Discovery ist okay, wenn man so garkeine Berührungspunkte mit Star Trek hat.
Nur hat sich Star Trek halt immer auf eine Weise von allen anderen Serien abgehoben, indem z.B. der Fokus der Serie auf stets moralisch handelnde Charaktere gesetzt wurde. Das ist die grundlegende Idee von Star Trek seit 1966 mit TOS und wurde hinein in TNG, DS9, VOY und ENT mitgezogen. Auch wenn immer mal wieder deutliche Brüche daran zu sehen waren, haben die Serien wenigstens stets versucht, sich dessen spürbar anzunehmen.*
Discovery nimmt sich dem nur oberflächlich an. Es gibt vereinzelt gute Folgen darin (z.B. einige Saru-Folgen), aber in geschätzt 99% der restlichen Serie gehen sich die Leute gegenseitig auf den Senkel, spielen irgendwelche Machtspiele untereinander, oder verneinen mögliche Verbesserungen einer Situation komplett. Manche Konflikte werden niemals angesprochen, die schwelen einfach über die gesamte Serie und drücken aufs Gemüt, was man durch Aussprachen auflösen könnte. Es gibt Folgen, da werde ich den Eindruck nicht los dass sich in Leid und Selbstmitleid regelrecht gesuhlt wird, ohne aber einen entsprechenden "Gegenpart" zu liefern der die Stimmung wieder auflockert und zu Handlungen ermutigt.
Neben der tonalen Änderung hat Discovery aber auch einige handwerkliche Fehler: Dialoge sind gerade noch so okay (da hat es Picard Staffel 1 & 2 besonders schlimm getroffen...), storymäßig passiert vergleichsweise wenig pro Staffel (ich fand die Suche nach Spock so dermaßen langweilig, das zieht sich über eine gesamte Staffel wenn ich mich nicht irre...). Und bei manchen schwelenden Konflikten bin ich mir nicht sicher, ob sie von den Autoren bewusst offengelassen wurden um ein Gefühl der Deprimierung weiter zu zementieren, oder schlichtweg vergessen haben aufzulösen und der Depri-Faktor mehr ein Versehen war...
Von den Kanon-Brüchen hab ich garnicht erst angefangen, ich will nur nochmal in den Vordergrund rücken, dass praktisch "niemand" die neuen Klingonen von Kurtzmann gut findet...
Aber gut, dass unter Kurtzmanns Ägide "gutes" Star Trek hervorgeht, habe ich mehr oder weniger eh schon aufgegeben... Ich weiß nichtmal ob ich Bock auf die neue Academy-Serie habe, die noch erscheinen soll...
*(Bestes Beispiel dafür wäre etwa die Folge "In The Pale Moonlight" (bzw. "Im fahlen Mondlicht") aus DS9: Ein Captain, der sich direkt dafür einsetzt, dass ein anderes Volk in einen bestehenden Krieg hineingezogen wird. Die Folge gehört unter Fans in die Top10 der besten Folgen was Star Trek je hervorbrachte, weil es auch den Preis, der dafür zu zahlen ist, erörtert und nicht davor zurückschreckt... Auch wenn die Grundidee der Folge natürlich alles andere als für die typischen Werte steht, womit man Star Trek eigentlich verbindet...)