Ich dachte der andere Thread wäre hart…
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Kennst du "Celeste"? Dieses Spiel ist ein knüppelharter Plattformer, was im Verlauf des Spiels sehr starke Präzision erfordert. Gegen Ende des Spiels lehrt einem das Spiel (in einem kostenlosen und optionalen DLC, der nachgepatcht wurde) sogar Speedrun-Techniken als - meines Wissens - ersten Plattformer überhaupt.
Und die ganze Story ist darauf ausgelegt. Es geht um eine Person, die ständig an sich selbst zweifelt und im Verlauf der Story fast schon daran zerbricht. Das Leveldesign ist genauso darauf ausgelegt: Unerfahrene sterben am Anfang ständig und brauchen Übung, bis sie weiterkommen. Die Story geht genau in die Richtung, nicht aufzugeben und es immer wieder zu versuchen, um zu sehen, wie viel man schon geschafft hat und wie man mit einem neuen, auf den ersten Blick völlig unmöglichen Hindernis konfrontiert wird, was man nach einiger Übung dann ebenfalls überwindet und froh ist, es geschafft zu haben. Und selbst Profi-Spieler beißen sich im DLC-Level dann auch mal die Zähne aus.
Kommt einem das bekannt vor? So fühlt es sich auch in den Soulsborne-Spielen an, wenn man z.B. einen zuvor als viel zu stark eingeschätzten Gegner endlich, nach gefühlt hunderten Versuchen, gelegt hat. Die Soulsborne-Spiele drehen das Ganze natürlich viel stärker auf (z.B. mit ihrem Monster- und Weltendesign) und hat auch eine andere Atmosphäre, und das Genre unterscheidet sich natürlich (Rollenspiel mit starken Action-Anteilen, Plattformer) aber grundsätzlich ist es dasselbe: Zu großen Teilen hat die eigene Geschicklichkeit dafür gesorgt, dass man ein gefühlt kaum schaffbares Hindernis überwunden hat und ist z.T. massiv erleichtert, es dann doch geschafft zu haben.
Wie kann es dann sein, dass man in Celeste trotzdem jederzeit ein "Cheatmenü" öffnen kann? Ich habe ja oben schon beschrieben, dass das Menü einem keinesfalls ins Auge springt und einem das Spiel zwingt, erstmal die Beschreibung mit der eindeutigen Intention der Entwickler durchzulesen und zu bestätigen, bevor man auch nur irgendeinen Cheat aktivieren kann.
Den Multiplayermodus in Elden Ring muss ich logischerweise ausklammern, hab ich ja auch von Anfang an gesagt dass ich dafür spontan keine Lösung habe. Aber warum sollen derartige Erleichterungen, zumindest im Singleplayer und/oder getrennt von Multiplayer-Spielen ohne Assist Mode, in Elden Ring nicht möglich sein?
Wenn ein Spieler für sich selbst entscheiden will, auf die Intentionen der Entwickler zu pfeifen, dann... Soll der Spieler doch? (Wie gesagt, alles unter dem Gesichtspunkt, dass Multiplayer keine Rolle spielt...)
Ich weiß schon: Es schwingt die Angst mit, dass so ein Modus sich von Vornherein aufs Gamedesign auswirkt. Nur: Miyazaki ist ein erfahrener Gamedesigner, er hat ein halbes Dutzend Soulsborne-Spiele während der Entwicklung geleitet. Ich finde seine Ansicht zu dem Thema schade, weil ich finde, dass er mit einer anderen Einstellung
noch mehr statt weniger Spiele verkaufen würde, ohne an der grundsätzlichen Soulsborne-Formel etwas ändern zu müssen. Alle anderen Spieler können sich ja weiterhin auf den von Miyazaki gedachten Modus stürzen...
(EDIT: Einfach nur, um der Vollständigkeit halber auch die "weniger guten" Gründe zu nennen, weshalb man etwas dagegen haben könnte: Man will nicht, dass andere es viel leichter haben als man selbst. "Ich habe mir den A*sch aufgerissen um diese Gebiete besuchen zu können, und andere brauchen das nicht tun?...". Und das ist halt bei einem Medium, dass der Unterhaltung dient, einfach nur egoistisch. Wenn jemand seinen Selbstwert an seine Fähigkeiten eines Spiels bindet, ist das seine Sache. Aber seinen Selbstwert daran binden, wie leicht es andere haben können? Uff, ich weiß nicht wie ich das nennen soll, aber dieser Mensch würd ich nicht sein wollen...)
Sorry, aber ich sehe hier echt nichts, wo ich mich rechtfertigen müsste. Auf Leute, die sowas aufbauschen wollen als explizite Forderung oder so tun, als würde ich mich wegen dem Fehlen eines solchen Modus empören, gehe ich nicht mehr ein. Das führt zu nichts und ist auch garnicht meine Motivation, hier zu schreiben.
Das Schlimme ist (und der Grund, weshalb ich Nightslaver so stark an die Seite fahre mit seinen Äußerungen): Angenommen, Miyazaki würde tatsächlich seine Meinung ändern und sein nächstes Spiel z.B. mit einem "Assist Mode" bewerben. Irgendeine News-Website bemerkt das, liest sich die Randdetails nicht durch, und veröffentlicht dann eine populistische News, dass jetzt auch das nächste Soulsborne-Spiel irgendwie "woke" sei. Es gibt seitenlange Artikel auf einschlägigen Seiten darüber, dass das gesamte(!) Spiel vermutlich deutlich leichter als vorangegangene Soulsborne-Titel sei, Kommentare äußern Vermutungen über eine grundlegende Veränderung der Atmosphäre etc. , und ehe man sichs versieht, hat man einen Shitstorm von Leuten, die jede noch so kleine Änderung unendlich hochstilisieren und aufs Heftigste kritisieren dass angeblich "ihre Lieblingsreihe kaputtgemacht wird"... Es ist die Gaming-Community, es gab schon einige solcher Fälle wo ein Mob halb durchdrehte (ich verzichte mal auf Beispiele, jeder sollte ein oder zwei im Kopf haben, der in den letzten Monaten Zeit in Gaming-Communities verbrachte...). Und ich wette mit jedem, dass Nightslaver mit dabei wäre, der eine gutgemeinte Idee in Grund und Boden flamed, weil Miyazaki einen tief im Optionsmenü versteckten Touristenmodus implementiert hat... DESHALB verteidige ich meine Meinung. Nicht weil ich angeblich der Meinung sei, ich müsse Miyazaki jetzt mit Mails und Morddrohungen bombardieren weil mich das Ganze so aufregt, weil ich nicht vom Thema lassen könne (was Nightslaver mehr als gezielt andeutet). Sondern weil Leute wie Nightslaver aktiv dafür sorgen, dass sich bestimmte Ideen und Gedanken zur besseren oder zugänglicheren Spielbarkeit nicht weiterverbreiten, sondern im Keim erstickt werden. Das kann und will ich nicht widerspruchslos stehenlassen...