Also mich wundern ehrlich gesagt nur die Preise der CPUs, das diese so in der Form kommen werden war klar.
Aber preislich gibt es doch derzeit keine Alternative? Ein 64/128 AMD mit aktueller Zen3 Technik wird dann für 7.000 USD verramscht, während Intel immer noch den 9282 als Flagschiff hernehmen muss, mit nur 56 Kernen und dafür wollen sie gerne 12.000 USD haben. Wie passt das zusammen? Auch wenn der Intel mehr Speicherkanäle hat, so wird er dennoch von der aktuellen Zen3 Technik in Grund und Boden gerammt werden, von der TDP mal ganz abgesehen, Intel braucht Flüssigkeitskühlungung und 400W, AMD kommt mit Luft und 280W aus. Wenn ich in der Preisklasse einen Server bräuchte, würde doch kein Weg an einem DualSockel AMD vorbeiführen, 128 Kerne und 256 Threads in einem normalen 2HE Gehäuse sind letzlich nicht zu schlagen, zumindest bis Intel mal 10nm nachlegt. Aktuell sind ja wieder nur 28 Kerne bei Intel am Start (3.Gen XEONs), oder habe ich da einen verpasst.
Wenn man nicht gerade bei einem der großen OEMs unterwegs ist, dürfte das schwer zu bewerten sein. Hier gibt es viele Faktoren, nachfolgend nur ein paar (mögliche, teilw. zusammenhangslos):
a) Der Zen3-basierte 7763 wird mit 8185 US$ gehandelt (vorläufig gemäß Leak, also +17,8 % Aufschlag ggü. dem 7742). Jedoch sagte bzgl. Preisen im Datacenter selbst L. Su im Earnings Call Anfang 2020 mal wortwörtlich, dass Preise dort sekundär sind.
Weiterhin kann man in Anlehnung an L. Su annehmen, dass bspw. große OEMs bei entsprechender Abnahmemenge auch keine Listenpreise zahlen werden und das mit der Konkurrenzsituation absehbar selbst bei Intel.
Zudem, abhängig vom System, stehen die Hardwareanschaffungskosten, manchmal auch in keinem Verhältnis zu den Betriebkosten (konkret SW-Lizenzen), d. h. es mag am Ende vollkommen egal sein ob der Server nun 60.000 US$ oder 85.000 US$ kostet.
b) Intels Support für die Plattformentwicklung ist zweifellos umfangreicher und ausgereifter ... zumindest bei Naples war das bei AMD eher gleich einer Bastelbude, absehbar wird man sich aber auch hier verbessert haben (
und auch die Industrie hat zwischenzeitlich ihre Erfahrungen gesammelt) aber zweifellos noch längst nicht auf den Niveau von Intel sein. Beispielsweise die exklusive Kooperation mit Lenovo bzgl. dem Threadripper Pro wird sich AMD aus gutem Grund ausgesucht haben und deren Ressourcenknappheit wird da sicherlich einer sein, sodass hier Lenovo vermutlich ein Großteil der Plattformentwicklung zugefallen sein wird.
c) Den Platinum 9282 bekommst du absehbar nicht für "läppische" 12000 US$, das ist das Cascade Lake AP-Topmodell und ich wüsste nicht, dass man den derart weit im Preis reduziert hat, zumal man den einzeln eh nicht bekommt, da der nur festverlötet auf vorkonfektionierten Boards verkauft wird. Zudem ist das eher ein Nischenprodukt, das bei Intel umsatztechnisch nur in geringem Maße relevant sein wird. (
Ich mag da jetzt aaber auch nicht suchen ob der mittlerweile wirklich derart "günstig" geworden ist, denn den bieten auch nur wenige Hersteller an und viele von denen geben Preise nur auf Anfrage raus.)
d) Cooper Lake SP gibt es ausschließlich für 4S- und 8S-Systeme und die CPUs richten sich vornehmlich an Datacenter. Zudem ist der Haupteinsatzzweck voraussichtlich AI, denn hat man diesbezüglich keinen Fokus, kann man bei Intel auch eher zum älteren Cascade Lake SP greifen. Kommt aber AI zu Einsatz, wird absehbar selbst ein kleiner Cooper Lake einen Zen-64er-Kerner beim Inferencing deutlich abhängen, was schlicht AVX-512 VNNI zuzuschreiben ist und, d. h. selbst ein kleinerer 4 x Xeon Gold mit jeweils 24 Kernen wird hier absehbar den schnellsten Dual-Zen3 abhängen.
Und geht es ums Training mittels bfloat16 führt eh kein Weg an Intel vorbei oder aber man versucht das Projekt GPU-basiert zu implementieren, was aber nicht immer möglich ist. (
Beispielsweise Facebook verwendet Cooper Lake SP bereits seit min. August 2019 intern auf seiner Zion Unified Training Platform, lange vor dem offiziellen Launch der CPU.)
e) AMD liefert weitaus weniger CPUs als Intel, d. h. das alleine ist das eine oder andere Mal schon ein Grund, dass ein OEM vielleicht nur eine oder zwei Server-Serien mit Epyc anbietet, während es ein Dutzend auf Basis von Xeon's gibt. Intel's Kapazitäten sind hier weitaus höher und deren langfristige Lieferzusagen voraussichtlich auch solider. (
Hier und da bis ich durchaus schon mehrfach auf Admins gestoßen, die Epycs haben wollten, aber kaum dran kamen und am Ende dann doch zu Intel griffen.)
Darüber hinaus hat sich Milan auch deutlich verzögert, den man ursprünglich schon eher Ende 3Q20 hätte erwarten sollen, der bisher aber immer noch nicht offiziell veröffentlicht wurde. Möglicherweise kämpft man auch hier mit Substratmaterial- und ABF-Lieferenpässen und hat deshalb die GPUs zugunsten der CPUs runterpriorisiert?
f) Ice Lake SP wird schon seit Ende letzten Jahres an ausgewählte Kunden ausgeliefert und steht unmittelbar vorm offizellen Launch. Hier werden aktuell maximal 36 oder 38 CPU-Kerne gehandelt. Die CPU ist aber ähnlich zu RKL auf dem Desktop nur eine Art Übergangsprodukt (
hätte eigentlich schon Mitte 2020 erscheinen sollen). B. Swan bezeichnete die CPU in einem EC im letzten Jahr mal etwas abwertend als "
Storage Server", schlicht weil man genau weiß, dass man in einem 1:1-Vergleich aufgrund der fehlenden Kerne weiterhin nicht mit AMD mithalten können wird (
und bspw. bfloat16 fehlt hier noch).
Erst Sapphire Rapids SP mit der neuesten Architektur und den nochmals optimierten 10nm+++ wird hier eine echte Note setzen können, wird aber dann erneut das Problem haben, dass man mit diesem dann bereits Zen4/Genoa gegenübersteht, d. h. hier wird man sich absehbar erneut auf einen Vergleich von ca. 72 Golden Cove-Kernen mit ca. 96 Zen4-Kernen einlassen müssen. Die Frage wird dann sein, wie sich das Gesamtpaket darstellen wird, so bspw. in Verbindung mit Xe-HPC über CXL. Entweder wird der Abstand beibehalten oder Intel kann etwas verkürzen?
Milan (Zen3) ist zwar nur eine mäßge Weiterentwickung, kann aber aufgrund der IPC-Zugewinne dennoch signifikant zulegen und dürfte Intel gehörig Feuer unterm ... machen, wobei das kurzfristig jedoch nichts ändern wird, da die Roadmap, etc. auf Jahre feststehen, d. h. hier entfaltet sich bei beiden Firmen nur das, was vor Jahren bereits in die Wege geleitet wurde.
Man wird abwarten müssen wie sich das weiterentwickelt. AMD scheint designtechnisch gut aufgestellt, hat aber beträchtliche Abhängigkeiten zu TSMC und ist zum Teil seiner kleinen Größe unterworfen, was verhindert, dass man den Markt mal eben mit eigenen Produkten flutet und den Hauptkonkurrenten überrollt.
Intel dürfte designtechnisch ebenfalls gut aufgestellt sein, denn architektonisch sind die ihren eigenen Produkten schon lange voraus, werden aber durch die eigene Fertigung ausgebremst und das ist nach wie vor der größte Knackpunkt bei ihnen. Wenn die den nun im aktuellen Plan (
10nm+++ mit nochmal einer guten Entwicklung und 7nm inkl. der Verzögerung im Plan) behoben bekommen oder alternativ/ergänzend ihre Fertigung bspw. mit TSMC unterstützen, dürften die AMD wohl bald wieder einholen können. In einer allgemeinen technologischen Bewertung darf man Intel hier per se das größere KnowHow zuschreiben ... hier dürfte eher die Frage sein, ob ihnen nicht (erneut) anderes querschießt, so bspw. steuerungs-/führungstechnische Probleme oder erneute Fertigungsprobleme? (
Ich hoffe das klang jetzt in deinen Ohren oder eher Augen nicht schon wieder zu sehr Pro-Intel 
)