Test FORM Smart Swim Goggles (smarte AR-Schwimmbrille)

Aeton

Komplett-PC-Käufer(in)
AR bzw. „erweiterte Realität“ ist der Begriff dafür, dass digitale Elemente in die reale Welt eingefügt werden. Dies kann durch Bildschirme von Smartphones, aber auch durch Brillen wie der Google Glass oder auch jüngst der Apple Vision Pro umgesetzt werden.

Der Schwimmsport ist eine Sportart, die eigentlich ohne viel elektronische Technik auskommt, außer vielleicht smarte Uhren, die Strecke, Zeit und Herzrate tracken.

Die kanadische Firma FORM will die Lücke zwischen diesen beiden Bereichen mit ihrer smarten Schwimmbrille schließen, welche nicht nur diverse Metadaten messen, sondern diese und sogar ganze Workouts auch live über ein AR-Display in der Brille anzeigen kann.


Wie sich die Hightech-Brille in der Praxis schlägt, ob und vor allem für wen sie ihren hohen Preis wert ist, werde ich in diesem Test klären.


Danksagung
Zunächst möchte ich mich bei FORM für die Bereitstellung des Produkts bedanken.


Features und technische Details
Hardwareseitig verspricht die smarte Brille 16h Akkulaufzeit, verwendet zertifiziertes Silikon, eine branchenführende Anti-Fog-Beschichung und hat diverse Nasenstege für jedermanns perfekten Sitz.

Softwaretechnisch kommt die Brille mit der hauseigenen FORM-App, deren Benutzung sich in Basis- und Membershipfeatures aufteilt.


Beim Kauf der Brille sind die Basisfeatures dauerhaft mit inbegriffen. Dazu gehören Echtzeit-Metriken in der Brille, Aktivitätsverfolgung im Schwimmbad, Freiwasser und in Gegenstromanlagen und GPS-Tracking im Freiwasser, was aber nur kombiniert mit Smartwatches von Apple oder Garmin funktioniert. Zudem gibt es Community-Funktionen zum Connecten und Teilen von aufgenommenen Daten und eine detaillierte Analyse nach dem Schwimmen in der App. Unterstützt werden dabei Pools ab 15 m Länge.


Darüber hinaus gibt es die Membership Features. Ein Jahr ist gratis beim Kauf der Brille mit dabei, danach schlägt es mit 16 € pro Monat zu Buche.
Dafür bekommt man dann mehr als 1.000 geführte Workouts, die sämtliche Angaben zu Stilen, Strecken, Pausen, Leistungsniveaus etc. geben und in der Schwimmbrille angezeigt werden – angepriesen als „a coach with you underwater“.
Dazu kommen mehr als 30 von Trainern erstellte Trainingspläne für Fitness, Technik und auch Triathlons, um gewisse Ziele und bessere bzw. schnellere Fortschritte zu erreichen.
Zudem können benutzerdefinierte Workouts erstellt werden, vorhandene als Vorlage verwendet oder jene von anderen Usern bzw. dem Trainer übernommen werden. Aktuell soll es mehr als 50.000 Mitglieder geben.

Die Workouts unterteilen sich in die Kategorien Ausdauer, Erholung, Technik, Kraft, Sprint und Test-Sets, mit denen man die Leistung und Verbesserungen im Laufe der Zeit besser messen kann.

Trainingspläne gibt es z.B. für Triathlons, Fitness und Skill Development. Die Triathlon-Pläne unterteilen sich in die unterschiedlichen Strecken bis hin zum Ironman bei 8 bis 24 Wochen Laufzeit, 3x wöchentlichem Training bei 1–3 km Strecke.

Bei den Fitness-Plänen geht es von Pace-Verbesserung über Ausdauersteigerung bis hin zur Ganzkörperstärkung, aber z.B. auch ein Plan, um pausenlos 500 m schwimmen zu können. Hierbei trainiert man 2–8 Wochen, 2–3x die Woche bei 1–4 km.

Beim Skill Development geht es neben den Grundlagen gewisser Stile auch um Schwimmen mit Zubehör wie Kickboards, Flossen oder einem Pull Buoy. Die Pläne dauern nur 2–4 Wochen, ebenfalls bei 2–3 Einheiten in der Woche, aber nur mit 1–1,4 km.


Generell gehören zu den messbaren Daten der Brille
  • die Zeit, aufgeteilt in aktive und Pausenzeit. Indoor wird dies automatisch erkannt, Outdoor muss man die Zeit manuell pausieren.
  • die Distanz, die beim Schwimmen auch in der Brille agil angezeigt wird (im Freiwasser nur mit extra Smartwatch)
  • der Pace, also die Durchschnittsgeschwindigkeit. Diese wird während des Trainings angezeigt und benötigt im Freien ebenfalls eine smarte Uhr.
  • verbrannte Kalorien
  • die Herzfrequenz, welche jedoch nur mit einer Smartwatch oder den Polar Verity Sense, OH1 oder OH1+ Sensoren gemessen werden kann. Letztere starten ab ca. 50 €. Auch hier ist eine Echtzeitanzeige möglich.
  • Zwischenzeiten, um ein gleichmäßiges Tempo einhalten zu können
  • die Schlagfrequenz, die in Echtzeit aber nur beim Freistilschwimmen verfügbar ist
  • die Schlaganzahl, um die Technik der Armzüge zu verbessern und effizienter zu ziehen
  • Strecke pro Armzug, um zu wissen, wie weit man mit jedem Armzug kommt
Bis auf die letzten beiden Punkte und natürlich die Zwischenzeiten sind alle Funktionen sowohl Indoor als auch im Freiwasser verfügbar.


In der Brille kann man zudem zwischen diversen vorprogrammierten Dashboards wählen, welche die wichtigsten Daten auf verschiedene Art anzeigen. Aufgrund der symmetrischen Bauweise kann man das einseitige Display auch je nach Vorliebe auf der linken oder rechten Seite verwenden, die Datenübertragung zwischen Brille und Smartphone erfolgt über Bluetooth.
Die FORM-App lässt sich auch mit diversen Fitness-Apps verbinden, wie Strava, TrainingPeaks, Today´s Plan oder Apple Health.

Außerdem gibt FORM 2 Jahre Garantie und versendet klimaneutral.


Verpackung und Lieferumfang
Die FORM Goggles kommen in einer stylischen Schiebebox aus bedrucktem Karton.

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Neben der Schwimmbrille selbst liegen für die perfekte Passform sieben auswechselbare Nasenstege von XS bis XL bei, ein belüftetes Hardcover-Case, ein magnetisches Ladekabel, ein Befestigungsclip für einen Herzfrequenzsensor, eine Kurzanleitung, ein Sticker und eine Karte mit den Schritten zur App-Registrierung bei.

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Erster Eindruck und Design
Zunächst zum Case. Dieses ist robust und fühlt sich sehr hochwertig an, der Reißverschluss läuft aber leider nicht ganz flüssig. Die Verarbeitung ist einwandfrei, nur steht im Inneren ein wenig Stoff ab, was aber dafür sorgt, dass man die Karte mit den Nasenstegen hier praktisch einklemmen und mitnehmen kann, sofern man möchte. Hier wurde außerdem mitgedacht, weil die Karte aus Plastik ist und es auch einen Platz für den schon verbauten Nasensteg gibt.

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Das Design der Brille ist relativ schlicht in Schwarz mit einem grauen Band gehalten, die Gläser sind leicht sepia-farbig, beeinflussen aber nicht die Farben. Die Verarbeitung ist, wie man sie von einer Schwimmbrille erwarten kann, gut und das Projektionselement und die restliche Brille weisen keinerlei Schlieren, Kratzer oder abstehendes Plastik auf.

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Einrichtung
Zur Einrichtung kann man den QR-Code auf der beilegenden Karte scannen, wird auf die FORM-Website weitergeleitet und kann die App herunterladen.
Dann muss man einen Account erstellen, seine persönlichen Daten angeben und kann die Brille dann verbinden, was schnell und gut klappt.
Darauf folgt ein kurzes Tutorial zur Bedienung, welche aber sehr intuitiv ist. Mit der vorderen der beiden Tasten bestätigt man, mit der hinteren rotiert man über die zur Auswahl stehenden Elemente.

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Praxistest
Ist die App eingerichtet und die Brille verbunden, kann man sie auch schon zum ersten Mal verwenden und die AR-Technik mit eigenen Augen erleben.

Zunächst fällt auf, dass sich das Display genau wie in den Werbebildern ins Sichtfeld legt und zudem wirklich hell und gut lesbar ist.

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Hier kann man sich dann zwischen „Workout“, „My Plan“, „Pool Swim“, „Open Water“, „Swim Spa“ und den Einstellungen entscheiden. Außerdem wird der Akkustand in drei Stufen angezeigt.
Bei den Workouts kann man sich zwischen den verschiedenen auf die Brille geladenen Workouts entscheiden, die auch nochmal mit ihrer Länge und Art angezeigt werden, analog kann man bei „My Plan“ einen seiner Pläne ausführen. Beim Pool Swim gibt man zunächst die Länge der Bahn an und kann dann mit der freien Messung beginnen, „Open Water“ lässt noch zwischen einem Messen auf der Brille oder mit einer extra Uhr unterscheiden.
Die Einstellungen in der Brille selbst sind eher als Schnelleinstellungen zu verstehen, hier kann man z.B. die Displayhelligkeit und Displayseite einstellen, verbundenen Geräte und die Seriennummer einsehen oder die Brille auch zurücksetzen. Das erlernte Navigieren mit den beiden Tasten funktioniert nach kurzer Zeit auch schon einwandfrei.

Beim Schwimmen kann man sich also entscheiden, ob man per Trainingsplan auf ein gewisses Ziel hinarbeiten, nur ein Workout machen oder einfach drauf losschwimmen und danach seine Daten analysieren möchte. Damit kann man dann auch sehen, wie man sich über die Zeit verbessert.


Ich habe zunächst mit „Pool Swim“ gestartet. Also einfach durch die Menüpunkte klicken, die vordere Taste zum Starten drücken und losschwimmen.

Nach dem Abstoßen ist die Anzeige zunächst ein wenig verzögert, zählt dann aber die Zeit hoch, am Anfang noch mit Millisekunden, dann nur noch in Sekunden.
Bei der ersten Wende wird auch wieder mit ein wenig Verzögerung und „Turn“ betitelt kurz im unteren Bereich die Zwischenzeit für die letzte Bahn angezeigt, danach wechselt die Anzeige wieder zur bisher geschwommenen Gesamtstrecke.

Macht man dann eine Pause, dauert es ca. drei Sekunden, bis die Brille erkennt, dass man angehalten hat und es wird „Rest“ angezeigt.
Tatsächlich erkennt die Brille das Anhalten aber schon früher, denn die Pausenanzeige ist maximal eine Sekunde von der echten Zeit abweichend. Dies wurde wahrscheinlich so gelöst, dass sich die Technik in der Brille sicher sein kann, dass gerade wirklich angehalten wurde und auch erst dann der Pausen-Screen angezeigt wird.
Hierbei steht im unteren Bereich kurz die Bahnenzeit, die dann aber zwischen den verbrannten Kalorien und der Gesamtstrecke immer wieder automatisch durchwechselt.
Weitere 10 Sekunden später wird von der Gesamtzeit auf eine separate Pausenanzeige gewechselt, die hochzählt, wie lange man gerade Pause macht.

Stößt man sich dann wieder ab, kommt mit kurzer Verzögerung wieder der „Swim“-Screen und die Zeit zählt wieder weiter.


Perfekt auf die Sekunde genau sind die gestoppten Zeiten also nicht. Will man wirklich exakte Zeiten, sollte man diese extern und manuell messen. Für Trainigszwecke, bei denen es auf diese nicht genau ankommt, reicht die Genauigkeit aber aus.
Die Goggles werden ja auch nicht für Sprinter angepriesen, sondern eher für den Triathlonsport, bei welchem die Ansammlung von vielen und großen Messdaten wichtiger ist, als jede Zeit für jede Bahn genauestens wissen zu können.
Trotzdem ist es beeindruckend, dass die Brille die Zeiten fast auf die Sekunde genau stoppen kann.

Irgendwo muss die Brille aber auch die Grenze ziehen, welche „Aktion“ gerade ausgeführt wird. Extrem langsames Abstoßen erkennt sie z.B. nicht immer sofort, sondern erst 4-5 Sekunden später.
Generell muss man sagen, dass man der Brille mit seinem Verhalten „zuarbeiten“ sollte. Setzt man sie ab oder schüttelt seinen Kopf, ohne die Messung zu pausieren, kann es zu Fehlern kommen. Beispielsweise hat die Brille bei mir bei einer Pause mit abgesetzter Brille 75m Strecke gemessen, obwohl gar keine Bewegung stattgefunden hat.


Zur Brille an sich muss man sagen, dass diese ganz gut ist, es aber sicherlich auch bequemere gibt. Dafür hält sie gut dicht und die Anti-Fog-Beschichtung sorgt dafür, dass die Brille selbst in 1,5h ohne Abnehmen nicht beschlägt.
Außerdem merkt man das extra Bauteil an der Brille beim Schwimmen überhaupt nicht und hat keinerlei Einschränkungen. Es kann aber passieren, dass aufgrund des höheren Widerstandes die Seite mit dem Element bei starkem Abstoßen abrutscht, wenn man nach unten schaut. Dafür muss man die Brille dann schon enorm festziehen, dass dieses Problem nicht auftritt.

Was auch direkt auffällt: Das Sichtfeld ist durch die Brille schon sehr stark eingeschränkt, besonders die Ränder sorgen für viele Spiegelungen.
Dies liegt wahrscheinlich daran, dass auf einer Seite ein Prisma für das AR-Display verbaut werden musste und auch Platz in den Rändern für das Projektionselement benötigt wurde. Orientiert man sich also eher über die Ränder seiner Schwimmbrille, könnte man Probleme mit der Smart Google haben.

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Zu Beginn war es für mich relativ störend, die ganze Zeit das Display zu sehen. Zwar kann man es beim Schauen ein wenig ausblenden und die Größe ist gut gewählt, eine nähere Platzierung am Rand wäre vielleicht aber auch nicht unpraktisch, was dann aber auch wieder für eine schwerere Lesbarkeit sorgt.
Hierfür hat FORM aber auch eine Lösung, denn in der App lassen sich verschiedene Dashboards fürs Schwimmen, die Wende und die Pause konfigurieren und einstellen, die dann auch schnell im Wasser über die Brille gewechselt werden können.
Leider kann man hier aber nicht komplett frei zwischen Elementen wählen, ich hätte mir z.B. noch eine dauerhafte Anzeige für die Uhrzeit gewünscht, das kann aber auch eine persönliche Präferenz sein.
Man muss aber auch sagen, dass das dauerhafte Display nach einiger Zeit mit der Brille gar nicht mehr so sehr stört. Trotzdem ist es gut, dass man sich mit den Dashboards selbst entscheiden kann, wie man es haben möchte und sie sogar während des Trainings nach Lust und Laune wechseln kann.


In meinen Tests haben eine Stunde schwimmen ca. 10 % Akku verbraucht und ich musste nach knapp 10h die Brille wieder laden. Darauf wird man bei unter 20 % Batteriestand auch nach einem Workout in der Brille selbst und in der App hingewiesen. Die versprochenen 16h Akkulaufzeit konnte ich also nicht erreichen, man muss aber auch sagen, dass teilweise eine ganze Woche zwischen den Verwendungen lag und diese Werte möglicherweise bei häufigerer Benutzung möglich sind.
Geladen wird die Brille dann einfach mit dem mitgelieferten Kabel, welches sich magnetisch an Kontakte am Projektionselement clippt. Leider ist das Kabel mit nur 50 cm relativ kurz, was je nach Ladesituation nervig sein kann.

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Ist das Kabel dann angeschlossen, leuchtet die Brille seitlich rot und zeigt damit, dass sie gerade geladen wird. Dieses Licht geht bei 100 % aber nicht aus oder wird grün, was ich mir noch gewünscht hätte, um direkt zu sehen, ob die Googles vollständig geladen sind.
Das ist aber auch kein größeres Problem, da die Brille sich in unter einer Stunde komplett auflädt und somit schnell wieder einsatzbereit ist.


Aber zurück zu meinen Erfahrungen. Beim Schwimmen selbst – besonders beim Abstoßen – ist es natürlich immer ein bisschen schwer, die Zwischenzeiten genau ablesen zu können, weil man sich ja auch auf das Schwimmen, die Orientierung etc. konzentrieren muss.
Ich würde das Lesen des Displays damit vergleichen, im Auto auf der Straße auf ein Handy zu schauen. Man verliert einfach kurz die Aufmerksamkeit, weshalb man die Brille auch eher alleine und nicht mit vielen Menschen auf derselben Bahn nutzen sollte. Sie ist damit eher nicht für das Verwenden in Gruppen gemacht, auch weil man hier z.B. seine Pausenzeiten nicht immer strikt durchziehen kann.

Bei Pausen ist das Display aber sehr hilfreich, weil man beim Ausruhen einfach hinschauen kann, wo man möchte und trotzdem alle Metadaten perfekt im Blick hat, besonders, wie lange noch Pause ist.

Ein absoluter Gamechanger ist aber das Zählen und Anzeigen der Strecke. Jeder Schwimmer wird es kennen: Bahnen zählen – besonders bei langen Strecken – kann zur Herkulesaufgabe werden, weil man die Zahl die ganze Zeit präsent haben muss und schweift man kurz ab, hat man sich schon verzählt.
Durch das ziemlich zuverlässige Mitzählen der Brille wird einem so viel Denkarbeit abgenommen, dass man gar nicht glaubt, wie entspannt es ist, wenn man mal nicht daran denken muss, sondern sich voll auf andere Dinge wie z.B. die Technik oder Atmung konzentrieren kann. Für Außenstehende mag sich das lächerlich anhören, Gleichgesinnte werden es aber gut nachvollziehen können.
Trotzdem kann man sich hier auch nicht immer zu 100 % auf die Daten verlassen. Bei 25 Kilometern Gesamtstrecke hatte ich insgesamt 2–3 mal Abweichungen um eine oder zwei Bahnen, ansonsten zählt das System aber sehr zuverlässig. Teilweise waren auch falsche Daten, die in der Brille nach einem Training angezeigt werden, schlussendlich in der App wieder richtig.

Generell muss man sagen, dass die Anzeige der Daten in der Brille wie eine Art „Gamification“ wirken.
Sie machen den sonst recht monotonen Prozess des Schwimmens viel unterhaltsamer, man hat direkte Einsicht in seine Leistung, kann sich von Bahn zu Bahn verbessern, kann einsehen, welche Veränderungen in Stil, Atmung, etc. für welche Änderungen bei den Metadaten sorgen, wodurch die Zeit insgesamt sehr viel schneller vorbeigeht.

Durch all diese Features will man auch eigentlich gar nicht mehr ohne die Brille schwimmen und tut man es doch, fehlt irgendwie etwas, weil man sich extrem schnell an die Vorteile gewöhnt hat und seine Strecke, Pace und sonstige Daten wissen möchte.

Manchmal hat man beim Schwimmen auch das Gefühl, dass in der Brille ein sich anpassender Algorithmus oder künstliche Intelligenz steckt, weil wenn man z.B. alle 50 m eine Pause macht, das System diesen Rhythmus zu verstehen scheint und falls man dann doch ein paar Bahnen am Stück schwimmt und dann anhält, das System erst „Turn“ anzeigt, dann aber doch merkt, dass es sich um eine Pause handelt.

Außerdem werden sowohl Rollwenden, also auch Kippwenden und Rückenrollwenden alle gut erkannt und je nach Schwimmstil gibt es auch keine Beeinträchtigungen. Man kann auch scullen, was nicht zu langsam ist und trotzdem als schwimmen erkannt wird.

Anstatt frei sein Training aufzeichnen zu lassen, kann man auch ein auf die Brille geladenes Workout schwimmen.
Hier wird alles gut erklärt und angezeigt, was man zu schwimmen hat und wenn man das Workout unterbricht, wird angezeigt, wie lange es ungefähr noch dauert.
Ansonsten sind die Anzeigen relativ gleich wie beim freien Schwimmen, nur wird oben groß die verbleibende Strecke und unten klein die schon geschwommene Strecke angezeigt. Bei der letzten Bahn wird z.B. auch angezeigt, dass es sich um die letzte Bahn handelt und man wird nach Beenden des Workouts gelobt.
Auch hier sorgt die „Gamification“ dafür, dass das Durcharbeiten des Workouts richtig Spaß macht und die Zeit wie im Flug vergeht, auch weil man wieder nicht mitzählen muss und Zwischenzeiten angezeigt bekommt.

Die nächste Möglichkeit, die Brille zu verwenden, ist im Freiwasser. Ohne extra Smartwatch sind die Funktionen hier aber sehr beschränkt.
Es können nur die geschwommene Zeit, verbrannten Kalorien und die Schläge pro Minute gemessen werden, welche dann auch in einem Graphen visualisiert werden.
Warum hier aber keine Stilanalyse möglich ist, ist mir fraglich.


Ist man dann mit seinem Training fertig, kann man die gemessenen Daten löschen oder speichern und bekommt dann in der Brille eine kurze Zusammenfassung über Dauer und Strecke angezeigt.

Danach musste ich aber feststellen, dass schon ein kleiner Kratzer im Glas war, was mich auch zur Nachhaltigkeit der Brille bringt.
Das Projektionselement ist fest mit dem einen Brillenglas verbunden, womit man bei einem verkratzten Glas direkt die ganze Technik mit tauschen muss. Die andere Seite würde sich zwar tauschen lassen, auf der Website von FORM finden sich jedoch keine Ersatzteile.
Aus eigener Erfahrung haben die Gläser und auch das Gummi bei anderen Schwimmbrillen nach einigen Jahren so viel Verschleiß, dass sie getauscht oder komplett ersetzt werden müssen, womit man sich dann (nach meinem Wissensstand) eine komplett neue FORM Brille kaufen müsste, was bei ihrem hohen Preis und auch im Sinne der Nachhaltigkeit als negativer Punkt gesehen werden kann.


Außerdem war es bei mir nach fast jedem Training so, dass das Auge auf der Seite des Displays immer ein wenig warm und rot war, obwohl das Element selbst nie warm wird und auch die Sicht war ein wenig milchig. Dies kann aber auch ein individuelles Problem sein und hat sich nach kurzer Zeit immer von selbst gelöst und mit der Zeit der Verwendung auch nachgelassen.

Nach der Reinigung, die einfach und gut mit kaltem Wasser funktioniert, kann man die Daten von der Brille dann über Bluetooth in die App übertragen.


App
Die App wirkt zu Beginn ein wenig erschlagend, ist aber eigentlich ganz logisch aufgebaut. Sie ist in vier Tabs unterteilt, der erste gibt eine Übersicht über die gesamt geschwommenen Meter, aufgeteilt in Schwimmstile, eine Übersicht über das eigene Profil mit Statistiken, das wöchentliche Ziel, neue Features, das letzte und anstehende Trainings und empfohlene Workouts bzw. Pläne.

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Unter dem Reiter „Feed“ kann man andere FORM-Nutzer suchen, sich die Profile anschauen, ihnen folgen und bekommt dann deren einzelne Trainings im Feed angezeigt und kann auch seine eigenen Trainingseinheiten analysieren.

Für jede Einheit bekommt man die Länge, 100m-Pace und die Dauer angezeigt, dazu das Datum und einen Graphen, der die Einzelzeiten, Pausen und Stile visualisiert. Dazu kommen Daten wie die durchschnittliche Rate an Zügen pro Minute, verbrannte Kalorien, eine Aufteilung der Zeiten in Stile, Pausen und aktive Zeit, die durchschnittlich zurückgelegte Strecke pro Zug und die beste Strecke pro Zug.
Bei Blocks ohne Pause werden diese Daten dann auch in der App akkumuliert, was für eine bessere Übersicht sorgt.
Als wäre das nicht schon genug, kann man für jede Bahn die Zeit, Pausenzeit, den Pace, die Schlagrate und Anzahl an Schlägen einsehen und kann diese ganzen Daten für noch intensivere Analysen als CSV-Datei exportieren.

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Es ist einfach nur enorm, wie viele Daten die Brille aufnimmt, speichert und dass sie sogar die Stile erkennt. Daraus lässt sich ableiten, dass sie wirklich für professionellere Trainingszwecke gedacht ist und eher nicht für den Ottonormalverbraucher.

Man muss aber sagen, dass man sich nicht blind auf die Werte verlassen kann. Bei mir wurden teilweise Stile falsch erkannt und besonders wenn man „entgegen“ der Brille arbeitet, z.B. auf halber Bahn anhält, bei einer außerplanmäßigen Pause die Aufzeichnung nicht anhält oder sich extrem langsam abstößt, das System dadurch natürlich anfälliger für eine falsche Datenaufzeichnung ist.
Von einem Training wird mir z.B. auch einfach kein Graph in der App angezeigt, obwohl alle Daten für die einzelnen Bahnen vorhanden und auslesbar sind.

Das Zählen der Schläge funktioniert beispielsweise auch oft ganz gut und ist auch relativ oft punktgenau, manchmal aber komplett fern vom Realwert. Kicks oder Tauchzüge machen manchmal Probleme, dann werden teils dreimal so viele Armzüge angezeigt, teils sind sie dabei aber auch wieder perfekt akkurat.


Der nächste Reiter dient ganz den Workouts und Plänen, man kann diese hier selbst erstellen, nach Workouts suchen oder diese auch bearbeiten.

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Im letzten Tab kann man Einstellungen an der Brille vornehmen, sieht den Batteriestand ein und kann hauptsächlich die Dashboards verstellen und für „Swim“, „Turn“ und „Rest“ entscheiden, welche Daten oben und unten auf dem Screen angezeigt werden.
Leider kann der Screen bei Turn maximal 5 Sekunden angezeigt werden, dafür kann man bei „Rest“ auf dem unteren Teil des Displays diverse durchwechselnde Metriken anzeigen lassen. Diese Einstellungen werden dann auch direkt in einem Vorschaubild visualisiert, was ziemlich praktisch ist.

Leider kann man beim Pool Swim nur 5 Dashboards einspeichern, was aber ausreichen sollte. Meiner Meinung nach am besten ist aber, dass man die Dashboards der einzelnen Bereiche unabhängig voneinander deaktivieren kann, um z.B. während des Schwimmens nicht von dem Display abgelenkt oder eingeschränkt zu werden.
Somit kann man die Brille dann auch rein theoretisch nur als trackendes Medium verwenden, ohne das Display beim Trainieren nutzen zu müssen.

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Fazit
Zu einem Preis von derzeit 279 € bekommt man die Brille mit einem Jahr Mitgliedschaft, wodurch schon direkt klar sein sollte, dass es sich hier um kein Trainingsutensil für jedermann handelt.

Positiv ins Gewicht fällt zunächst einmal, dass es eine relativ gute Brille an sich ist, die gut sitzt, nicht beschlägt, sich mit den Stegen anpassen lässt und eine lange Akkulaufzeit hat.
Dazu kommt die große „Vielseitigkeit“ des Systems: man kann die Brille im Freiwasser oder auf Bahnen verwenden, extrem viele Daten messen und sich anzeigen lassen; bestehende Workouts und jene von Community-Mitgliedern laden, Trainingspläne verwenden, eine Uhr verbinden und hat generell enorm viele Möglichkeiten in der ausführlichen und übersichtlichen App.
Dabei bleibt alles sehr personalisier- und an die eigenen Wünsche anpassbar, z.B. durch die Dashboards. Die Bedienung ist außerdem sehr intuitiv und schnell verständlich.

Die Googles wirken einfach sehr durchdacht und man merkt, dass viel an echten Schwimmern getestet wurde, besonders in Bezug auf das Case, die Workouts oder auch Dashboards.

Für mich am schwersten ins Gewicht fällt neben dem Fakt, dass Schwimmstile, Schwimmzeit, Wenden und Pausen sehr gut erkannt werden, dass einem beim Schwimmen sehr viel Denkarbeit abgenommen werden kann, wie das Bahnenzählen oder durch die Anzeige der wichtigsten Daten während einer Pause. Durch diese Art „Gamification“ macht das Schwimmen auch generell sehr viel mehr Spaß, man kann währenddessen durch die Einsicht der Daten Analyse betreiben, sich stetig verbessern und die Zeit geht viel schneller vorbei, sodass man eigentlich gar nicht mehr ohne die Brille schwimmen möchte.


Nun aber zu den negativen Punkten. Dazu zählen kleinere Dinge, wie z.B. das kurze Ladekabel oder auch, dass kein Pulsmesser verbaut oder beigelegt ist und man im Freiwasser ohne extra Uhr fast nichts Sinnvolles messen kann.

Was man sich bei einem Kauf auch bewusst sein muss, ist, dass die Googles keine zu 100 % zuverlässigen Messgeräte sind.
Die Zeiten werden nicht perfekt gestoppt (was ich aber auch nicht erwarte) und teils treten Probleme auf, wenn man gegen die Brille und ihr System „arbeitet“.
Außerdem muss einem das begrenzte Sichtfeld durch das Design der Brille bewusst sein und auch die eingeschränkte Reparierbarkeit hinterlässt einen schlechten Beigeschmack bei einem so teuren Produkt.

Und teuer ist auch schon das Stichwort für den größten Kritikpunkt, nämlich der Preis. Knapp 300 Euro für Soft- und Hardware wären ja noch akzeptabel; dass man ohne das monatliche Abonnement aber eigentlich nur messen und keine Trainingspläne machen kann, ist schon ein wenig frech, vor allem in Anbetracht auf die Reparierbarkeit der Brille selbst.
Natürlich sind wir in einer Zeit, in der Firmen gerne monatliche Abos verkaufen, um am Kunden noch weiterhin Geld zu verdienen, aber das wären zusätzliche 192 Euro, die dieses System im Jahr noch extra kostet.
Mit diesen Informationen ist auch relativ klar, für wen die Brille etwas ist.


Die FORM Goggles sind ein absolutes Hightech-Produkt und der große Vorteil gegenüber konventionellen Smartwatches ist natürlich, dass sie viele Features vereint. Zum einen misst sie wie diese die Strecke und Zeit, kann darüber hinaus aber auch mehr Daten erfassen.
Dazu kommt der Live-Überblick über die Brille während des Schwimmens, das Leiten durch Workouts oder wochenlange Trainingspläne und schlussendlich das Speichern und Aufbereiten der Daten in der App zur Analyse.
Außerdem merkt man – wie schon erwähnt – dass die Brille wirklich ausführlich von Sportlern entwickelt, getestet und an eigentlich alles gedacht wurde, was man brauchen könnte und praktisch wäre.

Mit dem Wissen, dass die Zeitstoppung nicht immer perfekt ist und die Brille daher eher für den Ausdauersport geeignet ist, sind die Zielgruppe extrem ambitionierte Schwimmer im Ausdauerbereich, Personen, die alles genaustens tracken möchten oder eben Sportler, die relativ professionell auf Triathlons oder Ironmen trainieren.
Hier sollte man sich dann fragen, ob es auch eine einfache Uhr tut oder ob man den USP der Brille gegenüber den Uhren, also die direkte Einsicht von Daten auf dem Display, benötigt oder eben nicht.

Einsteiger sehe ich eher nicht bei der Brille, da die Workouts zwar gut sind und es eine große Community gibt, ein echter Trainer zu Beginn aber einfach nicht ersetzt werden kann, weil dieser über die Einsicht von Zeiten hinaus auch sehen kann, wie man schwimmt und direkt darauf eingehen kann.

Für wen die Googles nichts sind, wird beim Blick auf den Preis wahrscheinlich eh schon direkt herausgefiltert. Wer mit den genannten negativen Punkten zurechtkommt, wird die Vorteile der Brille aber lieben lernen und will sich dann auch schon bald nicht mehr ohne diese im Wasser bewegen.


Links
Hier kommt ihr zur Website von FORM
https://eu.formswim.com/

Und hier zu der Smart Swim Google
https://eu.formswim.com/pages/smart-swim-goggles
 

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