Bei AMD kommt dazu, dass wir nicht genau wissen wieviele Karten sie herstellen. Klar, Nvidia hat 80% vom Markt, aber könnte AMD überhaupt genug herstellen, um innerhalb einer Generation ein 50-50 Verhältnis zu erzeugen.
Wenn AMD jede Generation auf jeder Menge Karten sitzenbleiben würde, könnten wir sagen AMD verkauft sich schlechter, aber was wir in der Regel sehen ist, dass sich sowohl AMD als auch Nvidia Karten durchverkaufen vor jeder Generation. Das deutet darauf hin, dass die Marktposition von AMD auch darauf beruht, dass sie nicht mehr Karten herstellen und es deshalb nicht für mehr Marktanteil reicht.
Das gilt umso mehr, da AMD ja nicht pro Chip an TSMC bezahlt, sondern pro Wafer. Dann wiederum stellt sich die Frage, welches AMD Produkt ist auf den mm² Chipfläche betrachtet rentabler. Das ist der Ryzen. Aus einem 125mm² Chiplet kann man mitunter eine 500€ CPU machen. Bei einer 500€ GPU wären wir bei 335mm² Oberfläche eines Wafers. Dann kommt hinzu, dass AMD immer gerne noch mehr TSMC Kapazität hätte. Irgendwo ist denke ich schon ein Limit, das nicht nur auf die Wahl der Konsumenten zurückgeht.
Die Überlegung bzw. Vorbehalte bzgl. der gefertigten Stückzahlen bei AMD gehen nur in beschränktem Maße auf, da es tatsächlich weitestgehend daran liegt, dass der Markt derzeit vorrangig nVidia kaufen will, weil man deren Hardware (derzeit/bisher) offensichtlich klar präferiert.
a) Wenn AMD regelmäßig auf nennenswerten Restbeständen sitzen bleiben würde, hätten sie dagegen ein handfestes Planungsproblem und würden den Markt nicht ausreichend analysieren. So etwas wird man gezielt vermeiden. AMD kennt seine Absatzmöglichkeiten recht genau und wird seine Produktion daraufhin ausrichten, d. h. das gilt natürlich auch für die vorab bestellten Wafer-Kapazitäten bei TSMC.
b) Die Absatzzahlen der beiden großen GPU-Hersteller kennt man dank Analysten wie JPR recht genau, die auf quartalstechnischer Basis ihren Report aktualisieren (
ohne Geld auszugeben, kommt man da nur nicht ganz so leicht heran und muss zudem mit einiger Unschärfe leben 
). Bei AIBs verkauft nVidia hier etwa 4x so viele Karten wie AMD bzw. konkret hat AMD seit 2019 gar noch Marktanteile verloren, da man bspw. in 4Q19 mit 31 % Anteil noch deutlich besser dastand.
Ein vergleichbares Bild zeichnet sich bei dGPUs allgemein ab, also inkl. der mobilen, dedizierten Chips. Hier kam man im 1HJ19 von 29 % und lag in 4Q21 nach über einem Jahr RDNA2 nur noch bei 19 % (
zwischenzeitlich lag man hier auch gar bei nur noch 17 % Anteil Mitte 2021, konnte mittlerweile aber wieder ein paar Prozentpunkte gutmachen). **)
c) Die Frage was rentabler ist, sprich bspw. GPUs oder Ryzen's stellt, sich in der Form auch nur bedingt, da die vorrangige Frage ist, was man auch tatsächlich absetzen kann. Selbstredend könnte AMD optimistisch versuchen ein paar mehr Wafer-Kapazitäten zu buchen um mehr GPUs zu verkaufen, denn dem allgemeinen Tenor nach geht ja alles weg wie geschnitten Brot.

Sofern ihnen also weitere TSMC-Kunden nicht die Kapazitäten streitig machen, wäre das grundlegend kein Problem für AMD, vor allem bei nur einer moderaten Steigerung. Bleibt man dann aber auf Chips sitzen verbrennt das tatsächlich Geld, da man diese nachher für einen deutlich reduzierten Preis abstoßen muss, bevor eine komplette Abschreibung droht.
AMDs Stand bei CPUs ist zudem ein ganz anderer als bei den GPUs. Bei ersteren könnte AMD weitraus einfacher mehr Output generieren und sich realtriv sicher sein diesen auch absetzen zu können. Im GPU-Markt ist das für sie offensichtlich weiterhin nicht so einfach möglich.
d) "was wir in der Regel sehen ..." Vermutlich eine Fehlinterpretation deinerseits. Konkret sieht es weiterhin so aus, dass AMD-Karten anscheinend keine vollwertigen Ersatzprodukte für nVidia-GPUs
aus Sicht des (Gesamt)Marktes darstellen. Wäre dem so, würde man eine deutliche Substitution und einen relevanten Anstieg bei AMD sowie eine Verknappung von AMD-Produkten verzeichnen können. Genau das bleibt aber aus und überraschenderweise gerade zu einer Zeit als der Markt sich lange zurückhielt, da nVidia-Produkte so extrem überteuert waren, d. h. der grundsätzliche, aufgeschobene Kaufwunsch hoch war. Die nVidia-Produkte waren durch die Bank weg deutlich bis hin zu extrem viel teuerer und AMD konnte bei seinen oberen drei Top-Produkten gar noch zumeist mit deutlich mehr VRAM aufwarten und zudem einer vergleichbaren Rasterizer-Leistung. Trotzdem führte das zu keiner nennenswerten Substitution der nVidia-Produkte und zu einer damit zwangsläufigen Verknappung der AMD-Produkte. Die Verfügbarkeit an AMD-Produkten zeigte keine übermäßigen Auffälligkeiten i. V. z. nVidia bzw. eher im Gegenteil waren es zumeist letztere Produkte, die weiterhin trotz des überzogenen Preises knapper waren trotz des deutlich höheren Ausstoßes von nVidia. ***)
Aus welchen Gründen auch immer greift der Markt hier immer noch vorzugsweise zu nVidia, sei es wegen Raytracing, DLSS & Co, GSync & Reflex, dem "Marktführerbonus" oder einer Kombination aus allem. AMD wird weiterhin vorranging als Budget-Lösung gesehen, d. h. wenn man Geld sparen will ... und wenn dieses Prinzip durch einen verrückt spielenden Markt ad absurdum geführt wird, indem auch AMD-Produkte drastisch überteuert sind (auch wenn sie dennoch deutlich günster als die Konkurrenzprodukte bleiben), scheint ein Teil des Umsatzes verloren zu gehen, da ein Kaufargument zusätzlich zu entfallen scheint.
Schlussendlich wird RDNA3 bzgl. der Marktverhältnisse grundlegend interessant werden, sofern es ein konkurrenzfähiges Design wird (
wovon auszugehen ist). Es wäre dann das zweite Design seit langem, mit dem man am Marktführer unmittelbar dran ist oder dieses Mal möglicherweise leicht in Führung liegt und absehbar wird AMD versuchen hier seinen Produktausstoß zu erhöhen, wenn sie ausreichend Vertrauen in ihre Entwicklung und ihr Marketing haben. Wie weit Sie erhöhen werden, wird man sehen, die Marktanteile Ende 2023 werden da zweifellos interessant werden ...
*) Darüber hinaus sind Marktanteilzugewinne grundsätzlich ein inkrementelles, langsam voranschreitendes Thema, wie man auch beim Ryzen sieht.
**) Zu 1Q22 gab JPR für "PC dGPU shipments" (
inkludiertdie dedizierten Mobilchips wie auch die PC-AIBs) folgende Aufteilung bekannt: Intel 4 %, AMD 17 %, nVidia 78 %. Zahlen zu 2Q22 gibt es von JPR noch nicht.
***) Und das dennoch sehr viel Ampere bei Spielern landet, belegt Steam eindeutig.
Beispielsweise in der Juli-Statistik haben Desktop-Ampere/3000er-Karten einen Anteil von 12,51 % (gar 18,35 % inkl. der mobilen Chips) während sämtliche RNDA2-Desktop-Modelle gerade mal auf 1,62 % Anteil kommen (
d. h. von 9 Desktop-Karten der aktuellen Gen's entfallen 8 Karten auf nVidia mit Ampere bei Steam).
AMD kommt nicht einmal an Amperes-Gesamtanteil heran, wenn man bei AMD sämtliche erfasste AMD-Alt-Hardware einrechnet, also bspw. auch so was wie alte R6/R7-Hardware und sämtliche mobilen, DX12-fähigen iGPUs, denn damit erreicht AMD insgesamt gerade mal 13,15 % Anteil und kann nicht einmal den Anteil von nVidia's aktuellster GPU-Generation erreichen.
Entsprechend (angelehnt an meinen obigen Abschluss) darf man gespannt sein ob sich vielleicht mit RDNA3 der Knoten löst und AMD relativ gesehen deutlich mehr GPUs unters Volk bringen kann als noch in den Vorjahren.