@igorsLAB Eine Frage hätte ich durchaus, nimmt eine Paste mit der Zeit an Leistung ab, oder bleibt ungefähr über die Jahre gleich? Meine MX-2 ist von 2004/2005 gekauft die ich nutze.
Deine Frage ist absolut berechtigt, weil sie genau den Kern der ganzen Haltbarkeitsdiskussion trifft. Kurz gesagt: Es gibt beides. Manche Wärmeleitpasten bleiben über viele Jahre erstaunlich stabil, andere verlieren mit der Zeit messbar an Leistung. Dass Deine MX-2 aus 2004/2005 heute noch funktioniert, ist kein Einzelfall, sondern ein gutes Beispiel für eine Paste mit sehr robuster, weil einfacher Rezeptur. Solche Pasten trocknen kaum aus, zeigen wenig Pump-Out und behalten ihren Wärmewiderstand über lange Zeiträume weitgehend bei, auch wenn sie natürlich nicht zur absoluten Leistungsspitze gehören.
Ob eine Paste mit der Zeit schlechter wird, hängt vor allem von ihrer inneren Struktur ab. Entscheidend sind die Matrix, also das Bindemittel, die Art und Größe der Füllstoffe sowie deren Wechselwirkung mit den Kontaktflächen. Pasten, die sehr weich, stark ölhaltig oder extrem fein formuliert sind, können mit den Jahren Öl verlieren, an den Rändern wandern oder an der Kontaktfläche an Qualität einbüßen. Das passiert oft langsam und bleibt im Alltag lange unbemerkt, bis Temperaturen irgendwann merklich steigen.
Genau hier setzt das beschleunigte Prüfverfahren an, das ich jetzt mit dem 30-30-Sekunden-Zyklus einsetze. Statt Jahre oder Jahrzehnte abzuwarten, wird die Paste gezielt unter thermischen Wechselstress gesetzt. Im sogenannten 30-30-Sekunden-Verfahren wird die Paste ständig zwischen niedriger und hoher Temperatur hin- und hergefahren, zum Beispiel zwischen 20 und 100 Grad. Die kurzen Zeitintervalle sorgen dafür, dass sich kein vollständiges thermisches Gleichgewicht einstellt. Dadurch entstehen starke Temperaturgradienten und bei jedem Zyklus kleine Scherbewegungen in der Paste.
Diese Scherbewegungen sind der eigentliche Alterungstreiber. Sie beschleunigen genau die Effekte, die im realen Betrieb über viele Jahre auftreten würden, also Pump-Out, Randwanderung, nachlassende Grenzflächenhaftung oder Ölseparation. Was im Alltag vielleicht zehn Jahre braucht, zeigt sich hier oft schon nach einigen hundert Zyklen. Gute, langzeitstabile Pasten bleiben auch unter diesen Bedingungen über lange Zeit nahezu unverändert. Schwächere Rezepturen verlieren dagegen sehr schnell an thermischer Qualität.
Wichtig ist dabei, dass die Ergebnisse immer relativ zu einer Referenzpaste bewertet werden, von der bekannt ist, dass sie langzeitstabil ist (bei mir wird es wohl die DOWSIL TC-5888 oder TC-5960). Bleibt diese Referenz über viele Zyklen konstant, zeigt das, dass das Prüfprofil selbst nicht „unnatürlich zerstört“, sondern Unterschiede offenlegt. Weicht eine Testpaste deutlich früher oder stärker ab, ist das ein klarer Hinweis auf geringere Haltbarkeit. Das kann man dan sogar als Index darstellen.
Deine alte MX-2 beweist, dass zweckmäßig formulierte Pasten über sehr lange Zeit stabil bleiben können, auch wenn sie (aus heutiger Sicht) nicht wirklich gut performen.