Du kannst wohl kaum bestreiten, dass aggressive Identitätspolitik ihren Einzug in Unterhaltungsmedien gefunden hat?
Ich finde das Adjektiv "aggressive" sehr emotionsgeladen und frage mich, wieso du diese Begriffe wählst. Ich empfinde es nicht als aggressiv, eher manchmal höchstens weird im 1. Moment, wie zbsp jetzt aktuell WB aus Mr eine Mrs Freeze für Suicide Squad gemacht hat.
Ich persönlich fühle mich aber dadurch nicht angegriffen und schon gar nicht aggressiv. Wo war es dir denn zu aggressiv?
Mir ist schon klar, dass ich das stark vereinfacht habe. Das Thema ist immerhin sehr komplex. Allerdings ist die Tendenz m.E. sehr wohl, dass die vorgenannten mit dem Kulturkampf angefangen haben. Immerhin braucht es für eine Reaktion zuvor eine Aktion. Ich denke schon, dass diese Ansicht durchaus vertretbar ist.
Auch hier schon wieder dieser Frame von Kultur
kampf. Ich finde es interessant, welche martialischen Begriffe du wählst. Wenn ich nicht wüsste, dass wir gerade über Unterhaltungsmedien reden, würde ich denken, dass es um Bürgeraufstände geht^^
Und wenn wir Woke meinen, dann
reden wir hier doch immer noch von politischen Antidiskriminierungsbewegungen verschiedener Minderheitengruppen, die in einer (westlichen) Welt nach Sichtbarkeit ringen, nachdem sie Jahrhunderte zuvor unterdrückt worden sind und du weißt ja auch genau, dass woke in seinem Ursprung für mehr Rechte von Minderheiten steht, also ist die Woke Bewegung allein historisch betrachtet nicht eine Aktion, sondern die Reaktion auf Diskriminierung und noch viel Schlimmeres, was damit einhergeht.
Ich halte es daher auch für sehr unwahrscheinlich, dass nur irgendwelche bösen, weißen CEOs in die Hände spucken, während sie Millionen Dollar scheffeln mit ihren Diversity-Tokens. Beziehungsweise, ja, dass wird sogar bestimmt stimmen, dass sie es tun, aber trotzdem bestehen gleichzeitig heutige Big Player Studios selber aus zig Menschen aus diversen Communitys, die auch bewusst Diversity in Media pushen. Es ist also mit Sicherheit nicht nur top down, sondern auch ein bottom up aus der Gesellschaft selber.
Und letzten Endes kommt es auf die Qualität an, die von Produkt zu Produkt natürlich schwankt, was du meines Erachtens fälschlicherweise jedoch als "good/bad woke" bezeichnest, da du hier wieder das woke als gemeinsamen ausschlaggebenden Nenner für Qualitätsmerkmale setzt.
Vielmehr liegt doch hier eine Kapitalismus-Kritik zur Grunde, mit der ich komplett räsonieren könnte, wenn sie gesichert nachvollziehbar wäre und nicht aus Unterstellungen bestehe.
Bei etablierten IPs hilft's, dass ein existierendes Fandom mit ausreichend emotional investment besteht, das sich noch so einiges gefallen lässt und der Verfall erst über mehrere Werke sichtbar wird - eines der besten Beispiele hierfür dürfte Star Wars sein.
Gerade Star Wars ist ein schlechtes Beispiel, da die Fandom bis auf die Urtrilogie fast alles hatet. Retrospektive waren Ep I-III eigentlich ganz gut und da war Samuel L Jackson als Mace Windu der erste schwarze Jedi und keiner rief damals Woke, obwohl es im eigentlichen Sinne schon ziemlich woke war.
Aber abgesehen vom schwarzen Windu ist Star Wars seit Tag 1 woke, wenn woke linke oder sogar linksextreme Agenda bedeutet, denn in Star Wars kämpfen wortwörtlich alle Rassen der Galaxie linksextrem mit Gewalt gegen ein faschistisches Imperium, welches in seiner Optik, Ästhetik und Bürokratie erschreckend sehr dem 3. Reich ähnelt.
Andererseits hast du im Gaming-Bereich durchaus offensichtliche "bad woke" Titel, die mitunter ihre Studios umgebracht haben bzw. in Zukunft werden - siehe bspw. Forspoken, Concord, Flintlock oder Suicide Squad. Dabei möchte ich keinesfalls bestreiten, dass "bad woke" nur einer von mehreren Gründen ist, warum die Titel floppen.
Das du woke einfach nur dabei erwähnst, obwohl es nicht gesichert ist, dass es an woke lag und weniger am Gameplay halte ich schon für leicht manipulativ. Es wird immer wieder von dir in einem negativen Kontext erwähnt.
Ich persönlich halte aber auch TLOU2 und The Boys nicht für Produkte, die in der Diskussion vordergründig gemeint sind.
Und wieso nicht? Du nennst stets woke, als entweder Ursprung, Ursache oder wie im vorherigen Zitat einen Nebeneffekt von Desaster, Konkurs, Broke etc. Und hier passt es jetzt nicht, weil die Produkte rein zufällig erfolgreich sind und das Narrativ in seiner Logik dadurch zusammenbrechen würde?
The Boys ist sogar übertrieben woke und setzt Homelander & Co. mit Anti Woke und Alt Right gleich.
Hier steht eindeutig das künstlerische Werk des Schöpfers im Vordergrund und keine identitätspolitische Agenda.
Das ist auch nur etwas, was du unterstellst. Woher weißt du mit sicherer Gewissheit, welche Entwickler identitätspolitische Agenda betreiben und sogar ihre Kunst dafür beugen?
Außerdem wer kann das überhaupt bewerten und warum überhaupt?
Denn selbst wenn es so wäre, wäre der künstlerische Aspekt doch der Maßgebende, nachdem man ein Kunstwerk bewertet.
Und gerade The Boys ist sogar ein Paradebeispiel für ein Produkt, was Themen der Identitätspolitik nimmt, wie Unterdrückung durch stärkere Tyrannen, die sich in ihrer Hybris für Übermenschen halten, bei gleichzeitiger Abwertung der Untermenschen, und dieses in eine Supes vs Humans Metaphorik packt.,
Im Grunde geht es hier wieder, ähnlich wie bei Star Wars, auf einer politisch-symbolischen Meta Ebene um Rechtsextrem vs Linksextrem, wobei Linksextrem mit The Boys hier tendenziell als die Guten dargestellt werden, die mit brachialer Gewalt tyrannische Supes ermorden. The Boys beweist uns also, dass tatsächlich auch politische Agenda, spannende Story und Produktionsqualität zusammen Hand in Hand gehen können. Trotzdem bleibt die Agenda und Message durchgehend in your face!
Ich sehe die Titel auch nicht unbedingt als "woke" an, auch, wenn man das könnte - ich persönlich finde nur die Story in TLOU2 für nicht allzu gelungen. Ich würde auch andere Titel, die man ggf. als woke bezeichnen könnte, nur weil es Charaktere außerhalb der Norm gibt, nicht als "woke" bezeichnen - siehe meine bereits benannten Beispiele (bspw. Dion aus FF XVI).
Sorry, aber dann ist woke hier einfach nur ein beliebiges Schlagwort, dass wie ein Joker je nach Gusto stets hervorgeholt werden kann, um substanzlose Kritik abzugeben.
Wenn woke keine klare Definition und Bedeutung haben soll, aber in "Kritiken" stets als Kampfbegriff gedroppt wird, wirkt es auf mich vielmehr nach einer Nebelkerze, an der man sich argumentativ abrackern wird, da keiner genau weiß, was eigentlich konkret gemeint ist, wenn es gesagt wird.
Das alles wäre sogar nicht mal so schlimm, wenn damit nicht eine ansich gute und richtige Bewegung stets in ein negatives Licht gerückt wird zum Denunzieren, was ja auch wirklich so Tag für Tag unter sämtlichen Kommentarspalten mittlerweile geschieht, während echte Rechtsextreme sich darüber freuen, dass selbst die Mitte der Mehrheit ihre Narrative frei herausposaunt, als wäre es ganz normal als Weißer über die schwarze Hautfarbe zu philosophieren, in welchen Settings sie "passt" und in welchen nicht.