Überspannungsschutz: Brennenstuhl 15.000a sinnvoll?

gewicht

Kabelverknoter(in)
Liebe Community,

mir wurden 2x Brennenstuhl Steckdosenleisten mit 13.500a Überspannungsschutz für meinen Zockerraum geschenkt.

Ich wollte an einer Steckdosenleiste einen TV + eine Soundbar + LED-Stripes und eventuell Lademöglichkeiten für Controller und Co anschließen.

Die andere Steckdosenleiste kommt der PC, 2 Monitore, ein Drucker, eine Mini-Soundbar und eine LED-Stripe.

Meine Frage:
Hat der Überspannungsschutz überhaupt irgendeinen Sinn? Ich denke für Blitzschläge und Co eher weniger, eventuell aber für Überspannungen innerhalb des Stromnetzes? Wohne im eher veralteten Haus. Soweit ich weiß, besitzt mein Corsair einen eigenen Schutz.

Eigentlicher Schenkgrund:
Mir ist mal eine billige Steckdosenleiste von ALDI über Nacht kaputt gegangen. Nichts gefährlich, allerdings flogen die Sicherungen raus und die vorderen Steckplätze waren defekt. Der Ein / Ausschalter ging auch nicht mehr. Sowas wollte ich eigentlich vermeiden bzw. habe Angst, dass sowas gefährlich werden kann.

Eventuell habt ihr Erfahrungen oder Fachwissen dazu ?
 
Hat der Überspannungsschutz überhaupt irgendeinen Sinn?
Kommt drauf an :-D

Erstmal vorweg: 13500 Ampere sind keine Spannung sondern eine Stromstärke. Die 13500A sind die maximale Höhe des Ableitstromes im Falle einer Auslösung des Überspannungsschutzes. Wann und wie dieser auslöst haste nicht verraten - wahrscheinlich weil der hersteller dazu kaum/keine Angaben macht (das machen die sehr ungern...).

Ohne die genaue Funktionsweise und Kenndaten zu wissen kann man auch keine Aussage darüber machen wie weit es mit der Schutzfunktion her ist bzw. gegen was es hilft und wo nicht. Generell sind solche Leisten aber keine Hilfe gegen "alltägliche" Gefahren. Denn gegen kleine Spannungsschwankungen im Netz machen die Teile gar nichts weil da nichts auslöst (da braucht man sie aber auch nicht weil jedes bessere PC-Netzteil mit 230V +/- 10% klarkommt und mehr sollte das Netz niemals schwanken) und wenn dir ein Blitz reinhämmert lacht der sich über die 13 kA kaputt (dafür bräuchte man mindstens 50.000 A, besser 100.000 A). Einziger Fall wos helfen kann ist Blitz schlägt beim Nachbarn ein und bei dir kommt noch eine Menge an die erstens reicht zum auslösen aber zweitens keine 13 kA überschreitet und die Leiste durchhämmert. Und selbst dann weißt du nicht ob die Leiste was gerettet hat denn die Auslösezeiten sind natürlich nicht angegeben - wenn die leiste erst nach 300 Millisekunden auslöst als Beispiel ist alles an Elektronik im Falle eines Einschlages schon lange kaputt bevor die Leiste reagiert.


Lange Rede kurzer Sinn: Solche "günstigen" Steckerleisten schützen in den allermeisten Fällen nicht wirklich und da ist ne ordentliche Portion Marketinggewäsch/Kundenfang dabei. Leisten die wirklich einen nennenswerten Schutz bieten gegen Spannungsschwankungen, Blitzschlag und ähnliches aus der Industrie kosten schnell dreistellige Beträge. Klar ist auch bei den günstigen haben besser als gar nichts aber bitte verlass dich nicht darauf dass die Teile im Ernstfall irgendwas retten ;-)
 
@Incredible Alk
Da kann ich dir nur ein riesiges Dankeschön für die ausführliche Antwort aussprechen, hilft mir sehr weiter ?

Wie schütze ich mich denn effektiv vor defekten Steckdosenleisten? Wäre die Sicherung nicht gewesen, dann hätte es auch brennen können. Bei meiner billigen defekten Steckdosenleiste funktionieren die ersten 3 Steckplätze problemlos, die letzten eben nicht. Hätte ich den Defekt nie bemerkt, wäre da eventuell was passiert. Schützt der Ein- und Ausschalter oder sollte man immer den Stecker ziehen?

Dazu eine Frage:

Habe bei den Social Media gesehen, dass man keine Stromkabel direkt nebeneinander platzieren oder knicken sollte (beispielsweise mit dem Fuß vom Gamingsessel rüberfahren), weil die Spannung wohl übergreift. Klingt für mich schwachsinnig, finde auch nichts dazu im Internet.

Eventuell hat noch einer dazu eine Antwort ?
 
Habe bei den Social Media gesehen, dass man keine Stromkabel direkt nebeneinander platzieren oder knicken sollte (beispielsweise mit dem Fuß vom Gamingsessel rüberfahren), weil die Spannung wohl übergreift. Klingt für mich schwachsinnig, finde auch nichts dazu im Internet.
Naja, Vorallem wenn du mit dem Stuhl drüberfährst beschädigst du halt das Kabel. Ist das Kabel defekt und die Adern (das Metall) schaut raus wird es wirklich gefährlich.


Wie schütze ich mich denn effektiv vor defekten Steckdosenleisten? Wäre die Sicherung nicht gewesen, dann hätte es auch brennen können. Bei meiner billigen defekten Steckdosenleiste funktionieren die ersten 3 Steckplätze problemlos, die letzten eben nicht. Hätte ich den Defekt nie bemerkt, wäre da eventuell was passiert. Schützt der Ein- und Ausschalter oder sollte man immer den Stecker ziehen?
Bei der Beschreibung die du oben genannt hast klingt es ehr so als hätte einer der Verbraucher die an der Steckdosenleiste hängen deinen Defekt gehabt und die Steckdose hat als schwächste Glied in der Kette aufgegeben (sollte auch nicht passieren)

Das bei einem Defekt die Sicherung (oder der FI bei anderen Fehlern) fliegt ist ok und gewollt, denn sonnst hättest du tatsächlich schnell mal einen Brand.

Ansonsten kann man schauen das man Steckdosenleisten mit 3,5 kW Belastbarkeit kauft welche die wichtigen Prüfsiegel (CE, DIN und VDE) haben
 
man keine Stromkabel direkt nebeneinander platzieren oder knicken sollte (beispielsweise mit dem Fuß vom Gamingsessel rüberfahren), weil die Spannung wohl übergreift.
Man sollte grundsätzlich Kabel nicht mechanisch beanspruchen/beschädigen (etwa indem man mittm Stuhl drüberfährt) - dafür brauchst kein social Media, das sollte einem der normale Menschenverstand sagen.

"Spannung übergreifen" ist schon mal Schwachsinn. Entweder das Kabel ist so kaputt dass ein Kurzschluss entsteht (wenn sich im Kabelinneren Litzen berühren die das nicht sollten) oder es ist noch nicht so kaputt und es passiert nichts.

Das "nebeneinanderlegen" hat zwar durchaus einen physikalischen Hintergrund (Wechselströme erzegen elektromagnetische Wellen die in anderen Leitungen wiederum Ströme induzieren können) was aber für Stromkabel im Haushalt völlig belanglos ist. Darüber kann man sich im HiFi-Bereich Gedanken machen (hier hört man den Effekt als unerwünschtes Übersprechen von Kabeln die parallel liegen und nicht geschirmt sind) aber für (nicht aufgerollte...) Stromkabel ist das wurscht.

Wie schütze ich mich denn effektiv vor defekten Steckdosenleisten?
Nur Leisten kaufen die das GS und VDE Siegel tragen. Die können zwar natürlich auch kaputt gehen, sind aber viel hochwertigerer/sicherer als der Chinaschrott.
Schützt der Ein- und Ausschalter oder sollte man immer den Stecker ziehen?
Der Ein-/Ausschalter ist ein mechanischer Schalter der den Stromkreis trennt. Der schützt gegen alle Potentiale die nicht hoch genug sind um im Schalter über die Lücke drüberzuspringen. Das dafür nötige Potential ("Funkenstrecke") ist als Faustregel (abhängig von Luftfeuchte usw.) 10 kV pro Zentimeter. Bedeutet wenn die Kontakte bei abgeschaltetem Schalter nen Zentimeter auseinander sind (was viel ist...) würde jede Spannungsspitze mitmehr als 10.000 V in einem kleinen Blitz überspringen bzw. den Schalter durchschlagen. Deswegen schützt eine ausgeschaltete Steckerleiste gegen kleine Spannungspitzen aber nicht gegen einen Blitzeinschlag der weitaus höhere Potentiale bringen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
O.K, hab auch so eine Hugo von Brennenstuhl mit 19500 A Ü-Schutz.
Wenn ich das jetzt richtig gelesen habe ist allerdings die einzige sicher Variante bei Gewitter -> Stecker raus?
 
die einzige sicher Variante bei Gewitter -> Stecker raus?
Ja.

Alles andere reduziert zwar gewisse Risiken aber Sicherheit haste nur durch mechanische Trennung mit größerem Abstand (also "Stecker rausziehen" im Sinne von "Stecker nurn Zentimeter rausziehen dass er keinen Kontakt mehr hat um ihn später direkt wieder reindrücken zu können" was manche machen hilft nicht). Rausziehen und weglegen, etwa auf den Boden vor der Dose, ist safe.
 
Die Leisten können durchaus helfen, man sollte nur nicht zuviel von ihren erwarten. Das ganze ist lediglich der Feinschutz.

Ein guter Überspannungsschutz besteht aus drei Stufen:

1: Der Grobschutz nimmt am Hauseingang den größten Teil der Energie auf und reduziert die Spannung. Früher hat man dafür Funkenstrecken genommen, heute Varistoren. Früher hat man die Spannung mindestens unter 6000V gedrückt, heute schafft man da sogar 1200V.
2: Weiter geht es mit dem Mittelschutz. Der wird in den Verteilern für die einzelnen Stockwerke eingebaut und reduziert die Spannung noch weiter.
3: Zum Schluß kommt der Feinschutz. Der nimmt noch die letzte Energie auf und reduziert die Spannung dann endgültig und sollte für ein sicheres Niveau sorgen. Dieser kann entweder durch Steckdosen in der Wand oder durch solche Steckerleisten ausgeführt sein.

Ergibt es Sinn sich nur eine solche Leiste zu kaufen? Durchaus, zwar hat man gegen große Störungen keinen 100% Schutz (vor einem Blitz, der den direkten Weg in die Hauselektrik nimmt kapituliert sowieso alles), aber man kann einen sehr großen Teil abfangen.

Ein Kumpel von mir wurde während eines Gewitters von einer Störung heimgesucht. PC Netzteil kaputt, im Switch drei LAN Anschlüsse durchgebrannt, im einen Laptop wurde der HDMI und LAN Anschluß gerillt und im anderen nur der LAN Port. Mit Überspannungsleisten hätte das wohl verhindert werden können.

Wann und wie dieser auslöst haste nicht verraten - wahrscheinlich weil der hersteller dazu kaum/keine Angaben macht (das machen die sehr ungern...).

Das ganze ist kein Hexenwerk. Die Dinge bestehen auf drei Varistoren und zwei Thermosicherungen, wenn es hochwertiger ist, dann kommt noch ein Gasentladungsröhchen hinzu.

Im Internet gibt es sehr gute Videos dazu. Bigclive hat das meines Wissens einige auseinander genommen.

(...) und wenn dir ein Blitz reinhämmert lacht der sich über die 13 kA kaputt (dafür bräuchte man mindstens 50.000 A, besser 100.000 A).

Da helfen auch keine 100.000A. Diese Ampere ergeben sich aus einem Normpuls und der Ableitfähigkeit des Varistors. Diese fangen bei etwa 325 Joule an, das sind dann eben die 13.500A Versionen und gehen bis etwa 2kJ, das sind dann die 100.000A Versionen.

Ein Blitz hat aber zwischen 100MJ und 1GJ (je nachdem mit welchem man es zu tun hat). Zum Vergleich: die Kanone des Leopard 2 verschießt ihre panzerbrechenden Wuchtgeschosse mit 13MJ. (das meiste geht natürlich für das Geleuchte im Himmel drauf und die anschließende Ruhestörung)

Wo ein Blitz direkt einschlägt und durchfließt, da wächst kein Gras mehr

Und selbst dann weißt du nicht ob die Leiste was gerettet hat denn die Auslösezeiten sind natürlich nicht angegeben - wenn die leiste erst nach 300 Millisekunden auslöst als Beispiel ist alles an Elektronik im Falle eines Einschlages schon lange kaputt bevor die Leiste reagiert.

Es sind Varistoren, die Auslösezeit beträgt 20μs. Noch schneller sind Dioden, mit 20ns, die sind aber sehr teuer, wenn sie große Ströme ableiten sollen und nach jedem Durchschlag meist hin. Gasentladungsröhrchen haben eine Auslösezeit von 20ms (sofern man sie nicht mit radioaktiven Elementen versieht), dafür können sie sehr große Ströme ableiten und das verhältnismäßig lange. Der Nachteil ist, dass der Lichtbogen erst abreißt, wenn die Stromzufuhr unterbrochen wurde, sprich das Gasentladungsröhrchen läßt die Sicherungen/Leitungsschutzschalter fliegen (ist manchmal gewollt)

"Spannung übergreifen" ist schon mal Schwachsinn. Entweder das Kabel ist so kaputt dass ein Kurzschluss entsteht (wenn sich im Kabelinneren Litzen berühren die das nicht sollten) oder es ist noch nicht so kaputt und es passiert nichts.

Tut mir leid das so sagen zu müssen: aber das ist gefährlicher Schwachsinn.

Man kann einen Draht oder eine Litze so anbrechen das:

1: nur ein kleiner Teil noch Kontakt hat. In dem Fall erwärmt sich das Kabel an dieser Stelle extrem stark, wenn es belastet wird. Solange das Kabel nur mäßig belastet wird (ein Gaming PC zieht meist unter 2A, ist das Kabel unauffällig, wenn es dann belastet wird, gibt es eine böse Überraschung.
2: die beiden Bruchstellen berühren sich nicht oder nur noch sehr unzuverlässig. In dem Fall hat man dann permanent einen Lichtbogen im Kabel und das gibt Ärger.

Gegen das zweite gibt es spezielle Schutzschalter, die das erkennen und dann abschalten, gegen das erste gibt es Rauchmelder und ein geschultes Auge, wenn die richtigen Verbraucher dran hängen.


Genug kluggeschissen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein Kumpel von mir wurde während eines Gewitters von einer Störung heimgesucht. PC Netzteil kaputt, im Switch drei LAN Anschlüsse durchgebrannt, im einen Laptop wurde der HDMI und LAN Anschluß gerillt und im anderen nur der LAN Port. Mit Überspannungsleisten hätte das wohl verhindert werden können.
Nicht zwingende, denn es kann auch gern mal über die Telefonleitung reinkommen und sich dann über die lankabel ausbreiten
 
Ein Blitz hat aber zwischen 100MJ und 1GJ (je nachdem mit welchem man es zu tun hat). Zum Vergleich: die Kanone des Leopard 2 verschießt ihre panzerbrechenden Wuchtgeschosse mit 13MJ. (das meiste geht natürlich für das Geleuchte im Himmel drauf und die anschließende Ruhestörung)
Danke für diesen anschaulichen Vergleich, mit Panzern kann ich was anfangen :daumen: :devil:
 
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