AW: Gehäuselüfter Static Pressure & Airflow
Zuersteinmal:
In der Tendenz zeigen "AF"-Lüfter mit eher vielen, kleinen Schaufeln eine deutlich höhere Rohperformance. Der Fokus liegt hier darauf, bei möglichst geringem Luftwiderstand das bestmögliche Fördervolumen zu erreichen. Dazu sollte man Festplattenkäfige, Filter oder Gitter nach Möglichkeit natürlich entfernen. Andernfalls kann es zu Einschränkungen der Leistung kommen. Durch die Beschaffenheit der vielen, filigranen Blätter bedingt kann es bei ungünstigen Barrieren (gerade auf der Saugseite) leider schneller zu spür- und hörbaren Strömungsabrissen sowie Rückstaus kommen. Freiblasend bzw. bei nur geringem Luftwiderstand funktionieren derartige Designs dafür aber sehr gut, liefern eine sehr gute Leistung und laufen aufgrund der nur minimalen Turbulenzen dann auch äußerst ruhig.
Bei dem Konzept "SP" hingegen findet man Lüfter mit eher wenigeren und dafür größeren Schaufeln. Diese eignen sich natürlich besser, um die Luft gegen verschiedene Luftwiderstände zu befördern. Durch die folgende Minderung der Rückstaus werden dann auch die Strömungsgeräusche an bspw. engen Lamellen oder Gehäusegittern reduziert. Im Gegenzug büßt man meist jedoch auch wieder einiges an Rohleistung ein. Entsprechende Designs sollten also als Kompromiss für restriktive Einsatzorte angesehen werden, bei denen sich die höheren Luftwiderstände nicht meiden lassen.
Dazwischen stehen dann noch diverse Modelle, die beides in Einklang zu bringen versuchen. Meiner Meinung nach erfüllen das z.B. der NF-P14 von Noctua oder PH-F140SP von Phanteks.
Jenseits dessen gibt es natürlich auch immer wieder Ausnahmen wie etwa Noiseblockers eLoops, die (in dem Fall) durch ihr bionisches Rotorendesign in so ziemlich allen Bereichen eine vorbildliche Effizienz erzielen. Dem gegenüber stehen dann aber auch wieder individuelle Nachteile, wie hier etwa die nach wie vor gegebene Anfälligkeit für Luftwiderstände an der Saugseite. Zu gering dimensionierte Abstände zu bspw. Gehäusegittern können hier nämlich zu einem unerwünschten Rauschen oder Dröhnen führen. Da helfen dann nur noch Shrouds / Abstandhalter, mit denen man dann im Übrigen sogar so ziemlich das Optimum der derzeit möglichen Luftkühlung erreicht. Mit Blick auf die Effizienz (Leistung gegenüber Lautstärke) gibt es derzeit kaum Besseres als ein eLoop B14 oder Venturi HF-14 (beides sehr durchfluss-starke Lüfter) gepart mit einer ordentlichen Vorkammer, die die drohenden Turbulenzen (welche wiederum Leistung und Lautstärke negativ beeinträchtigen) auf ein Minimum reduziert. Dadurch profitiert man nämlich von dem Potenzial des bestmöglichen Durchflusses (Fördervolumen), ohne andererseits die Lautstärke zu erhöhen. Wer den Platz oder auch die entstehenden Nebenkosten nicht aufbringen kann, sollte einfach zu druckoptimierten "SP"-Designs greifen. Die Performance reicht hier in der Regel auch vollkommen aus, weshalb man sich (sofern man keine gravierenden Probleme mit der Belüftung des Gehäuses hat) eigentlich auch keine weiteren Sorgen hinsichtlich der mutmaßlich "versäumten" Leistung machen sollte.
Man sollte sich nebst all dieser Relationen jedoch immer vor Augen halten, dass ein Lüfter nur wirklich leise laufen kann, wenn er auch richtig verwendet wird.
Hier auch nochmal ein paar grundlegende Punkte zu dem Thema:
- Drehzahlen kontrollieren: je höher die Drehzahl, desto höher idR. der Luftdurchsatz, desto höher wiederum die Strömungsgeräusche. Für gewöhnlich kann man ab etwa 800 U/min abwärts von einem (sehr) leisen Betrieb sprechen.
- Nach Möglichkeit Luftwiderstände reduzieren: Gitter, Filter oder sonstige Barrieren aus dem (unmittelbaren) Stromfeld vor bzw. hinter dem Lüfter entfernen; alternativ Shrouds als Abstandshalter einsetzen, um störende Turbulenzen zu reduzieren (insbesondere eLoop und Venturi HF)
- Nach Möglichkeit gummierte Montage / Entkopplung, um die Übertragung von Vibrationen vorzubeugen, welche andere Gehäuseteile in Schwingung versetzen könnten (Vibrationsanfälligkeit variiert mit Qualität der Lüfter sowie anliegender Drehzahl)
- Nicht von Normdaten wie etwa Herstellerspezifikationen abhängig machen, bei denen nicht nachvollziehbar ist, wie sie ermittelt wurden. Vergleiche von Rohdaten sollten lediglich innerhalb einer Serie / Messreihe (mit identischen Testbedingungen) angestellt werden!
- Und zu guter Letzt: vertraue deinen Ohren! Was auf dem Papier mit gerade mal 17 dB(A) oder 0.4 Sone spezifiziert wird, kann in der Praxis einen ganz anderen Eindruck hinterlassen, wenn der Antrieb bspw. unangenehm hoch- oder tieftönig arbeitet, der Lüfter durch Produktionsfehler bedingt (nie auszuschließende Serienstreuung, auch bei Review-Samples!) doch unter unerwarteten Nebengeräuschen leidet, usw., usw.
Wie laut und performant ein Lüfter arbeitet, hängt immer von den Einsatzbedingungen (Montage, Barrieren, Drehzahlen,...) und auch unseren persönlichen Erwartungshaltungen und Gewohnheiten ab. Es gibt auch ganz wesentliche physiologische bzw. psychologische Aspekte (Stichwort "Psychoakustik"), welche unsere Wahrnehmung von "Lautstärke" ganz erheblich beinflussen.
Von daher gehört auch immer ein wenig Eigeninitiative und Bereitschaft zum Experimentieren mit dazu
Ich schätze, damit bin ich nun ziemlich übers Ziel hinausgeschossen.
Vielleicht kann der eine oder andere dennoch etwas mit diesen Überlegungen (zu diesen gravierenden Luxusproblemen) anfangen ^^
LG und guten Rutsch,
Kabelbinder
PS: die TT Riing findest du auch bei mir im Roundup

Mir persönlich neigen sie etwas zu sehr zum Klackern. Dafür kommen sie aber natürlich mit einer sehr schicken Optik.