Meine Tochter kennt nur Spotify, und ich ziehe sie immer damit auf
Spotify und Co. sind tolle Alternativen, Internet vorausgesetzt.
Bei Apple Music oder TIDAL gehe ich noch mit, aber Spotify ist nun wirklich der Bodensatz, sowohl hinsichtlich der Klangqualität als auch bei der Entlohnung der Künstler.
Selbst CDs sind oft schon bei z.B. 16.000Herz gekappt was wirklich ärgerlich ist.
Du kannst ja mal den Selbsttest machen, ob du bei 16 kHz überhaupt noch etwas hörst und wie weit du dafür die Anlage aufdrehen musst.
Das bringt mich auch zu der Aussage, die mich in diesem Guide (für den Test fehlt der Test-Part) mit Abstand am meisten gestört hat:
Doch selbst wenn Sie hohe Frequenzen von 18.000 bis 25.000 oder 45.000 Hz beim High-End-Tonabnehmer nicht mehr hören, haben diese trotzdem einen großen Einfluss auf den Klang.
Was für ein Einfluss soll das sein, und für wen? In Frequenzbereichen, die kein Mensch hören kann? Der Einfluss macht sich am ehesten dadurch bemerkbar, dass der Hund bei der Oboe in echt oder auf der Schallplatte (mit entsprechendem Tonabnehmer, der so hoch kommt) mitheult, bei der gleichen Aufnahme auf der CD aber nicht. Wie sollen Frequenzen, die wir selbst mit massiver Verstärkung nicht wahrnehmen können, für uns den Klang beeinflussen? Und sind die dann auf der Aufnahme auch laut genug, um nicht vom Rest überdeckt zu werden?
Um noch einen drauf zu setzen: Jede Schallplatte, die nach den 90ern gepresst wurde, enthält eine Aufnahme, die an irgendeinem Punkt in der Produktionskette eine Analog-Digital-Wandlung und später wieder die Umkehrung durchlaufen hat. Alles, was vorher an Schwingungen jenseits der menschlichen Hörgrenze im Klang enthalten war, ist an der Stelle bereits dem Tiefpassfilter zum Opfer gefallen, nicht zuletzt, um die Einhaltung des
Nyquist-Shannon-Abtasttheorems (das korrekterweise „Kotelnikow-Theorem“ heißen müsste, hätte der arme Mann nicht den Fehler gemacht, auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs zur Welt gekommen zu sein) zu gewährleisten. Ja ich weiß, viele Interfaces und Soundkarten können mit 192 kHz oder noch mehr sampeln – Standard in der Produktion sind trotzdem 48 kHz, vereinzelt auch 96 kHz. Höhere Abtastraten erlauben die Nutzung von Tiefpassfiltern mit flacheren Filterkurven, die bei der Digital-Analog-Wandlung weniger aggressiv ins Signal eingreifen; gebraucht werden sie aber vor allem für Oversampling, um z. B. die True Peaks (d. h. die wahren Signalspitzen) im rekonstruierten analogen Signal zu ermitteln. Die höherfrequenten Signalanteile, die sich mit solchen Samplingraten erzielen lassen, werden am Ende trotzdem weggefiltert und haben es in den meisten Fällen schon nicht in die DAW geschafft. Und selbst bei den Platten, die noch komplett analog entstanden sind, ist am Ende das menschliche Gehör der limitierende Faktor; zumal auch bei den Vinylplatten selber 20–25 kHz der Idealfall sind – bei der Mehrheit dessen, was man so findet, ist schon deutlich früher Feierabend. Da hilft auch ein bei Vollmond handgefertigter, vom Kaiser höchstpersönlich geweihter japanischer Tonabnehmer für 15.000 Euro nichts. Aber da Audioenthusiasten dazu tendieren, das Gras wachsen zu hören und insbesondere Vinyl-Fans sich oft darüber definieren, wie viel Geld sie für ihre Anlage ausgegeben haben, finden sich natürlich auch Hersteller, die diesen Markt nur allzu freudig bedienen.
Ich mag es gerne wenn ich die Natürlichkeit einer Aufnahme höre, das streichen der z.B. Finger über die Saiten des Instrumentes, das Einatmen des Künstler oder ein Räuspern vom Orchester oder des Publikums. Das zittern der Stimme vom Künstler wenn es anstrengend oder Schwierig wird. Fehltöne...
Das hat aber null mit dem Abspielmedium und schon gar nichts mit den Grenzfrequenzen der Abspielsysteme zu tun, sondern hängt schlichtweg davon ab, wie viel in der Postproduktion an der Aufnahme gemacht wurde und welche Philosophien der verantwortliche Mischtonmeister so vertrat. Und da hatte die CD leider das Pech, dass ihre Hochzeit mitten in eine Phase gefallen ist, in welcher das oberste Mantra „Laut verkauft sich besser“ hieß.
Der Ingenieur in mir fragt sich ja, ob man nicht tatsächlich mit einem richtig guten ADC direkt hinter dem (gerne auch MC) Tonabnehmer den besseren Klang bekommen würde als mit der analogen Verstärkerstrecke danach.
Kommt darauf an, was du meinst. Für den ADC, der standardmäßig Line-Pegel erwartet, sind die Spannungen, die der Tonabnehmer ausgibt, schlichtweg zu niedrig, wir bewegen hier uns ungefähr im gleichen Bereich wie bei Mikrofonsignalen, da geht nichts ohne Vorverstärkung. Der muss ja immerhin den Bereich zwischen -Umax und Umax (die Maximalspannungen, auf die er kalibriert ist) in 2²⁴ Stufen quantisieren. Ich bezweifle, dass man einen ADC so empfindlich konstruieren könnte, dass er das zwischen -1 mV und 1 mV sauber hinbekäme, ohne dass einem da vorher die Physik einen Strich durch die Rechnung macht, so wie man ja auch analoges Bauteilrauschen nicht wirklich unter -130 dBu (entspricht ca. 0,245 µV) gedrückt bekommt. Es wird schon seine Gründe haben, warum man nach wie vor solche Signale zunächst vorverstärkt, obwohl die Vorverstärker den größten Einfluss darauf haben, wie viel Bauteilrauschen vor der Digitalisierung reinkommt (und daher auch eine der Haupteinflussgrößen beim Preis eines Interfaces oder Mischpults sind). Bei den Schallplatten kommt dann zusätzlich noch die RIAA-Entzerrung hinzu. Die lässt sich zwar sowohl analog als auch digital vornehmen, aber wenn man eh schon nicht um den Vorverstärker herum kommt, gibt es keinen Grund, diesen dann nicht gleich auch die Entzerrung vornehmen zu lassen. Und da man all das aus Gewichtsgründen kaum in den Tonabnehmer integrieren kann, gibt es da nichts an analoger Signalstrecke einzusparen.
Wenn du die gesamte Signalstrecke bis zu den Lautsprechern meinst, dann ist da jede halbwegs vernünftige digitale Übertragung dem analogen Signalweg rein technisch betrachtet überlegen, da sie unterwegs weder Störeinflüsse (die wenigsten Anwender hantieren daheim mit symmetrischen Kabeln – welcher Plattenspieler oder Phono-Vorverstärker hat XLR?), noch Verzerrungen durch analoge Bauteile mitnimmt – je früher die Digitalisierung erfolgt (und je später die Rückwandlung in analog), desto besser ist es prinzipiell. Da ist auch der Signalweg zwischendrin egal, du brauchst nur am Anfang und Ende gute Wandler. Nun aber der Haken: Jene Verzerrungen durch analoge Komponenten werden, da es harmonische Verzerrungen sind (vor allem wenn die Geräte im Sättigungsbereich arbeiten), von den Hörern gemeinhin als angenehm empfunden und sind daher durchaus gewollt. „Besserer Klang“ ist hier halt ein extrem subjektiver Begriff.