Was ist denn überhaupt der Grund bei Windows 10 zu bleiben ? Würde mich brennend interessieren , aber bitte keine emotionalen Gründe, nach vollziehbar , eventuell wenn es gibt mit Quellen.
Ich könnte dir jetzt die ganzen üblichen Sachen wie die immer schwerer zu umgehenden Zwänge zum Microsoft-Konto, zu TPM und Secure Boot, Telemetrie, ungefragte BitLocker-Verschlüsselung mit Recovery-Key in der Cloud, „KI“-Spyware etc. nennen. Da dies aber in meinem speziellen Fall alles gelöste bzw. umgangene Probleme sind, stattdessen ein etwas persönlicherer Bericht. Warnung: Kann Spuren von Zynismus enthalten:
Das Experiment „Windows-11-‚Upgrade‘ auf dem Hauptrechner“ hat bei mir jetzt genau 24 Stunden gedauert. Schon der Installationsprozess hat zwei Anläufe gebraucht: Ich hatte vorsorglich mittels Registry-Eintrag die Hardwareanforderungen außer Kraft gesetzt, um das TPM nicht einschalten zu müssen; und dann bei der Installation dummerweise den Fehler gemacht, Updates gleich mit installieren zu wollen, da der Installationsstick noch auf dem Stand vom März ist. Bei deren Installation hat das System den Braten mit dem fehlenden TPM und Secure Boot gerochen und ist wieder zurück auf Windows 10 gesprungen. Da war schon mal eine Stunde für nichts rum. Also das Ganze nochmal ohne sofortige Update-Mitnahme, dann lief es.
Kaum bootete ich in das nicht ganz so frische Windows 11, wurde ich als Erstes mit gleich drei Dingen konfrontiert:
- Der 7+ Taskbar Tweaker unterstützt Windows 11 nicht (und wird es wohl auch nie), weil ja die alte Taskleiste verworfen und durch eine neue ersetzt wurde, die nicht mehr auf die gleiche Weise angesprochen werden kann. Ist zwar nur kosmetischer Natur, aber ich habe gern die Schnellstartlinks in der Taskleiste so groß wie unter Linux Mint und auch – noch trivialer – eine Sekundenanzeige in der Uhr rechts. Beides Dinge, die bei Windows standardmäßig aus welchem Grund auch immer nicht als Optionen angeboten werden. Da es sich um FOSS handelt, kann man dem Entwickler hier auch keine Vorwürfe machen – ich hätte die neue Taskbar bei Windows 11 genauso wenig gebraucht wie die restlichen kosmetischen Verbesserungen. Das war aber noch das kleinste Ärgernis.
- Eine große Fehlermeldung, dass der Treiber ene.sys vom System nicht unterstützt wurde. Ich fand relativ schnell raus, dass das der RGB-Treiber für die aquasuite sein muss. Tatsächlich hatte schon Windows 10 die Schnittstelle, wo die Software bisher zugreift, als Sicherheitslücke eingestuft, sodass ich eine Ausnahme im Defender dafür festlegen musste. Das war unter Windows 11 so nicht mehr möglich, damit hat mich die Nummer dann doch mal hinterm Ofen hervorgelockt, ein Jahr weitere Updates für die aquasuite zu kaufen.
- Keine Netzwerkverbindung möglich. Aus irgendeinem Grund kam Windows 11 nicht mit dem Killer E2500 zurecht (das X370-Board ist zugegebenermaßen noch aus der Ryzen-Generation, die Microsoft eigentlich abgesägt hat). Ein Umstecken des LAN-Kabels in die zweite Netzwerkbuchse mit Intel-Controller hat hier Abhilfe geschaffen, um sich den Treiber nochmal zu ziehen (und auch alle anderen Updates gleich zu installieren); aber wie hätte das wohl bei einem Board ausgesehen, das keine zweite Netzwerkbuchse und auch kein WLAN hat? Man sollte meinen, dass derlei Probleme mit fehlenden Netzwerktreibern bei der Windows-Installation inzwischen der Vergangenheit angehören, aber wir sind hier bei Microsoft – das es nichtsdestotrotz für eine gute Idee und geradezu notwendig hält, Ottonormalusern die Installation von Windows 11 lokal ohne Internetverbindung und Microsoft-Konto zu verweigern.
Nach Behebung oder Ignorieren dieser ersten Probleme ging es dann erst mal daran, Updates einzuspielen und nebenbei schon mal in Gruppenrichtlinien und Registry rumzufummeln, um Copilot/Recall abzuschalten sowie das alte Kontextmenü und auch den Dateimanager wiederherzustellen. Damit gleich der nächste Ärger: Zum einen hatte die Installation meinen Schnellzugriff gelöscht, zum anderen waren alle japanischen Schriftarten für den Windows-Explorer verschwunden, was sich dadurch bemerkbar machte, dass alle entsprechenden Dateinamen wieder im ebenso vorsintflutlichen wie potthässlichen NSimSun angezeigt wurden, genauso wie die japanische Tastatureingabe. Das durfte ich dann zusätzlich zu den Updates nochmal händisch nachinstallieren, was besonders Spaß machte, da die Windows-Server gestern Abend anscheinend mit einer besonders hohen Auslastung zu kämpfen hatten.
Eine ganz seltsame Sache, die aber blieb: Wann immer ich das Fenster „(Mein) Computer“ aufrief, also die Übersicht aller Datenträger, die bei mir immer noch ganz altmodisch „Arbeitsplatz“ heißt, ist der Windows-Explorer erst mal für eine Minute eingefroren. Jedes Mal. Egal, ob ich ein frisches Fenster vom Desktop öffnete oder aus einem bestehenden in die Übersicht ging. Erklärung dafür? Gab es keine. Unter Windows 10? Nie aufgetreten.
Nächstes Ärgernis: Windows Spotlight verweigerte den Dienst. Was ich auch tat, immer lachte mich auf dem Sperr- und Anmeldebildschirm der grellblaue Stock-Hintergrund an. Gab mehrere Lösungsvorschläge im Netz, nicht einer hat funktioniert, und Windows konnte einem auch nicht sagen, warum. Auch das ist ein Kosmetikum, was man streng genommen ignorieren und einfach selbst Wallpapers festlegen könnte, aber so bin ich nicht gestrickt. Wenn mit einem Mal so ein Problem auftritt, das vorher nie ein Thema war und für das keine der vorgeschlagenen Lösungen funktioniert, lässt mich das nicht los.
Nachdem ich bis dahin schon versucht hatte, mir all das damit schönzureden, dass mit Windows 11 jetzt wenigstens in DaVinci Resolve ein Bug weg ist, der bei der Windows-10-Version mir bis zuletzt immer den Ton ruiniert hat, wenn ich ihn in AAC exportieren musste, und alle andere Software immerhin noch problemlos zu laufen scheint, da war Windows Update am Ende aber wieder der Oberbringer: Es blieb immer ein ganz bestimmtes Qualitätsupdate übrig, welches Windows einfach nicht installieren wollte, mir auch nicht sagen konnte, warum, es mir aber trotzdem immer wieder aufdrängte und mir einfach keine Ruhe ließ. Nach ein paar Handgriffen (manuelle Deinstallation und Neuinstallation) saß das dann, da kam prompt das Nächste, diesmal von einem Monat vorher, und da ließ sich das nicht wegmachen. Daraufhin habe ich die dafür vorgesehenen Diagnosetools von Windows bemüht, nur um den Hinweis zu erhalten, dass diese ja unter Windows 11 24H2 eingestellt wurden. Ersatz? Nicht vorhanden.
Und jetzt kommt das Beste: Mein Laptop, der schon mit Windows 11 ausgeliefert wurde, hat keines von letzteren, definitiv Windows-seitigen Problemen. Spotlight geht, Arbeitsplatz friert den Windows-Explorer nicht ein, und beide Updates, die auf dem Hauptrechner die Installation verweigert haben, wurden ohne Mucken installiert. Und den Laptop betreibe ich genauso wenig „systemkonform“ wie den PC, auch da ist das TPM aus und ein lokales Konto im Einsatz. Alle zusätzlichen Registry-Einträge und Änderungen an den Gruppenrichtlinien, die ich auf dem PC vorgenommen hatte, sind auch exakt so auf dem Laptop vorhanden. Und dennoch ist das Ergebnis ein anderes. Wenn ich exakt dasselbe tue und exakt dasselbe Ergebnis erwarte und es kommt trotzdem ein anderes raus, wer ist dann hier der Wahnsinnige?
Es sind also ein Haufen Kleinigkeiten, von denen man sich mit der Hälfte, die sich nicht lösen ließ, sicher abfinden könnte, die mich aber sowohl gegen meinen Willen als auch völlig unnötigerweise aus dem Rhythmus hinausreißen, den ich hier seit Jahren habe. Alles Probleme, die schon mal gelöst waren; und „Features“, nach denen niemand gefragt hat. Für deren Behebung wäre jetzt im Endeffekt eine komplette Neuinstallation vonnöten geworden, was dieses ganze Upgrade- und „Ist alles ganz easy!”-Lügenhowto ad absurdum führt, das hieße aber auch für mich, über 2 TB an Software wieder installieren und alle Einstellungen dazu händisch sichern und wiederherstellen zu müssen, ganz abgesehen von dem Risiko, mir die Dual-Boot-Installation mit Linux Mint zu zerschießen. Und da war der Weg zum „Zurückkehren“-Button nicht mehr weit.
Ich sehe die obligatorischen Kommentare à „Also ISCH hatte hier nie Probleme!“ und „You’re holding it wrong!“ schon kommen. Mir egal. Lasst stecken. Ich hasse Windows 11 und Microsofts Faxen immer mehr, und ich verfluche Hersteller professioneller Software wie AVID, auf deren Produkte ich und viele andere für den Lebensunterhalt angewiesen sind und die, trotz der Chancen, die das auch für sie firmenintern böte, nie einen Finger krumm gemacht haben, uns auch nur die Möglichkeit zu geben, sich endlich von dem Scheiß loszusagen – es sei denn, im goldenen Käfig bei Apple. Deren Schuld ist es auch, dass das noch so reizvolle Windows 10 IoT Enterprise LTSC 2021 für mich und viele andere keine realistische Option ist, da es mit 21H2 auf einer Version basiert, die sie teilweise bereits beim Support abgesägt haben, was halt die große Gefahr ist bei einer Windows-Edition, die für diesen Einsatzzweck nie vorgesehen war. Immerhin war der Button zur ESU-Registrierung jetzt endlich da und ich konnte meine 31,49 € hinterlassen – 2,62 € pro Monat für ein weiteres Jahr Seelenfrieden sind eine Kröte, die ich in Anbetracht und nach Erprobung der Alternativen mehr als bereit war, zu schlucken. Ich hoffe wirklich, dass Microsoft mit Windows 11 diesmal genug und vor allem die richtigen Leute anpisst, dass sich da auf Anwender- und Drittherstellerseite endlich mal was bewegt. Valve hat gezeigt, wie Gaming auf Linux gehen kann, jetzt muss nur der Rest nachziehen.