Dass es in CP 2077 weniger zu entdecken gibt als bei Witcher 3, ist sicherlich richtig. Allerdings aber ich da immerhin 216 Stunden im ersten Durchgang zusammen bekommen, dabei war ich wesentlich weniger gründlich als bei W3, da es mich nicht so sehr gefesselt hat. Habe auch nicht alle Enden gespielt und Achievements interessieren mich generell nicht besonders. Ich sehe mir nur gerne jeden Winkel des Spiels an und räume Gegner meistens unbemerkt und lautlos aus dem Weg, was natürlich länger dauert als ein Frontalangriff.
Ich weiß nicht, ob man sagen kann, dass es in CP2077 weniger zu entdecken gibt, als in TW3.
Vielleicht gibt es beim Witcher mehr Ausrufezeichen auf der Karte, mit denen man interagieren kann, aber allein NC ist so riesig und komplex, dass ich mich ohne Navi niemals zurechtfinden würde. Jede Straße, jede Gasse, jeder Hinterhof bietet einen so unglaublich dichten Detailgrad, dass ich mich oft nicht sattsehen kann. Ich finde, dass mir die Stadt und das Umland durch das Worldbuilding oft ihre eigenen kleinen Geschichten erzählt, dafür brauche ich keine extra Quest, die mich zu einem Point of Interest lockt.
Wenn ich willkürlich durch eine dunkle nasse Gasse gehe, an deren Ende eine brennende Mülltonne steht, neben der, zwischen Müllhaufen, auf einer ranzigen Matratze liegend, die enkleidete Leiche einer jungen Frau zwischen Spritzbesteck und anderen "Szene"utensilien aufzufinden ist, hat das auf mich eine bedrückende Wirkung, für die keine extra Quest von Nöten ist. Ein anderes mal habe ich eine Abkürzung zwischen den vielen vertikalen Ebenen Night Cities nehmen wollen und habe mich auf einem Dach wiedergefunden, auf dem sich offensichtlich ein Netrunner übernommen hat, da er tot, gegrillt neben einem funkenden Sicherungskasten, lag.
Die Welt CP2077 ist auch ohne mich als Spieler, der von PoI zu PoI hetzt, düster, brutal und "lebendig", zumindest wirkt es so. Das Gefühl kam beim Hexer leider nie oder nur sehr bedingt bei mir auf.
Im Gegensatz zu Witcher3, das mir irgendwann beim dritten Anlauf nach ca. 55 so sehr gelangweilt hat, dass ich es nie durch- und noch nichtmals bis Blood & Wine gespielt habe, fesselt mich CP2077 jetzt beim zweiten Durchlauf genau so sehr, wie beim ersten mal in 2020.
Habe jetzt schon wieder 50h auf dem neuen Savegame und erst gestern Nacht die Mission abgeschlossen, die es mir jetzt ermöglicht, in Phantom Liberty einzusteigen. Freue mich schon auf die nächsten Stunden.