Der PC war noch nie tot. Aber es gibt jedes Jahr bessere Alternativen. Die Konkurrenz schläft nicht.
„Besser“ ist völlig relativ, weil es nahezu komplett davon abhängt, was der User mit seinem Gerät machen will.
Ein Tablet ist deutlich vielseitiger als ein PC.
Inwiefern vielseitiger? Mobilität? No shit Sherlock, da sieht ein Desktop-PC kein Land, und ein Tablet ist um einiges handlicher als ein Laptop. Kann das Tablet sämtliche Windows-/Linux-Software abspielen? Ganz sicher nicht.
Wenn es um die Anwendungsbereiche geht, ist nicht wirklich schwer auszumachen was auf welchem Gebiet für Privatanwender das jeweils beste Gerät ist:
– Du willst nur im Internet surfen, E-Mails lesen, kurze Nachrichten schreiben und YouTube-Videos schauen? Viel Spaß mit dem Tablet, das von allen möglichen Geräten, die größer als ein Smartphone sind, auch am wenigsten Strom verbraucht (wobei die Empfehlung, man solle auf Tablets statt PCs surfen, um Energie zu sparen, bewusst auszulassen scheint, was ein neues Gerät für Emissionen verursacht, wenn man schon einen PC, aber noch kein Tablet hat). Längere Videos oder gar Serien und Spielfilme bei Netflix & Co. würde ich darauf allerdings nicht schauen wollen. Aber ich meine, ich bin ja auch einer von den (gar nicht so) alten Hasen, die nach wie vor die große Leinwand vorziehen, und dafür auch den Kontakt mit anderen Menschen in Kauf nehmen.
– Du schreibst regelmäßig längere Texte und bearbeitest Dokumente? Da wird das Tablet schon unbequemer, selbst mit einer dieser Gummitastaturen, die sich provisorisch anklemmen lassen. Auf Dauer kommst du hier zumindest an einem Laptop nicht vorbei, und auch da kommst du je nach Aufgabenbereich an den Punkt, dass du lieber eine Maus anklemmst, als dich ewig mit dem Touchpad rumzuschlagen. Ich persönlich gehe noch einen Schritt weiter und möchte auch mechanische Tastaturen nicht mehr missen.
Die große Masse an Usern fällt in die erste und eventuell die zweite Kategorie. Die brauchen tatsächlich daheim nicht mehr zwingend einen Desktop-PC, um ihren Alltag zu meistern, sondern sind mit Laptops und vielleicht sogar schon Tablets ausreichend bedient (Smartphones lasse ich aus dem Vergleich aufgrund der noch geringeren Dimensionen bewusst aus).
Bei allem, was mehr Leistung erfordert oder in Sachen Anpassung über Schema F hinausgeht, kann hingegen immer noch kein Gerät den Desktop-PC ersetzen:
– Das Offensichtlichste zuerst: Du willst zocken und verstehst darunter nicht, dein Geld auf Nimmerwiedersehen in als „Games“ getarnten illegalen Glücksspiel-Apps (gemeint ist alles, was Mikrotransaktionen mit Zufallspreisen [Lootboxen] kombiniert) zu versenken? Da kann kein Mobilgerät dem Desktop-PC das Wasser reichen. Tablets fallen schon aufgrund der völlig anderen Software aus dem Vergleich raus, und bei Laptops muss man, um annähernd die Leistung eines PCs zu bekommen, wesentliche Vorteile in Sachen Mobilität aufgeben – die großen Gaming-Laptops fallen für mich aufgrund ihrer Klobigkeit und ihres Stromhungers nur noch bedingt in die Kategorie „Mobilgeräte“. Spielkonsolen versuchen, eine Alternative zu sein (wobei ironischerweise die Switch am ehesten den Sinn einer Spielkonsole erfüllt, während Xbox und Playstation mittlerweile nicht viel mehr als spezialisierte PCs sind), bringen aber ihre eigenen Nachteile mit, dazu komme ich weiter unten noch einmal genauer.
– Du betätigst dich im Bereich Mediengestaltung, bearbeitest Grafiken, Audio, Videos oder renderst gar? Viel Spaß, das mal mit einem Tablet zu versuchen – Zeichnen vielleicht ausgenommen. Auch hier kannst du mit einem Laptop, wo du mehr Leistung mit weniger Mobilität erkaufst, prinzipiell weit kommen, im Endeffekt entpuppt sich aber auch der Desktop-PC, wenn du nicht überwiegend unterwegs arbeiten musst, als die bessere Wahl, weil du einfach für weniger Geld mehr Leistung bekommst. Wo wir gerade bei Leistung sind, man sollte bei alldem nicht vergessen, dass es physische Einschränkungen gibt und mehr Leistung eine aufwendigere Kühlung erfordert, da sind einem bei einem Mobilgerät, wo die Hardware auf möglichst kleinem Raum Platz finden soll (vom Gewicht ganz zu schweigen), Grenzen gesetzt.
– Du entwickelst selbst Software und brauchst zum Kompilieren Leistung satt? Kauf einen Desktop-PC mit einer starken CPU.
– Ein Punkt, der viel übersehen wird: Du willst die größtmögliche Hoheit über das Gerät, das du gekauft hast, Vollzugriff auf alle Dateien und es deinen Bedürfnissen anpassen können? Da bist du bei Mobilgeräten und Spielkonsolen an der völlig falschen Adresse. Auf jedem Windows-Rechner (ob Desktop oder Laptop) hast du von Haus aus mehr Rechte und Einstellmöglichkeiten als auf allen Smartphones und Tablets; von Linux, mit dem das typische Android nur noch den Kernel gemeinsam hat, ganz zu schweigen. Android-Geräte lassen dich werkseitig nicht auf die Systemebene zugreifen, Anpassungsmöglichkeiten hängen völlig vom Gutdünken des Herstellers ab, du darfst nicht einmal vorinstallierte Junkware deinstallieren, und Root-Rechte und/oder alternative ROMs gibt es nur mit Garantieverlust, falls überhaupt.
Apple-Geräte und Spielkonsolen sind komplett geschlossene Systeme, deswegen werden letztere für mich auch beim Gaming nie eine vollwertige Alternative zum PC sein. Nintendo lässt dich noch nicht einmal echte Backups von deinen Spielständen anfertigen und erpresst dich dazu, ein Abo abzuschließen, um die Cloud nutzen zu können, damit du überhaupt eine Rettungsmöglichkeit im Fall eines Hardwaredefektes hast (welche natürlich verschwindet, nachdem du das Abo gekündigt hast), und die sorgt auch nur bedingt für höhere Redundanz (da du von der Verfügbarkeit einer externen Infrastruktur abhängig bist), nicht aber für Datensicherheit (alles, was du versehentlich selbst löschst oder überschreibst, wird auch in der Cloud gelöscht bzw. überschrieben). Eine Mafia-Methode, die selbst Sony zu widerwärtig und unmoralisch ist – ich weiß, kaum zu glauben, dass es sowas gibt –, denn auf der Playstation kannst du nach wie vor Backups auf USB-Speichermedien anfertigen, auf der PS5 allerdings nur noch als Komplettbackup und nicht mehr manuell einzelne Spielstände; und das Speichermedium wird dafür so formatiert, dass es nur noch an der Konsole lesbar ist. Wie es bei der Xbox um derartige Möglichkeiten bestellt ist, weiß ich gerade nicht. Zugriffskontrollen für mehrere User mit Passwortschutz sowie Rechten à Admin/User kennt die Switch übrigens auch nicht – richtig doof, wenn du einen kleinen Bruder hast, der nach einem Streit aus Rache mal eben deine Spielstände löscht, während du nicht da bist, habe die Erfahrung auf der PS3 selbst machen müssen. Selbstverständlich hast du auf einer Spielkonsole sonst keinen weiteren Zugriff auf das Dateisystem, weder bei den Spielen, noch beim Betriebssystem, und musst ebenfalls mit den Funktonen leben, welche der Hersteller für relevant hält.
Der Kostenpunkt ist dann nochmal eine ganz andere Sache: Bei Konsolen hast du subventionierte Hardware, deren Anschaffung sich aber nur lohnt, wenn du dann auch hinreichend Spiele kaufst, über die der Hersteller durch den im Vergleich zum PC höheren Preis die Hardwaresubvention wieder reinholt. Um sicherzugehen, dass das Konzept auch aufgeht, ist es bei Konsolen meist auch um die Abwärtskompatibilität nicht besonders gut bestellt, wobei die Xbox dank ihres Fokus auf den Gamepass hier noch am besten dasteht. Das führt dazu, dass die alten Kataloge, bis auf ein paar Evergreens, die sich auch noch Jahre später als Emulation mit wenig Aufwand zu Geld machen lassen, kaum Pflege erhalten und langfristig unwiederbringlich verloren gehen, denn auch die alten Konsolen halten nicht ewig, und für ein paar Retro-Titel macht man sich auch eher selten die Mühe, extra die passende Hardware – sofern noch verfügbar – zu beschaffen. Der PC wiederum hat einen hohen Einstiegspreis, wobei der abhängig vom Leistungsanspruch skalierbar ist, dafür aber nicht nur generell den größten Spielekatalog, sondern auch die bestmögliche Abwärtskompatibilität, weil die Hersteller von PC-Hardware eben keine neuen Spiele verkaufen müssen, damit ihr Geschäft profitabel ist (mal davon abgesehen, dass man den Gebrauchtspielemarkt mit Steam und DRM weitgehend ausgetrocknet hat). Und bei einem PC muss man auch keine 20 Spiele und mehr kaufen, damit sich die Anschaffung lohnt, einfach weil man mit dem PC noch hunderte andere Dinge tun kann als bloß zu zocken.
Mir ist allerdings auch bewusst, dass man mit so einer Haltung in der Minderheit ist, und zwar nicht nur im eigenen Land, sondern in der ganzen Welt. Tatsächlich sind PC-Gaming und speziell Desktop-PCs etwas ziemlich Europäisches, wenn nicht gar Deutsches. In Nordamerika hält es sich die Waage, die PC-Community ist dort natürlich sehr groß, aber auch Spielkonsolen spielen nach meiner Beobachtung dort seit jeher eine größere Rolle als in Europa. Und Ostasien ergibt sich nochmal ein ganz anderes Bild: Der Videospielmarkt in Japan ist im Vergleich zum Westen völlig überflutet (vor allem mit heimischen Titeln), aber PC-Gaming stellt dort die totale Ausnahme dar, der Heimbereich wird vollkommen von Spielkonsolen dominiert, und die kaufen die Japaner sehr patriotisch – Sony und Nintendo teilen sich den Markt, während Microsofts Xbox dort nie eine große Rolle gespielt hat. Wenn man vergleicht, auf wie viel Quadratmetern der durchschnittliche Japaner im Vergleich z.B. zum durchschnittlichen Deutschen lebt, begreift man auch schnell, warum große, schwere Gaming-PCs dort nicht allzu verbreitet sind und die Vorliebe für möglichst kleine, kompakte und mobile Geräte besonders groß ist. In China und Südkorea ist das ähnlich, wobei vor allem Südkorea zwar einen großen PC-Gaming-Sektor hat, die meisten Leute aber hauptsächlich in den zahlreichen PC Bangs zocken und keine eigenen High-End-Rechner zuhause haben.
Fazit: Totgesagte leben bekanntlich länger, und so wird auch der PC, der seit bestimmt 15 Jahren totgesagt wird, auch im privaten Sektor nie vollständig verschwinden, weil es genug Anwendungsbereiche gibt, wo Privatuser nach wie vor die hohe Leistung der Hardware und die Vielseitigkeit und Flexibilität der Software benötigen. Er ist nur eben nicht mehr der einzige verfügbare „Personal Computer“; genauso wie Schallplatten längst nicht mehr die einzigen Tonträger sind und das Kino nicht mehr der einzige Ort ist, an dem man Filme schauen kann. Man hat hier eine typische 80:20-Konstellation – mit den 20% der Dinge, die kleinere und mobilere Geräte können, werden 80% aller Bedürfnisse abgedeckt; wer aber Bedürfnisse hat, die über diese häufigsten 80% hinausgehen, kommt am (Destkop-)PC auch weiterhin nicht vorbei.