"Fehlende Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit... "
und
"Die sexuelle Orientierung und das Geschlecht sind Privatsache, werden aber in die Öffentlichkeit gezerrt..."
Widerspricht sich meiner Meinung nach.
Biologie ist nicht unstrittig, weil dies bedeuten würde, wir wüssten alles. Dem ist aber nicht so, also ist der Blick auf Biologie durchaus flexibel und lässt einen gewissen Interpretationsspielraum zu.
Das verstehe ich nicht.
Unabhängig davon, wie sich jemand selbst sieht oder fühlt, ist ja der in Prozentsätzen kaum feststellbarer Anteil an biologischen "Zwitter" (mir fiel spontan kein besseres Wort ein) an der Gesamtbevölkerung irrelevant für die Arterhaltung.
Ich sehe da keinen Interpretationsspielraum.
Das ist die biologische Grundfunktion des jeweiligen Körpers, also eben weiblich/männlich und völlig losgelöst von dem mentalen Empfinden eines Angehörigen der LGBTQI+ Community.
Natürlich geht es vor dem Hintergrund der Fortpflanzung primär um das Geschlecht, aber wir Menschen leben ja nicht nur, um uns fortzupflanzen.
Guter Punkt, aber warum muss es dann (auch sehr medienwirksam) diskutiert werden?
Also warum sollte, wenn Fortpflanzung nicht der einzige "Sinn" ist, unser Bild von Geschlecht nur vor diesem Hintergrund betrachtet werden?
Weil ich keinen tieferen Sinn in einer Geschlechtertrennung wie auch in einer weiteren Differenzierung in LGBTQI+ sehe.
Wenn alle gleich behandelt werden wollen ist es kontraproduktiv die Unterschiede herauszuarbeiten.
Es ist vielmehr zielführend herauszustellen, dass egal wie einer tickt, genau der gleichwertige Mensch ist.
Schau, global betrachtet sind wir gerade am Anfang der Gleichberechtigung der Frau.
Selbst in unserer mitteleuropäischen Gesellschaft gibt es spürbare Unterschiede in z. B. der Bezahlung.
Wir überwinden gerade mal mit Ach und mehr mit Krach das Jahrtausende alte Prinzip des Patriarchats, dass sich, warum auch immer, in den meisten Kulturen auf diesem Planeten durchgesetzt hatte.
Das funktioniert aber primär durch
Gleichstellung und
nicht in Form der
Differenzierung, OK?
Ohne jetzt einem der LGBTQI+ auf den Schlips treten zu wollen ist doch die stets präsente Botschaft (die zumindest bei mir so ankommt):
Schau ich bin anders, akzeptiert es verdammt noch mal und wenn nicht, bist du ein verdammter Gröfaz-Anhänger.
Yo, mei, kann man machen.
Ich kann damit umgehen, auch wenn es manchmal echt nervt.
Aber unter vom Naturell her einfacher gestrickte Zeitgenossen der guten alten Machofraktion findet man dadurch nur sehr wenig Akzeptanz oder gar Freunde.
Ohne jetzt das Patriachats irgendwie verteidigen zu wollen, wird von der LGBTQI+ Community eine Akzepanz und Toleranz abgefordert, die aber gleichzeitig den "old fashioned" verwehrt wird.
Das kann nicht gut gehen... sorry...
Das Q steht für "queer", das I für "inter", das + für alle sonstigen Beschreibungen sexueller/geschlechtlicher Identität.
Danke für die Erklärung, Bildungslücke meinerseits.
Ich persönlich finde, dass für sich selbst in der Öffentlichkeit nach Anerkennung streben nichts mit einem Gezerre zu tun hat.
Was genau wird unter Anerkennung verstanden?
Leben und Leben lassen funktioniert in meinem sozialen Umfeld problemlos.
Stetes Streben nach Huldigung dürfte schwieriger werden...
Es muss ja auch überhaupt keine große Rolle spielen, welche Menschen man liebt oder ob man schon immer das gleiche Geschlecht hat. Aber mein Eindruck ist, sobald jemand das öffentlich äußert, muss er/sie sich dafür rechtfertigen. Warum?
Evtl. ein Wahrnehmungsproblem allgemeiner Natur?
Ich rechtfertige mich ja auch nicht, wenn ich Kishon-Like von "Meiner besseren Hälfte..." rede oder erzähle.
Das muss man doch nix erklären, wenn man von sich gibt "Mein Lebensabschnittspartner..." (oder wie auch immer der Einzelne in seiner Situation es gerade nennt, also exemplarisch zu verstehen)
Es ist halt so, wie es ist, fertig.
Warum ist es so ein Problem für andere(!), wenn sie erfahren, dass eine Person anders liebt und lebt, als sie sich das vorstellen können oder begrüßen?
Auch hier, es gibt aus meiner Perspektive kein Problem, so lange man von einer völligen Selbstverständlichkeit ausgeht.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass Angehörige der LGBTQI+ einfach zu wenig Selbstvertrauen haben und deswegen von sich aus immer auf deren "Andersartigkeit" hinweisen müssen.