[Kompaktkühlung] Corsair H70 im Test

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[Kompaktkühlung] Corsair H70 im Test


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Im vierten Teil unserer kleinen Serie kommt abermals eine Weiterentwicklung zum Einsatz. Dieses Mal hat Corsair nachgelegt und präsentiert mit der H70 den Nachfolger der beliebten H50. Das erweiterte Grundgerüst bildet jetzt ein doppelt so dicker Radiator nebst einem zusätzlichen - also jetzt zwei 120mm-Lüftern. Das Ganze ist wie immer gut mit allerlei Montagezubehör gespickt und wird in einer schicken Verpackung geliefert. Aber ich greife zu weit vor ...wir wollen ja die Spannung nicht gleich zu Beginn abflachen lassen. Wie sich die wartungsfreie Kühlung in der Praxis und gegen die bereits getesteten Konkurrenten schlägt, zeigt dieser Test.

Inhaltsverzeichnis

Die Vorschaubilder können durch Anklicken in ihrer vollen Größe von 1.500 x 1.000 Pixeln angezeigt werden.
Der Testkandidat im Detail
Nachdem Corsair in den letzten Monaten mehr durch seine hochperformanten SSDs für Aufsehen sorgte, bringt man in der heißen Jahreszeit wieder ein Produkt, welches hilft einen kühlen Kopf zu bewahren - auch wenn es in diesem Fall nur um die CPU geht. Mit der Hydro 70 steht die konsequente Weiterentwicklung der lange bewährten Hydro 50 mit dem einen Ziel ins Haus, die Leistung drastisch zu steigern. Zu diesem Zweck wurde grob gesagt die Kühlfläche des Radiators verdoppelt und ein weiterer Lüfter fand den Weg auf die Zubehörliste. Der Ursprung dieser Kühlung, die Firma Asetek, ist dieses Mal nicht mehr auf dem Karton zu finden. Damit aber jeder Bescheid weiß sei gesagt, dass sich der Hersteller vorrangig mit OEM- und Server-Lösungen im Bereich von Verdampfern und Flüssigkeitskühlungen beschäftigt. Bei der H70 handelt es sich somit nicht um eine komplette Eigenentwicklung seitens Corsair, sondern um ein Produkt, welches speziell an die Anforderungen des Unternehmens angepasst wurde.

Fangen wir mit den Äußerlichkeiten an und begutachten den Karton, der im Vergleich zur H50 kleiner aussieht, aber doch mehr Inhalt zu versprechen weiß. Schon auf den ersten Blick wird ersichtlich, was die schlicht schwarze Verpackung beherbergt - und gerade die in den Fokus gerückte Einheit aus CPU-Kühler und Pumpe bringt eine grundlegende Veränderung zwischen den beiden Produkten ans Tageslicht. Neben Produktdetails in mehreren Sprachen sind auf der Rückseite der Verpackung auch Informationen zum Wirkungsgrad im Vergleich zu einem Intel Boxed-Kühler und den verbauten Komponenten zu finden. Eine ausführliche Tabelle findet sich aber auch noch einmal auf der Seite. Insgesamt macht das Paket wirklich etwas her und wirkt sehr hochwertig.

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Da die Herkunft der Kühlung kein Geheimnis ist, bedienen wir uns zunächst einem kleinen Videos, um die Funktionsweise etwas zu verdeutlichen. Wir haben dieses bereits bei der H50 vorgestellt, da sich bei der H70 am Funktionsprinzip nichts ändert und es zudem sehr interessant ist, bringen wir es hier ein zweites Mal. Zu erkennen ist die integrierte Pumpe, welche im Falle der H70 mit einer Drehzahl von ~1.415 1/min rotiert. Diese ist direkt in den CPU-Kühler integriert und somit wird kein weiterer Platz im Gehäuse benötigt. Eine Besonderheit bei der H70, sowie der H50 gibt es aber in Bezug auf dieses Video zu beachten. Der Luftstrom verläuft nicht in der von Corsair vorgesehenen Richtung. Corsair verfolgt mit seiner Einbauweise die Optimierung der Kühlung und sieht daher vor, dass der Lüfter kalte Außenluft ansaugt und diese in das Gehäuse einbläst. Es ist daher notwendig für eine ausreichende Gehäusebelüftung zu sorgen. Die Temperaturdifferenz durch die Frischluftzufuhr beträgt bei der Kühlung zwischen 5 und 10 °C - man muss also im Einzelfall über das Einbauprinzip nachdenken.

https://www.youtube.com/watch?v=KlFG6T_68e8​

Die Komponenten der Kompaktkühlung machen ihrer Bestimmung alle Ehre. Neben dem Kühlelement samt integrierter Pumpe sind nur noch der Radiator samt Lüfter im Gehäuse zu verbauen. Sonstige Umbauten entfallen, was besonders Anfänger freuen wird, die nicht gerne komplexe Schrauberarbeiten erledigen. Als Beilage liefert Corsair bei seinen Produkten ein umfangreiches Zubehör mit, welches die Montage auf allen aktuellen Sockeln ermöglicht. Somit werden alle drei Intel-Sockel (775/1156/1366) und die beiden AMD-Sockel (AM2/(AM2+) und AM3) unterstützt, was einen späteren Plattformwechsel erleichtert und zusätzliche Kosten bei einem Hardware-Upgrade erspart. Die Einzelteile selbst sind wertig verarbeitet und machen einen robusten Eindruck - sollten also die Lebensdauer der Kühlung mit angegebenen 50.000 Stunden bewerkstelligen.

Kern der überarbeiteten Kühlung ist die Einheit aus Pumpe und CPU-Kühler. Aktuell misst das Gebilde nur noch schlanke 2cm in der Höhe und man fragt sich zu Recht, wie da eine strukturierte Bodenplatte und eine Flüssigkeitspumpe Platz finden. Um die Hardware nicht dauerhaft zu beschädigen, verzichten wir auf eine Demontage der Bodenplatte und hoffen, dass der Hersteller vielleicht einige Details veröffentlicht. Die Oberseite der Pumpe ziert ein metallenes Corsair-Logo, welches seitens Asetek noch nicht auf der OEM-Kühlung verbaut ist, die uns ebenfalls vorliegt, die Unterseite ist wieder mit einer dünnen Schicht Wärmeleitpaste versehen, die im Auslieferungszustand unter einem soliden Deckel schlummert. Das mehrmalige Montieren während des Tests hat gezeigt, dass die Paste von der Konsistenz her im Zweifelsfall auch mehrmalig verwendet werden könnte. Wir empfehlen dies zwar nicht, weisen aber auf die Möglichkeit hin.

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Am Prinzip der Befestigung hat Corsair keine Änderungen vorgenommen. Weiterhin wird die Einheit aus Pumpe und Kühler mittels filigranen Halteringen gehalten und anschließend mit der beiliegenden Backplate verschraubt. Der großzügige Freiraum ermöglicht eine Montage ohne sich die Finger zu brechen und schont sehr wirksam die Nerven. Spannung über die Schrauben wird nur sehr langsam aufgebaut und kostet daher wenig Kraft. Insgesamt ist die Vorspannung allerdings nicht auf sehr hohem Niveau, was aber keine Kritik ist. Es funktioniert so und Verspannungen des Mainboards sind nicht feststellbar. Das Bild auf der rechten Seite gibt den Blick auf das gesamte Konstrukt frei. Der Radiator nebst zwei Lüftern ist ein "dickes Ding" und der CPU-Kühler baumelt seelenruhig an den beiden ~24cm langen starren Schläuchen.

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Der Radiator bildet das zweite Herzstück der Kühlung und ist maßgeblich für die Effizienz verantwortlich. Corsair vertraut hier auf ein Modell aus Aluminium, welches Lüfter der Dimension 120mm aufnehmen kann. Die schwarze Beschichtung ist im Falle der vorliegenden OEM-Kühlung sehr gut, das frühe Testsample auf den Bildern kämpft etwas mit der Oberflächenqualität, ist aber trotzdem gut verarbeitet und weist nur geringe Makel auf. Das finale Produkt in den Händlerregalen ist sicher fehlerfrei, wie man das von der H50 kennt. Für die Kühlung verantwortlich zeichnen neun Reihen mit Lamellen, die einen Abstand von ~1,0mm haben. Somit sind diese eher dicht gestellt und erfordern Lüfter mit größerem Durchsatz. Der dichte Abstand gewährleistet allerdings in Verbindung mit der gesteigerten Tiefe auf 48mm (vorher 27mm) eine größtmögliche Kühlfläche auf kleinstem Raum.

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Die beiden geriffelten Schläuche sind wie bereits erwähnt relativ starr ausgeführt und mit den Anschlüssen fest verpresst. Sie können nicht gegen Längere getauscht werden, aber für den Großteil aller Gehäuse sollte die Länge von ~24cm aber bis zum nächsten passenden Montageplatz im Gehäuse ausreichen, zumal die Einbaulage des Radiators variiert werden kann. Bei montiertem 120er-Lüfter ergibt sich für das Paket dann nur eine Gesamthöhe von etwas über 100mm.

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Die beiden beiliegenden Lüfter unterscheiden sich bei der H70 grundlegend, handelt es sich doch dieses Mal um normale 3-Pin-Lüfter und nicht um PWM-Lüfter. Etwas weiter hinten verdeutlichen wir deren Regelbarkeit, der Vorteil der aktuellen Lüfter sei aber hier genannt. Die 3-Pin-Lüfter lassen sich im gesamten Arbeitsbereich wesentlich besser abstufen und haben eine schön flache Steigung. Allerdings sollte beachtet werden, dass die Mainboard-Steuerung maßgeblich für die Qualität der zur Verfügung gestellten Drehzahl verantwortlich zeichnet. Wer eine andere Lüftersteuerung besitzt, eventuell sogar ein Aquaero, der findet sicher ein passendes Setup. Vorsicht ist bei den mitgelieferten Schrauben gefordert. Diese sind nicht metrisch und dürfen daher nicht ausgetauscht werden, da sonst die Gewinde im Radiator nachhaltig zerstört werden können. Die Gewinde sind beidseitig am Radiator ausgeführt.

Auf dem Bild unten links sind die kleinen Helferlein sichtbar, die für die Lüfter beigelegt worden sind. Besonders praktisch ist der Y-Adapter, mit dessen Hilfe beide Lüfter an nur einem Anschluss betrieben werden können. Aber auch die beiden anderen Kabel sind ein sinnvolles Beiwerk. Im Serienzustand drehen die neuen Lüfter wahnsinnige 2.000 1/min und liefern ordentlich Power - allerdings bei einer nicht gerade angenehmen Geräuschkulisse. Mittels der beiden Kabel, es handelt sich hier um Leitungswiderstände mit ~ 30 Ohm, können die Lüfter um 30%, beziehungsweise um ~400 1/min gedrosselt werden.



Technische Daten
Die technischen Daten der Corsair H70 in einer kurzen Auflistung, die teilweise auf Herstellerangaben beruht. Weitere Details können der Wertungstabelle am Ende dieses Tests entnommen werden.

  • auf Lebenszeit vorbefüllte und einsatzbereite Flüssigkeitskühlung
  • Neu entwickelte, sehr flache integrierte Pumpe inkl. Wasservorrat (komplett wartungsfrei)
  • optimierte CPU-Bodenplatte aus Kupfer (Wärmeleitpaste bereits vorbereitet)
  • Lebensdauer der Pumpe = 50.000 Stunden
  • Pumpendrehzahl ~1.415 1/min
  • 120mm-Radiator aus Aluminium (mit 120 x 152 x 48 mm etwa doppelte Dicke der H50)
  • 2x 3-Pin 120mm-Lüfter mit einer Nenndrehzahl von ~2.000 1/min
  • Y-Adapter + 2x Widerstandskabel zur Drosselung der Lüfter auf ~ 1.600 1/min
  • Fest installierte Schläuche mit einer Länge von ~24 cm
  • 2 Jahre Herstellergarantie
Lieferumfang
Nach den kurzen Informationen zu Anfang des Tests, hier noch ein detaillierter Überblick. Öffnet man die Verpackung springt einem zunächst ein knallroter Zettel entgegen, der die direkte Garantieabwicklung mit dem Hersteller aufzeigt, komplizierte Umwege über den Händler bleiben also erspart und die Abwicklung sollte im Schadensfall um einiges schneller vonstatten gehen. Weitere Beigabe ist eine kurze aber gut geschriebene Quick-Start-Anleitung mit informativen Details.

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Einen genauen Blick sind auch die beigelegten Schraubenführungen wert. Diese sehen sich zunächst sehr ähnlich, sind aber bei näherer Betrachtung grundverschieden und nicht miteinander kompatibel. Diese Teile rasten leicht im Montagerahmen ein und können während der Montage nicht herausfallen. Bei der Montage sollte man allerdings nicht nur auf die passenden Einzelteile achten, sondern auch auf deren Einbaurichtung, die gerade beim Intel-Sockel variiert. Der Ausbau des Mainboards ist bei diesem Kühler Pflicht, solltet ihr keinen Ausschnitt im Mainboard-Tray haben. Wer schon einmal einen Luftkühler mit Backplate hatte, kennt diese Prozedur ja bereits. Im Falle der H70 geht der Einbau allerdings sehr einfach von der Hand und unter Einsatz von wenig Spannung. Das Bild auf der rechten Seite zeigt das vollständige Montagezubehör für Intel- und AMD-Systeme.

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Weiterhin versorgt Corsair den Käufer mit einzelnen Anleitungen, die direkt auf den jeweiligen Sockel eingehen. Diese erleichtern die Montage merklich, man sollte diese aber auch aufmerksam lesen, wie sich anhand der kleinen Kunststoffführungen noch zeigen wird. Beachtet man die Bauteile und auch die Montagereihenfolge, so sollte man aber auf der ganzen Linie erfolgreich sein. Die folgenden Bilder zeigen noch einmal die jeweiligen Anleitungen und das benötigte Zubehör. Einige Teile sind universell, weshalb sie hier auf beiden Bilder auftauchen, jedoch nur einfach im Lieferumfang enthalten sind.

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Vergleich: H50 vs. H70
Abschließend soll ein kurzer optischer Vergleich die Unterschiede zwischen den beiden Corsair-Kühlungen verdeutlichen. Auf dem linken Bild sind jeweils die CPU-Kühler mit integrierter Pumpe zu sehen. Während die Einheit der H50 noch ~6cm in der Höhe betrug, so sind es bei der H70 jetzt nur noch ~2cm. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich in diesem Fall nicht mehr um eine kleine Kreiselpumpe handelt, sondern eventuell um eine elektromagnetische Pumpe. Eine Anfrage geht noch an Corsair raus, die Antwort wird dann zeitnah hier editiert. Das rechte Bild spricht ebenfalls deutliche Bände. Die H50 wirkt im Gegensatz zum großen Bruder geradezu mickrig und ist in etwa nur halb so dick. Eine massive Leistungssteigerung sollte daher nicht aus bleiben. Das letzte Bild widmet sich noch einmal dem Aufbau der H70. Montiert auf einem Rampage II Gene kommt das dezente Schwarz sehr gut zur Geltung und harmoniert perfekt mit den anderen Komponenten.

Zu guter Letzt zeigt ein Video noch einmal die einfache Montage und damit auch die Punkte, auf die dieser Test nicht näher eingegangen ist. Auch hier handelt es sich wieder um ein informatives Video der H50, welches wir erneut anführen. Für Fremdsprachenmuffel ist das Video mit Untertiteln unterlegt. Sollten dennoch Fragen offen bleiben, so können diese gerne in diesem Thread gestellt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=xDP62YzJ7Vk​


Die Testmethodik

Testsystem
Das Testsystem besteht für alle Kompaktkühlungen und auch den Luftkühler (Vergleichskühler Noctua NH-D14) aus den gleichen Komponenten.

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Vergleichskandidat
Eine Umfrage hat ergeben, dass sich die meisten hier einen Vergleich mit einem hochwertigen Luftkühler wünschen, um abwägen zu können, ob sich ein Umstieg auf eine der Kompaktkühlungen lohnt. Wir haben daher entschieden, dass sich alle Komplettlösungen gegen den derzeitigen Primus Noctua NH-D14 mit einer Bestückung aus zwei Lüftern (120mm & 140mm) behaupten müssen. Einer der Gründe war, dass dieser Kühler mit vielen Probanden preislich (um 70 Euro) auf einer Ebene liegt.
Temperaturbestimmung
Bei der Bestimmung der Leistungsfähigkeit einzelner Kühllösungen in diesem Test ist der DeltaT-Wert zwischen CPU- und Raumtemperatur entscheidend. Er gibt an, wie gut der jeweilige Testkandidat das Fluid mit der Raumluft zu kühlen vermag. Je kleiner diese Differenz also ausfällt, desto effizienter arbeitet das System. Die Lufttemperatur bestimmen wir mit einem K102 Digitalthermometer von Voltcraft, die CPU-Temperatur wird mit Core Temp 0.99.5 ermittelt. Die Fluidtemperatur als Zwischentemperatur ist in diesem Test leider nicht auslesbar.

Die CPU wird solange mit Coredamage belastet, bis sich der Kühlkreislauf im Gleichgewicht befindet und ein stationärer Zustand erreicht wird - sich also bei allen Temperaturen über längere Zeit (~15 Minuten) keine Änderung mehr einstellt. Nun ermitteln wir per K102 Digitalthermometer von Voltcraft die Raumtemperatur und lesen über Core Temp die CPU-Temperatur aus. Dieser Test wird je nach Konstanz der Messwerte mindestens zweimal durchgeführt.

Als Lastpunkte werden je nach Möglichkeit über die Steuerung oder ein Aquaero die Werte 40 - 100 Prozent in 10er-Schritten abgefahren. Der Grund für den Verzicht einer reinen Angabe der Lüfterdrehzahl ist in der Funktionalität der einzelnen Systeme begründet.

Messergebnisse und Tuningmöglichkeit
Wie bereits bei der ECO A.L.C. und auch der H50, widmen wir den ersten Blick der Leistungsbeurteilung im Normalbetrieb unseres Systems und testen mit kleinen Videos, etwas Bild- und Textbearbeitung und natürlich gemütlichem Internetsurfen wie sich die Kühlung verhält und was diese leistet. Bei diesen Alltagstests bleibt die Corsair H70 immer auf einer sehr kleinen Leistungsstufe und damit sehr leise. Lediglich die Pumpe tickert auf 100% Leistung sehr leise, was aber aus einem Gehäuse heraus nicht wahrnehmbar wäre.

Das Hysterese-Verhalten , bei dem ein gleicher Lastpunkt einmal von unten und einmal von oben angefahren wird und bei dem die Differenz ein Maß für die Eigeneffizienz der Materialien ist Restwärme abzuführen, testen wir gleich zu Beginn. Um möglichst reale Ergebnisse zu präsentieren, messen wir nicht nur das einfache Arbeitsverhalten der Kühlung im Windowsbetrieb, sondern ermitteln die Werte einmal 30 Minuten nach dem Einschaltvorgang (Kaltstart) und zusätzlich noch von einer Belastung aus kommend, hier ebenfalls nach 30 Minuten. Dieses Szenario entspricht auch dem, was die Kühlung im Alltag leisten muss, wenn man zwischendurch eine Runde seines geliebten Shooters zockt und anschließend wieder auf der Windowsoberfläche verharrt.
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Die gemittelte CPU-Temperatur beträgt bei beiden Tests 33,3 / 37,5 °C, was in einem Delta-T zur Raumluft von 11,0 / 14,7 °C resultiert. Mit gerade einmal 3,7 °C ist die Kühlung durch die beiden Lüfter relativ gleichbleibend, ein gewisses Maß an Restwärme baut die Kühlung auf niedriger Stufe aber nicht ab. Für einen Prozessor dieser Leistungsklasse kein schlechtes Ergebnis und resultiert maßgeblich aus dem deutlich dickeren Radiator.

Was folgt ist die Betrachtung der Leistung unter Last. Hier möchten wir nicht nur die Leistung mit dem Serienlüfter betrachten, sondern gleichermaßen das Tuningpotenzial mit einem geänderten Lüfter gleicher Drehzahlklasse vergleichen. Da der eingesetzte Scythe Slipstream mit 1.600 1/min bei allen Kühlungen zum Einsatz kommt, soll er das auch hier. Für eine Gleichheit der Drehzahl setzen wir die Widerstände zwischen die Lüfter der H70 und drosseln diese auf ~1.600 1/min. Wir greifen den Ergebnissen etwas vor und zeigen mit dem folgenden Diagramm die Rahmenbedingungen auf, die für die erforderliche Kühlung der CPU notwendig sind. Die Obergrenze bildet natürlich die Höchstdrehzahl des jeweiligen Lüfters, da wir mit dem stark übertakteten Prozessor am absoluten Leistungslimit kratzen. Als absolute Untergrenze hat sich eine Drehzahl von 600 1/min ergeben, bevor es in den kritischen Bereich bei 100 °C geht.
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Trotz gleicher Nenndrehzahl liegen die Slipstream etwas oberhalb - Toleranzen in der Serie bedingen dies. Schön zu sehen ist, dass die Lüfter der H70 über die gesamte Bandbreite sinnvoll nutzbar sind und direkt oberhalb der erforderlichen Mindestdrehzahl von ~600 1/min ihren Startpunkt haben.

Was jetzt folgt ist die schiere Masse an Daten. Es wurden verschiedene Szenarien mit einem oder mit beiden Lüftern, auf 1.600 und 2.000 1/min durchgespielt, was in vielen Diagrammen endete. Um die Übersicht im Test zu behalten, sind alle Leistungsdiagramme in Spoilern verpackt, jeder kann sich also nach Belieben das raus suchen, was ihn interessiert. Kurze Erklärungen stehen immer am Anfang des Spoilers, sollten Fragen entstehen - nur her damit. Zunächst aber der Überblick über alle getesteten Kühlungen in einem Chart, der deutliche Abstufungen zeigt.
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H70 @ 2 Serienlüfter @ 1.600 1/min
Die folgenden beiden Diagramme geben die Leistung der H70 gegenüber dem Referenzluftkühler an und beinhalten ebenfalls die Scythe Slipstreams. Die Nenndrehzahl von 2.000 1/min wurde mittels der beiliegenden Widerstände gedrosselt. Deutlich zu sehen ist, dass sich die H70 selbst auf gedrosselten 1.600 1/min schon vor dem Referenzluftkühler platziert. Mit den Slipstreams wird der Vorsprung noch größer, die Anzahl der Lüfterblätter bringt hier eine deutliche Steigerung im Durchsatz. Ebenso ersichtlich ist die Bandbreite, denn die H70 funktioniert auch noch auf 30% Lüfterleistung.

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H70 @ 2 Serienlüfter @ 2.000 1/min
Die folgenden beiden Diagramme geben die volle Leistung der H70 gegenüber dem Referenzluftkühler an und berücksichtigen nicht die Slipstreams, da diese nicht die Nenndrehzahl von 2.000 1/min erreichen. Es sind beide Lüfter verbaut, Widerstände sind nicht vorhanden. Der Vorsprung der H70 ist gut zu erkennen, die Geräuschkulisse bei beiden Kühlern zwar unter Last eh nicht niedrig, ist aber nah an der Grenze des guten Geschmacks. Zum Benchen und für Leistungshungrige sicher nicht das Problem. Im Alltag kann die H70 ja auch anders.

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H70 @ 1 Serienlüfter @ 1.600 1/min
Die folgenden beiden Diagramme geben die Leistung der H70 mit einem verbauten Lüfter gegenüber dem Referenzluftkühler an und beinhalten ebenfalls den Scythe Slipstream. Die Nenndrehzahl von 2.000 1/min wurde mittels einem beiliegenden Widerstand gedrosselt. Hier tummelt sich die H70 mit dem jeweiligen Lüfter rund um den Noctua NH-D14. Die Leistung aller Probanden ist eigentlich gut in diesem Aufbau, unterhalb von 50% Lüfterleistung sind die Temperaturen aber grenzwertig. Bei Drehzahlen um 1.000 1/min ist aber schon eine vollwertige Wasserkühlung mit großer Kühloberfläche von Nöten.

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H70 @ 1 Serienlüfter @ 2.000 1/min
Die folgenden beiden Diagramme geben die Leistung der H70 mit einem verbauten Serienlüfter gegenüber dem Referenzluftkühler an. Lag die H70 bei 1.600 1/min noch oberhalb des Noctua, so schafft sie es in dieser Einstellung, den Luftkühler zu schlagen und einen minimalen Vorsprung zu erringen.

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H70 @ 2 Serienlüfter @ 1.600 1/min vs. H50
Die folgenden beiden Diagramme geben die Leistung der H70 mit zwei verbauten Serienlüftern gegenüber der H50 an. Der Unterschied in der Leistung ist sehr deutlich erkennbar, zumindest was sinkende Lüfterleistung angeht. Nach oben limitiert ganz klar die Oberfläche des Radiators.

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H70 @ 1 Serienlüfter @ 1.600 1/min vs. H50
Die folgenden beiden Diagramme geben die Leistung der H70 mit einem verbauten Serienlüfter gegenüber der H50 an. Der Unterschied in der Leistung ist sehr deutlich erkennbar, zumindest was sinkende Lüfterleistung angeht. Nach oben limitiert ganz klar die Oberfläche des Radiators.

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Fazit
Mit einem kurzen und knappen "Respekt" möchte ich dieses kleine Fazit einläuten. Corsair hat bei der Weiterentwicklung seiner kompakten Flüssigkeitskühlungen nahezu alles richtig gemacht, denn die Hydro 70 kann zweierlei. Auf der einen Seite bietet sie gemessen an der geringen Bauform und dem Single-Radiator, der in dieser Klasse üblich ist, eine beachtliche Leistung und schlägt sogar unseren Referenzkühler mit einem gesunden Vorsprung, auf der anderen Seite kann sie aber auch leise und bietet Reserven in einem Silent-System.

Wie üblich möchte ich betonen, dass das hier getestete Setup wirklich das Worst-Case-Szenario jedes Kühlers ist und nicht den Alltag widerspiegelt. Daher fließen im Fazit neben den reinen Leistungsdaten auch viele Eindrücke aus dem normalen Gebrauch ein, die so vorher noch nicht erwähnt und auch nicht in Diagrammen festgehalten werden konnten. Die schiere Leistung kann daher jeder selbst aus den Diagrammen lesen, dass Kühler in dieser Disziplin nicht leise zu Werke gehen, sollte daher jedem einleuchten. Ein kurzer Satz zum möglichen Einsatz in Silent-Systemen. Die H70 steigert die schon bekannte Leistung der H50 oder auch der ECO A.L.C. weiter und liegt dank des dicken Radiators in Führung. Für den Alltag reichen nach meinem Gefühl Lüfter mit 800 - 1.000 1/min und wer so wie ich in meinen Fallbeispielen in etwa auf gemittelte 30% CPU-Last kommt, der kann diese noch auf unhörbare 600 - 700 1/min drosseln - Kenntnisse über das eigene System vorausgesetzt.

Es gibt aber auch ein paar Punkte, bei denen ich Kritik üben möchte. Ohne Zweifel stellt die Einheit aus CPU-Kühler und Pumpe ein kleines Wunderwerk dar, aber der vom Hersteller propagierte eingesparte Platz geht spätestens bei der Montage des dicken Radiators und vielleicht zwei Lüftern wieder flöten. Corsairs Intention möglichst große Kompatibilität zu allen Gehäusen zu bieten ist natürlich vorrangig, da aber viele Gehäuse mittlerweile auch über einen Platz für einen 240er Radiator verfügen, wäre ein solcher bestimmt eine sehr gute Weiterentwicklung. Ein weiterer Punkt ist die hier vorliegende Oberflächenqualität des Radiators. Die matte Oberfläche ist recht anfällig, vermutlich wird sich das bis zur Markteinführung aber noch ändern, denn das OEM-Produkt von Asetek kommt in einem sehr feinen seidenmatten Finish daher. Hoffen wir also das Beste.

In Sachen Geräuschkulisse möchte ich kaum mehr Worte verlieren, denn wie gesagt kann die H70 beides. Sehr gute Leistung bei einer Geräuschkulisse einer GTX 480, auf der anderen Seite die ausreichenden Reserven für leise Systeme. Die Möglichkeiten des Einsatzes sind so vielfältig, dass das hier den Rahmen sprengen würde.

Wen also der doch recht hohe Anschaffungspreis zwischen 90 und 100 Euro nicht stört, der bekommt eine tolle, kompakte und technisch sehr interessante Kühlung geboten. Eine klare Empfehlung bekommt die H70, denn das gebotene Gesamtpaket ist wirklich klasse und rechtfertigt die Positionierung im oberen Preissegment. Bleibt abzuwarten, ob dies auch die potenziellen Käufer so sehen.
Testtabelle und Wertung
Die Bewertung des Produktes wird durch ein komplexes Punktesystem ermittelt, welches hier nur ansatzweise zu sehen ist. Ein Großteil der einzelnen Kriterien bleibt im Verborgenen und wird hier vereinfacht durch ein System aus maximal 5 Sternen abgebildet. Aus den hier sichtbaren Sternen kann die abschließende Wertungsnote nicht direkt abgeleitet werden.
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Ein herzlicher Dank geht direkt an Corsair für die Unterstützung und kurzfristige Bereitstellung des Testsamples




 
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