AW: Beste Tastatur zum Schreiben
Ich schreibe beruflich 5-6 Stunden pro Tag und privat nochmals 1-2 Stunden auf verschiedenen Tastaturen, blind, mit dem 10-Finger-System. Ich könnte weder mit Handballenauflage noch mit flachen Tastaturen fehler- und ermüdungsfrei schreiben.
Dass man von flachen Tast(atur)en und Handballenauflagen weniger leicht ermüdet und keine Schmerzen bekommt, kann ich nicht nachvollziehen. Die Ermüdung kommt von einer schlechten Handhaltung, wenn die Ballen unnatürlich nach unten gedrückt werden, ständig auf der Unterlage aufliegen und alle horizontalen Ansteuerungsbewegungen die Finger machen lassen. Wer eine solche Haltung als angenehm empfindet, kann unmöglich eine entspannte aufrechte Sitzposition haben und bekommt dann früher oder später Handgelenks- oder Rückenschmerzen.
Natürlicher und schonender ist es, die Hände wie beim Klavierspielen von der Unterlage abzuheben, die Arme die horizontalen Hauptbewegungen machen zu lassen und die Finger nur herunterhängend vertikal zu bewegen. Eine Handballenauflage stört da nur. So sind auch 8 Stunden täglich 10-Finger-Schreiben im Sektretärinnentempo kein Problem.
Noch entscheidender als Tastenform und Handballenauflage ist allerdings ein normiertes Tastaturlayout, denn wenn auf jeder Tastatur die Tasten woanders sind, vertippe ich mich früher oder später auf allen. Damit scheidet z.B. Logitech als brauchbarer Hersteller aus: abgesehen von den Spiele-Tastaturen G11, G15 und G19 hat er kein Normlayout, die Pfeiltasten sitzen zu tief und zu weit am Buchstabenfeld, die ENTF-Taste auf dem 6er-Block wurde weggelassen, die Funktionstasten die meistens winzig klein und kaum voneinander abgesetzt und bei den Gaming-Tastaturen sind auch gern mal die ESC Taste und die Spitze-Klammern-Taste woanders.
Für mich muss außerdem die Tastenform stimmen: Tasten nicht zu groß mit großen Zwischenräumen und nach innen gewölbt, das lässt den Finger immer in die Mitte rutschen, Druckpunkt und größerer Hub der den Finger zurückfedern lässt sind wichtig. Flache Tasten und flach aufliegende Tastaturen sind dafür ungeeignet, die meisten Notebooks eine Katastrophe. Ein weiteres Kriterium ist die Lebensdauer, Cherrys wie die G80-3000LQCDE-2 sind auf 50 Millionen Tastenanschläge je Taste ausgelegt 9 Jahre Betrieb. Normale Tastaturen liegen bei einer Lebenserwarteung von etwa 10 Millionen Anschlägen pro Taste. Cherrys der G-Serie gehen nicht kaputt, man muss alle 10 Jahre neue Adapter für neue PC-Buchsen (DIN, PS/2, USB) kaufen, weil sie die PC-Technik überleben. Tastaturen mit geringem Hub können technisch da nicht mithalten Wenn sich spätestens nach 2 Jahren nicht die Tasten lösen, dann zumindest die Beschriftung.
Die Lautstärke von Tastaturen hängt mit dem Druckpunkt-Konzept zusammen: man spürt einen Widerstand - ist er überwunden, sinkt die Taste nach unten und der Buchstabe ist garantiert getippt. Der Finger tippt aber gewöhnlich bis zum Anschlag, das macht die Tastatur laut. Flache Tastaturen mit linearer Betätigung erlauben einen schnelleren Wechsel zwischen EIN und AUS und damit beim Spielen ein feineres Steuern. Für Vielschreiber ist das von Nachteil, denn sie fühlen nicht, ob der Schalter geschlossen und der Buchstabe gesendet wurde. Sie tippen in der Folge mit zu viel Kraft, um bloß sicher zu gehen, dass der Buchstabe ankommt. Das Tastenverhalten sollte man also – wenn möglich – austesten.
Leider findet man Profi-Tastaturen nur als Office-Version ohne Multimedia-Tasten, z.B. die G-Serie bei Cherry. Bei den Multimedia-Tastaturen zählt nur das Design und nicht die Funktion. Sogar Cherry hat dort teilweise das Standardlayout aufgegeben. Aber das ist der allgemeine Zeitgeist: spiegelnde Notebooks werden massenweise gekauft, obwohl sich doch längst herumgesprochen haben sollte, dass diese Rasierspiegel die Augen unnötig anstrengen, und bei Fernsehern gibt’s keinen anständigen Ton, weil die Lautsprecher minimiert und nach unten und hinten verlegt werden, damit die Rahmen nur ja nicht zu klobig ausfallen und den heiligen Design-Anblick zerstören!
Sebastian