@Brontomimo
Dein Punkt, dass Tropes wie die Hexe bei Morrigan verwendet werden, ist passend - stimmt, das ist ein bekanntes Motiv. Aber ist es nicht eher ein Zeichen für eine gute Schreibe, dass Morrigan trotz dieser Verankerung als mehrdimensionaler Charakter funktioniert? Gerade weil sie nicht nur dem Klischee folgt, sondern persönliche und moralische Tiefe mitbringt? Charakter-Tropen lassen nicht automatisch auf "oberflächliches" Writing schließen.
Interessant, dass du Leliana nicht als queeren Charakter wahrgenommen hast - das spricht vielleicht dafür, wie selbstverständlich Bioware diesen Aspekt eingeflochten hat. Aber findest du nicht, dass gerade diese Art der leisen Inklusion dafür sorgt, dass sich mehr Spielerinnen und Spieler in der Welt wiederfinden können? Es geht doch weniger um "Rewarding" und mehr darum, verschiedene Perspektiven anzubieten.
Schade, dass du Begriffe wie "Geilheitsaufsatz" verwendest, um die Romanzen von Dragon Age zu bewerten. Das mag deine Wahrnehmung sein, aber viele Fans empfinden diese Romanzen als eine Bereicherung der Erzählung - gerade weil sie oft komplexe Themen wie Trauer, Selbstfindung oder Vertrauen ansprechen. Es wirkt für mich unfair, das alles auf Äußerlichkeiten zu reduzieren.
Deine Kritik, dass Liebe oder Konflikte in Spielen "kommodifiziert" werden, ist sicher ein berechtigter Einwand - jedes Medium läuft Gefahr, tiefgründige Themen zu vereinfachen. Aber ist es nicht auch eine Leistung von Spielen wie Dragon Age, diese Themen überhaupt in die narrative Popkultur einzuführen? Gerade das Blut auf den Key-Artworks unterstreicht doch die düstere Grundstimmung der Geschichte.
Aber dein letzter Satz bringt es auf den Punkt: Kolonialismus, Rassismus, Unterdrückung - alles "systemisches Geblubber", das zu ignorieren, wir uns gar nicht leisten können, richtig? Immerhin sind Rollenspiele dazu da, komplexe Systeme und Geschichten erlebbar zu machen. Was wäre die Alternative - reine Fantasy ohne Bezug zur Realität?
Gruß
Mischku