PCGH: DDR3-Speicher hat seit der Veröffentlichung zahlreiche Taktsteigerungen erlebt: Mittlerweile werden die ersten Module angeboten, deren Spezifikation DDR3-2000 übersteigt. Werden wir in den nächsten Monaten weitere Taktsteigerungen erleben?
Corsair: Corsairs Lab-Team verbringt neben dem Testen und Tuning von SSDs, UFDs und Netzteilen unheimlich viel Zeit mit der Konfiguration und dem Test von Arbeitsspeicher. High-End-Screening-Maschinen – hier werden Chips nach Geschwindigkeiten und Latenzen selektiert – sind immer erst der Anfang, dann schauen wir, wie weit wir die Module treiben können.
Spezielle Kühllösungen, wie unsere DHX-/Dominator-Platinen gingen beispielsweise aus solchen Tests hervor. DDR3-2000 schaffen wir mittlerweile locker und bieten hier ein Modul über den regulären Handel an. Handselektierte Module schaffen bereits DDR3-2400! Solche High-End-Module lassen sich leider nur in begrenzten Stückzahlen herstellen, weswegen wir solche nur über unseren eigenen Online-Shop vertreiben. Wir haben noch schnellere Module, die wir z.B. in unserem Blog gepostet haben. Aktueller Rekord ist DDR3-2906, aufgestellt mit einem unserer GTX1-Module
http://blog.corsair.com/?p=2330 .Wir sind sicher, dass wir bald noch schneller werden können, Speed ist unser Hobby…
PCGH: Corsair bietet unter anderem DDR3-1600-Module mit den niedrigen Latenzen 6-6-6-20 an. Können wir in absehbarer Zeit mit besseren Timings rechnen oder gibt es hier physikalische Grenzen?
Corsair: Ich bin mir relativ sicher, dass wir die physikalischen Grenzen mit CAS 6 und Frequenzen von DDR3-1600 und mehr bereits erreicht haben. Ich denke, dass es sehr schwierig, im Endeffekt sogar unmöglich sein sollte, ein High-Speed-DDR3-Modul mit einer CAS-Latenz von nur 5 Zyklen oder weniger zu fertigen.
PCGH: Manche DDR3-Module laufen mit 1,3 Volt anstelle der üblichen 1,5 Volt. Seht ihr hier einen wichtigen Trend für Desktop-Speicher, bei dem sogar noch niedrigere Spannungen möglich sind?
Corsair: Speicher mit niedrigen Spannungen ist vor allem ein Trend für Server… Aufgrund der großen Anzahl von Modulen pro Server und der enormen Anzahl von Servern, beispielsweise in Serverfarmen von Banken, Versicherungen, Betreibern von Suchmaschinen oder Webseiten-Diensten, stellt hier der Stromvberbrauch der Speichermodule einen signifikanten Anteil der Kosten dar. Doch in jedem halbwegs leistungsorientierten Desktop-PC verbrauchen die CPUs und Grafik-Prozessoren ein Vielfaches mehr an Energie, als das RAM. Mit anderen Worten: Eine Einsparung von 10 bis 20 Prozent beim Stromverbrauch der Arbeitsspeicher würde kaum einen signifikanten Effekt haben.
PCGH: Wann können wir voraussichtlich – unabhängig von der Plattform – mit den ersten DDR4-Modulen für Desktop-PCs rechnen?
DDR4 für Desktops ist noch sehr, sehr weit entfernt. Mit der aktuellen Architektur bietet DDR3 eine ausreichen große Bandbreite, um die CPUs kontinuierlich mit Daten zu versorgen. DDR4 wird dann an den Start gehen, wenn an irgendeinem Punkt ganz dringend eine dermaßen größere Bandbreite benötigt werden sollte, welche die enorm hohen Kosten für die Entwicklung und Produktion vor allem bei den Herstellern der Speicherchips, rechtfertigen. Ich denke, dass wir DDR4 kaum vor 2013 im Desktop sehen werden.
PCGH: Ab wann wird nichtflüchtiger Hauptspeicher voraussichtlich ein Thema sein?
Wir gehen davon aus, dass DRAM-basierter Arbeitsspeicher im PC-Segment noch für mehrere weitere System-Architekturen der Standard bleiben wird. Die aktuelle Charakteristik von Flash-Speichern ist schlicht und einfach nicht für Arbeitsspeicher-Einsatz geeignet. Arbeitspeicher schreibt ständig sehr große Daten-Blöcke, doch ist die Anzahl solcher Schreibvorgänge bei Flash pro Zelle – im Gegensatz zu DRAM, wo beliebig oft geschrieben werden kann – relativ limitiert. So langsam erscheinen die ersten Lösungen für Flash am Horizont, um diese Limitierungen zu beheben, doch sind diese noch „meilenweit“ davon entfernt, überhaupt gefertigt werden zu können – und das zum günstigen Preis. Mit anderen Worten: Wir werden uns mit Sicherheit noch locker die nächsten zehn oder zwölf Jahre mit DRAM als Arbeitsspeicher auseinander zu setzen haben...