Der Motorola 68030 hatte zum Release auch schon 5 Jahre auf dem Buckel, da hat sich Atari nicht mit Ruhm begossen (Commodore auch nicht zu der Zeit).
Gegen die genze Konkurrenz aus dem 486er Lager zu der Zeit konnte sich die CPU nicht behaupten. Ein 486er hatte 1,5 Mio Transostoren im Vergleich zu den 270k des 68030, dazu kam der doppelte Takt bei Intel/AMD. Preislich war da auch kein Unterschied, Firmensoftware war eher mager auf Atari und was ein PC zu der Zeit war, der hatte eine Netzwerkkarte und Spaß mit IPXsertup.exe. Wer sich fragt warum, der hatte 1994 mit Doom seine Antwort.
Dennoch standen Amigas (in Verbindung mit SGI's) in Hollywood und Ataris in Tonstudios, aber mit SIcherheit kein 486er - die taugten halt damals gerade nur für Office usw. Das ging bis zum 68040 im A4000 (Film Titanic) so. Da war auch der Video Toaster am Amiga ein äußerst beliebtes Werkzeug, weil die Hardware nur ein paar tausender kostete.
Ein 486er wäre da zu langsam gewesen. da die interne Anbindung zu langsam war und ihm die Co-Prozessoren fehlten. Leider auch dem Atari. Beiden sowieso auch die Software dafür, die hatte damals m.W.n. professionell nur der Amiga, wie z.B. Scala Multimedia.
Scala MM war damals Branchenstandard.
Erst als der Amiga-Markt einbrach, wurde Scala MM 1994/95 auf PC portiert.
Das war die Zeit in der die Preisbrecher die Industrie umgekrempelt haaben und die alten Geschäftsmodelle von Atari, Commodore und Schneider alle über den Jordan gingen. 1992 kostete eine 3D Grafikkarte von Herkules schlappe 5000DM, (heute mit Inflation 6000€ dagegen ist eine 5090 fast schon low Budget). 1996 kam die Voodoo für 450 DM (ca. 470€ mit Inflation).
Damals war Hardware generell teuer. Eine 50 MB Amiga-HDD kostete ~1.000,- DM, für den PC ebenso. Also nichts besonderes. SCSI-HDD's für den Amiga 2000 oder Erweiterungen für den Zorro II-Bus aufwärts waren natürlich noch teurer (was natürlich auch nicht so lahmarschiwg wie ISA o.ä. zur damaligen Zeit im PC war).
Atari und Commodore haben brutal gesagt erst verschlafen, dass ein Spielcontroller mehr wie einen Knopf braucht und dann bei 3D gepennt.
Zumindest bei Commodore war es ein anderes Problem: der Amiga kam mit seinen überragenden Fähigkeiten zu früh auf den Markt und Commodore wusste ihn nicht zu positionieren, also wurde immer nur mit seinen tollen Musik-, Grafik- und Spielefertigkeiten geworben.
Ja, OctaMED/Med Soundstudio, Cinema 4D und Lightwave 3D starteten auf dem Amiga - das nutzte aber nichts.
Die mehreren Buttons hatte dann das CD32, aber Commodore machte dann den gleichen Fehler wie Atari und strich für deren Computer massiv Budget zusammen.
Somit waren alle Gamer weg. Dann haben beide bei den Themen Software und Vernetzung in Firmen geschlafen, dann waren alle anderen User weg.
Die Gamer waren weg, weil das Budget zusammengestrichen wurde: der Amiga, also die neuen 32bitter A1200, A4000(T) und CD32 bekamen nur den abgespeckten AGA-Chipsatz, nicht den AAA-Chipsatz, der wesentlich mehr Leistung, intern 64 Bit, Hardware 3D, besseren Sound hardwareunterstützt usw. gehabt hätte.
Dazu noch die ganze Cracker-Szene mit den daraus resultierenden Schulhof- Raubkopierern, die die ganzen Studios massiv Geld kosteten und die natürlich dann vom Amiga zu den Konsolen und (tw. später) zum PC wanderten, wie z.B. Blue Byte (Siedler), Dice (Battlefield), EA, DMA Design (jetzt bekannt als Rockstar), im Artikel genannte Gremlin und Reflections usw...
Mit dem letzten Punkt hats du recht und das fehlte Commodore komplett: es gab gute Office-Software auf dem Amiga, es gab Unix etc., noch dazu hatte der Amiga neben Mac OS das beste, schnellste und stabilste OS.
Aber im professionellen Bereich Marketing zu betreiben, an Firmen heran zu treten und das entsprechend zu vermarkten, dass der Amiga nicht nur Hollywood, TV, Musik und Spiele kann, sondern auch Office, Science und Industrie, dafür fehlten Commodore die entsprechenden Marketing-Experten.
Zu Atari und dem Artikel:
Nach dem großen Crash hat Atari im VG-Bereich sehr viel verschlafen. Es kamen NES und Master System und Atari versuchte sich weiterhin, mit uralt-Hardware und Spielen zu positionieren. Klar, dass das nichts werden konnte.
Der ST konnte sich in Musikstudios zwar, auch dank Cubase, noch lange halten. Vor allem mit MIDI war er damals unschlagbar. Aber als 16 Bit Rechner war er mangels Co-Prozessoren dem Amiga mit Paula, Agnus und Denise unterlegen. Multi Parallax Scrolling in mehreren Ebenen auf dem ST? Unmöglich. Der Amiga klang dann auch trotzdem besser. Vgl. u.a. Turrican II, Szene Demos oder sonstiges...
Alles, was von Atari danach kam, lief nur noch unter ferner liefen. Auch DooM auf dem Jaguar hatte im Vergleich zur PC-Version so viele Abstriche und der Rest an Spielen... Naja, sogar das Amiga CD32 hatte mit Shadow Fighter, Pinball Fantasies, Flink, Roadkill, Soccer Kid, Microcosm, Alien Breed Tower Assault, Disposable Hero, Guardian, Worms Director's Cut, Gunship 2000, Subwar 2050, Wing Commander etc... bessere Spiele.
Der Lynx war nicht schlecht und hatte ein paar gute Spiele, aber der hohe Preis und Batterieverbrauch (war wohl auch das Problem des Game Gears, welcher ja auch noch mehr schlecht als recht TV-Empfang hatte) machten ihm schnell einen Strich durch die Rechnung. Keine Chance gegen den Game Boy mit der Macht und dem Spiele Line Up von Nintendo.
Das letzte, wirklich gute Spiel, an das ich mich von Atari als Publisher spontan erinnere, war TD Unlimited auf der XBOX360. Das ist jetzt ca. 20 Jahre her...