Das Spiel ist ganz klar GotY für mich:
- Atmosphäre außergewöhnlich gut(gerade in den ersten Stunden und und direkt um Hogwarts).
- Soundtrack hat, obwohl an eine filmische Vorlage angelehnt, große Eigenständigkeit und ist absolut referenzwürdig, was High-Fantasy-Orchestersoundtrachs angeht.
- Die Story ist zwar um das typische "du bist der Auserwählte" herum gebaut, allerdings in den Details durchaus originell und fügt sich in das bekannte Universum ein.
- Die Highlights des Spiels werden nicht schon in den ersten Stunden verfeuert oder gar im Trailer, wie das heute leider üblich ist, sondern man wird auch im hinteren Drittel des Spiels noch mit wirklich tollen Dingen überrascht.
- Die Kämpfe machen Spaß, allerdings wäre ein höherer Schwierigkeitsgrad über "schwer" oder mehr Abwechslung bei den Gegnern ok. Liegt aber vermutlich eher daran, dass der Schwierigkeitsgrad fair ist und die Mechaniken zuverlässig funktionieren(und sich so ausnutzen lassen).
Natürlich gibt es die ein oder andere kleine Höhle, die man schon kennt(gerade die vielen mit einer Truhe für das schnelle Starteq/Gold). Die Nebenquests führen aber oft auch in Höhlen, die würden andere Spiele als Hauptquest verkaufen und im Trailer bewerben.
Mehr Leben und Interaktion in Hogwarts selber wäre wünschenswert, aber da ist sicher Raum für Mods und DLCs(glaube das ganze lässt sich sogar recht gut modden).
Technisch läuft das ganze auch einwandfrei auf jedem Toaster(wenn man nicht glaubt es gäbe außer Ultra keine Optionen). Die Heulerei darum hätte vermieden werden können, indem man transparent wie z.B. damals bei Doom3 Aussagen trifft, die technisch erklären, warum Ultra nicht für alle ist. Dort war die höchste Textureinstellung die Wahl von unkomprimierten Texturen und brauchte 512Mb. Wer die nicht hatte konnte da halt nicht voll aufdrehen, aber beschwert hat sich keiner. Vielleicht hat damals aber auch das Fehlen von digitalem Vertreib die Käufergruppen gefiltert und die Kritik war "erwachsener".
Das Spiel fühlte sich zumindest sehr "klassisch" von der Nutzererfahrung an: Installieren, starten, läuft und man wird nicht von Onlinemodi, Dlcs, simuliertem Glücksspiel, "Season Passes" oder ähnlichem behelligt. Die üblichen Probleme macht offenbar nur Denuvo, aber das ist ja bekannt.
... dazu die aufgezwungene Wokeness...
Das Spiel ist ein Musterbeispiel wie man es machen sollte, wenn es denn aufgrund des Zeitgeists unbedingt rein muss: Man Trifft Npcs und die Tatsache, dass diese zu irgendeiner Gruppe etc. gehören oder nicht muss einem selbst auffallen, oder es wird maximal in einem Nebensatz erwähnt. Ich weiß jetzt nicht, was die deutsche Sprachausgabe daraus gemacht hat, in der Originalvertonung wirkt da jedenfalls nichts aufgezwungen. Das heute übliche plumpe Herausstellen ("btw I'm ...") der Agenda ist mindestens gut verpackt worden(vielleicht auch deshalb so viel Kritik von der "Woke"-Community).
Um die Artikelüberschrift aufzugreifen: "Teilen" tun die Meinung nicht alle Spieler, und eine Enttäuschung sind nur einzelne Aspekte. Die Erwartungen wurden sicher eher für den größten Teil der Spieler erfüllt, die sind nur nicht so wortreich im Internet.