Aber man kann sie nur in der Rubrik "Gaming" vergleichen. Alles andere ist absurd.
Klar, Motorrad und Auto kannst du schließlich auch nur in der Rubrik „Fahren“ vergleichen, und das geht mit dem Motorrad deutlich billiger. Dass man mit dem Auto noch Personen mitnehmen und Güter transportieren kann, ist völlig unwichtig! Deswegen gibt es auch mehr Motorräder als Autos auf den Straßen...
Aber gut, schauen wir doch mal, wie das nur in der Rubrik „Gaming“ aussieht: Auf dem PC überleben die Spiele, wenn sie nicht künstlich funktionsunfähig gemacht werden, weit mehr als eine Konsolengeneration. Wo ich bei der PS5 zwangsläufig auch Spiele kaufen muss (die Abwärtskompatibilität zu PS4-Titeln ist eher Kulanz als ein fester Bestandteil des Funktionsumfangs), damit sich die Anschaffung wirklich lohnt (und je mehr, desto besser), sind die Spiele beim PC schon da, neue Spiele lassen sich erheblich günstiger kaufen, wenn man den richtigen Zeitpunkt abwartet, und die Auswahl und Vielfalt erheblich größer. Am PC bekomme ich Spiele auch DRM-frei, wenn ich das will, sogar ganz legal, wohingegen die PS5 abgeschotteter und restriktiver ist als ein Mac. Seine eigenen Savegames gegen Datenverlust schützen? Auf dem PC dank Vollzugriff aufs Dateisystem problemlos möglich, auf der PS5 nur mit erheblichen Einschränkungen (und da ist Sonys Konsole noch die kundenfreundlichste, wenn man das mit der Xbox oder gar der Switch vergleicht).
Ganze Genres wie Shooter oder Strategiespiele lassen sich nur mit Maus und Tastatur vernünftig zocken und sind deswegen auf der Konsole deutlich unintuitiver oder gar nicht erst verfügbar – umgekehrt kann ich problemlos nahezu jedes Gamepad meiner Wahl am PC anschließen, wenn erforderlich. Vielleicht gibt es sogar eine Multiplayer-Session und der eine bevorzugt das PS5-, das andere das Xbox-Gamepad. An der PS5 undenkbar, am PC kein Problem.
Die PS5 ist bei Frameraten an Fernsehstandards gebunden, während der PC-Bereich sich für diese noch nie interessiert hat und somit seit einer halben Ewigkeit nicht nur über 120 fps, sondern auch variable Frameraten zu bieten hat. Was kann die PS5? Sie kann UHD billiger ausgeben, was zunächst nett klingt, bis man merkt, dass die hohe Auflösung häufig mit Frameraten unter 60 fps erkauft wird oder die Spiele gar nicht nativ in UHD gerendert werden (das nennen Konsolenhersteller euphemistisch „Performance-Modus“). Vergleiche mit PS5 und PC sind insofern tatsächlich unfair, als dass man beim PC immer von Hardware ausgeht, die aktuellste Spiele in UHD nativ mit (weit) über 60 fps rendern kann, während man die „Schummeleien“, die bei der Konsolenhardware erforderlich sind, gekonnt außen vor lässt.
Und während die Welt noch darüber diskutiert, ab welchen Bilddiagonalen und Sitzabständen UHD sinnvoll ist; schwadroniert Sony schon seit der ersten PS5 von „8K“, das jetzt mit der Pro wirklich, ganz bestimmt kommen soll! Man bekommt schon UHD nicht in allen Spielen stabil mit 60 fps hin, aber redet bereits über „8K“ und hofft, dass die Kunden nicht merken, dass die Anforderungen an ein Hardwaresetup zur sinnvollen Darstellung in dieser Auflösung und der dafür nötige Platzbedarf in > 90 % der Fälle völlig an ihrer eigenen Lebensrealität vorbeigehen. Ich denke da immer an die erste 8K-Ausstrahlung zurück, die in Japan erfolgte, einschließlich des Aufwandes (16 SDI-Kabel von einer Kamera zum Ü-Wagen, weil die Dämpfung sonst keinen hinreichend langen Übertragungsweg erlaubt hätte), und stelle mir dann den Fernseher mit der dafür sinnvollen Bilddiagonale in einer typischen japanischen Wohnung vor, gegen die so manches Zimmer in einem hiesigen Studentenwohnheim mehr Platz bietet.
Am Ende kann ich mein Geld aber nur einmal ausgeben und beziehe damit ganz automatisch alle Nutzungsmöglichkeiten für die Hardware ein, und da ist eine PS5 gegen den PC selbstverständlich chancenlos. Mein Szenario ist: EInen PC mit hoher Hardwareleistung brauche ich für meine Projekte sowieso, und als Bonus kann ich damit noch zocken. Eine einzige Maschine ist bei mir Schnittplatz, DAW und Gaming-PC zugleich. Ich hätte nichts davon, die PS5 als reines Gaming-Gerät zu kaufen und den PC nur für die Arbeit, denn am Ende braucht Letzterer immer noch Hardware, die aufgrund ihrer Leistung automatisch auch gaming-fähig ist – mal ganz davon abgesehen, dass sich meine nahezu gesamte Spielebibliothek der letzten 30 Jahre auf dem PC befindet, während Konsolen bei mir immer eher eine Randerscheinung waren. Durch die berufliche Nutzung kann ich den PC sogar mindestens zur Hälfte immer sicher bei der Steuer abschreiben – versuch das mal mit einer PS5 Pro, wenn du nicht gerade hauptberuflicher Spieleredakteur, Streamer oder Filmkritiker bist.
Das Einzige, was die PS5 kann und der PC nicht, ist die unproblematische Wiedergabe von UHD-Blu-rays. Das heißt, sie konnte es, bis Sony entschieden hat, das Laufwerk bei der PS5 Pro wegzusparen. Und dafür kostet das Teil mehr – das Laufwerk kann man immer noch dazukaufen, dann landet man bei 120 Euro extra. Plus 30 Euro für den Ständer, damit das Teil vernünftig gekühlt werden kann, sind 950 Euro. Meine Idee war immer, mir eine PS5 zu kaufen, weil gute UHD-Player ohnehin so teuer sind, dass man auch ebenso gut die PS5 nehmen und dafür noch damit zocken könnte. Bei einem Preis von um die 500 Euro wäre das ein guter Deal, bei fast doppelt so viel ist es das nicht mehr.
Sony hat bei der Preisgestaltung Lack gesoffen in einer Menge, die mir bisher unvorstellbar erschien, aber ich habe mittlerweile auch die Tatsache akzeptiert, dass ich hier und bei einer großen Menge an Produkten, die heute so hergestellt und veröffentlicht werden, einfach nicht mehr Teil der Zielgruppe bin. Die Zielgruppe sind hier Leute, die noch keine PS5 und auch keinen Gaming-PC haben, und selbst da wird der hohe Preis dafür sorgen, dass bei kompletten Gaming-Neueinsteigern eine normale PS5, eine Xbox Series X oder einfach den PC aufzurüsten die bessere Option sein wird. Ansonsten ist das eine Konsole für die Leute, die sich auch jede Generation das aktuellste iPhone oder das neueste Nvidia-Topmodell kaufen – nicht weil es ihnen gegenüber der Weiternutzung der alten Hardware einen reellen Mehrwert böte, sondern weil sie es einfach können und innerhalb ihrer Peer Group (und auch außerhalb davon) ihren Status darüber definieren.
