AW: Bilden der Bolton-D4-Chipsatz und der Sockel FM2+ die Basis für AMDs Kaveri-APUs?
Die Qualität von Begründungen schwankt...:
Früher ergab sie sich bei Chipsätzen meist von selbst. Höherer oder gar anderer FSB oder/und neuer Speicher erforderte neuen Chipsatz.
Die erste Abweichung davon ergab sich bei der zweiten So775 Generation. i945 und 955 wurden mit der offiziellen Begründung Dual-Core-Unterstützung eingeführt. Merkwürdigerweise waren so gut wie alle Billigboards, die statt der nicht Dual-Core-taugliche 915/925/925XE den noch älteren So478/späteren Billigchipsatz i865 nutzten, uneingeschränkt mit den Pentium D kompatibel... . Danach war erstmal wieder Ruhe und neue Chipsätze wurden mit höheren Taktraten oder PCIe-Änderungen begründet; unter Bewahrung von Kompatibilität soweit takttechnisch möglich. (zumindest inoffiziell. Intel hat bei den letzten So775 Chipsätzen die alten CPUs nicht mehr offiziell unterstützt, aber technisch blieb es möglich und ettliche Mainboardhersteller haben die Tauglichkeit in Eigenregie garantiert)
Bei den Chipsätzen für IMC-CPUs wären mir gar keine offiziellen Begründungen, aber auch keine undurchsichtigen Inkompatibilitäten bekannt. Man kann bei AMD quasi alle HT-Chipsätze und -CPUs kombinieren. Natürlich bremst es sich ein bißchen aus, wenn man einen Bulldozer mit einem Nforce3 paart (und der fehlende Treibersupport durch Nvidia führt zu weiterem Ärger) - aber technisch möglich ist es. Bei Intel haben die Plattformen bislang fast schneller gewechselt, als die Chipsätze (was Erklärungen überflüssig macht) und die einzige Paarung (Ivy/Sandy Bridge vs. ?5?/?6?) ist kompatibel. Selbst Plattformübergreifend scheint es Kompatibilitäten zu geben, wenn das Konzept gleich ist, wie P67-So1156 Boards bewiesen (Sandy Bridge auf P55 gabs experimentell afaik auch). Nur ob man So1155/2011 Chipsätze/CPUs kreuzen kann (was technisch naheliegend wäre), ist unbekannt, genauso ob sich die PCHs auch als ICH an X58 oder noch ältere MCHs anpflanzen lassen. Aber all das wäre sowieso eine Frage für Mainboardhersteller, nicht für Endverbraucher.
Auf Seiten der Sockel siehts schon wesentlich düsterer aus.
Sockel 5 -> 7 war afaik noch durch die gründlich überarbeitete Stromversorgung begründet, Sockel 8 dann durch das neue Konzept und Slot1 mit den enormen Kosten für das komplexe, kompakte Sockel8-Substrat. Warum dann der Slot1 aber nach Integration des L2 Caches zum Sockel370 führte und nicht zurück zum Sockel8, für den man nun hätte sehr einfach CPUs herstellen können, weiß ich nicht. Aufgrund des großen Zeitabstands und spannungsbedingt nur einseitiger Kompatibilität wars aber vermutlich auch allen egal. Mit dem Pentium4 gings bei Intel dann los: So423 - okay. Neuer Bus, neuer Sockel. So478 sollte dann kurze Zeit später höhere Leistungen ermöglichen. Warum der so plötzlich nötig war, weiß bis heute niemand, zumal der Stromverbrauch der alten CPUs längere Zeit nicht überschritten wurde (was hätte die höhere Pinzahl rechtfertigen können) und die gedrängtere Bauweise ja eigentlich eher schlechter zu takten hätte sein müssen. Ähnliches gilt für Sockel 775, bei dessen Einführung sich Anbindungs- und CPU-seitig erstmal gar nichts änderte, auch die TDP legte zeitlebens um maximal 15 W zu; und als das nächste mal eine Änderung der Stromversorgung fällig wurde (die aber am Spannungsbereich auch erst einmal nichts änderte, aber beidseitige Kompatibilität verhinderte), ging es auf einmal auch ohne neuen Sockel. Möglich wäre, dass Intel mit dem So775 einfach größeres vorhatte, denn der kam ~zur Kehrtwende der Netburstenwicklung. 5 GHz wären mit dem So478 vermutlich nicht mehr dringewesen.
Neue Sockel kamen bei Intel erst wieder mit neuen Plattformkonzepten und waren dann bei 1356, 1156 und 2011 durch Umverteilung von Funktionen begründet. Für den Wechsel von 1156 auf 1155 wurde iirc das aufgebohrte Displayinterface verantwortlich gemacht. Warum deswegen aber auch Boards ohne Grafikausgänge und CPUs ohne Grafikeinheit zum jeweils anderen Sockel inkompatibel sein mussten, anstatt einfach die Funktionalität einzuschränken, weiß auch niemand. Als nächstes steht der So1150 an - da könnte es aller Vorraussicht nach wieder eine gute Begründung in Form einer Funktionsverlagerung geben (Ansteuerung der Spannungswandler wandert in die CPU).
Bei AMD sieht das ganze, mit leichtem Versatz, ähnlich aus: Nach Sockel7 war der SlotA platztechnisch nötig, der SockelA nach L2-Integration billiger. Und der wurde dann ja auch fast solange, wie der So775, gepflegt, wobei Inkompatibilitäten nur taktseitig entstanden. Danach gings aber richtig los: 939, 940, AM2, AM2+, AM3 und AM3+ haben quasi identische Kontaktzahlen und Funktionalität. Als Grund für Inkompatibilitäten wurde offiziell das Speicherinterface bemüht, merkwürdigerweise gab es bei Intel aber für jeden einzelnen dieser Schritte einen Chipsatz, der jeweils beides konnte und bei AMD teilweise sogar Kerne, die auf zwei Sockeln erschienen... . Strenggenommen kann man diese Latte sogar noch um Sockel F, C32 und 754 erweitern. Die ersteren haben eigentlich nur ein anderes Format, letzterer nur einen Speicherkanal weniger - den man auch einfach ungenutzt lassen könnte. Fazit: Je nach zählweise bis zu 9 Sockel ohne eine harte Begründung. Seitdem gabs nur noch FM1 - warum der durch den FM2 abgelöst wird, wird sich zeigen. Vorrausichtlich auch hier das Displayinterface, was Grafikkartennutzern eigentlich egal wäre.