Intel hat definitiv einen riesigen Wasserkopf, der jede Menge Chancen verpasst. Aber ich denke nicht, dass es 20.000 zu feuernde Manager gibt, die ausschließlich Konferenzsessel warmgehalten haben. Da wird es auch genau die Substanz treffen, die man für neue Techniken braucht und eigentlich war gerade Gelsinger, gegenüber dessen Linie her hier eine 180°-Drehung hingelegt wird, sehr Ingenieursfokussiert im Sinne von "erstmal die Fertigung wieder hochbringen, dann kann man auch gute Produkte bauen". Tan dagegen will ausdrücklich Kunden in den Fokus rücken, gefolgt von Produkten und wie man die herbeigeredeten Bedürfnisse dann umsetzen kann (oder ob überhaupt) scheint erst die dritte Priorität zu haben. Wahrscheinlich weiteres Outsourcing an TSMC, um schnellstmöglich die teuren Zukunftsinvestitionen aus der Bilanz zu haben. (Deren ausbleibende Ergebnisse dann dem nächsten CEO überlassen werden?)
Intel beschäftigt fast doppelt viele Mitarbeiter wie Nvidia und AMD zusammen (je nach Quelle) und schafft es momentan nirgends ganz vorn mitzuspielen.
Bei den ganzen Verspätungen und Absagen von Roadmaps (egal in welchem Firmensegment) kannst du mir nicht erzählen, dass nicht jetzt auch schon intern alles extrem holprig und ineffizient abläuft. Iwann muss ein Konzern sich der Realität anpassen und als im Taumeln liegender Marktführer sich gesund schrumpfen. Nichts an der Produktexekution rechtfertigt diese hohe Mitarbeiterzahl momentan.
Das Problem ist, dass Intel nicht den störenden Overhead* abbaut und die dann überflüssigen Stellen streicht, sondern einfach Leute feuert, die aktuell sicherlich (hoffentlich?) mehr machen als Däumchen zu drehen. Das freut Börsianer, aber in der realen Welt hat man dann dysfunktionale Strukturen
und unzureichende Manpower, diese zu betreiben. Sowas kann man kurzfristig auch nicht im laufenden Betrieb durch eine komplette Reorganisation lösen, sondern in der Regel nur durch Einstellung ganzer Geschäftsbereiche sowie einem radikalen Kahlschlag bei Zukunftsinvestitionen. AMD hat fast ein Jahrzehnt gebraucht, um aus einem so gegrabenen Loch wieder heraus zu arbeiten, Intel scheint mit weitaus weniger Anlass hinein zu springen.
Zusätzlich ist ein Brain-Drain zu befürchten, wenn man so etwas radikales Hals über Kopf macht: Weder wäre dann Zeit, sorgfältig die zu kündigenden Personen auszuwählen, noch werden sich die verbleibenden sicher fühlen. AMD, Google, Nvidia & Co werden sich die Finger lecken nach dieser Recruiting-Gelegenheit und wenn Intel in fünf Jahren realisiert, dass es eine Scheißidee war, ist es zu spät. Im Gegensatz zur Software-Branche ist bei Hardware-Ingenieuren Hire & Fire eher unüblich.
*: Bei Intels Personalzahlen sollte man übrigens nicht vergessen, dass die neben einer GPU-Entwicklung mit Architekturrythmen zuletzt auf Nvidia-Niveau und einer CPU-Entwicklung mit weiterhin größerer Bandbreite als AMD auch noch eine Fertigungsentwicklung von TSMC-Dimensionen sowie eine ebenfalls sehr umfangreiche Fertigungs-Umsetzung haben. On-top macht Intel deutlich mehr Software als alle drei zusammen. Gerade letzteres wird kaum wahrgenommen, aber im Gegensatz zu Vorurteilen gehen häufige gute Optimierungen für Intel-Plattformen eher nicht auf Anti-AMD-Bestechungsgelder zurück (soweit man weiß), sondern darauf, dass Intel den Entwicklern schlichtweg die Arbeit abnimmt und in House macht oder die nötige Grundlage via Open Source geliefert hat. Man kann bei jedem dieser Bausteine darüber streiten, ob die abgelieferte Arbeitsqualität in den letzten Jahren die geleistete Arbeit wert war. Aber das Konzept als solches hat einige Jahrzehnte Intel-Dominanz hervorgebracht und aktuell befindet man sich in einer Position, in der man eigentlich jeden Vorteil braucht, den man kriegen kann. Selbst ein schlechter Arbeiter leistet mehr als ein gefeuerter.