Blog Diesel in Not, oder wenn Neptun uns gnädig ist.

riedochs

Lötkolbengott/-göttin
Hallo,

von Donnerstag bis Samstag sollte das Schiff meines Schwiegervaters in das Winterlager gebracht werden, aber bis es soweit war sollten wir noch einige Schwierigkeiten haben.

So fingen die Probleme schon bei unserer Ankunft am Donnerstag an: Der Steg stand, durch starken Nordwind bedingt, 40 cm unter Wasser. Also mussten wir uns zuerst Gummistiefel besorgen um überhaupt aufs Schiffen kommen zu können.
Den Rest des Tages verbrachten wir damit alles mitgebrachte auf das Schiff zu bringen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Freitag 6:30 Uhr: Der Wecker klingelt und heute soll Schiff aus der Liegebox (1) zum Mastkran (3) am anderen Ende des Hafenbeckens gebracht werden, damit der Besammast abgebaut werden kann. Doch bevor es soweit kommen sollte, sollten wir mit vielen Problemen zu kämpfen haben.

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Zu fünft machten wir uns gegen 8 Uhr, nach einem guten Frühstück und der Tagesplanung, daran das Schiff aus der Box zu bringen, was sich im Angesicht von Windstärke 5 nicht so einfach werden sollten. 2 Stunden später sollte sich das Vorhaben den Mast abzubauen buchstäblich vom Winde verweht worden sein. Wir haben es zwar geschafft aus der Box zu kommen, doch immer stärker werdender Sturm aus Nord / Nordwesten und Regen, der immer mehr waagrecht auf einen einprasselte machten unser Vorhaben zu nichte und so blieb uns nichts anderes übrig als am Steg (2) das Schiff festzumachen in der Hoffnung das sich das Wetter bessern würde und wir doch noch den Liegeplatz am Mastkran erreichen können. Das Ziel, das Schiff zum geplanten und vereinbarten Termin am Samstag aus dem Wasser zu bekommen war zu diesem Zeitpunkt in weite Ferne gerückt.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Während wir am Kai lagen ertönte plötzlich ein Alarmton der uns mitteilte: Diesel ausgefallen. Sofort war klar: Sollten wir den Diesel nicht wieder repariert bekommen wären alle Pläne für dieses Wochenende gescheitert, denn wir hätten keine Chance den Liegeplatz zu verlassen.

Die Fehlersuche gestaltete sich als schwierig, denn der fehler war nicht offensichtlich: Die beiden Dieselfilter standen voll mit Treibstoff und auch die Einspritzleitungen waren in Ordnung. Beim bedienen der Handpumpe zum Entlüften kam auch sofort Treibstoff, somit war klar, das System ist dicht und der Diesel hatte keine Luft gezogen. Was uns aber stutzig machte: Der Treibstoff roch nicht nach Diesel, sondern nach einem Gemisch aus Diesel, Verdünnung und Farbe und war Dieseluntypisch auch recht hell und dünnflüssig. der Grund des Ausfalls war uns immer noch etwas unklar und so beschlossen wir den Motor nochmals zu starten, was er auch ohne Murren tat. Hierzu möchte ich noch erwähnen das der Motor ca 20 Jahre alt ist. Doch unsere Freude währte nur kurz, denn keine 2 Minuten später war der Diesel wieder aus. Ratlose Gesichter und so machten Thomas und ich uns erneut daran den offensichtlich weiterhin bestehenden Fehler zu suchen. Nachdem wir systematisch motorseitig alles ausgeschlossen hatten war klar, es konnte nur noch an der Kraftstoffzufur liegen. Der Haupttreibstofffilter war zugesetzt mit Dieselalgen (kannte das bis dato auch nicht. Info: http://www.startron.nl/de/content.php?ID=1#1.3. Nachdem der Filter gereingt war musste nun das gesamte Kraftstoffsystem gereinigt werden, und so kamen wir der eigentlichen Ursache schnell auf die Spur: Der Treibstofftank war fast leer und so wurde eben der Bodensatz aus dem Tank gesaugt. Nachdem der Tank auch noch gereinigt wurde und 30 Liter frischer Diesel eingefüllt war musste das ganze Treibstuffsystem entlüftet werden, was sich mit eine Handpumpe die 2cm Hubweg hat doch als Geduldsprobe erwies.
Nach fast 3 Stunden hies es: Start the Engine. Und nach ein paar etwas holprigen Umdrehungen, das Enlüften hätten wir doch etwas sorgfältiger machen sollen, lief der Diesel wieder wie eine Eins.


Da uns der Sturm immer noch gegen den Kai drückte und so an ein Wegkommen nicht zu denken war gab es erstmal Mittagessen, nur selbst das sollte nicht frei von Pannen sein. Da der Boardeigene Gasherd klein ist mussten wir auf 2 Etappen kochen und wie soll es auch anders sein: Als die 2. Runde auf den Hers sollte war das Gas alle. Doch Zeit zum ärgern blieb nicht, denn keine 5 Minuten nachdem wir gegessen hatten gönnte sich der Sturm eine Verschnaufpause.

Also hies es Diesel an und Leinen los um den Mastkran zu erreichen. Nur auch das sollte nicht so einfach werden. Aufgrund der Länge des Schiffs war es nötig mit dem Heck voraus dor anzulegen. Kein Problem? Denkste. Denn kaum hatten wir es geschafft abzulegen wurde der Sturm wieder stärker und ein Zurück gab es nicht. Nach 2 Anläufen und viel Kraftaufwand gelang es uns dann doch das Schifft mit Hilfe der Seile an den Steg zu ziehen. In der Zwischenzeit regnete es in Strömen und der eisige Wind sorgte dafür das wir nicht nur vollkommen durchnässt waren sondern auch noch erbärmlich frohren. Das abbauen des Mastes gesteltete sich zur Abwechslung einfach.

Ein Blick auf die Wettervorhersage offenbarte und das nächste Problem: Für Samstag gab es eine Unwetterwarnung und ein heben des Schiffs aus dem Wasser ist nur bei schwachem Wind möglich. Doch hier sollte uns das Glück und der Hafenmeister zu gute kommen. Er erklärte sich bereit das Schiff noch an diesem aus dem Wasser zu holen wenn wir innerhalb der nächsten 30 Minuten dort wären (4). Da der Wind gerade in diesem Moment nachlies wagen wir es, denn auch hier gab es eine Schwierigkeit: Wie schon am Mastkran muss das Schiff mit dem Heck voran und dazu noch mit Leinen an den Steg gezogen werden, da der noch bestehende Wind ein Anlegen aus eigender Kraft unmöglich machte.

Freitag, 18 Uhr: Das Schiff hat sein Winterlager ist erreicht, das Schiff ist aus dem Wasser. Trotz alle Widrigkeiten, wir sind vollkommen durchnässt und frieren, sind alle Glücklich, denn der Tag hätte fast in einer Katastrophe geendet: Wäre der Diesel 5 Minuten früher ausgefallen wären wir manövrierunfähig gewesen, was für uns böse hätte Enden können.

Vom Samstag gibt es nichts mehr zu berichten, denn ausser des Schiff winterfest zu machen war nichts mehr zu tun, und so machten wir uns gegen 15 Uhr auf den langen Weg nach hause. (586km)
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