AMD & Ati - Die Fusion trägt Früchte (PCGH Retro 28. Februar)

AW: AMD & Ati - Die Fusion trägt Früchte (PCGH Retro 28. Februar)

Nach so vielen Jahren dürfte ja hinreichend bekannt sein, was für einen Fehler sich AMD da eigentlich geleistet hat.
Über 10 Jahre lang Rückstand im CPU-Markt und mäßige Grafikkarten mit generationsmäßig breitgetretenen Architekturen, die im High-End-Markt inzwischen gar nicht mehr konkurrenzfähig sind.^^

Ich empfand damals schon die Übernahme als sehr schweren Fehler und in all den Jahren gab es nichts, was mich hierbei im Nachinein vom Gegenteil überzeigt hätte.:schief:
Die Übernahme selbst war kein Fehler, ihre Durchführung hingegen schon. Sie hätte niemals in Barmitteln, sondern via Aktientausch von Statten gehen sollen. So gelang es AMD ja auch in heutiger Zeit Xilinix problemlos zu übernehmen, also ohne, dass das fusionierte Unternehmen danach ins Schlingern geriet. Und die Integration von Xilinix gelang ihnen auch deutlich besser als die von Altera in Intel.
Es hat halt nur Ewigkeiten gedauert, bis das Kernprodukt, das mit der Fusion der Unternehmen entstehen sollte, das Licht der Welt erblickte: Die erste APU, Llano. Und seitdem ging es lange Zeit eher schleppend weiter...
Ich war damals auch skeptisch, was die Fusion von ATI und AMD anging. In der Zwischenzeit gab es viele Höhen und Tiefen in der Entwicklung von AMD, aber die Entscheidung war sicher richtig. ATI allein hätte vielleicht nicht überlebt. Und der neue Strix Halo sieht wirklich super aus und erfüllt den Traum von der Vereinigung von CPU und Grafikchip.
...und erst gerade, wie richtig gesagt, werden die Versprechungen wirklich erfüllt. Framework hat stand jetzt sechs von sieben Q3-Chargen an Systemen und ITX-Boards bereits verkauft und konnte sich die erste Zeit wirklich nicht vor Nachfrage retten.

Natürlich ändert das alles nichts daran, dass es besser gewesen wäre, wenn Héctor Ruiz damals dem Angebot von Jensen Huang zugestimmt hätte und AMD und Nvidia fusioniert hätten, mit Huang als CEO. Meiner Meinung nach wäre ATI kurz darauf von Intel geschluckt worden, um mit der übermächtigen Konkurrenz (8800 GTX, Etablierung von CUDA, ...) mithalten zu können. Ohne ernstzunehmende iGPU-Sparte wäre Intel durch Nvidia-iGPUs gekillt worden; gegen die schmutzigen Tricks von Nvidia hätten selbst die schmutzigen Tricks von Intel alt ausgesehen.
 
Intel hat Nvidia damals einfach von der eigenen Plattform gekickt; nix mehr IGP. Das hätten sie bei einer Verschmelzung von AMD von Nvidia vermutlich noch früher und härter gemacht. Aber eine engere Zusammenarbeit mit ATI wäre wahrscheinlich gewesen – die hatten ihre Chipsatz-Ambitionen ohnehin auf den Sockel 775 fokussiert und waren traditionell stark im Low-End-/OEM-Grafikmarkt, der später von IGPs übernommen wurde.

Ich war damals auch skeptisch, was die Fusion von ATI und AMD anging. In der Zwischenzeit gab es viele Höhen und Tiefen in der Entwicklung von AMD, aber die Entscheidung war sicher richtig. ATI allein hätte vielleicht nicht überlebt. Und der neue Strix Halo sieht wirklich super aus und erfüllt den Traum von der Vereinigung von CPU und Grafikchip.

Strix Halo ist eigentlich das genaue Gegenteil der damaligen Vision: Anstatt beide Funktionen in einem Stück zu Silizium zu vereinen, hat man einen Chip mit Grafikeinheit und Speichercontroller sowie davon getrennt, über ein proprietäres Interface angebunden, einen zweiten Chip (oder deren zwei) mit Kernen und Caches. Vor der ATI-Übernahme nannte man ersteren Chip "Northbridge" und hat ihn auf Mainboards gelötet, die Verbindung dahin "Front Side Bus" statt "Infinity Fabric". Mit der zweiten Pentium-D-Generation auf z.B. i945G gab es das sogar schon in Dual-"CCD"-Ausführung. Die Chips auf einem Package in den Sockel zu packen, um die Entfernungen zu verringern, hat man erstmalig bei Clarkdale (erste Core i3) praktiziert.

AMDs eigentliche Vision waren aber nicht einfach nur Chips, auf denen beide Einheiten sitzen (ab 2011 bei Sandy Bridge, zu AMDs Leidwesen fünf Monate vor Llano), sondern Chips in denen beide Sparten eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen. Davon hat man schon lange nichts mehr gehört, selbst die MI300A ist nur eine Kombination aus GPGPU und CPU, die nebeneinander her arbeiten und Systeme ohne extra CPU-Sockel ermöglichen. Die Idee hat auch massive Henne-Ei-Probleme und wenig Synergien mit andern Stoßrichtungen. Stattdessen hat man Desktop-GPUs immer mehr Logik-Einheiten spendiert, damit sie CPU-Aufgaben ganz übernehmen und homogene GPGPUs werden in ihren Fähigkeiten immer CPU-ähnlicher (auch wenn das Niveau von Xeon Phi wohl weiterhin nicht erreicht wird).

 
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