Am Ende wird einiges davon abhängen, was passiert mit Intel 18A und 14A, wenn 18A wirklich funktioniert und sogar TSMCs N2 überlegen sein sollte, dann geht es schnell wieder bergauf; wenn aber auch nur kleine Teile der Gerüchte wahr sind, dass 18A auch nicht so funktioniert wie erhofft, dann wird man bei Intels Fabs erstmal den Stecker ziehen und die Fertigung "konsolidieren" um die vorhandenen Fabs weitestgehend zu retten und mit kleineren Chips zu bestücken.
Die Probleme, mit denen Intel sich auseinandersetzen muss, sind viel komplexer als nur die Qualität und Tauglichkeit des Fertigungsprozesses. 18A allein wird das Ruder nicht von einem Moment zum nächsten herumreißen.
Auf wirtschaftlicher Ebene stellt sich durchaus berechtigt die Frage, ob Intel in seiner derzeitigen Form die Finanzkraft hat, bis zur Volumenproduktion von 18A als vollintegrierter Konzern zu überleben. Die derzeigen Gerüchte über eine Trennung von Fertigungssparte und Produktsparte mögen sich vielleicht in ihrer Absurdität von Tag zu Tag überbieten, aber wie man so schön sagt: Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Ein Körnchen Wahrheit wird schon zu Grunde liegen.
Auf Produktdesign-Ebene hat Intel sich über Jahre verrannt und vor allem die Chiplet-Revolution verschlafen. Was theoretisch sinnvoll gewesen wäre, nämlich ein kompletter Restart und Paradigmenwechsel der Architektur (Sichwort Royal Core Project) wurde gerüchteweise auch gecanceled. Dabei sollte gerade diese Lehre aus der Vergangenheit für Intel offensichtlich sein, denn AMD konnte jedes Mal zu Intel aufschließen, wenn Big Blue sich architektonisch verrannt hatte, und Intel konnte jedes Mal mit einem völligen Neuansatz zurückkehren. Den sehe ich im Moment aber nicht - nicht mal in Gerüchten. Im Gegenzug hat die Konkurrenz sogar die Nase vorn, wenn sie einen Node zurückliegt. Sollten die Gerüchte zutreffen, dass AMD für Zen6 wirklich mit N2X plant, um all-in auf Leistung statt auf Kosten zu optimieren, sehe ich sogar für Nova Lake schwarz. Das wäre zwar sehr ungewöhnlich für AMD und ich glaube es erst, wenn ich es sehe, aber möglich wäre es...
Auf Handelsebene hat Intel in den letzten Jahren wahrscheinlich die größten Hürden aufgeschaufelt. Konnten sie sich bisher meist darauf verlassen, dass die über Jahrzehnte etablierten OEM- und Handelspartnerschaften Intels Dominanz absicherten, selbst wenn die eigenen Produkte mal unterdurchschnittlich waren oder die Konkurrenz sogar besser, haben spätestens die Verzögerungen bei Meteor Lake und die katastrophalen Probleme von Raptor Lake viel Goodwill bei den OEMs verbrannt. Konnte Intel die teilweise technische Überlegenheit von AMDs APUs der Zen3 Ära noch dadurch aus dem Notebook-Massenmarkt heraushalten, indem sie die Handelskanäle genau zu dem Zeitpunkt mit inhouse produzierter Ware fluteten als die Nachfrage ohnehin explodierte, sieht man jetzt eine bisher geradezu unvorstellbare Entwicklung: AMD basierte Notebook-Designs sind allerorten verfügbar, von nahezu allen OEMs. Die Geräte werden gut ausgestattet, in allen Preiskategorien angeboten, es existieren Business-Ableger, es werden High-End Gaming- und Workstationlösungen bis hin zur RTX 5090 angeboten und sogar Intels Intimissimus Dell stellt sich mit AMD auf eine Bühne. Von der Zukunft der AMD xxx-Halo Lösungen ganz zu schweigen. Hier hat Intel offensichtlich die Loyalität der OEMs verspielt, die Absetzbewegungen sind offensichtlich und es zeigt sich klar, dass niemand sich mehr von Big Blue abhängig machen möchte. Für ein Unternehmen, das strukturell voll und ganz auf Marktdominanz ausgerichtet ist, sind diese Entwicklungen brandgefährlich.
Letzter Punkt: Marktbreite und Zukunft. Intel hat in den letzten 10-15 Jahren so ziemlich jeden Markttrend verschlafen. Smartphone und Ultramobile? Findet ohne Intel statt. Apple als Großkunde ist absehbar weg. Selbst AMD arbeitet an Arm-Architekturen, um marktbreit agieren zu können.
GPUs und KI? Reden wir besser nicht drüber. Intel spielt hier keine wirtschaftlich relevante Rolle. Die Brotkrumen, die Nvidia übrig lässt, sammeln andere auf. Wer soll hier auch auf Intel vertrauen, wenn die angekündigten Produkte entweder als Katastrophe enden (Ponte Veccio und Konsorten) oder gleich ganz gecancelt werden? So plant man einfach keine Multi-Milliarden-Investitionen.
Fertigung und Foundry-Services? EUV verschlafen, Punkt. Jahrelang nicht konkurrenzfähige Nodes, die sich gar nicht als Foundry-Node eignen, weil die PDKs ganz auf Intels inhouse-Bedürfnisse ausgelegt sind. Im Konkurrenzvergleich
muss 18A nicht nur punkten, sondern brillieren, sonst gehen bei Intels Fertigungssparte schlicht die Lichter aus. TSMC N2 sieht z.Zt. konkurrenzfähig genug aus, um in jedem Produktsegment, welches nach bleeding edge Fertigungstechnik schreit, wenigstens mithalten zu können. Und im Unterschied zu Intel (und Samsung) hat TSMC zwei gar nicht zu überschätzende Vorteile: Erstens sind deren PDKs seit Jahrzehnten in partnerschaftlichen Beziehungen zu den Kunden entwickelt und ganz auf deren Bedürfnisse ausgelegt, und zweitens entwickelt TSMC seine Prozesse eben konservativ-behutsam weiter - aber sie funktionieren eben auch verlässlich und zum angekündigten Zeitpunkt. Planungssicherheit ist für Milliardeninvestitionen einfach wichtiger als die letzten 5% Leistung. Das Risiko, einen neuen Transistortyp (GAA) und ein neues PD-Layout (BSPD) gleichzeitig einzuführen, wie es 18A tut, geht TSMC eben nicht ein - muss das aber auch nicht. Zuverlässigkeit und Yield > all. Intel steht da vor genau dem Gegenteil an Problemen, die alle tödlich enden können: Ist die Ausbeute nicht wirtschaftlich konkurrenzfähig? Finito. Ist das PDK oder die Leistung nicht konkurrenzfähig? Finito. Kommt der Prozess wieder später als angekündigt? Finito. Kundenvertrauen weg. Niemand plant eine Chipentwicklung und Produktion, in die hunderte Millionen fließen mit einem Partner, auf den er sich nicht zu 100% verlassen kann. Siehe Samsung. Deren Prozesse mögen ja leistungsfähig sein, bestehen sonst aber wohl nur aus tollen Ankündigungen und yielden so katastrophal, dass kein einziger namhafter Kunde sie für eine Massenproduktion nutzt. Dieses Beispiel sollte Intel Warnung genug sein.