How-To Linux als Live-System: Wie geht das?

How-To-Threads

Tekkla

Volt-Modder(in)

Einleitung​

Die Motivation für diesen Beitrag kam, weil ich anderer Stelle davon schrieb, wie man mit einem Live-Linux vom USB-Stick prüfen kann, ob es an der Hardware oder an Windows bzw. den Treibern liegt, wenn der Rechner muckt.

Aber nicht nur für den Fall sollen die nachfolgenden Erklärungen hilfreich sein. Zum Beispiel gibt es ja immer mehr Beiträge hier auf der Seite, wo das Thema Linux und die vielen Distributionen auftauchen. Da ist es schon ganz nett, wenn man sich eine ISO-Datei auf einen USB-Stick packen kann und von dem einfach den Computer startet. So braucht man nichts installieren, kann in Ruhe schauen, und wenn dann ggf. erst installieren.

Es geht aber auch noch 'ne Stufe geiler. Dann nämlich, wenn man sich zig Live-Linux-Systeme, die Windows Installationsimages oder sonstige ISOs auf einen Datenträger packt und diese dann schön über ein Auswahlmenü beim Systemstart wählen kann.

Fangen wir an.

Ein Stick, ein Linux​

Die Idee dahinter ist wie beim Windows Media Creation Tool, wo eine ISO-Datei aus dem Netz geladen wird und dieses dann so auf einen USB-Stick kopiert wird, sodass man danach von diesem Stick starten kann.

Tools dafür gibt es viele. Ich persönlich mag am liebsten balenaEtcher. Das ist simple, die Bedienoberfläche erklärt sich von selbst, weil ist ein totaler No-Brainer, mit dem jeder klarkommen sollte. Das Tool gibt es für Windows, Linux und Mac.

Nachfolgendes Bild habe ich von deren Seite zur Anschauung "übernommen". Es zeigt, wie einfach das Tool ist.
1763232002870.png


Hat man nun eine ISO-Datei und einen ausreichend großen Stick parat, startet man das Tool, wählt mit "Select Image" die ISO-Datei aus, wählt mit "Select Drive" den gewünschten Datenträger (USB-Stick, USB-HDD, USB-SSD, whatever) und klickt auf "Flash!". Sicherheitsfrage, ob man das wirklich will, nach Prüfung bestätigen. Kopiervorgang abwarten. Das war's schon.

Jetzt kann man von diesem Datenträger den Rechner mit dem System aus der ISO-Datei starten.

Ein Stick, so viele Linuxe und anderes wie Platz ist​

Ich habe einen USB-Stick, mit dem ich jeden Tag auf der Arbeit bin, auf dem sind diverse Systeme parallel drauf. Eine aktuelle Windows 11 Multi ISO, diverse Linux ISOs, mein MiniTool Partition Manager als WinPE ISO, das Notfallsystem von c't usw.

Starte ich von diesem USB-Stick, dann bekomme ich ein Auswahlmenü darüber angezeigt, welches der Systeme ich denn gerne starten möchte. Simpel, elegant, und super easy zu warten. Kommt ein neues Image, dann lösche ich das alte vom und kopiere das neue auf den Stick darauf. Mehr ist nicht notwendig.

Das Tool dafür heißt Ventoy.

How to​

Eigentlich ist das kein Tool, sondern für sich eine sehr kleine Linux-Distribution, die nur die Aufgabe hat gestartet werden zu können, die Auswahl der vorhandenen ISO-Dateien anzuzeigen und diese aus sich heraus zu booten. Die genaue Magie dahinter kenne ich selber nicht, aber es funktioniert super!

Ventoy kann man sich auf der Projektseite herunterladen und unter Windows einfach installieren. Ist es installiert und gestartet, dann sieht das Fenster bei mir unter Linux mit KDE so aus. In Windows ist es aber nahezu identisch.

1763238638524.png


Das Bild sollte sich von selbst erklären. Oben wählt man bei Gerät den Datenträger aus, den man mit Ventoy bespielen möchte. Installieren startet dann die Installation, während "Aktualisieren" nur dann wählbar ist, wenn man einen vorhandenen Datenträger mit bereits vorhandenem Ventoy angesteckt hat und auf die neueste Version bringen kann.

VORSICHT: Man kann als Gerät auch einen Datenträger IM Rechner wählen. Also Obacht bei der Gerätewahl!

Das gesagt, wählt man den zu beschreibenden Datenträger aus, klickt "Installieren", bestätigt die Sicherheitsabfrage nach genauer Prüfung mit JA und wartet die recht schnelle Installation ab. Ist diese fertig, sind auf dem Datenträger nun zwei Partitionen drauf.

Partition eins ist sehr klein, trägt den Namen "VTOYEFI" und beherbergt das Minilinux, was vom Datenträger startet. Diese nicht anrühren. Ist eh kein Platz frei, um etwas drauf speichern zu können. Gespeichert wird auf der zweiten Partition. Die heißt schlicht "Ventoy". Da kann man jetzt alles rauf packen, was man will, und was der freie Speicher hergibt. Diese Partition ist mit exFAT formatiert, und damit auch unter Windows les- wie beschreibbar.

Hier mal als Beispiel der Inhalt einer meiner Werkstatt-Sticks
1763235357415.png

Wie man sieht, kann man auch Ordner darauf anlegen. Kratzt Ventoy nicht die Bohne und beeinflusst dessen Funktion nicht.

Das war es dann auch schon. Damit kann man jetzt den Rechner starten und bekommt nachfolgendes Auswahlmenü gezeigt. In konkreten Fall sind das die ISO-Dateien aus dem Bild von oben.

1763235789950.jpeg


Die Sache mit Secure Boot​

Es kann sein, dass man mit aktivem Secure Boot einen blauen Bildschirm angezeigt bekommt, wo sinngemäß steht, dass dem Schlüssel von Ventoy nicht vertraut wird und die Reise hier nicht weitergeht. Das sieht dann so aus.

1763236043301.png


Das ist nicht tragisch. Man kann die Eingabetaste drücken und muss den Schlüssel (Key) von Ventoy einmal importieren - der ist auf dem Stick mit dabei. Ich könnte das jetzt lang selber erklären, aber auf der Projektseite gibt es eine kleine Animation mit den zu machenden Schritten dafür. Die ist eigentlich ziemlich selbsterklärend. So als Hilfestellung: Pfeil hoch/runter wählen und mit Enter bestätigen.

Falls das Schwierigkeiten machen sollte, dann einfach hier melden.

Noch was zum Booten von USB​

Ich gehe mal davon aus, dass jeder hier weiß, dass man seinen Computer in aller Regel von USB-Datenträgern starten kann. Damit meine ich, dass man z.B. ein Windows-Setup von einem USB-Stick gestartet bekommt. Gleiches gilt auch für beliebige andere Systeme, wie z.B. Linux, oder ein Tool, dass auf WindowsPE basiert.

Wer sowas noch nicht gemacht hat oder brauchte, aber nun will und nicht weiß wie​

Wenn der Rechner startet, dann kann man ein Bootmenü aufrufen. Bei meinem Board kommt das, wenn ich beim Herstellerlogo F11 drücke. Bei anderen ist es F8, manchmal auch F2.

Mit modernen Boards kann man das aber auch direkt im UEFI machen. Dazu - in aller Regel - beim Rechnerstart die ENTF-Taste immer wieder drücken, bis das UEFI angezeigt wird. Da dann schauen, ob man einen Punkt mit "Boot Override" oder ähnlich findet. Wenn ein bootbarer USB-Datenträger angesteckt ist, dann sollte der dort aufgelistet auch auswählbar sein.

So sieht das bei mir aus. Die rot hinterlegte Auswahl wäre in meinem Fall der Ventoy Stick.
1763241622183.png


Falls das alles nicht klappt, dann auch dazu einfach hier im Thema fragen.

Was sonst?

Hier eine Liste von Tipps und Tricks und Erfahrungen aus den Kommentaren. Ich halte diese nur fest.

_______
Anmerkung meinerseits: Das wollte ich schon lange gemacht habe. Endlich mal die Muße gefunden.
 
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Das ist eine Super Anleitung. Genauso mache ich das inzwischen auch.

Nur hänge ich mich noch dran auf, wie man eine SDXC Speicherkarte per PCI-E Cardreader (MSI Claw A1M) gebootet bekommen könnte.^^

Weil Linux hab ich da schon auch drauf installiert bekommen, zum Glück mal sauber auch. Hat für mich auch ne Ecke gedauert.

In meinem normalem Linux gestartet kann ich das dann auch benutzen. Aber nicht extra Booten.

Hast Du da Tipps oder gibt es Tricks?
 
Nur hänge ich mich noch dran auf, wie man eine SDXC Speicherkarte per PCI-E Cardreader (MSI Claw A1M) gebootet bekommen könnte.^^
Ich muss auch nur raten. Ich vermute, dass die Erweiterungskarte vom UEFI nicht als bootbares Laufwerk angesehen wird.

@Tekkla War balenaEtcher nicht das, von dem man mittlerweile abraten sollte?
Rufus ist doch wieder in der Gunst nach oben geklettert ...

-> https://www.heise.de/news/ISO-Schreibprogramm-Tails-warnt-vor-balenaEtcher-10288826.html
Wenn Metrik wie der ISO-Name für Tails ein Problem darstellt, und die Leute da sind hyperempfindlich, weil ist ja deren Motivation für Tails, dann mag das okay sein. Man kann aber auch die Kirche im Dorf lassen.

Wenn die vom Etcher ihre Metrik mit Dritten teilen, zum Beispiel mit MS, dann finde ich es sogar eher witzig, wenn durch diese Anleitung die Leute motiviert werden Linux zu flashen und MS dann vorgeführt wird, wie immer mehr von Windows weggehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Ventoy für die meisten Distros gut funktioniert und es ist schön viele Distros auf einem USB-Stick unterbringen zukönnen (und denselben stick kann man sogar noch für weitere Daten verwenden),

Dennoch ist mir vor einiger Zeit mit NixOS ein bootproblem ("Stage 1 des bootprozesses") aufgetreten. Ein ähnliches Problem wurde im NixOS Forum auch schon beschrieben.
Die Saubere Lösung für dieses Problem war, wie nach der Anleitung bei NixOS, die ISO mit dd zu übertragen.
Also falls jemand mal etwas ähnliches mit irgendeiner anderen Distro hat, welche man unbedingt mal sehen will, einfach nochmal mit dd dem ganzen eine Chance geben ;).

Kleiner Nachtrag hier ein Bild von meinem Fehler:
signal-2025-11-16-152002.jpeg
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Ventoy für die meisten Distros gut funktioniert und es ist schön viele Distros auf einem USB-Stick unterbringen zukönnen (und denselben stick kann man sogar noch für weitere Daten verwenden),

Dennoch ist mir vor einiger Zeit mit NixOS ein bootproblem ("Stage 1 des bootprozesses") aufgetreten. Ein ähnliches Problem wurde im NixOS Forum auch schon beschrieben.
Die Saubere Lösung für dieses Problem war, wie nach der Anleitung bei NixOS, die ISO mit dd zu übertragen.
Also falls jemand mal etwas ähnliches mit irgendeiner anderen Distro hat, welche man unbedingt mal sehen will, einfach nochmal mit dd dem ganzen eine Chance geben ;).

Kleiner Nachtrag hier ein Bild von meinem Fehler:
Anhang anzeigen 1508685
Was ist "dd"?
 
Auch sollte nach einem fertigen Download eine "ISO" als aller erstes auf Integrität Definitv überprüft werden, wichtig !!!

@Tekkla, Füge Bitte diesen wichtigen Punkt noch in deine Anleitung nachträglich hinnein. Danke dir. :daumen:

 
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Genau Tekkla. Ich habe es bisher nicht Geschafft daran was zu ändern.
Mal mit einem Bootloader wie z.B. Clover oder OpenCore probieren.
Das ist nicht nur etwas aus dem Hackintosh-Bereich, sondern kann auch auch dazu genutzt werden, um z.B. auf Systemen die nicht das booten von NVMe unterstützten, von einer solchen zu booten. Muss man sich Anleitungen, etc. zu raussuchen und ggf. auch selber ein wenig rumbasteln. Siehe u.a.:
 
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