Lustig wie so ein Bug AMD damals fast gekillt hätte, und heute ständig Sicherheitlücken auftauchen wie Spectre/Meltdown oder zuletzt Downfall/Inception (ich glaub mittlerweile sind es so viele, dass nicht mal mehr Namen vergeben werden), deren Fixes auch gerne mal zweistellige Prozent Leistung kosten können, aber wo die Leute es nach einem Tag schon wieder vergessen/verdrängt haben.
Es war ein Bug in einer CPU, die rund ein Jahr später als erwartet kam und dann nicht annähernd ihre Performance-Ziele erreicht hat und das in einer Phase, was genauso für die parallel erscheinenden Grafikkarten galt, während die GPU-Konkurrenz eines ihrer besten und bis heute legendären Designs lancierte und der CPU-Gegenspieler nicht nur einen absoluten Run bei Fertigung und Architekturen hatte, sondern sich erstmals auf einen Preiskampf mit AMD zulasten der eigenen Marge einließ. Nebenbei hatte man sich gerade extrem verschuldet und dem engsten, wichtigsten und alternativlosesten Plattformpartner einen Arschritt verpasst. Es hatte also doch schon ein paar mehr Gründe, warum es AMD damals derart dreckig ging. Überspitzt gesagt: Schrott CPUs, Schrott GPUs, keine Mainboards und jede Menge Gläubiger. Da bleibt nicht viel vom Geschäft.^^
Der TLB-Bug wäre nur beinahe der finale Sargnagel gewesen – und das nur teilweise wegen seiner tatsächlichen Bedeutung. Viel schlimmer war das Totalversagen von AMDs PR-Team:
Als erstes wurde für die Opterons, in denen Einsatzgebiet der Fehler teils wirklich kritisch war, ein Not-Update herausgegeben, dass den TLB ganz deaktiviert. Leistungsmessungen: Teilweise über 30 Prozent Leistungsverlust.
Als zweites wurde der Verkauf weiterer Opterons komplett gestoppt. Trotz spürbar gestiegener Marktanteile war das für AMD damals noch eine vertretbare Entscheidung, die Serversparte hatte keinen so großen Anteil am Gesamtumsatz.
Als drittes wurde bestätigt, dass die auf dem gleichen Chip basierenden Desktop-CPUs auch betroffen sind.
Als viertes wurde gar nichts gemacht. Wenn ich mich richtig erinnere, volle sechs Monate lang. AMD hat keine extra Patches für Desktops bereitgestellt, AMD hat Entwickler nicht darin unterstützt, das Problem zu umgehen und vor allem hat AMD nicht einmal öffentlich erklärt, was das Problem eigentlich ist und wann es auftritt.
Alles, was Endkunden wussten: "K10 hat einen so schweren Fehler, dass dafür eine komplette Produktsparte einen Verkaufstop erhalten hat" und "Der einzige Workaround kostet soviel Leistung, dass die verbliebene Leistung einen in Intel-Netburst-Tage zurückwirft". Dieses Risiko wollte natürlich kein Käufer eingehen, schlicht wegen mangelnden Informationen konnte AMD eine halbe Jahresproduktion auch an die Leute nicht verkaufen, die mit der Hardware an sich eigentlich wunderbar klarkommen wären.
Ehe die fehlerbereinigten Phenom 1 im Handel waren, hatte Intel dann schon die zweite Core-2-Generation draußen. Und Phenom 1 hatte die Benchmarks bereits gegen deren erste verloren – als PCGH 1-2 Monate nach dem Launch ein "Quadcore Special" gemacht hat, stand genau ein Satz zu AMDs neuestem Topmodell drin: Es wäre "fast gleichwertig" zu Intels Q6600. Der war bekanntermaßen die Budget-Alternative zum QX6700, damals schon ein gutes Jahr alt und 30 Euro günstiger. Selbst ohne TLB-Bug wäre Phenom 1 schwer zu verkaufen gewesen – mit gar nicht mehr.
Anm.: Wer das größere Bild haben will, kann mal einen Blick in die aktuelle 08/2024 werfen ([PLUS]-Fassung noch in Arbeit). Dieser Zeitraum ist gerade Thema im aktuellen Retro-Artikel. Leider ein sehr trauriger Text für AMD-Fans, die AM2(+)-Ära begann halt auf einem aktuellen Höhepunkt und dann folgten beinahe ausschließlich gescheiterte Versuche. Verglichen mit QuadFX war Phenom I ja fast schon ein Erfolg.
Denke, da muss man mehr differenzieren.
Gab (CPU-)Bugs, wo sich (nachweislich) Excel-Tabellen verrechnet haben.
DAS kann vom Brückeneinsturz bis zum Bankrott führen.
Es gab Software-Bugs, wo sich Excel verrechnet.^^