Es ist langsam lächerlich. Jeder einzelne Krümel, der irgendwo dem Staubsauger entgangen ist, wird zu einem neuen "Hinweis auf eine neue, stärkere Intel GPU" hochstilisiert.
Dabei hat der neue Intel-CEO (der sich bisher vor allem in einem Punkt von Pat Gelsinger unterscheidet: Er schwätzt nicht, sondern macht genau das, was er sagt) doch alles klargestellt, was man dazu wissen muss:
- Neue Intel-Produkte müssen eine klar definierte Ertrags-Strategie haben, sonst werden sie nicht veröffentlicht. Eine im vgl. zum BMG-G21 auf kolportierte 4096 Xe-Kerne und 256bit MI angewachsene GPU auf Basis der momentan mit am stärksten ausgelasteten TSMC-Fertigungstechnologie wäre vor allem eines: Nicht billig. Und auch wenn niemand außerhalb Intels die genauen Zahlen kennt, sprechen doch die üblichen Preise für Partnerkarten der B580/570 dafür, dass die 250$ MSRP für die Limited Edition Karten wohl nicht dauerhaft tragfähig ist. So etwas wird Lip Bu Tan erklärtermaßen nicht zulassen. Deshalb wäre eine hypothetische B770 also entweder angemessen teuer (und damit zum Scheitern verurteilt, weil sowohl AMD als auch Nvidia kosteneffizienzer sind), oder illusorisch.
- Lip Bu Tan hat zu Intels Zukunft deutlich gemacht, dass für das Unternehmen der Zug für das "große" KI-Geschäft erst mal abgefahren ist und er keine Möglichkeit sieht, auf absehbare Zeit mit Nvidia mitzuhalten. Stattdessen will man sich auf "Edge-AI" und lokales Inferencing konzentrieren. Genau dafür könnte man eine BMG-G31 GPU auf 32GB VRAM aufpumpen und im (semi-)professionellen Markt platzieren, in dem die Kostenzwänge nicht so stark ausgeprägt sind. Die Softwarelösungen zum Thema wurden auf der Computex ja bereits mir den "kleinen" Pro-Karten angekündigt. Gerade die Software-Patches, von denen in der Meldung die Rede ist, adressieren ja eher diesen Bereich.
Zusammengefasst: Auch wenn es nach den letzten Jahren (eigentlich Jahrzehnten) des immer großen TamTams von Intel eine Umgewöhnung erfordert, lohnt es sich doch, zuzuhören, wenn Lip Bu Tan etwas sagt. Denn bisher scheint der größte Vorteil, den Intel an seinem neuen Chef hat, darin zu liegen, dass er nicht nur schwätzt und präsentiert und das Blaue vom Himmel verspricht, sondern auch hält, was er sagt.