AW: HIFI System für PC bis 400 Euro
Schlimm was hier an Verallgemeinerungen geschrieben wird!
Natürlich sind "Nahfelder" nicht alternativlos zu anderen Möglichkeiten Musik zu hören! Wie sollte das auch sein? Musik ist dann gut, wenn sie gefällt, das bedeutet nicht, dass Boxen oder Anlagen gesoundet sind, sondern vor allem, dass auf unterschiedliche Dinge Wert gelegt wird. Zu schreiben Hifi sei gesoundet und daher schlechter als die "Nahfelder" ist einfach falsch.
Was sind denn fürs Nahfeld geeignete Boxen? Praktisch alle (!) Boxen, die nicht zu große Membrane haben und diese möglichst dicht beinander - im Normalfall dazu 1 - 2 Wege. Die Boxen dieser Machart bieten fast automatisch eine gute Basis zum Hören im Nahfeld. Dabei stimmt nämlich die Abtrahlung (kleine Membran = geringe Bündelung) und die Schalladdition (geringe Membranabstände addieren sich schon bei weniger Abstand zu einer homogenen Schallquelle).
Bloß weil Boxen sich "Nahfeldmonitore" nennen, sind sie dafür nicht besser geeignet, sondern höchsten geschickter vermarktet, weil sie dem unbedarften Käufer suggerieren "Profi" und "Studio" Geräte zu sein (was sie in dem Preisbereich definitiv nicht sind) - die Physik dahinter ist immer die selbe!
Was die angeblich besseren Klangeigenschaften angeht, so muss man schlicht die Frage stellen warum dies so sein sollte? Glaubt irgendwer, dass bei gegebenem Budget eine Box, die als "Nahfelder" vermarktet wird tendentiell besser ist? Dem Entwickler stehen prinzipiell die gleichen Materialien, Chassis, und Möglichkeiten offen, aber bei Hif verkackt er und bei Nahfeldern gelingt ihm immer ein Traumlautsprecher?
Der angeblich (beileibe nicht immer vorhandene) linearere Frequenzgang von "Nahfeldern" ist kein Garant für guten Klang, ja nicht einmal die Voraussetzung dafür! Er ist ein (!) Parameter von vielen, die alle stimmen müssen und erst in Summe einen guten Lautsprecher ausmachen. Was nützt es, wenn der Frequenzgang linear ist, aber die Sprungantwort miserabel, oder die Schalladdition der einzelnen Wege nicht passt, die Abstrahlung ungleichmäßig ist, der Klirr ungebührlich hoch... ? Boxen machen alle Fehler, nur sind diese unterschiedlich auf die Eigenschaften verteilt, daher wird oft der Frequenzgang zur Beurteilung herausgezogen, weil da jeder meint einen "guten" LS erkennen zu können - kann man nicht!
Die Linearität ist oft überschätzt - was nicht heißt, dass sie am Hörplatz nicht anzustreben sei! Sie ist aber je nach der bevorzugten Musikrichtung unterschiedlich wichtig. Beim Hörer von klassischer Musik, Gesang, Jazz u.ä. dürfte diese höher gewichtet werden, als z.B. bei jemandem, der in erster Linie elektronisch erzeugten Klängen lauscht, da hier eine Abweichung nicht so leicht als störend empfunden wird.
Ich habe geschrieben, die Linearität "am Hörplatz" sei anzustreben, da trennt sich dann wiederum die Tauglichkeit vieler Boxen am PC Schreibtisch! Eine ideale Box für solch eine Anwendung hat nämlich gar keinen linearen Frequenzgang, sondern einen ab dem Grundton / Oberbass fallenden. Grund ist die Verstärkung eben dieses Bereichs durch die Schreibtischplatte und eine (meistens vorhandene) Rückwand. Ist die Box in dem Bereich linear abgestimmt wird schnell dröhnig und nervig. Richtige Profinahfelder haben daher meist Ortsfilter, die es ermöglichen auf diese individuelle Eigenschaft des Hörplatzes einzugehen. D.h. der Raum spielt wirklich keine große Rolle, aber die Aufstellung sehr wohl!
Die einfachen "Nahfelder" haben das meist nicht und sind daher aufstellungstechnisch meist auch keine anderen Möglichkeiten als sie normale Hifiboxen bieten!
Das Thema Bass kleiner Boxen ist auch so eines bei dem viele Halbwahrheiten und Mythen unterwegs sind. Erst mal, ja es geht! Basstiefe hat erst mal nix mit der Größe der Box zu tun, sondern in erster Linie mit deren Abstimmung bzw. den Parametern des verwendeten Chassis. Meine PC Boxen liefern an meinem Schreibtisch eine untere Grenzfrequenz im Bereich von 40Hz (für "normale" Musik absolut ausreichend, weil es praktisch keine natürlichen Instrumente gibt, die noch signifikant tiefer spielen) aus einem 4l Gehäuse... Große Boxen sind nur dann erforderlich, wenn man tief und laut möchte - am Schreibtisch ist letzteres nicht so entscheidend, weil man sehr dicht dran hockt und Partybeschallung keine Anforderung solcher Boxen sein sollte.
Was eher nicht geht ist es einen Subwoofer aufzustellen. Der ist am Schreibtisch in nahezu allen Fällen nicht gut aufzustellen und darunter leidet dann einfach die Homogenität des Klangbildes. Solche Teile sind ohnehin schwer auf- und einzustellen, am Schreibtisch wirds nicht einfacher...
Viele Boxen haben z.B. auch einen mehr oder weniger starken Anstieg des Hochtonbereichs. Das ist nicht schlimm, weil dies normal nur auf der Achse so ist, winkelt man die Boxen nicht so stark Richtung Hörer aus, so kann man sich damit den gewünschten Hochtonpegel einstellen (außerhalb der Achse bündelt der Hochtöner mehr oder weniger stark, so dass es da dann linearer wird). Nebeneffekt ist oft eine gesteigerte Räumlichkeit und mehr Hochtonenergie im Raum - stören tut es normalerweise jedenfalls nicht.
Der qualitative Königsweg ist ob des besten P/L Verhältnisses sicher der Selbstbau der Boxen! Dadurch hat man zudem auch die Möglichkeit die Abstimmung z.B. des Basses an die Gegebenheiten anzupassen, auf den eigenen Geschmack und die Einrichtung einzugehen. Solange die Basis dazu ein seriöser Bausatz ist kann da nicht viel schief gehen - wenn man nicht gerade 2 linke Hände voller Daumen hat. Bei Bedarf kann ich da auch mal was zu schreiben - meine PC Beschallung ist jedenfalls selbst gemacht und braucht sich ganz sicher nicht zu verstecken (!
http://extreme.pcgameshardware.de/sound-hifi/341768-meine-pc-beschallung.html)
Unterm Strich bleibt, dass man sich von Marketinggesülze verabschieden und immer auf die konkreten Geräte schauen muss. Es ist in deinem Budget möglich sowohl mit einem kleinen aktiven Monitor, als auch mit einer Lösung aus Passivbox + Verstärker sehr gute Ergebnisse zu erzielen! Alternativlos gibts bei Hifi nicht, erlaubt ist was gefällt!