel* verdammt, leer!

Ohh, und Glückwunsch zur Main
 
Das wär doch auch cool

Ich hab hier auch noch 2 mal Frequenzweiche, Hoch und Tieftöner rumliegen, die mal benutzt werden wollen - *Geldbeutel schiel* verdammt, leer!

Ohh, und Glückwunsch zur Main

Hast du für das Zeug auch einen Gehäuseplan? Oder handelt es sich um eine vorgefertigte Weiche ohne Bezug zum Gehäuse und den Treibern? In dem Fall ist das Projekt schon jetzt praktisch zum Scheitern verurteilt. Ein Erfolg wäre reiner (und eigentlich auszuschließender) Zufall!
 
Funieren hab ich mir auch schon überlegt... direkt beim Holzzuschnitt im Baumarkt gibt es Muster... Marmor oder so muß jetzt nicht sein, aber da gibt's schon was nettes. Ich hab zwar keine Ahnung, wie das geht, aber das soll mich nicht aufhalten^^

Glückwunsch! Es freut mich wirklich, dass offenbar der eine oder andere sich von meinem Gefasel über Selbstbau überzeugen lässt! Das ist, genau wie du schreibst und ich immer wieder sage, kein Hexenwerk, auch wenn du es dir natürlich mit deinem puristischen Ansatz selbst schwer gemacht hast. Ich persönlich hätte keine Hemmungen auf einen Schreinereifuhrpark zurückzugreifen, wenn ich die Möglichkeit hätte!
Ich mach's mir gern schwer ;-) Hätte auch einfach Jura oder so studieren können, dann hätte ich jetzt eher Probleme wie anständigen Champanger für den Kühlschrank meiner Jacht zu finden... Stattdessen hau ich mich lieber irgendwie ohne genaueren Plan durch... Auch wenn's teilweise bis zur totalen Erschöpfung geht.

Ich dachte mir einfach, daß es auch so gehen muß... Grade so lern ich eben am schnellsten. Das sollte ja neben dem Spaß am Bauen auch Ziel des Projekts sein, die Boxen, auch wenn sie echt toll klingen sind eher eine kurzfristige Lösung, da wird sobald sich wieder etwas Zeit finden läßt nochmal etwas mehr investiert und wieder was neues gebaut. Das hier war mehr als Machbarkeitsstudie gedacht, die CT260 trete ich wahrscheinlich an meinen handwerklich eher unbedarften (weil faul und ungeduldig) Bruder ab. Hatte sowas hier im Sinn... Dann auch wahrscheinlich in der Tischlerei... Da ist es auch easy, beinahe auf den Nanometer genau zu bauen.

Anbei noch ein Foto von ein paar in der Schreinerei selbstgebauten Bauhaus-Hockern aus Antikholz (ausgediente Kirchenbänke aus dem 17. Jahrhundert) [EDIT:] Sind dreckig seh ich grad... :schief: (im Hintergrund außerdem noch ein aus dem vollen Stück Olivenholz gefertigten Hocker/Tischlein)
und den Bowers & Wilkins.
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Blaidd, vielen vielen Dank für die tolle Anleitung! Und heute erstmal auch noch frohe Weihnacht! Ich bastele nun seit gestern auch an meinen CT-260 und bin momentan aufgeschmissen was die Position des Bassreflexrohrs anbelangt. Muss es quasi auf der Rückseite mittig des Tieftöners angebracht werden? Und wie genau bringst du sie an, einfach ein Loch und hereinstecken? verkleben, abdichten?

Vielen Dank für die Auskunft, und nochmal frohe Weihnacht allerseits!
Gruß, LeFlex
 
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