Ohhh, welche Erkenntnis!
Der 1200er Sockel der schon auf PCIe 4.0 ausgelegt ist und überall schöne Bepperle aufgeklebt bekommen hat, das bestimmte Bereiche nicht mit den Comet Lake-S CPUs genutzt werden kann, da diese kein PCIe 4.0 können wegen der fehlenden Lanes. Dieser 1200er Sockel kann jetzt also auch für Rocket Lake CPUs, die ja auch eigentlich auf das MB gehören und nicht die Coffee Lake Ableger Comet Lake-S, können jetzt also auch mit den neuen Rocket lake CPUs betrieben werden.
Wäre das nicht der Fall, hätte es garantiert in den USA wieder eine Sammelklage wegen Betrug gegeben, wenn man PCIe 4.0 MBs verkauft und zunächst mit einer modifizierten Coffee Lake CPU betreibt ala Comet Lake-S, da die eigentliche CPU die auf den 1200er Sockel gehört, erst in 2021 Released wird.
Vorweg: Das Sammelklagenszenario ist abwegig, da es diesbezüglich keine Zusagen seitens Intel gab, d. h. wie schon Pu244 erwähnte, könnte man bestenfalls einzelnen MB-Herstellern verklagen und selbst hier wäre fraglich ob das von Erfolg gekrönt wäre, denn die betreffend ausgewiesenen Boards sind faktisch tatsächlich "
PCIe4-ready".
Zum eingentlichen Sachverhalt: Dass RKL wie auch CML LGA1200-kompatibel sein wird, ist eigentlich schon seit langem klar.
Ursprünglich hätte bereits CML PCIe4 bereitstellen sollen und das ist auch der Grund, warum die HighEnd-Boards (zumeist Z490) zu einem nennenswerten Teil schon auf PCIe4 ausgelegt sind (
d. h. die haben entsprechende Bausteine, bspw. Redriver, Repeater, Retimer für PCIe 4 auf dem PCB). Wenn man den sporadischen Leaks seitens vereinzelter MB-Hersteller Glauben schenken darf, dann hatte Intel vorranging mit PCIe4-Signal-Jitter beim Chipsatz zu kämpfen und anscheinend entschloss man sich daraufhin die gesamte CML-Plattform ohne PCIe4-Funktionalität zu veröffentlichen. Für die meisten MB-Hersteller kam Intel's Entscheidung jedoch zu spät und die Boards waren fertig entwickelt und vielfach auf PCIe4 ausgelegt worden *) und nur die wenigsten Hersteller wollten nun noch einmal zurück ans digital Reißbrett, d. h. die beließen die Designs weitestgehend so und klebten einen "
PCIe4-ready"-Sticker drauf, wohlwissentlich, dass RKL auch noch auf LGA1200 folgen würde (
zumindest gemäß Intels interner Roadmap), der dann die Problematik wohl beheben sollte.
Die MB-Hersteller haben sich rein rechtlich dennoch ihr Hintertürchen offen gehalten (
für den Fall das Intel seine Roadmap ändern würde), denn in den Handbücher zu den Boards wird nur sehr vage auf die PCIe4-Funktionalität eingegangen, bzw. es fällt eigentlich eher auf, dass man explizit zu vermeiden suchte diese überhaupt zu konkretisieren (
d. h. somit wäre man auch im Falle einer Roadmap-Änderung bei Intel auf der sicheren Seite gewesen).
Verfügt man also über ein entsprechend ausgewiesenes (Z490-)Board sollte man mit einer RKL-CPU mindestens PCIe4 auf den Slots direkt an der CPU zur Verfügung haben. Und einige Hersteller haben bereits schon auf dieser Plattform Vorsorge für die vier zusätzlichen Lanes von RKL getroffen. Ein Beispiel ist hier das
Gigabyte Z490 Gaming X, das auf dem PCB über drei M.2-Anschlüsse verfügt. Der oberste ist als "
M2P_CPU" ausgewiesen und mit einer Notiz versehen:"
reserved, no funtionalities", was schlicht der rechtlichen Absicherung des MB-Herstellers diente, d. h. wenn man hier eine RKL-CPU einsteckt, kann man voraussichtlich dessen vier zusätzliche Lanes über diesen M.2 nutzen und direkt eine PCIe4-NVMe über die CPU anschließen.
Da die RKL-Plattform aber noch ein wenig mehr bieten wird, ist natürlich auch klar, dass es parallel auch zusätzlich neue Boards geben wird. (
Als Sparfuchs mit nur mäßigen Ansprüchen spricht aber natürlich auch nichts dagegen bei einem RKL-Komplettneukauf dennoch nur zu einem "alten" Z490-Board zu greifen, da sich hier ggf. das eine oder andere Schnäppchen finden lassen wird.)
Anmerkung zur "
besseren Option": Zen3 steht aktuell tendenziell besser da, hat derzeit aber das Problem, dass es teuer ist **). Aktuell ist sowohl der 10700K als auch der 10850K günstiger als der 5800X und von daher ist es nicht ganz so einfach für zumindest Mainstream/Gaming-Workloads pauschal von der besseren Option zu sprechen. Wenn sich Zen3 später wieder mehr in Richtung der UVP/MSRP bewegt, wäre das weitaus einfacher/eindeutiger zu beantworten, wobei abzuwarten bleibt wann die Preise sich normalisieren werden.
Bezüglich RKL vs. Zen3 und Mainstream/Gaming-Workloads wird man abwarten müssen. Wenn Intel genug aus dem Backport rausholen konnte, dürfte es wahrscheinlich keine eindeutige Empfehlung geben und man kann sich frei entscheiden und bestimmten Features, dem Preis oder der persönlichen Präferenz die Entscheidung überlassen.
*) Eine Ausnahme war hier ASUS' HighEnd-Serie, die noch komplett auf PCIe3 setzte (falls die nicht noch eine Ausnahme nachreichten?).
**) Insbesondere verglichen mit seinem direkten Vorgänger. Beispielsweise MF hat den 5900X immer noch nicht verfügbar. Bei ALT sieht man wenigstens Preisangaben im Shop. Der 3900X kostet dort 449 €, für den 5900X will man gar 669 € haben (
dennoch nicht lieferbar), d. h. +49 % Aufpreis für bestenfalls die Hälfte an Leistungszugewinn, jedoch ist dabei noch zu berücksichtigen, ob man es bspw. im Gaming bei theoretischen 720p-Vergleichen belässt oder eher realistischere Tests hinzuzieht, die in real genutzten Auflösungen laufen, denn da nähern sich die CPUs immer weiter an und die Vorteile von Zen3 schrumpfen zusammen, sodass der Preisunterschied deutlicher hervortritt. Beispiel Horizon Zero Dawn, maxed out:
720p:
5900X/DDR4-3200 : 174 Fps (+20 %)
3900XT/DDR4-3600: 145 Fps
10900K/DDR4-2933: 166 Fps
1080p:
5900X/DDR4-3200 : 156 Fps (+10 %)
3900XT/DDR4-3600: 142 Fps
10900K/DDR4-2933: 145 Fps
1440p:
5900X/DDR4-3200 : 137 Fps (+5 %)
3900XT/DDR4-3600: 131 Fps
10900K/DDR4-2933: 134 Fps