Es gibt verdammt viele Branchen, in denen einfach weniger Geld reinkam, frag einmal Selbstständige in der Unterhaltungsbranche. (und nein, ich gehöre nicht dazu, kenne aber viele...) ^^
Gegen das Mehr an Geld stehen aber auch deutlich gestiegene Preise. Lebensmittel sind letztes Jahr teurer geworden, als die letzten 10 Jahre. Früher reichten runde 50€ für eine (sehr sparsame) Woche aus, mittlereile geht das nicht mehr, da bin ich eher bei 70 oder 80. Öffentlicher Nahverkehr ist teurer geworden, Benzin kostet mehr und und und...
Natürlich gibt es einige Branchen, die von Corona betroffen sind (Print-Magazine-an-Kiosken-Verkaufende z.B.
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). Aber die haben keine fix 20 Prozent weniger, sondern variable Einbußen bis hin zu 100 Prozent. Deswegen bin ich bei deiner klaren Angabe von Kurzarbeit ausgegangen und da müssten Auto-Hersteller sowie, zeitlich deutlich eingeschränkter, Lebensmittel-freier Einzelhandel den Löwenanteil ausmachen. Wobei Verkäufer in letzterem typischerweise nicht so gut bezahlt werden, dass sie Neuwagen kaufen würden – die private Hauptkundschaft für diese sind Personen mit zumindest gewissen Führungsaufgaben und das sind dann fast immer Bürojobs, die 2020 weiter liefen. 50-60 Prozent der Neuzulassungen entfallen sogar direkt auf das Gewerbe und die großen Flottenbetreiber hatten nicht unbedingt einen Anlass, ihre Anschaffungspolitik zu ändern. Im Gegenteil, für Autovermieter ist die Angst vor dem öffentlichen Fernverkehr ein Umsatz-Booster gewesen und den Fahrzeugbedarf von Paketdiensten kann man jeden Tag auf der Straße bewundern.
Die Erwartung eines deutlichen Nachfrage-Rückgangs war also nur ganz zu Anfang gerechtfertig, als man mit einer anhaltenden globalen Wirtschaftskrise gerechnet hat. Aber China hat die Produktion schon vor 12 Monaten wieder hochgefahren gehabt und in anderen Ländern dauerte der Stillstand auch nicht länger. Lockdowns gab es seitdem keine mehr, nur selektive Einschränkungen des öffentlichen Privatlebens – und die Schaden zwar den Branchen, die direkt damit Geld verdienen, das ist aber weder die Mehrheit der Gesamtwirtschaft noch sind es die Arbeitgeber mit überdurchschnittlich vielen gut bezahlten Jobs. Im Gegenteil. Bei der besserverdienenden Neuwagenzielgruppe sollten sich die gesenkten Möglichkeiten zum Geldausgeben viel stärker bemerkbar gemacht haben als der wirtschaftliche Abschwung.
Um 50 Prozent gestiegene Lebensmittelpreise kann ich übrigens lokal nicht nachvollziehen, auch keine 20 Prozent. Ähnliches gilt für Benzin – das sind eher +10 Prozent oder weniger und verglichen mit Miete, etc. macht das auch nur einen Teil der monatlichen Ausgaben aus. Bei Leuten, die sich alle sechs Jahre Neuwagen leisten können (
im Schnitt für 34.000), vermutlich erst recht. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, wie jemand der so viel mehr Geld als ich für Autos übrig hat, auch in gleichem Maße mehr für Lebensmittel ausgeben sollte. Täglich Kobe-Steak oder was? Auch für den Hund?