Als Ergebnis spielen wir eine Runde Identitäts-Politik. Wir sind Gamer, MIcrosoft war böse zu Gamern weil die Balken zu klein sind, ein Linux Projekt kommt daher und schreit "wir sind für Gamer" und schon jubeln die Gamer dem Linux-Projekt zu. Eine Lektion zeitgenössischer Populismus auf Basis einer Identität. Man kann Gamer, Microsoft und Linux auch mit Autofahrern, den Grünen und der CDU ersetzen, dann wären wir wieder Anfang der 2000er, aber ich wette Euch fallen auch jede Menge aktuelle Beispiel ein.
In den alten USENET-Zeiten haben Linux-Fans ungefragt die etablierten unixoiden Newsgroups gestürmt – meist auf dem Niveau von „mein Unix ist länger als deins“.
Dabei war Linux in den ersten zehn Jahren klar schwächer als andere Unix-Versionen, sowohl in Qualität als auch in Performance. Besonders im Vergleich zu FreeBSD, was damals i386 und darüber anbelangte.
- Multiprozessorperformanz war anfangs miserabel.
- In realen Szenarien wie MySQL-Datenbankservern, busy FTP-Servern oder Mailservern hatten andere Systeme – allen voran FreeBSD – die Nase vorn.
- Unter FreeBSD liefen Linux-Binaries im „Linuxulator“ oft schneller als nativ unter Linux.
Trotzdem stürzten sich die Fachmagazine damals fast ausschließlich auf Linux – wegen der lautstarken Community und weil man über halbfertige Baustellen naturgemäß viel schreiben konnte. Qualität spielte da keine Rolle.
Heute wiederholt sich das Spiel:
- schon wieder ein „neues Linux“,
- schon wieder ein „Gaming-Linux“,
- schon wieder irgendeine Spezial-Distribution.
Distributionen entstehen aus drei Gründen:
- spezifischer Anwendungszweck,
- Eitelkeit („ich habe auch eine eigene Distribution“),
- Firmenpolitik (SLA und Support nur auf dem eigenen Derivat).
Das Ergebnis: Zersplitterung, Chaos, keine Standards. Genau das Gegenteil von Qualität.
Normalerweise wäre das alles eine Aufgabe eines Installers und Package Managers, genügend Flexibilität zu bieten, angefangen bei der Installation, über Paketverwaltung und OS Maintenance.
Wer Linux zum Selbstzweck erhebt, mag darin ein nettes Hobby sehen.
Aber für ernsthafte Arbeit ist das reine Zeitverschwendung.
Es kann auch nicht im Sinne des Anwenders sein, sich für jeden Anwendungszweck mit spezielleren Anforderungen (Gaming, Recording, Videobearbeitung) verschiedene auf den Anwendungszweck hin optimierte Linux Distributionen installieren oder selbst anpassen müssen.
Alleine schon das Befassen mit dieser Thematik, was man am besten nimmt, kostet viel zu viel Zeit und ist eigentlich völlig unnötig. Bei Windows: Home oder Pro und Du bist mit dem Thema durch und kannst alles damit machen.
Darum ist Linux in den vergangenen Dekaden im Gegensatz zu Windows auch weiterhin ziemlich bedeutungslos für den Desktop und es gibt mangels Standardisierung zu wenig kommerzielle Software, die jeweils in Ihren Bereichen ein de-facto Standard ist.
Ich benötige ein universelles Betriebssystem, das ohne Bastelei für alle Aufgaben einsetzbar ist und für das es ein reiches Angebot, vor allem auch kommerzieller Software, gibt.
Und aktuell kann das nur Windows leisten.
Alles andere ist Spielerei – heute „CachyOS“ und nächste Woche "wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben".