Du schlägst hier gerade vor, sämtliche normalen Mitarbeiter (und idealerweise Heimanwender) zum Sysadmin für ihre jeweilige Distribution auszubilden.

Das würde zwar dafür sorgen, dass trotz hunderter verschiedener Distributionen immer ein passender Fachmann für anwesend ist, aber es bliebe kaum Zeit für die eigentlich Arbeit übrig. 08/15-Anwender sind
Anwender und das Betriebssystem hat von alleine für ihre Anwendung zu funktionieren. Nur in den 1:100.000 Fällen, in dass es das wegen einem Bug mal nicht macht, kommt geschulter Support-Fachmann ins Spiel. Aber eben
einer für jeden der 100.000, den es treffen könnte. Sowas funktioniert nur, wenn die alle ein zumindest nominell gleiches System nutzen.
Jeder weiß, wie einen ein und dasselbe Windows schon auf minimal abweichender Hardware überraschen kann oder wenn irgend ein zusätzlicher Dienst installiert ist, dem man selbst noch nie begegnet ist. Trotz dieser beschränkten Vielfalt ist Endkunden-Support für viele DAUs ein ziemlich anspruchsvoller Job. Wenn man statt minimal unterschiedlicher Installationen (die es innerhalb von Linux-Distributionen auch weiterhin gibt, einschließlich einhergehender Probleme) auf einmal deutlich divergierende, unabhängig weiterentwickelte Betriebssystemvarianten hat, explodiert der Arbeitsaufwand und Support wird unbezahlbar.
Leider löst ein "EU-Linux" dieses Dilemma nicht. Zumindest nicht, solange man es nicht zum überragend besten überhaupt macht, dass alle anderen verdrängt – was unbezahlbar wäre.* Was es bräuchte, wäre ein Bewusstseinswandel innerhalb der Linux-Community: Wenn Contributor B sagt "so ist es besser"/"das sollte anders sein", dann darf Maintainer A nicht mehr mit "mach halt deinen Fork" reagieren, sondern mit "geil, übernehmen wir"/"jo, Option kommt", sodass man langfristig tatsächlich
ein Linux (statt viele Ubuntus, Fedoras,...) hat. Ansonsten endet es wie immer:
xkcd.com
*: Wie es gehen kann, sieht man um die Ecke bei Unix/BSD. Obwohl da die Vielfalt lächerlich klein im Vergleich zu Linux ist, konnte es sich auch nie gegen neuere Betriebssystem durchsetzen. Mit einer Ausnahme: Eine gewisse Distribution namens OS X ist heute das zweiterfolgreichste Endnutzer-Betriebssystem überhaupt. Weil sie einheitliche Standards garantieren kann. Aber steckte halt das Budget Apples dahinter. Im Linuxversum hat das nur Android, mit dem noch viel größeren Budget Googles, geschafft. Allerdings in einem Markt, in dem es kaum konkurrierende Ansätze oder Ableitungen gab.