Was God of War angeht: Ich kenne die alten Teile nur am Rande, aber ich finde es nicht „woke“, wenn ein Charakter weiterentwickelt wird und mehr Tiefe bekommt. Kratos ist ja kein Softie geworden, er bleibt hart, kämpft brutal und hat eine krasse Ausstrahlung. Aber er zeigt eben auch andere Facetten, wie Verantwortung, Reue oder auch eine schwierige Vaterrolle. Das empfinde ich nicht als Verweichlichung, sondern eher als erzählerische Reifung.
Auch beim Thema „woke“ habe ich so meine Gedanken. Ursprünglich meinte das ja etwas Gutes, aufmerksam sein gegenüber Diskriminierung und gesellschaftlicher Ungleichheit. Mittlerweile ist das Wort aber so aufgeladen, dass es fast nur noch als Kampfbegriff verwendet wird, um Dinge pauschal abzuwerten, die irgendwie ungewohnt oder modern wirken. Dabei finde ich: Nicht alles, was sich verändert, ist gleich schlecht oder ideologisch aufgeladen.
Was ich aber auch nachvollziehen kann: Manche Entwicklungen wirken übertrieben, zum Beispiel die Diskussion um Diverstoiletten. Da denke ich mir auch manchmal, ob wir für einen winzigen Teil der Bevölkerung (gefühlt 0,01 %) wirklich so große Maßnahmen brauchen. Gleichzeitig: Wenn es Menschen hilft und mich selbst kaum einschränkt, dann finde ich es auch nicht schlimm.
Für mich wirkt aber dieser Daueraufschrei gegen „Wokeness“ oft selbst wie ein Zeichen von Unsicherheit, fast wie ein Hilfeschrei. So als würde jede Veränderung gleich als Bedrohung empfunden. Und ironischerweise ist das für mich das eigentliche Zeichen einer verweichlichten Gesellschaft: Dass man sich nicht mehr gelassen um den eigenen Kram kümmert, sondern in jeder Neuerung sofort ein Problem sieht, obschon es einen nicht einmal betrifft.