täglich grüßt das murmeltier? hatte amd nicht schon längst ihr IO-die teilweise bei intel fertigen lassen?
Nein. Meinem Wissen nach hat Intel noch nie Fremdsilizium jeglicher Art für leistungsfähige CPUs gefertigt und AMD hat überhaupt erst je zwei Desktop- und Server-IODs designt, alle vier wurden bei TSMC in Auftrag gegeben. Die maximale Kooperation zwischen AMD und Intel war Kaby Lake G, da hat AMD das IGP-Chiplet designt und bei TSMC für Intel fertigen lassen.
Vielleicht geht's auch eher um chipsatze für Mainboards.
Ich bezweifle das AMD CPUs+GPUs fertigen lassen wird bei Intel
AMD hat seit dem X570, der auch nur eine Notlösung war, keine Chipsätze mehr entwickelt und in der gesamten Firmengeschichte davor gab es auch nur drei In-House-Designs. Promontory ist eine ASMedia-Entwicklung und soweit mir bekannt ist, kauft AMD nicht das Design, sondern die fertigen Chips. Die könnte ASMedia natürlich bei Intel fertigen lassen, aber dafür müssten dann eben ASMedia und Intel verhandeln, nicht AMD und Intel.
Das kann Intel doch ganz von selbst. Die können sich belieb viele CPUs auf dem Markt kaufen und "aufmachen" und anschauen, ebenso Boards etc. Wird wohl so auch gemacht werden. Dazu sind die technischen Finessen in aller Regel eh bekannt... Zum einen wird ein Patent drauf liegen und zum anderen haben sie deshalb immer noch kein Zugriff auf die Treiber- und Software Entwicklung. Daher ist es egal ob Konkurrent oder nicht. GPUs von Nvidia und AMD kommen auch aus der selben Fabrik...
Weder AMD noch Nvidia lassen in Fabs fertigen, die unter Kontrolle des jeweiligen Konkurrenten stehen. Würden sie das machen, würden tatsächlich Möglichkeiten für Industriespionage resultieren, die weitaus besser als an fertigen Chips wären. Selbige kann man erst nach Launch in großen Stückzahlen erwerben, ihren physischen Aufbau auch nur zu erfassen ist enorm aufwendig; die Logik dahinter nachzuvollziehen eine Sysphusarbeit und dann weiß man immer noch nicht, wie man sowas baut. Wir haben nicht mehr die 70er, als man Chips einfach abgeschliffen und die einzelnen Schichten wortwörtlich photo(-lithographisch-)kopiert hat.
Aber selbst wenn in-house-Fertigung es Intel ermöglichen würde, einen neuen Ryzen 1-2 Quartale vor Marktstart statt 1-2 Halbjahre danach zu verstehen, glaube ich nicht, dass sie diesen enormen Aufwand und das Risiko auf sich nehmen würden respektive dass AMD sich darum sorgen muss. Vergleicht man CPUs beider Hersteller unter Berücksichtigung der Fertigungstechnologie und Größe*, vergleicht man also die Qualität der Architekturen und nicht die genehmigten Ressourcenbudgets in einzelnen Klassen oder die gewählte Fertigung, dann hat Intel keinen nennenswerten Rückstand. Was (mal wieder) fehlt, ist eine konkurrenzfähige In-House-Fertigung. Aber wenn Intel zur Finalisierung der Arrow-Lake-Architektur vor schätzungsweise drei Jahren den Aufbau der damals aktuellen Ryzen 5000 aus erster Hand statt nur aus Betrachtung des fertigen Produkts gekannt hätte, dann würde ihnen das heute gar nichts nützen. Ryzen 5000 ist Schnee von gestern und Arrow Lake auch so das bessere Produkt.
Übrigens sind Chiptechnologien vereinzelt gar nicht patentiert und oftmals in derart weit oder abwegig formulierter Art und Weise, dass man daraus nicht auf die Funktionsweise schließen kann – eben genau damit man das nicht kann. Deswegen gibt es auch so oft langwierige Prozesse um Patentverletztungen: A entwickelt etwas und meldet ein Patent an, dass diese Entwicklung schützen, aber möglichst wenig darüber preisgeben soll. B steht vor dem gleichen Problem, entwickelt eine praktisch gleiche weil naheliegende Lösung und sieht nicht einmal einen Zusammenhang mit dem Patent von A – oder behauptet das zumindest. Und schon müssen Gerichte klären, ob das nun eine Kopie ist oder nicht. Um sich für solche Fälle abzusichern, werden Entwicklungsabteilungen meinem Wissen nach sogar absichtlich von Wissen über die Konkurrenz abgeschottet, damit B im Zweifelsfalls zu Recht und belegbar behaupten kann, dass man diesen Entwicklungsansatz schon eigenständig und vor Anmeldung des Patents von A verfolgt hat. So gesehen wäre das schlimmste, was AMD derzeit Intel antun könnte, eine komplette Kopie des Zen-6-Designs in deren Pausenraum zu legen.
*: Also 10 nm (ITRS) Alder Lake/Raptor Lake gegen 10 nm (ITRS) Zen 3, Intel 4 Meteor Lake gegen N4 Phoenix und, mit etwas Polster N3 Arrow Lake gegen N4 Zen 5; jeweils als 8+4cluster versus 12-Kerner respektive in der Mitte 6+2 vs. 8; jeweils ohne Zusatzcaches. Dass ein 9950X3D besser als ein 14900K ist, dass also AMD Raptor Lake schlägt, wenn sie eine Fertigung nehmen, deren Niveau Raptor Lake nicht zugänglich ist, eine Menge an Kernen verbauen, die Raptor Lake verweigert wurde, und ein Silizium-Budget für Cache nutzen, dass Raptor Lake nicht zur Verfügung steht, ist eine Binsenweisheit und verrät einem nur etwas über die Planung von Produktionsbudgets bei AMD, aber rein gar nichts über den architektonischen Entwicklungsstand bei Intel.
Hat nicht zwingen was mit „aus der Patsche helfen“ zu tun.
Intel war schon damals mal mit AMD in einer Partnerschaft in Bezug auf einen Technologieaustauschvertrag, wodurch AMD, unter einem Lizenzvertrag von Intel, eigene Prozessoren auf Basis der x86-Architektur herstellen durfte. Ohne die Lizenz hätte es für AMD wohl düster ausgesehen. Somit hat Intel seinem „Konkurrenten“ auch „geholfen“. Beide Unternehmen waren glaube ich ca. Anfang 1980er auch Partner in einer Art Beratungsgruppe für die zukünftige x86-Architektur.
Zumindest hab ich das grob im Kopf, korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege
Die Lizenz für x86-Designs hat AMD auf Druck IBMs bekommen. Bereits beim 80386 musste man vor Gericht ziehen, um zu klären, ob der noch davon gedeckt ist. Dadurch wurde AMD aber nicht vor etwaiger Dunkelheit gerettet, sondern dadurch wurde AMD überhaupt erst zum CPU-Hersteller. "Beraten" haben sich die beiden damals noch nicht, sondern AMD hat 1:1-Kopien der Intel-Entwicklungen produziert. Erst später kam es zu Kooperationen mehr oder minder auf Augenhöhe, wobei diese rechtlich oft falsch eingeschätzt werden: Nur äußerst selten wurden konkrete, geschützte Implementierungen ausgetauscht. Meist ging es um eine koordinierte Weiterentwicklung von x86 insgesamt, vor allem um Kompatibilitätsabsprachen bei neuen Befehlssätzen (die da dann beide unabhängig implementiert haben – was theoretisch auch jeder andere ohne Absprache dürfte, wenn er denn kann). Lizenztechnisch setzt man meiner Erinnerung nach seit Jahren auf generelles Crossliscencing: AMD darf alles bauen, was Intel patentiert hat, Intel darf alles bauen, was AMD patentiert hat; zumindest bei CPUs. Aber wie oben geschildert bedeutet das nicht, dass man einander auch sagt, was da eigentlich patentiert wurde. Es ist einfach nur eine Rückversicherung, dass einem bei zufällig überlappenden Lösungen der Konkurrent nicht das Geschäft kaputtklagt.