So wäre der Satz noch deutlich sinnvoller.
Aber ja, Kinder sollten nicht zu früh mit social media in Kontakt kommen.
Eine gesetzliche Altersgrenze wäre garantiert sinnvoll!
Immerhin gibt es ja auch
- keine Menschen unter 18, welche rauchen.
- keine Menschen unter 16, welche Alkohol trinken.
- keine Menschen unter 14, welche sexuell aktiv sind.
Interessant finde ich die Gegenüberstellung mit anderen Forderungen aus gleicher Ecke:
- Bis 16 ist man zu jung für Social Media, aber ab 16 wirbt die Bundeswehr in Schulen um Rekruten?
- 14-Jährige müssen vor Traumatisierung durch Gewaltvideos auf TikTok geschützt werden, aber wenn 14-Jährige nach Deutschland fliehen, die vergleichbares live (und an Familienangehörigen) erlebt haben, dann ist das einzudämmende "irreguläre Migration"?
- Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, muss "digitalisiert" werden, also als App in den Play- oder i-Store, aber Smartphones sind eine Gefahr?
Immerhin kommt Linnemann aus einer Partei, die nicht im gleichen Atemzug Wahlen ab 16 fordert. Zwei Jahre für den Medienkompetenz-Sprung von "muss vor Social Media geschützt werden" zu "mündiger Bürger" erscheint mir dennoch sportlich. Der Umgang mit Informationsquellen muss
viel früher verinnerlicht werden, wenn er im Erwachsenenalter funktionieren soll.
Ich denke tatsächlich auch, dass eine Erhöhung der Altersfreigabe durchaus seinen Sinn hat. Hier besteht aber ein großes Aber.
Das mag nicht immer vom Nachteil sein, wenn sich Kontakte ins soziale Netzwerk verschieben. Gerade wenn man Freunde und Angehörige hat, die man kaum sieht (weil Familie, große Entfernung o.ä.), kann das schon vorteilhaft sein, via Social Media Kontakt zu halten und auch mal zu sehen, was sie so treiben.
Der Nachteil besteht aber nicht im Social Media selbst, sondern dass Social Media häufig die analoge Interaktion ersetzt, bzw. ersetzen MUSS, damit überhaupt Kontakt bestehen bleibt. D.h. die Problematik liegt eigentlich woanders. Wenig Zeit, zu große Entfernung, Arbeit, Familie, Vereine...der Zeitmangel betrifft schon Kinder im Grundschulalter.
Und es sind ja nicht nur Kinder und Jugendliche betroffen von psychischen Belastungen und der Verschiebung sozialer Kontakte ins Netz. Das betrifft so viele Menschen. Eine Altersfreigabe wäre nur eine Symptombekämpfung, was aber nicht die eigentliche Ursache löst.
Woher sonst sollen die Kinder es also haben, wenn nicht von ihren engsten Bezugspersonen? Schon Erwachsene hängen viel zu viel am Handy, lungern auf Social Media rum und gehen verantwortungslos mit ihrer eigenen Privatsphäre um, geschweige denn mit der Privatsphäre ihrer KInder. Und letzteres ist noch wesentlich schlimmer, weil die Kinder keinen Einfluss darauf haben und abhängig von den Entscheidungen der Sorgebrechtigten sind. Man muss nicht mal besonders lange suchen, um Kinderfotos und Fotos von jungen Jugendlichen im Netz zu finden. Da reicht meist ein Blick in die Profile von Bekannten.
Die Plattformbetreiber müssten auch mitziehen und das Konzept von Social Media sollte gehörig umgekrempelt werden. Der Fokus liegt hier weniger auf der sozialen Interaktion an sich. D.h. miteinander in Kontakt treten, sich austauschen usw. Die Plattformen sind auf Likes und schnellen Konsum ausgelegt. Toxische Positivität und Bestätigung. Bilder und Shorts/Reels/what ever. Mal eben fix was angucken? Daraus können Stunden werden.
Und es kontrolliert keiner, ob da jetzt nun eine 13jährige ihren halbnackten Hintern auf Tiktok bewegt oder eine 23jährige. Und wir reden ja nicht nur davon. Sondern auch von Kindern, die heulend dargestellt werden, in peinlichen Situationen stecken usw. Hochgeladen von Eltern und verbreitet vom Rest. Das Internet vergisst nicht und Menschen wurden schon häufiger aufgrund unfreiwilliger Internetpräsenz gemobbt und teilweise sogar bis zur schweren Depression getrieben.
Lange Rede, kurzer Sinn: Der Zug ist abgefahren. Bevor man eine Altersgrenze einführt, sollte erstmal gehörig im Internet aufgeräumt werden.
Das Internet wurde als ein Raum von Erwachsenen für Erwachsene geschaffen und das wird man auf globaler Ebene auch nicht ändern können. Bisherige Versuche brachten Einschränkungen für die Erwachsenen, ohne einen wirksamen Schutz für Kinder zu erreichen. Wer einen Safespace für Minderjährige will, muss diesen als abgeschlossenen Raum schaffen – und dann dürfen Eltern ihren Kindern auch nur Zugang zu diesem sicheren Teil geben und nicht zum Internet allgemein. Ganze Inhaltskategorien mittels KI-Überwachung (deren Vorgaben wer kontrolliert?) aus TikTok zu verbannen, aber /b/ offen zu lassen, schränkt zwar Kommunikation ein, verhindert aber nicht den Download und das Sharing von Gewaltvideos.
Kontakte zu Verwandten kann man übrigens auch über den Account der Eltern halten oder schlicht per E-Mail. Social Media wurde, als Evolution gegenüber älteren digitalen Kommunikationsformen, explizit für die Neuvernetzung über beliebige Entfernung geschaffen; um Menschen mit gleichen Interessen am anderen Ende der Welt zu finden (und passende Werbung auszuspielen^^). Wenn Eltern also nicht wollen, dass ihr Kind interessensbasiert Kontakt zu wildfremden Menschen am anderen Ende der Welt aufnimmt, dann sollte sie das Kind nicht auf Social Media lassen. Aber auszuschließen, dass ein Kind auf Social Media etwas nicht für Kinder gedachtes zu sehen bekommt, würde nicht nur der Grundidee zuwiderlaufen, sondern auch einen totalen, globalen Überwachungsstaat erfordern. Es ist schon ein Kampf gegen Windmühlen, auf Internet-Kommunikationsplattform die Menge von Inhalten klein zu halten, die alle Nutzer stören. Eine Reduktion auf Null auch von Inhalten, die einige Nutzer wollen, halte ich für unmöglich.
Wieso gibt es eigentlich kein Sozial Media extra für Kinder und Jugendliche?
Geld.
Bytedance, Google, Meta und Musk sind nicht die Wohlfahrt, sondern sie wollen verdienen. An Kinder darf man nur sehr beschränkt, je nach Region gegebenenfalls gar keine Werbung ausspielen, und muss umgekehrt eine hohe Sicherheit gegen Missbrauch garantieren. Das rechnet sich nicht.
Bin ich absolut dafür. Die Flut an Imformationen, gut oder schlecht, ist für Kinder nicht zu filtern. Selbst ich mit 48 bin mit den Nachrichtenmassen ab und an überfordert. FB und Insta habe ich schon verbannt, weil ungefiltert nur noch Mist kommt.
Das würde voraussetzen, das Eltern den ganzen Kram auch einsortieren können. Die Maße ist zu groß. Ich mag den Typ auch nicht, aber diesen Vorschlag unterstütze ich zu 100%
Also wenn man Kindern den Zugang zu Social Media mit der Begründung "Informationsflut überlastet" verbieten möchte und im gleichen Atemzug eine Überlastung der Eltern diagnostiziert, dann muss man aber mindestens auch ein Social-Media-Verbot für Eltern fordern.^^
(Garantierter positiver Effekt: Der Zwang für die Kinder, z.B. Facebook zu nutzen, weil Klassenaktivitäten ausschließlich über eine dortige Gruppe organisiert werden, hätte sich erledigt.)
Die ganzen Horrorprophezeiungen sind bisher nie wahr geworden, auch wenn man damals berechtigt anderes vermuten konnte. Die mit großen Abstand schlimmste Neuerung war die Einführung des Internets für die breite Masse, die um das Jahr 2000 stattfand. Dennoch wurde aus den meisten heute unter 40 jährigen Erwachsenen, die ich so kenne, doch etwas besseres, als ein Haufen abartiger Freaks.
Es mag der subjektive Blick eines alten "früher was alles besser" Sacks sein, aber:
Die Beschwerden von Unternehmen über mangelnde Bildung und mangelnde soziale Kompetenz von Schulabgängen scheinen mir seit 10-15 Jahren stetig zuzunehmen. Und die Zahl der diagnostizierten psychischen Probleme macht es definitiv. Das könnten schon Hinweise sein, dass bei der ab der Wiege digital aufwachsenden Generation respektive bei derjenigen, die von dem beschriebenen Haufen erzogen wird (/werden sollte) irgendwas schlechter läuft.
Man kann natürlich geteilter Meinung darüber sein, was dieses "irgendwas" ist. Aber ich sage mal so: Mit Ausnahme des Corona-Effekts begegnen in der öffentlichen Debatte nur Rahmenbedingungen, die ich noch aus meiner eigenen Kindheit kenne und welche auch ein-zwei weitere Generationen früher gültig waren. Kriege, Klimwandel, kritische Staatsverschuldung und kompetenzarme Politiker sind nun wahrlich keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, ähnliches gilt für Einträge abseits von "K". Was sich aber in den letzten 10-15 Jahren massiv gewandelt hat, ist die mediale Rezeption der Welt. Seit dem Web 2.0 steht, erstmals seit Erfindung des Massenbuchdrucks, keine Vorfilterung und Einordnung durch Profis mehr zwischen der Informationsflut und den Konsumenten (sogenannte "Redakteure", kann man mal gehört haben). Heute verbreitet jeder seine Meinung großräumig und es bleibt jedem persönlich oder aber eben viel kritisierten Social-Media-Algorithmen überlassen, mit der Kakophonie fertig zu werden.