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    [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Einleitung und Danksagung:

    Spätestens seit dem Boom der portablen Audio-Player und der .mp3 Anfang des Jahrtausends gehören In-Ears auch für Privatpersonen zum üblichen Haushaltsinventar. Was zuvor nur ein paar wenige Hersteller produzierten, wird nun von jedem erdenklichen Technikunternehmen angeboten und spätestens seit Anfang dieses Jahrzehnts mischen hier auch stark neue chinesische Unternehmen mit, welche sich häufig am Markt behaupten können. Ein exzellentes Beispiel aus dem Premium-Bereich wäre da Heir Audio, im hart umkämpften Budget-Bereich unter 50€ sind derzeit Soundmagic und Xiaomi, letztere fokussieren sich aber nicht auf den Audio-Bereich, sehr beliebt und auch empfehlenswert. Etwas darüber setzen Havi mit ihren B3 an, welche aktuell für etwa 50€ - 60€ inkl. Versand bei etwa eBay oder Mp4nation.net zu haben sind.
    Für die, zugegebenermaßen kleine, Bevölkerungsschicht welche abseits der 20€-Saturn-Stöpsel von bekanntem Hersteller X oder der waren-bei-meinem-Handy-mitgeliefert-Stöpsel Y kauft, oder für all diejenigen die zum ersten Mal den Sprung aus diesem Segment in ein höheres wagen möchten, gibt es, gegensätzlich zu IEM im dreistelligen Bereich, immer ein starkes Überangebot und eine schiere Vielfalt an Produkten, was schnell zu Frustration oder auch dem ein oder anderem Fehlkauf, bewusst oder nicht, führen kann.

    Im Vorfeld dieser Review haben Havi mit ihren B3 Pro I bereits einigen Wind gemacht, im Head-Fi etwa sprechen manche Nutzer davon, das Paar sei besser, als ihre deutlich teureren, von rennomierteren Herstellern gekauften In-Ears, etwa die ehemals 400€ teuren Ultimate Ears UE900 oder auch die 200€ teuren Sennheiser IE8, sowie auch diverse andere, sehr gut klingende Pärchen aus dem dreistelligen Preisbereich.

    Ich besitze selbst ein ähnlich teures Pärchen namens Westone Um-3X (damaliger Kaufpreis 359€), welche mittlerweile von den ähnlich teuren Um Pro 30 in einem Facelift abgelöst wurden. Alleine deswegen, und weil ich immer gerne noch ein gutes Paar für den Notfall in der Hinterhand habe, war ich sehr neugierig auf den Havi, über den alle so schwärmten. Es mag nach einem unfairen Vergleich wirken, dennoch werde ich im Laufe dieser Review den Havi mit dem deutlich teureren Westone-Hörer vergleichen, wie auch mit einigen anderen bekannten Modellen der dreistelligen Preisklasse.

    Dank einer längeren und geduldigen Leihgabe von WaldemarE im September und Oktober dieses Jahres bin ich dazu gekommen, dieses Pärchen für mich, und euch, unter die Lupe zu nehmen.


    Inhaltsverzeichnis

    Technische Daten
    Verpackung, Inhalt und Zubehör
    Tragekomfort, Isolation, Kabelgeräusche
    Klang
    Sounding, Imaging, Bühne, etc.
    Tiefton
    Mittelton
    Hochton
    Fazit

    Technische Daten

    Betrachten wir den Havi zunächst auf technischer Ebene:

    Frequenzgang: 10-20KHz
    THD: <0.1%(Ikhz/100db SPL)
    Impedanz: 32 Ohm
    Empfindlichkeit: 115dB/mW

    Soweit sehen die technischen Daten relativ typisch aus, sie sagen in vielen Fällen auch einfach überhaupt nichts über die Klangqualität aus. Innen besteht der Havi aus zwei dynamischen Vollspektrum-Treibern, was eine bis dato relativ ungewöhnliche Konfiguration ist.
    Bei der Impedanz, beziehungsweise der Empfindlichkeit, frage ich mich nicht ob das lediglich für einen der beiden Treiber gilt - denn: der Havi ist deutlich hungriger und schwerer zu betreiben, als die 115db/mW Empfindlichkeit es vermuten lassen. Um das in's Verhältnis zu setzen: Die mit 60 Ohm und 92db/mW spezifizierten Takstar Hi-2050 benötigten für die gleiche Lautstärke ähnlich viel Spannung - und das trotz der nur grob überschlagen drei mal geringeren Lautstärke bei gleicher Spannung, die sich aus den technischen Daten ergibt.

    Im Praxiseinsatz bedeutet das, dass Handys und portable Verstärker einfach etwas schneller leer sein werden, als beim Betrieb empfindlicherer Modelle, grob aus dem Rahmen fällt der Havi aber definitiv nicht, es ist kein besonders schwer anzutreibendes oder stromhungriges Modell.


    Verpackung, Inhalt und Zubehör

    Die Verpackung des Havi fällt klein und schlicht aus, weniger Oppulent als bereits so manch anderer Konkurrent in der Preisklasse.
    In einem unscheinbaren, durchsichtigen Würfel werden die Havi geliefert, das Kabel verbirgt sich am anderen Ende der Verpackung:
    -imag0482.jpg
    Im Lieferumfang befinden sich eine kleine Tragetasche und drei Aufsätze in den Standartgrößen S M und L.
    Weiterhin gibt es einen erweiterten Lieferumfang, der scheinbar aber auf einzelne Händler limitiert ist. Beeinhaltet werden mehrere verschiedene Aufsätze (z.B. Sennheiser Double Flange, die weißen), eine weitere Tragetasche, einen Kabelclip sowie Reinigungswerkzeug in Form eines Tuchs und eines Reinigungspinsels. Sehr üppig, gerade wenn man den Preis betrachtet.
    -imag0483.jpg


    Tragekomfort, Isolation, Kabelgeräusche

    Gegensätzlich zu den mit bisher bekannten over-the-ear-IEM, welche eine Runde Hülle besitzen, die sich der Ohrmuschel mmn. deutlich besser anpassen, setzte Havi auf eine Eckige Form des inneren Bereichs, also des Bereichs der dann in Kontakt mit den Ohren ist. Bei Havi ist das innen eckig. ECKIG!
    Es sind zwar abgeflachte ecken, aber ich muss wirklich die Entwickler des IEMs in Frage stellen, wieso zum Himmel würde man so etwas eckig machen? Das Ohr ist innen auch nicht eckig. Sieht schick aus, aber form follows function - das hat bei Havi anscheinend keiner mitbekommen.

    -imag0479.jpg

    Resultat dieses Designfehlers und sicherlich auch eines der größten Kritikpunkte, die ich mit dem Havi habe, sind schlechte passive Geräuschisolation und eine unergonomische Anpassung an das Ohr - sowie bei mir (vorsicht subjektiv) ein eher unangenehmes Tragegefühl nach etwa 2 Stunden. Überdies war, das kann natürlich bei anderen Ohren anders sein, aufgrund der eckigen Form ein nicht so tiefes einführen in den Gehörgang wie gewünscht möglich, da die Kanten des Havi das verhinderten, gleichzeitig keine Stöpsel mitgeliefert worden sind, welche tiefer in das Ohr eindringen. Da die Passstücke der Aufsätze recht breit geraten sind, war es mir auch nicht möglich, Etymotic's Triple Flange Aufsätze zu benutzen.
    Gleichzeitig sind die Gehäuse des Havi ein wenig groß geraten, was ihn leider gerade für Menschen mit kleinen Ohren nicht empfehlenswert macht. Bei mittelgroßen und großen Ohren habe ich für das Tragen und Passen weniger Bedenken, bei Kleineren Ohren gab es zumindest im Umfeld ein paar Problemchen, die Teile überhaupt richtig tragen zu können - generell stufe ich die Havi jetzt nicht als gute IEM für kleine Ohren ein.

    -imag0470.jpg-imag0474.jpg


    Links seht ihr die Havi, im Vergleich dazu rechts meine Um3X.

    Das nicht so tiefe Einführen der Havi resultiert in einem schlechteren Halt gegenüber den Westone, simultan sind die für meinen Geschmack etwas zu hoch gebaut worden - stehen also ein Stück zu weit aus dem Ohr heraus. Ergebnis ist, dass zumindest ich sie nicht dafür nutzen konnte, seitlich auf dem Kopf im Bett zu liegen, da die Dinger dann, gegensätzlich zu meinen Westone, stark unangenehm in die Ohren drückten. Gleichzeitig hätte ich mir, statt weniger Höhe etwas mehr Breite gewünscht, sodass das Ohr insgesamt besser ausgefüllt worden wäre - wodurch die Isolation wahrscheinlich wieder zusammen mit dem Halt erhöht worden wäre. Natürlich kann es aber gut sein, dass die beiden Treiber nicht auf einem anderen Raum unterzubringen waren. Wo ich euch aber beruhigen kann, die Havi sitzen fester als die meisten, typischen straight-down-in-ears.

    Löblich war das Kabel, welches sehr wenig Kabelgeräusche von sich gab. Ich hab leider vergessen es abzufotographieren, aber es ist ein Flachkabel, welches allerdings nicht sonderlich fragil wirkt. Der Stecker ist überdies abgewinkelt, die Kabelstränge an den Gehäusen sind, gegensätzlich zu beispielsweise bei Konkurrenzmodellen von Westone oder Shure, nicht verdrahtet oder vorgeformt, sondern locker - wodurch sie sich dem Ohr besser anpassen und unspürbar werden, allerdings auch mal bei zu viel Bewegung nach vorne knicken können, wenn man sich zu schnell bewegt.

    Kommen wir nun aber zum wichtigstem Punkt: Dem Klang.


    Klang

    Ich musste echt lange überlegen, was ich hier schreibe. Ohne viel vorweg nehmen zu wollen, die Havi klingen für ihren Preis so fantastisch, dass man wirklich Schwierigkeiten bekommt, dies angemessen zu beschreiben, auch weil man sich in seiner eigenen Überwältigung bremsen muss und wieder auf den Boden der Tatsachen zurückfinden muss.
    Zu beachten gilt ab hier vor allem, dass sich der Klang von In-Ears maßgeblich durch die Passform beeinflussen lässt - sowohl in als auch um die Ohren. Ergebnisse und Eindrücke, die ich hier schildere, könnten bei einem anderen absolut nicht das wiederspiegeln, der ggf. die "falschen" oder "richtigen" Eartips benutzt.

    Ich fange dieses Mal mit dem Amp-Matching an, da alle nachfolgenden Ergebnisse natürlich auf einem Amp basieren.

    Am HTC One (M7) klang der Havi leicht kraftlos, ergo es konnte untenrum etwas weniger Druck aufgebaut werden, als bei den anderen. Trotz des gleichen DACs wie beim Fiio E07K war, ich kann nur mutmaßen durch die höhere Ausgangsimpedanz des M7, die Bühne etwas größer. An der ASUS Xonar Essence One war der Klang durchaus druckvoller als am HTC One, auch die Bühne war nochmal ein gutes Stück gewachsen. Leider wurde der Klang hier negativ aufgehellt.
    Zuletzt habe ich mich dann für das hauptsächliche testen für den E07K entschieden. Hieran hatte der Havi die kleinste Bühne, allerdings auch den größten Druck im Bassbereich, gleichzeitig wurde der Klang hier (E07K-typisch) etwas verdunkelt, leicht musikalischer. Trotz der kleinsten Bühne an diesem Amp bot er die meisten Vorteile gegenüber den anderen, auch das Imaging war hier subjektiv noch eine Note besser, als bei den beiden anderen.

    Für die winzige Nutzergruppe, die sich jetzt hier über das Amp-Matching Gedanken macht: Generell würde ich dem Havi mehr Spannung geben, die Ausgangsimpedanz hatte subjektiv kaum Einflüsse - ist aber ja auch kein empfindlicher BA, sondern ein Doppeldynamiker. Die allermeisten werden hier ihr Smartphone anschließen, womit sich die Sache dann gegessen hat.


    Sounding, Imaging, Bühne, etc.

    Beim Sounding zeigt sich der Havi Pro I über die Frequenzen hinweg durchgehend relativ neutral. Ich habe leider keine Messungen hierzu gefunden, dementsprechend kann ich nur von meinem subjektiven Eindruck sprechen. Lediglich im unteren Höhenbereich ist er einen Ticken zu stark betont für meine Ohren, der Rest kann sich durchaus als das bezeichnen lassen, was man unter "neutral" versteht. - Innerhalb der als neutral bezeichneten Klasse gibt's immerhin trotzdem noch einige Abweichungen zwischen verschiedenen neutralen Kopfhörern. Der Havi lehnt sich eher auf die kühle Seite, klingt aber nicht wirklich kalt. "Spaßhörer" bzw. "Bassheads" würden sich meiner Einschätzung nach aber eher nicht an diesem Modell erfreuen, für diese Zielgruppe fehlt ein gutes Stück Wärme und gegebenenfalls natürlich auch Tieftonquantität. Generell würde ich zum Havi B3 Pro I eher dann raten, wenn man querbeet oder nicht hauptsächlich Techno und Konsorten hört.

    Beindruckend war, insbesondere wieder in Anbetracht der Preisklasse, die Bühnengröße und Darstellung. Der Havi schafft es einen größeren Raum zu erzeugen, was sehr viele In-Ears auch außerhalb dieser Preisklasse nicht hinbekommen - unter anderem auch mein Um3X, dessen Bühne insgesamt deutlich kleiner ausfällt. Der erzeugte Raum geht allerdings vor allem in die Breite und vernachlässigt Tiefe und Höhe (die ohnehin sehr schwer und sehr selten darzustellen ist) gleichermaßen. Das soll nicht weiter stören, der gesamte räumliche Eindruck ist weitaus besser als alles, was ich bisher im zweistelligen, häufig auch im dreistelligen Preisbereich gehört habe.

    Auch beim Imaging setzt sich der Eindruck weiterhin positiv fort und der Havi überzeugt in seiner Preisklasse absolut. Die große Bühne wird hier durch eine relativ exakte Abbildung der Geräuschquellen im Raum unterstützt und ermöglicht gerade unerfahreneren Hörern ihre Musik in neuen Dimensionen und räumlich differenzierter zu erleben. Leider aber ist hier auch einer meiner größten Kritikpunkte darum, wenn es heißt der B3 sei besser, als so manches aus der 200€+ Klasse - das Imaging ist hier nicht up to par zu dieser Leistungsregion. Der ähnlich kühl klingende, aber drei Mal so teure Etymotic Research Er-4B ermöglicht dem Hörer eine deutlich genauere Reproduktion der Instrumente im Raum. In seiner Preis- und Leistungsregion sucht der Havi allerdings ebenso beim Imaging seinesgleichen. Die ein gutes Stück teureren und auch recht beliebten Shure SE-215 oder RHA MA-750 können hier nicht mithalten, vergleichsweise wären aber die Brainwavz B2 und die Hifiman Re-400 Waterline einigermaßen auf Augenhöhe. Der Havi schwächelt allerdings darum, wenn es darum geht Geräuschquellen in nächster, direkter Nähe zum Hörer abzubilden und stellt diese ferner dar, als eigentlich gedacht.


    Tiefton

    Unter 100€ gestaltet sich die Suche nach einem neutralen IEM sehr schwer. Meistens findet man hier vollkommen übertriebene Bässe vor, die entweder die Unfähigkeit des IEMs kaschieren soll, den Rest des Frequenzspektrums darzustellen, oder eben der Versuch dem typischen Hörer zu gefallen - also mehr Bass als häufig nötig. Kläglich vernachlässigt wird dann häufig noch der tatsächliche Druck, der aufgebaut werden sollte oder könnte.
    Der Havi präsentiert sich hier ungewohnt anders - knackige, druckvolle Bässe sind hier angesagt, gleichzeitig hört man hier ein sehr gutes timing, schnelle, auf den Punkt gebrachte und nicht unnötig verlängerte oder langsame Attack und Decay. In keinem Fall zeigt sich der Havi schlammig oder zu langsam, wobei mit einem Tempo jenseits der 150BPM der Druck etwas nachlässgt, hier würde mehr gehen. Bei Techno oder ähnlichem hat es mir an nichts gefehlt, lediglich bei diversen Punk Rock-Stücken (genauer von: Turbonegro und Blitzkid) hätte ich mir ein Stück mehr Quantität - 2db wären vollkommen ausreichend - gewünscht, um dem Ganzen etwas mehr Farbe zu verleihen.
    Im Tiefbassbereich zeigt sich der Havi genauso gut, er kommt tief runter ohne das Klangbild weichzuwaschen oder den Tieftonbereich überzubetonen, unter 30Hz funktioniert das Ganze allerdings nur noch mit einem doch relativ starken Lautstärkeabfall in diesem Bereich - was nicht weiter schlimm ist, so tiefe Frequenzen finden sich in den meisten Musikstücken einfach nicht.
    Wirkliche Kritik kann ich lediglich bringen, weil der Havi an schwächeren, mobilen Quellen es einfach nicht schafft den Druck aufzubauen, den er an "vollwertigen" Kopfhörerverstärkern aufbringen kann. Unterwegs ist er also im gesamten Bassbereich etwas geschwächt, wobei die Quantität nicht beeinflusst wird, sondern besonders der Druck und Tiefgang, der aufgebaut werden könnte.


    Mittelton

    Im Mittelton geht es ähnlich gut weiter. Durch die nicht übertriebene Menge an Tiefton gibt's auch schonmal keine Probleme mit Bleed oder Bloat. Generell hab ich fast ausschließlich positives über den Mittelton zu berichten, er ist Präsent aber nicht überpräsent, keineswegs anstrengend und behält sich eine gewisse Transparenz vor. Ich kürze das Ganze ab, in dieser Preisklasse ist das, was der Havi abliefert schlichtweg fantastisch, würde er mit einem Kaufpreis von 200€ aufwärts betitelt, hätte ich bestimmt mehr zu meckern, glücklicherweise ist der Havi aber ein "Billigheimer"
    Dennoch ließ manche Textur bei Vocals zu wünschen übrig - Sänger/Innen, die mir sonst mit meinen gewohnten Um3X eine Gänsehaut einjagen, schafften dies beim Havi einfach nicht. In Zusammenhang mit dem mäßigen Imaging im näheren Bereich fehlt eine gewisse Intimität, die manche Stücke beim Hörer aufbauen können. Meines Gehörs nach war außerdem der Bereich um 400 bis 800 hz etwas unterbetont, was gerade tiefen Stimmen noch zusätzlich ein wenig Präsenz und Textur raubte. Gleichermaßen ist der Bereich um 5khz meines Gehörs nach leicht überbetont, wodurch manche (E-)Gitarren manchmal mehr in den Vordergrund rücken, als sie eigentlich sollten.


    Hochton

    Abgesehen von der nun bereits erwähnten, leichten Überbetonung der oberen Mitten / unteren Höhen habe ich hier die allerwenigsten Beschwerden. Der Hochtonbereich zeigt sich für diese Preisklasse ungewohnt gemütlich, nicht aber rezessiv. Allgemein bin ich selbst relativ empfindlich gegenüber Hochton und bevorzuge hier eher Equipment, die im Hochton etwas gemütlicher zur Sache gehen (Beispielsweise Focal Spirit Classic, Audez'e LCD-2 oder meine nun schon zum 100sten Mal erwähnten Um3X)
    Der Havi hingegen schafft die schmale Gratwanderung zwischen einem sehr präsenten, detaillierten, luftigen und transparentem Hochton, ohne auch jemals nur ins Klirren, Hissen oder eben in's Rezessive zu verfallen. Insbesondere das Verhalten im Hochton veranlasst mich dazu, den Havi B3 Pro I durchaus als sehr neutral einzustufen, hier ein großes Kompliment an die Entwickler, die an der Abstimmung der IEMs beteiligt waren. Beyerdynamic oder auch Grado-Fans, die den stärker betonten Hochton allerdings mögen, würden sich hier wohl an etwas zu wenig Präsenz stören, generell habe ich persönlich aber nichts vermisst.
    Wo Licht ist, ist bekanntlich aber auch Schatten - so schafft es der Havi nicht gut genug, schnellere Aneinanderreihungen oder multiple "Konglomerate" aus Hochton detailliert genug darzustellen. Je mehr verschiedene Hochtöne, oder je schneller sie aneinandergereigt werden, desto schlechter werden das Timing und die Differenzierung und die Havi fangen an zu schmieren - ein Problem was viele Kopfhörer im Bassbereich haben, der Havi eben im Hochtonbereich. Kopfhörer, die das gleiche Verhalten zeigen, neigen dann allerdings häufig zum Klirren, dem entgeht der Havi zum Glück.


    Fazit:

    Insgesamt kann der Havi B3 Pro I durchaus stark überzeugen. Über all die oben angesprochenen Probleme kann man ehrlich gesagt bei dem Preis hinwegsehen - denn: Unter 100€ fällt mir absolut nichts mehr ein, was besser ist. Selbst über 100€ kann der Havi locker mit manchen Kopfhörern mithalten, besser als so manche 400€-Modelle, wie in der Einleitung angesprochen und im Head-Fi gelobt, kann ich ihn nicht finden, hier fehlt einfach eine gewisse Feinheit, die solches higher-end Equipment mit sich bringt.
    Auch ist er sicherlich kein Kopfhörer für alle Geschmäcker, durch die Neutralität schließt er eben einen gewissen, aber relativ großen, Interessentenbereich aus - wobei hier erwähnt sein sollte, dass viele es einfach noch nie anders gehört haben, als überquantifizierten, aber nicht druckvollen Bass und sich vielleicht gerade deswegen vor der Neutralität scheuen - oft fehlt hier der Mut zum ausprobieren, da das eigene Gehirn einfach manchmal bestimmte Dinge, die zunächst negativ klingen, kategorisch ausschließt.

    Um mal eine einfache Qualitätseinschätzung zu bringen, der Havi bewegt sich irgendwo zwischen den Niveaus von Hifiman Re-400 und Etymotic Er-4B und kann damit einen richtig sauberen, preisgünstigen Einstieg in die Hi-Fi-Welt bieten.
    Ehrlich gesagt, solange man kein Hardcore-Basshead ist, der sich erst mit ähnlichem Equipment wie einem V-Moda Crossfade M-100 abfinden kann, kann ich ihn uneingeschränkt empfehlen. Denn was der Havi klanglich so abliefert, wäre auch locker das doppelte Preisschild wert uns ist von so manchen Herstellern auch bereits mit einem vierfachen des Preises versehen worden. Und selbst für die Basshead-Nutzergruppe dürfte der Havi B II noch sehr interessant sein, auch wenn klanglich angeblich eine Stufe schlechter als der Pro I.

    Zu hoffen wäre allerdings, dass Havi eine ergonomischere Revision des Havi herausbringt, die sich dem Ohr besser anpasst. Gleichzeitig wäre ein austauschbares Kabel sehr wünschenswert, spätestens dann wäre der Havi eindeutig ein dreistelliges Preisschild wert!

    (fast) uneingeschränkte Empfehlung!
    Geändert von Thallassa (21.11.2014 um 20:59 Uhr)
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  2. #2
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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Review ist nun online. Viel Spaß beim Lesen, bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Sehr sehr gutes Review Danke

    Bald soll ja der Havi B6 kommen der auf deine Wünsche eingeht ^^ http://www.head-fi.org/t/736896/havi-b6 aber wie der klingen wird ist ne andere frage

    edit: Morgen mach ich dann mal ein Bild vom Kabel ^^
    Geändert von WaldemarE (21.11.2014 um 17:20 Uhr)
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  4. #4

    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Schönes Review!

    unter 30db funktioniert das Ganze allerdings nur noch mit einem doch relativ starken Lautstärkeabfall in diesem Bereich
    Da ist dir ein kleiner Fehler untergekommen

  5. #5
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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Zitat Zitat von Jeanboy Beitrag anzeigen
    Schönes Review!
    Da ist dir ein kleiner Fehler untergekommen
    Dankesehr ^^ Ist korrigiert
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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Danke für den Test; notiere ich mir und hoffe auf ein überarbeitetes Modell, das einzelne oder gar alle Kritipunkte behebt. Wenn das nicht halbwegs zeitnah erfolgen sollte, schlage ich trotzdem zu, denn man dürfte für ~47€ wohl kaum bessere IEMs finden (zumindest als Anhänger der "neutralen" Fraktion).
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  7. #7
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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Sehr cool, danke. Auf Innerfidelity hab ich sogar geschaut gehabt, war wohl blind
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  9. #9
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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Ich bin am Überlegen mir die B3 Pro I zu holen.
    Allerdings schreckt mich die Form der Havi ziemlich stark ab.
    Für diese würde jedoch der neutrale Klang sprechen.
    Im Moment nutze ich für zu Hause Shure SRH440 mit denen ich auch sehr zufrieden bin.
    Jetzt brauche ich jedoch auch mal wieder etwas vernünftiges für unterwegs.
    Hören würde ich über mein HTC Smartphone und meinen Sandisk Sansa Clip (Lossless).
    Machen da die Havi überhaupt Sinn, oder würde ich dort zu schlechteren Kopfhörern einen Unterschied hören?

    Abschreckend tut mich letzten Endes eben nur die Form und evtl. die Tatsache, dass ich die KH aus dem Ausland importieren müsste.
    Meine letzten Earbuds (von Creative ) haben gerade mal 1,5 Monate gehalten.

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  10. #10
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    AW: [Review] Havi B3 Pro I In-Ears - Preis/Leistungs-König?

    Was genau stört dich an der Form, das sie als Over the Ear konzipiert sind oder das sie eckig sind? Wenn dir der Havi am Smartphone zu leblos wirkt kannst du später einen KHV wie denn Brainwavz AP001 kaufen. Ich habe auf meine Havis ganz genau 7 Tage gewartet bis sie da waren, wielange es bei mp4nation dauert kann ich leider nicht sagen.
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