Und wenn ein Channel mit 10 Abonnenten und durchschnittliche 14 Views pro Jahr und Video auf einmal die Chart-Top-10 in bester Qualität in jedem Video als "Hintergrund" laufen lässt, dann werden die Rechteinhaber vermutlich nicht der Meinung sein, dass hier für ihre Veröffentlichungen geworben wird, sondern erhalten ganz im Gegenteil den Eindruck, dass hier jemand versucht, mit ihrem Material einen quasi-Musiksender zu betreiben und daran zu verdienen, ohne Lizenzen zu erwerben. Und wenn es eins gibt, dass Lizenzgeber nicht mögen, dann sind es Lizenzpreller.
Also ich kenne niemanden, der Musik über Twitch-Streams hört. Völlig zufällig irgendwelche Stücke, die von Gamesound und Abo-Jingles überlagert werden, mit dem Gequatsche des Streamers und Werbeunterbrechungen? Wer hört so Musik?
Das, was Du beschreibst, findet man sehr häufig auf YouTube. Da können es die Rechteinhaber aber jederzeit herunternehmen lassen. Sie entscheiden sich meistens bewusst dagegen, weil sie an den Werbeeinnahmen verdienen wollen.
Die Realität sieht so aus: Anwälte klagen, weil sie es können und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Und die Musikindustrie lässt sie gewähren, um noch etwas aus Amazon herauszupressen. Die Streamer sitzen dazwischen und haben keine Lobby.
Das Urheberrecht wurde die letzten 20 Jahre immer weiter verschärft. Das BVG unterscheidet mittlerweile zwischen Veröffentlichungen vor 2002 und Veröffentlichungen nach 2002. Noch bis in die Nullerjahren war vieles legal, was es heute nicht mehr ist. Der heutige Stand wurde durch massive Lobbyarbeit der Musikindustrie erreicht. Genutzt hat es ihr wenig. Heute geben Spotify, Apple und Co. - im wahrsten Sinne des Wortes - den Ton an.
Niemand hat dich gefragt, für kommerzielle Interpreten "Werbung" zu machen. Dafür haben die Künstler ihre Musiklabels.
Es hat die kommerzielle Interpreten auch niemand darum gebeten ihre Musik mit juristischen Fußangeln zu versehen, in die dann ein völlig unbedarfter Mensch tritt.
Ich sehe die Hauptverantwortung aber ganz klar bei CDPR. Die hätten wie Epic Games auch mit Monstercat oder anderen Labels zusammenarbeiten können, wo es diese hirnverbrannten Probleme nicht gibt. Spiele wie Cyberpunk, die nicht über eigene Musik verfügen, sollten über Anti-Tampering verhindern, dass sich das Spiel mit Drittanbietersoftware wie OBS verbindet. So ähnlich wie CSGO und andere kompetitive Spiele dies (aus anderen Gründen) tun.
Ansonsten ist das rechtliche Risiko einfach zu groß. Leute verlieren deswegen ihre Kanäle, an denen sie jahrelang (sauber) gearbeitet haben. Es entsteht immenser Schaden, weil (vorproduzierter) Content plötzlich wieder gelöscht werden muss. Das geht einfach zu weit und lässt sich auch nicht mit wohlfeilen Hinweisen auf irgendwelche Künstlerrechte rechtfertigen. Auch Streamer müssen sich in einem sicheren Rechtsrahmen bewegen können. Und normale Spieler, die für ihre drei Freunde einen Stream laufen lassen, sowieso. Da kann man doch nicht plötzlich eine Abmahnung bekommen, nur weil man auf der Playsi den Share-Button gedrückt hat. Das ist ein Albtraum. Cyberpunk ist einfach eine üble Tretmine, die die Leute völlig unvermittelt trifft.
Schade um das schöne Spiel.
An CDPR Stelle würde ich den Soundtrack komplett neu machen. Es gibt genügend Möglichkeiten Musik sauber für für ein Spiel zu lizenzieren. Spiele werden nun einmal gestreamt. Ich kann auch nicht Kaugummi vertreiben, der einem beim Kauen die Schleimhäute verätzt.