Ich glaube, dass Molyneux keine Sequels kann, auch wenn ich Fable 2 lieber als 1 mag. Der hatte laut ein paar Aussagen aber weitaus mehr als nur die Werbetrommel angerührt.
Der braucht halt Budget, Zeit und ein klein wenig die Daumenschraube. Sequels werden mit dem aber nichts, das stimmt. Und von dem Kinect-Scam mal ganz zu schweigen.
Black & White 2 war definitiv ein Fortschritt gegenüber 1 und Populous soll auch mit jedem Teil besser geworden sein. Wenn man noch hinzunimmt, dass Black & White seinerseits im wesentlich ein Next-Gen-Populous war und er jetzt an einem Next-Gen B&W zu arbeiten scheint, macht das fast schon zuversichtlich.
Leider bleibt auch das Grundproblem, dass er scheinbar in Eigenverantwortung daran werkelt. Und wie du selbst schreibst: Ein Molyneux, dem niemand die Zügel anlegt, vergallopiert sich allzu gerne. Seine besten Spiele hat er zu Zeiten gemacht, in denen die Technik einfach nicht mehr zugelassen hat. Damals musste es eine Kreativität darauf verwenden, möglichst viel seines Fernziels umzusetzen. Seitdem Leistung kein Thema mehr ist, hat er sie stattdessen meist genutzt, um möglichst viel dazu zu dichten, ohne je etwas fertig zu stellen.
Beleidige nicht Chris Roberts!
Da besteht keinerlei Zweifel, dass der richtig gute Spiele abliefern könnte, er macht es nur nicht. Was man von ihm sieht und spielen kann, ist schon auf einem extremen Niveau. Die Frage ist, ob er sein Spiel irgendwann abliefern wird oder ob er sich in seiner Pedanterie verliert und ihm das Geld ausgeht.
Im Gegensatz dazu hat Peter Molyneux abgeliefert, nach 2013 allerdings nur noch Müll. Es ist mehr als nur fraglich, ob er es jemals wieder hinbekommt, etwas gutes oder auch nur brauchbares abzuliefern.
Seit 2001 hat Chris Roberts Starlancer abgeliefert und ... und das war 's. Bei Freelancer hat er sich derart in seinen Visionen verrannt, das andere den Karren aus dem Dreck ziehen mussten. In den Jahren danach hat er zwar auch Lord of War produziert, sich sonst aber einen Niveau-Tieferlegungswettkampf mit den ebenso die deutsche/europäische Filmföderung ausbeutenden Boll geliefert und schließlich hat er ein neues Studio gegründet, dass bis heute keinen Titel fertiggestellt hat.
Im gleichen Zeitraum kamen von Molyneux etliche Gurken, aber auch beide Black & Whites, sämtliche Fables und The Movies. Die Bilanz vor 2001 geht meiner Meinung nach auch nicht zugunsten Roberts aus: 4× ... Commander und Times of Lore stehen gegen Dungeon Keeper, Magic Carpet, Theme Park und 2× Populous. Das ergibt zwar eine vergleichsbare Gesamtzahl erfolgreicher Titel, aber während Molyneux in vier verschiedenen Genres Maßstäbe gesetzt respektive diese überhaupt erst in ihrer heutigen Form begründet hat, hat Roberts einmal ein bestehendes Konzept auf ein neues Niveau gehoben und dann Respins aufgesattelt.
Sorry, aber was die Fähigkeiten als Game-Designer angeht, liegt Molyneux meiner Meinung nach meilenweit vor Roberts und wird zu Recht mit Sid Meier, Richard Garriott, Chris Sawyer und Will Wright in einem Atemzug genannt. Chris Roberts dagegen ist, als Spieldesigner, meiner Meinung nach eher mit John Romero vergleichbar: In einem Genre einmal richtig vorgeprescht und seitdem nur noch die Klappe aufgerissen. Wo Chris Roberts weitaus besser ist (und damit letzteren Vergleich auf Gabe-Newell-Level anheben kann): Sich selbst verkaufen. Molyneux steht sich seit 20 Jahren mit immer wieder neuen Visionen auf der Bühne und erntete erst ein wohlwollendes Nicken, mittlerweile eher eine Gratis-Ladung gut abgehangenes Gemüse. Die Umsetzungen sahen dann entsprechend meist so aus, als wäre auf halber Strecke das Budget alle gewesen. Chris Roberts dagegen hat nicht nur die Kohle für weitaus weniger begeisternde Filmkonzepte an Land gezogen, sondern hat seit Wiederaufnahme seiner Entwicklertätigkeit auch das voraussichtlich größte Budget aller Zeiten im Rücken. Das ist eine echte Leistung und bringt viele Fans dazu, trotz Mangel von Spieleerfolgen in diesem Jahrtausend, an einen ganz großen Wurf zu glauben. Bei Molyneux dagegen steht auch diesmal die Frage im Raum: Wer wird es umsetzen/wird es wer umsetzen?
Immerhin scheint er diesmal schon eine Art von Spiel am Laufen zu haben, bevor er die Werbetrommel rührt. Bei Godus hat er im Prinzip vom Reißbrett ausgehend geschwärmt, ohne dass die (Nicht-)Umsetzung überhaupt absehbar war. Andererseits legt die "Indy-Projekt geht in halbfertigem Zustand auf einmal mit großen Tönen an die Öffentlichkeit" nahe, was andere hier auch schon vermutet haben: Das Geld ist alle.