AW: Warnung für kommende Generationen: Datenträger soll eine Million Jahre Inhalte speichern können
Um die Auslesbarkeit der Informationen (noch einmal) zu wiederholen.
Um es mal kurz festzuhalten:
Da selbst Informationen, die in normaler Schriftgröße und einer allgemein gängigen Sprache in einem explizit zum Zwecke der Informationsgewinnung betrachteten Mediums vorliegen, nicht wahrgenommen werden, stellt sich berechtigterweise die Frage, obe die Anbringung von Warnungen auf Saphirtäfelchen, die sich nur mit guten Mikroskopen lesen lassen, in geradezu prähistorischen Sprachen und Schriftzeichen, eine zuverlässige Methode ist
Sollen die doch auf jedes Endlager eine Sphinx stellen, so ein Datenträger könnte ja mal irgendwie verlustig gehen
Sphinxen auch.
Das einzige, was nicht verlustigt geht, ist Atommüll. Aber das haben einige Leute auch nach über einem halben Jahrhundert noch nicht kapiert
Es gibt fernab der digitalen Scheinwelten auch noch ein Betätigungsfeld, das auf diese Art der Datensicherung und Weitergabe hoffen kann: Die Geschichtswissenschaft. Auch wenn im Artikel explizit die Weitergabe von Wissen auf Atommülllagerorte reduziert wird (sehr kurzsichtig!), es ist nunmal ein Problem, für länger zurückliegende Zeiten präzise Quellen zu bekommen und diese für kommende Generationen zu erhalten. Wenn man auf einem derartigen Speichermedium die gesammelten Werke der Vergangenheit in digitaler Form und die gegenwärtigen Quellenwerke detailliert für die Nachwelt erhalten könnte, wäre das wahrlich ein Segen für die Menschheit.
Für eine Speicherung nenneswerter Mengen an Information über die Menschheit ist dieses Medium aber zu aufwendig, teuer und platz-ineffizient. Für die Zeiträume, mit denen sich heutige Geschichtswissenschaftler herumärgern, gibt es auch brauchbare Alternativen, die genutzt werden (Glasplatten und Mikrofilm sind aktuell beliebt).
Das Argument der Entzifferung von Sprachen ist zudem ein Witz: Man speichere auf den Datenträgern Worterbücher und Grammatiken in Latein, Altgriechisch und meinetwegen Englisch sowie weiterer modernerner Verkehrssprachen, um damit die Schriften für zukünftige Weiterentwicklungen/Verwahrlosungen der Sprachen zu wappnen. Das Wissen um Erstere wird schon aufgrund der tiefen Verwobenheit innerhalb zahlreicher Wissenschaften auf absehbare Zeit nicht enden und sie werden daher auch noch in tausenden Jahren relativ problemlos zu entziffern sein.
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Mal ganz abgesehen davon, dass Wörterbücher wieder einen bedenklichen Umfang hätten:
Glaubst du, die Keilschrift der Sumerer hatte in der damaligen Wissenschaft keine Bedeutung? Nicht desto trotz mussten wir sie aufwendig rekonstruieren. Das heutige Englisch existierte vor 1000 Jahren noch nicht einmal, Sprache der nicht-kirchlichen Gelehrten vor 500 Jahren war eher Französisch und das alles bezieht sich auch nur auf Europa. Versuche mal einen 3000 Jahre alten chinesischen Text mit dem Wissen über diese Sprachen zu lesen.
Die ältesten Schriften, die wir heute lesen können, sind nicht einmal ein Tausendstel so alt, wie hier angestrebt - und trotzdem gibt es meines Wissens nach keine einzige Sprache, die auch nur die Hälfte dieser Zeitspanne überdauert hätte. Selbst Höhlenmalerein, die als Piktogramme nun wirklich wenig Vorwissen erfordern und die bestenfalls ein Zehntel des fraglichen Zeitraumes alt sind, geben heute viel Anlass zu Deutungen in Richtung religiöser, kultischer, berichtender,... Aussagen.
Und man darf auch nicht vergessen, was hier kommuniziert werden soll: Eine Warnung vor einer großen, aber nicht sichtbaren und somit sehr abstrakten Gefahr. Damit diese wirkt, reicht es nicht, die Warnung als solche zu vermitteln. Man muss sie auch grundlegend erklären, das heißt muss de facto Nuklertechnische Abhandlungen konservieren - das ist eine wesentlich anspruchsvollere Sprache, als ein paar Handlungsaufzeichungen oder Königspreisungen, wie sie typischerweise der Einstieg in antike Spracherarbeitung sind. Sonst ist das Endergebniss vergleichbar mit altägyptischen Flüchen, die Gräber schützen sollten:
Die künftig Grabenden glauben einfach nicht, was da auf dem Schild steht.