Ich habe vor einer Weile für jemanden einen Arctic Freezer verbaut und da war entsprechend auch MX-6 dabei. Ich wollte eh mal nachgelesen, bzw. -gefragt haben, ob das nur mir so ging, dass das Zeug so dermaßen zäh ist und an ungefähr allem haftet, nur nicht am Heatspreader. Hatte schon gedacht, dass da irgendwie eine schlechte Charge im Spiel war oder dass man die vielleicht vorher warmmachen muss oder so, weil ich so was noch nicht erlebt habe. Meine Erinnerung mag mich trügen, aber nicht mal die Arctic Silver war so schlecht zu verarbeiten. Ich habe dann stattdessen einach MX-2 genommen, die ich eh auch noch hatte.
Arctic Silver (1) fand ich eigentlich ziemlich gut zu verarbeiten. (Ceramique war schlimm. Und wurde mit dem Alter immer schlimmer.)
Aktuelle High-End-Pasten sind dagegen, logischerweise mit der Ausnahme Flüssigmetall, immer zäh. Warmmachen ist da tatsächlich empfehlenswert und eine gründliche Reinigung des Heatspreaders inklusive Entfettung (z.B. Alkohol)
und gründlichem Abtrocknenlassen hilft auch. Der größte Faktor ist aber die Auftragetechnik: Spatel ganz flach halten, langsam bewegen und mit hohem Druck arbeiten. Praktisch alle diese Pasten fangen unter Druck irgendwann an, langsam von alleine zu fließen und in diesem Bereich muss man blieben/arbeiten.
wenn ich sehe, wieviel die da als "X" draufklatschen, frag ich mich immer, ob das nich viel zu viel is. Hab mal gehört, dass die Paste nur die Rauheiten des Heatspreaders und des Kühlers auffüllen soll, damit der Kühler vollflächig aufliegt. Hab damals gelesen, dass man die Schrift auf dem Heatspreader nach dem Auftragen noch lesen können sollte. Ich nehm eher weniger als mehr und fahre damit echt gut. hatte mal etwas zu viel drauf, da waren die Temperaturen direkt "zu hoch". Also alles runter und nochma minimal drauf. Dann wars direkt 10°C weniger.
Die "lesbar"-Empfehlung dürfte locker 20 Jahre alt sein und stellt heute einen nicht immer erreichbaren Idealzustand dar – im Gegensatz zu den kleinen Heatspreadern von Sockel-478- und vor allem den Heatspreader-losen Sockel-462-CPUs hat man heute häufiger mit leichten Wölbungen zu kämpfen, bei denen ein direkter Metall-Metallkontakt der Rauheitsspitzen nicht mehr auf ganzer Fläche gegeben ist. Da muss die Wärmeleitpaste dann gegebenenfalls auch mal einen Spalt auffüllen und nicht nur Mikrostrukturen.
Hauptgrund für Arctics großzügige Auftragemenge (Wärmeleitpastenverkäufer lieben diesen Trick!) ist aber die Verteilmethode: Wie man bei den "danach" Bildern sehen kann, geht mit einem X die Hälfte daneben, weil lange vor Füllung aller Flächen am gegenüberliegenden Ende schon Paste herauszuquellen beginnt. Entsprechend mehr muss man auftragen, damit am Ende genug zwischen Kühler und CPU verbleibt. Bei einem Hersteller, dessen Darstellungen als allgemeine Empfehlung interpretiert werden könnten, kommt dann noch ein DAU-Zuschlag dazu: Es gibt User, die Schrauben nicht über Kreuz anziehen und dann besonders zu viel zu einer Seite herausdrücken, es gibt Kühler mit riesigen Lücken zwischen den Heatpipes, es gibt kleine und große Heatspreader, etc.. Da zu wenig Wärmeleitpaste weitaus negativere Folgen als zu viel hat, geht man lieber auf Nummer sicher und empfiehlt pauschal so viel, dass es nie zu wenig sein wird.