Letztlich leben fiktive Settings - nicht nur, aber sehr stark in Computerspielen - auch davon, dass Charaktere physisch und psychisch überzeichnet sind, weil das entweder für die Story und/oder das Gameplay und oder den visuellen Stil erforderlich ist.

Ich habe die letzten Tage mal ein paar Klemptner beobachtet, und von denen konnte keiner doppelt so hoch springen wie seine eigene Körperhöhe beträgt; Mario hingegen schafft das spielend. Die Kapazität von Lara Croft für die neue Disziplin Marathon-Parcour-Fünfkampf wurde auch noch nicht hinterfragt, ebenso die natürliche Regenerationsfähigkeit beliebiger Shooter-Charaktere. Und hat sich mal jemand den Körperbau der menschlichen Charaktere von WoW angeschaut?

Was die Story von TLOU2 angeht, sehe ich da ebenfalls Etliches kritisch.
Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele Spieler insbesondere den Tod von Joel als solchen nicht verkraftet haben, weil sie diesen aufgrund der gründlichen Charakterausarbeitung, der lange mit ihm verbrachten Spielzeit und seines Überlebens im ersten Teil quasi mit einem Heldenstatus versehen haben, der ihn in den meisten Settings quasi sakrosankt machen würde. Ich denke allerdings, dass Joel schon im ersten Teil als tragische und scheiternde Figur angelegt ist - er trifft immerhin eine egoistische Entscheidung zum Schaden der Menschheit und die Konsequenzen seines Handelns holen ihn ein.
Aber gerade der Umstand, dass es in TLOU keine Darlings und Mary Sues gibt, macht für mich das Besondere der Reihe aus.