Wäre der "rechtzeitige" Zeitpunkt für die Bestellung von Brennelementen nicht vor zwei bis drei Jahren gewesen?
Nein
Die reguläre Bestelldauer sind 3 Jahre, allerdings haben die meisten Kernkraftwerke genug Brennelemente für 3 Jahre. Man kann also durchaus Bestellungen vorziehen. Damit sind es dann 6 Monate, die das dauert, man müßte also bis zum September bestellen.
Die Kernkraftwerke können auch mit den bisherigen zwei Monate länger laufen, danach sinkt die Leistung. Alleine dass man die paar Monate, die man so oder so nicht nutzt ist relativ dämlich. Somit würde man das willkürliche Aus vom Jahreswechsel in den April verschieben, wenn der Winter vorbei ist.
Auf alle Fälle hatten die zu Januar 23 aus dem Dienst ausscheidenen Mitarbeiter solange Zeit, sich neue Jobs zu suchen und diverse Prüfungen & -wartungen werden bis Jahresende um ein ähnliches Maß überzogen sein, was einen sicheren Weiterbetrieb selbst mit Brennstäben unmöglich macht.
Unmöglich stimmt nicht, das hat auch der TÜV gesagt. Man kann sie weiter betreiben, das ist kein Problem, nur müßte man langsam damit anfangen.
Wenn es danach geht, dann müßtest du auch einsehen, dass ein Umstieg auf Erneuerbare völlig unmöglich ist, da wir zu inkompetent sind (und uns die Politiker über die Kosten und Probleme belogen haben). Stattdessen wird da dann gefordert, dass man die Probleme löst.
Die Stromkonzerne haben auch klargestellt, dass sie keinen Cent aus eigener Tasche mehr in abgeschriebenen Meiler mehr investieren werden; entsprechend kostspielig wäre es als für die Stromkunden, hier noch mit viel Aufwand ein paar kWh rausquetschen zu wollen.
Die Stromkonzerne haben über 22 Mrd € Entschädigung für den Atomausstieg erhalten. Das Geld ist längst verplant und ausgegeben. Wenn jetzt die Laufzeiten verlängert werden, dann müssen sie diese zurückzahlen. Das ist der Grund, warum die ihre Goldesel nichtmehr weiter betreiben wollen.
Wenn der Staat auf eine Rückforderung der Entschädigung verzichten würde, dann dürften die Stromkonzerne ihre Meinung schnell ändern.
Die Zusätzlichen Kosten, um die Kraftwerke wieder Fit zu machen, dann man ja der Allgemeinheit aufs Auge drücken, dann wird es so richtig profitabel. So wird es bei den Kohlekraftwerken gehandhabt, du glaubst doch niht, dass die Stromkonzerne das selbst bezahlen? Die haben sich den Ausstieg aus der Kohle bezahlen lassen und jetzt wieder den Weiterbetrieb und die Kosten für die CO2 Zertifikate wird wohl auch die Allgemeinheit zahlen müssen. Man sollte nicht glauben, dass das umsonst ist.
Insgesamt reden wir ohnehin nur von 4 GW, die die Atomkraftwerke nach Wiederherstellung aller Betriebsvorraussetzungen liefern könnten.
Ach so, wir haben genug Strom?
Na dann können wir uns die Energiewende sparen, wenn doch alles so gut ist. Ich sehe nicht ein, warum die Armen dafür blechen müssen, wenn die Kernkraftwerksgegner nichtmal in einer existenziellen Krise bereit sind, über ihren Schatten zu springen.
Ein viertes Last-Second-Umsteuern beim Atomausstieg hätte also nur geringe Auswirkungen auf den Strompreis im kommenden Jahr, selbst wenn es wider Erwarten günstig umsetzbar sein sollte.
Wie man bei den Grafikkarten und dem Klopapier gesehen hat, kann ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage den Markt ordentlich durcheinander bringen. Wir reden von 6% des Strombedarfs. Ach wenn die Kernkraftwerksgegner klein reden wollen: das ist schon einiges. Darauf zu verzichten wird die Strompreise definitiv in die Höhe treiben und außerdem die CO2 Emissionen, dazu gibt es eigentlich keine zwei vernünftigen Meinungen.
Wenn man den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke nicht will, dann sollte man auch klar zu den Konsequenzen stehen. Diese Mischung aus Naivität und Herumgelüge hat uns in die Situation gebracht. Jürgen Tittin hat damals verkündet, dass die EEG Umlage auf 1-2 Cent steigen wird und dann der Strompreis sinken wird, da die Erneuerbaren so unglaublich billig sind. Was ist passiert? Statt bei 13 Cent (ich bin großzügig und nehme den gleichbleibenden, inflationsbereinigten Preis) sind wir heute bei über 30 Cent.
Der Witz ist, das wird die Energiewende langfristig zu Fall bringen. Man legt nicht die Kosten und die Mühen auf den Tisch, also wird es auch nicht gemacht. Wenn man es ernst meint, dann wird man da über einen ganz anderen Strompreis reden müssen, ich tippe da auf 60 Cent pro kWh. Es müssen Stromtrassen gebaut werden, damit man den ganzen erzeugten Strom vom einen Ende des Landes an das andere transportieren kann. Der Strom muß, für den Winter, mit Wasserstoff gespeichert werden. Wirkungsgrad etwa 50%, wenn man es gut macht und sehr teuer.
Nach Fukushima hätte man tatsächlich die Chance gehabt das durchzudrücken, wenn man alles auf den Tisch gelegt hätte, hat man aber nicht.
Irgendwann werden wohl neue Kernkraftwerke gebaut oder es kommt noch die Kernfusion (soll ja in etwa 30 Jahre tatsächlich soweit sein).